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HIGH-ISO-KAMERAS: KAMERATEST: ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST: ISO 100 AUFGEHELLT


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 05.04.2019

Aktuelle Digitalkameras beherrschen meist extrem hohe ISO-Werte, die Aufnahmen bei sehr wenig Licht ermöglichen. Wir wollten wissen, welche Wechselobjektivkameras im Bereich von ISO 1600 bis 25.600 die beste Bildqualität aufweisen und haben die DCTau-Laborergebnisse hierfür neu ausgewertet – mit teils überraschenden Ergebnissen.


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Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 50/2019

ISO 100 AUFGEHELLT


ISO 12.800 AUFGEHELLT


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FOTOS: © ANDREAS JORDAN

Die meisten aktuellen Kameras bieten ISO-Werte bis 12.800, häufig sogar noch ein oder zwei Stufen höher, also 25.600 und 51.200. Rekorde stellt Ricoh mit der Pentax KP und K-1 Mark II auf, die es auf ISO 819.200 bringen, Nikon erreicht bei der D5 sogar ISO 3,2 Millionen – fairerweise aber nur im nicht empfohlenen erweiterten Modus. Solche Rekordzahlen mögen gut für die Werbeprospekte sein, sagen aber nichts über die Bildqualität aus. Mit einer entsprechenden Verstärkung des Restlichts lassen sich bei jeder Kamera fantastische ISO-Werte erzielen; ob man vor lauter Rauschen noch etwas erkennen kann, steht auf einem anderen Blatt. Doch auch ein niedriges Rauschen ist noch keine Garantie für eine gute Bildqualität. Per Rauschfilter lässt sich auch das extremste Rauschen wegzaubern, mit ihm aber auch feine Bilddetails und der Schärfeeindruck, was zu verwaschenen, matschigen Bildern führt. Rauschen alleine sagt also wenig über die Bildqualität aus – erst in Kombination mit der Auflösung lässt sich eine brauchbare Aussage treffen.

Veränderte Auswertung

Im normalen Test bewerten wir die Bildqualität von Wechselobjektivkameras beginnend mit der Grundempfindlichkeit (meist ISO 100) bis ISO 6400. Damit existiert eine gemeinsame Basis für alle Kameras – höhere ISO-Werte als 6400 werden aktuell nicht von allen Kameras im regulären Bereich unterstützt. Für den High-ISO-Test haben wir nun die Laborergebnisse von ISO 1600 bis ISO 25.600 herangezogen. Kameras, welche die höchsten Werte nicht anbieten (beispielsweise Canons Einsteiger-SLRs EOS 2000D und 4000D), disqualifizieren sich von selber.
Die wichtigsten Kriterien bei der Bildqualitätsbewertung sind Rauschen und Auflösung, die wir gleich stark gewichtet haben (jeweils mit 30 Prozent). Es fließen aber wie beim normalen Test auch die Dynamikmessung, die Zunahme des Bildrauschens in den Ecken aufgrund der Vignettierungskorrektur, die Artefakt- und Scharfzeichnungsnote und eine visuelle Beurteilung in die Bildqualitätswertung ein.

SONY ALPHA 7R III, ISO 6400, JPEG


SONY ALPHA 7R III, ISO 6400, RAW


FOTOS: © ANDREAS JORDAN, VORLAGE PHOTOINDUSTRIE VERBAND

Der Ausschnitt aus unserem Testbild (100 % bei 300 dpi) zeigt die Unterschiede zwischen JPEG und Raw. Da die erstplatzierte Panasonic S1R bei Redaktionsschluss noch nicht von Adobes Raw-Konvertern unterstützt wurde, haben wir die zweitplatzierte Alpha 7R III herangezogen.
Bei ihr ist die Bildqualität bei ISO 6400 noch sehr gut. Das Raw hat eine etwas höhere Auflösung, zeigt dafür aber ein feinkörniges Rauschen, das am Bildschirm in der 100-Prozent-Ansicht deutlich sichtbar ist, aber im Raster des Zeitschriftendrucks untergeht.

