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HIGH-LIGHT BIKES 2023


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MountainBIKE - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 08.11.2022
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Bildquelle: MountainBIKE, Ausgabe 12/2022

Merida

One-Sixty 8000

Mit dem neuen One-Sixty hat Merida bei der Präsentation auf unserem MOUNTAINBIKE TESTIVAL in Brixen mächtig für Furore gesorgt, denn der asiatische Branchenriese mit Entwicklungsabteilung im schwäbischen Magstadt zündet ein echtes (Detail-)Feuerwerk. Doch der Reihe nach: Weiterhin wildert das One-Sixty im Enduro-Segment. In den Größen L und XL ist es als 29"-Bike erhältlich, in den Größen S und M kommt es ab Werk als „Mullet“ mit 29"-Laufrad vorne und 27,5" hinten. Die Bikes aller Größen sind jedoch jederzeit umbaubar, ein Flip-Chip in der Dämpferanlenkung macht es möglich. Je nach Flip-Chip bzw. hinterer Laufradgröße bietet es dann heckseitig 160 mm (29") oder 170 mm Federweg (27,5"). Die Gabeln kommen jeweils mit 170 mm Hub.

Kurz und lang – much fun?

Überhaupt zeigt sich Merida in Sachen Geometrie mutig: Der Lenkwinkel fällt zwar über alle Rahmengrößen mit 64° noch ...

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... vergleichsweise moderat aus, dafür sind die Sitzrohre sehr kurz gezeichnet. Das soll kleinen wie großen Bikerinnen und Bikern ermöglichen, mehrere Rahmengrößen in die Auswahl zu nehmen. Das vordere Rahmendreieck fällt über alle Größen lang aus, ist aber mit einem extrem steilen Sitzwinkel von 79° gekontert. So will das Enduro mit einem spurtreuen Handling glänzen, die Sitzposition soll dennoch aufrecht und kommod ausfallen. Da raucht der Kopf? Für die perfekte Rahmenund Laufradgröße im Hinblick auf verschiedene Fahrstile hält Merida einen Ratgeber auf der Website bereit. Aber auch am Rahmen des One-Sixty gibt es (wie beim kleineren One-Forty, siehe News in dieser Ausgabe) einiges zu entdecken. Oben angefangen, fällt die Zugführung durch den Steuersatz auf, im Tretlagerbereich feiert eine große Serviceklappe Premiere, die sich per 6-mm-Inbus, der in der hinteren Steckachse mitgeführt wird, öffnen lässt. Die Luke bietet einen einfachen Zugang zum Rahmeninnenleben bei Zugverlegung, Service und Co., zudem nimmt hier ein mitgeliefertes Säckchen Platz, in dem nützliche Ersatzteile und Notfallsets mitgeführt werden können. Hinter dem gibt es dann noch einen Montagepunkt für Notfallschlauch samt CO2-Kartusche. Und schließlich steckt im Sattelgestell noch ein Minitool. Kurzum: buchstäblich alles dran, alles drin. Und das nicht besonders leichte Gewicht von 15,1 Kilo relativiert sich angesichts der ganzen Extras.

In die Vollen geht auch unser Testmodell, das One-Sixty 8000, für knapp 9000 Euro. Nebst noblem Rock-Shox-Ultimate-Fahrwerk sind bissige Shimano-XT-Bremsen in Vierkolbenversion verbaut. Die GX-AXS-Funkschaltung stammt aus dem Hause Sram. Bissige Maxxis-Pneus in bewährter Enduro-Ausführung sitzen auf feschen Race-Face-Laufrädern. Ebenfalls an Bord ist eine stufenlos im Hub (maximal 230 mm je Rahmengröße!) verstellbare Vario-Sattelstütze. Preislich startet das One-Sixty mit Aluminium-Rahmen bei 3399 Euro, das Carbon-Topmodell mit Edelausstattung kostet fast 13 000 Euro.

Dieser Trailtanz rockt!

Rauf aufs Rad! Recht kompakt, aufrecht nimmt man im Sattel Platz. Ungewohnt ist wie fast erwartet die Tretposition: Durch den steilen Sitzwinkel und das weit vor dem Tretlager andockende Sitzrohr tritt man gefühlt „nach hinten“. Die Klettereinheit zum Trail-Einstieg meistert das Merida dennoch ausgezeichnet, auch wenn die klebrigen, schweren Maxxis-Pneus weniger rollfreudig sind. Die volle Offenbarung zeigt der Neuling dann auf flowigen wie kniffligen Trails: Mit Leichtigkeit feuert es voran, zirkelt willig um Kehren. Egal ob großer Sprung oder garstiger Wurzelteppich: Das exzellente Fahrwerk hat auf jede Herausforderung die passende Antwort, harmoniert zudem auch prima mit der äußerst laufruhigen, aber auch durchaus wendig-verspielten Geometrie. Mini-Kritik: Der etwas scharfkantige Sattel steht auch abgesenkt durch den steilen Sitzwinkel sehr weit vorne und kann so öfter am inneren Oberschenkel anschlagen.

„Das One-Sixty ist eines der aufregendsten Bikes von Merida aller Zeiten! Es ist rundum gelungen, bis ins Detail durchdacht und macht vor allem bergab richtig Krawall – und Laune. “

LUKAS HOFFMANN, Redakteur

FAZIT: Das neue One-Sixty ist ein tolles, vielseitiges Enduro für epische Tage im Sattel. Handling und Fahrwerk sind top. Es beweist zudem maximale Liebe zum Detail. Wegen der etwas eigenwilligen Geometrie empfiehlt sich eine Probefahrt. ■

Yeti

ARC T-Series T2

„Neuauflagen eines Klassikers sind nicht immer eine Erfolgsstory. Das Yeti ARC hat jedoch das gewisse Etwas und spricht mit vielseitiger Geo auch die breite Masse an.“

CHRIS PAULS, Testchef

In den 90er Jahren fuhren MTB-Legenden wie John Tomac mit dem Yeti ARC am Samstag XC-Rennen – und sonntags Downhill. Ob das 2020 neu vorgestellte ARC diesen Spagat auch bieten kann? Ganz seiner Historie entsprechend, positioniert sich das 29"-Hardtail zwischen den Polen: Für ein Race-Hardtail ist es mit fast 12 Kilo Gewicht ein paar hundert Gramm zu schwer, für ein Trail-Hardtail aktueller Prägung zu zahm – da stehen die Lenkwinkel inzwischen um 65°, nicht bei 67° wie am Yeti. Auch die Parts mit der leichten, aber wenig bissigen und standfesten Sram-Level-Bremse sowie filigraner Fox-34-Gabel sind im gemäßigten Bereich, angesichts des Preises von 6790 Euro in der Wertigkeit okay, aber nicht besonders edel. Dafür ist der Carbon-Rahmen hinreißend! Er ist perfekt verarbeitet und ein Schmuckstück in jeglicher Hinsicht.

Auf dem Trail setzt sich die bewusste Ambivalenz des US-Bikes fort. So sitzt es sich auf dem ARC aufgrund des langen Oberrohrs ganz schön sportlich-gestreckt, und der für ein Hardtail sehr steile 76°-Sitzwinkel „drückt“ einen in eine frontlastige Position. Dementsprechend flitzt das ARC auch bergan, ohne dass – auch wegen der griffigen Maxxis-Reifen – Renngefühle aufkommen. Bergab wird das Yeti dann „geräumig“, man steht sicher auf dem Bike und hat viel Kontrolle. Das Heck ist auf dem Papier kurz, bietet dennoch gute Traktion. Generell steuert man das ARC aber über die Front, die hohe Drehfreude bietet. In schnellem Geläuf überzeugt es aber auch mit gutmütiger Laufruhe dank des präzisen Chassis, sodass es am Ende als Allround-Hardtail für lange Touren genauso begeistert wie für die schnelle Feierabendrunde auf flowigen Trails.