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass unsere Labortests auf JPEGs und den Werkseinstellungen der Kamera beruhen. Wer Raw fotografiert, kann selber bestimmen wie die Balance zwischen Rauschen und Auflösung aussieht. Die meisten Raw-Konverter lassen in der Grundeinstellung mehr Rauschen zu als die kamerainterne Bildverarbeitung, um feine Details besser zu erhalten.

Vorteil: großer Sensor

Wir haben die besten High-ISO-Kameras in drei Sensorklassen ermittelt: Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds (MFT) – die jeweils fünf besten Kameras stellen wir auf den folgenden Seiten vor. Was schon für unsere normale Auswertung gilt, bestätigt sich prinzipiell auch im High-ISO-Bereich: Für die beste Bildqualität führt kein Weg am Vollformat vorbei. Die fünf besten Kameras erreichen im High-ISO-Bereich eine Bildqualitätswertung von 81 % bis 83 %. Bei APS-C liegen die besten Fünf bei 73 % bis 78 %. Überraschen mag, dass MFT fast auf APS-C-Niveau liegt – hier erzielt die beste Kamera (Panasonic Lumix G9) 76 %. Interessant sind dabei die Details: So kommen die MFT-Modelle bei der gemessenen Auflösung nicht an die besten APS-C-Konkurrenten heran. Vor allem bei ISO 25.600 fällt die Auflösung aufgrund der starken Rauschunterdrückung massiv ab. Das Rauschen haben die MFT-Kameras dagegen generell sehr gut im Griff.
In den drei Tabellen haben wir in Klammern auch die normalen Ergebnisse im Bereich ISO 100 bis 6400 angegeben.

Vollformat

Während im normalen ISO-Bereich die Panasonic Lumix S1R gleichauf mit der Sony Alpha 7R III die beste Bildqualität hat (beide 90 %), liegt im High-ISO-Bereich die Lumix S1R knapp vorne (83 % zu 82 %). Das liegt vor allem daran, dass die S1R die Auflösung auch bei ISO 25.600 noch auf einem hohem Niveau hält (wir haben 26,6 effektive Megapixel gemessen), während die Alpha 7R III hier nur noch 19,2 effektive Megapixel erreicht. Beim Rauschen ist die Lumix sogar schon ab ISO 3200 besser. Wenn es um die reine High-ISO-Bildqualität geht, kann man übrigens getrost zur Alpha 7R II greifen, die den gleichen Bildsensor und eine fast identische Bildqualität hat. Punktgleich landet auch die Canon EOS 5D Mark IV auf dem gemeinsamen zweiten Platz. Auf Platz fünf schafft es die brandneue EOS RP, die bei ISO 25.600 das niedrigste Rauschen (Rauschwert 4,3) unter den Top-5-Kameras hat, dafür aber auch die geringste Auflösung – offensichtlich die Folge einer starken Rauschunterdrückung. Sehr gute Rauschwerte bei ISO 25.600 haben übrigens auch die Canon EOS R (4,1), Panasonic Lumix S1 (4,3), Canon EOS-1D X Mark II (4,4), Nikon Z 6 (4,5) und Sony Alpha 7S II (4,9). Hier verhindern die vergleichsweise niedrigen Auflösungen oder andere Schwachpunkte bei der Bildqualität den Einzug in die Top 5.

APS-C

Während die Vollformatkameras Bildsensoren mit bis zu 47 Megapixeln verwenden, ist bei APS-C aktuell bei 26 Megapixeln Schluss. In die Top 5 haben es allerdings nur 20- und 24-Megapixel-Modelle geschafft. Der erste Platz geht an die vergleichsweise preiswerte Sony Alpha 6300, bei der wir die höchste Auflösung und – zusammen mit der Nikon D7500 – das niedrigste Bildrauschen gemessen haben. Platz zwei belegt die schon etwas ältere Fuji X-Pro2, welche die Auflösung in den hohen ISO-Stufen ebenfalls erfreulich hoch hält, aber ab 12.800 deutlich stärker rauscht. Die neueren Fuji-Modelle rauschen in den höheren ISO-Stufen stärker als die X-Pro2 und schaffen es daher nicht unter die besten Fünf. Den dritten Platz teilen sich die Nikon D7500 und die schon recht alte Canon EOS 7D Mark II. Dass sich die D7500 nicht besser platziert, liegt an der niedrigen Auflösung, die nicht nur auf eine starke Rauschunterdrückung zurückzuführen ist, sondern auch auf eine eher zurückhaltende JPEG-Aufbereitung, was sich wiederum positiv bei den verhältnismäßig guten Artefaktund Scharfzeichnungsnoten bemerkbar macht. Überraschen mag, dass die Nikon D500, also die professionellere Variante der D7500 mit dem gleichen Bildsensor, nicht mindestens so gut wie die D7500 abschneidet. Tatsächlich ist sie bei der Auflösung minimal besser, beim Rauschen aber in stärkerem Maß schlechter. Als letzte Kamera hat es die Alpha 6400 in die Top 5 geschafft. Obwohl sie neuer ist als die 6300 hat sie – wie auch das Top-Modell Alpha 6500 – nicht ganz so gute Auflösungs- und Rauschwerte.

SONY ALPHA 6300, ISO 6400, JPEG


SONY ALPHA 6300, ISO 6400, RAW


FOTOS: © ANDREAS JORDAN, VORLAGE PHOTOINDUSTRIE VERBAND

Bei der Alpha 6300 gehen bei ISO 6400 im JPEG deutlich mehr Details verloren als bei der Vollformatkamera Alpha 7R III. Diese Details sind im Raw zwar noch vorhanden, werden allerdings von einem recht starken Rauschen überlagert.

Micro Four Thirds

Die fünf besten Micro-Four-Thirds-Kameras überraschen mit Rauschwerten, die teilweise sogar besser sind als bei den APS-C- oder Vollformatkameras; dafür sind die Auflösungswerte allerdings deutlich niedriger. Visuell produzieren die meisten MFT-Modelle ab ISO 6400, spätestens ab ISO 12.800 einen verwaschenen Bildeindruck. Am besten macht es die Panasonic Lumix G9, die mit einer Bildqualitätswertung von 76 % das gleiche Ergebnis erreicht wie die zweitplatzierte APS-C-Kamera. Punktgleich landen die Olympus OM-D E-M1X, Panasonic Lumix GX9, GH5 und GH5s auf dem zweiten Platz.
Die Lumix GH5s fällt etwas aus dem Rahmen. Sie nutzt als einzige Kamera in den Top 5 keinen 20-Megapixel-, sondern einen 10-Megapixel-Sensor. Damit hat sie tatsächlich das beste Rauschverhalten, aber auch die mit Abstand niedrigste Auflösung.

Dafür, dass die Lumix G9 den kleinsten Sensor hat, hält sie sich bei ISO 6400 erstaunlich gut. Gegenüber der Alpha 6300 gehen im JPEG noch etwas mehr Details verloren, das Rauschen im Raw ist geringfügig stärker.


FOTOS: © ANDREAS JORDAN, VORLAGE PHOTOINDUSTRIE VERBAND

fM - FAZIT

ANDREAS JORDAN Leitender Redakteur Ressort Test & Technik


Entscheidend für eine gute High-ISO-Bildqualität ist die richtige Mischung aus Auflösung und geringem Rauschen. Wenig überraschend gelingt dies den besten Vollformat-Kameras am überzeugendsten. Die Top-APS-C-Kameras sind beim Rauschverhalten nicht schlechter, was an einem kräftigeren Rauschfilter liegt, der zu Lasten der Auflösung geht.
In noch stärkerem Maße gilt das für die MFT-Modelle, die spätestens oberhalb von ISO 6400 eindeutig im Nachteil sind. Trotz der technischen Fortschritte beim Rauschverhalten aktueller Sensoren gilt aber nach wie vor: Wer die beste Qualität aus seiner Kamera rausholen will, sollte den ISO-Wert nicht zu sehr anheben.
Greifen Sie stattdessen bei statischen Motiven lieber zum Stativ und nutzen Sie bei bewegten Objekten lichtstarke Objektive, um den ISO-Wert niedrig zu halten.