FAZIT: Yetis ARC ist kein extremes Hardtail, es bietet dafür einen breitbandigen Mix aus sportlichem Auftritt und seriöser Trail-Performance. Dazu überzeugen die hochwertige Verarbeitung und das präzise Handling des Kult-Bikes.

Ghost

Riot AM Full Party

Party on! Das verspricht Ghost mit dem taufrischen Riot AM, das mit 160 mm Frontfederweg und 140 mm am Heck sowie 29"-Laufrädern in der All-Mountain-Kategorie angesiedelt ist. Verglichen mit anderen Allroundern haben die Oberpfälzer das Carbon-Fully jedoch kompromisslos auf Bergabspaß gezeichnet: Die Front steht mit 63,5°-Lenkwinkel äußerst flach, der Reach ist über alle Rahmengrößen hinweg üppig gezeichnet, die Kettenstreben wachsen je Größe mit. Auch die Parts wissen zu gefallen, sind teils ungewöhnlich, aber mit Bedacht gewählt: So gesellt sich die selten verbaute, aber extrem starke Formula-Cura4-Bremse zum edlen Fox-Factory-Fahrwerk, dazu gibt es einen schmucklosen, aber funktionalen Shimano-XT/ SLX-Schaltungsmix – und die vollintegrierte Eightpins-Vario-Stütze fügt sich nahtlos ins futuristische Gesamtbild des Riot ein. Für die harte Gangart gewappnet sind die Syntace-Laufräder, auf denen kreuzstabile Maxxis-Reifen samt Schaumstoffeinlage (Pepi’s Tire Noodle) rotieren.

Aufrecht sitzend, „heimelig“ ins Rad integriert, fühlt man sich auf dem Riot AM vom Start an wohl. Generell hat man durch den langen Reach viel Bike „vor“ sich, schon auf dem ersten Trail entpuppt sich die moderne Geo als goldrichtig für spaßige Talfahrten: Das Riot vermittelt Sicherheit pur, liegt auf Highspeed-Passagen auch dank des schluckfreudigen Fahrwerks wie das buchstäbliche Brett. Speziell das Heck begeistert, mit aktivem Fahrstil lässt sich das Ghost spielerisch durch Senken und Steinfelder pushen. Enge Spitzkehren verlangen Nachdruck am Steuer, und im Anstieg will das schwere, aber fair bepreiste Ghost mit strammen Waden bei Laune gehalten werden. Auch die groben Reifen kosten hier spürbar Körner.

FAZIT: Geometrie, Fahrwerk, Ausstattung? Alles top! Das Riot AM ist ein All-Mountain zum Verlieben, im Downhill bietet es Spaß und Potenz ohne Ende. Für ausgedehnte Bergtouren ist es etwas zu behäbig, der Preis ist aber fair.

„Die Trail-Fete kann steigen: Das Riot schafft den Spagat aus spurtreuem und verspieltem Abfahrer nahezu perfekt. Hoch zum Gipfel geht es dafür etwas behäbiger.“

LUKAS HOFFMANN, Redakteur

Canyon

Spectral 125 CF LTD

„Das Spectral 125 ist ein rassiges Trailbike für harte Action. Tourenfans greifen aber besser zum „normalen“ Spectral mit mehr Hub, aber weniger aggressiver Ausrichtung.“

MORITZ SCHWERTNER, Redakteur

Mit dem Spectral 125 schrumpften die Koblenzer ihr eigentliches All-Mountain auf Trailbike-Maße mit 140/125 mm Federweg zusammen. Das limitierte Carbon-Topmodell mit dem Kürzel LTD protzt nun mit dem kompletten Funk-„Ornat“ von Sram- und Rock-Shox-Funk-Ornat, bestehend aus AXS-Schaltung und -Sattelstütze sowie dem elektronisch gesteuerten Flight-Attendant-Fahrwerk. Dazu gesellen sich 29"-Carbon-Rundlinge von DT Swiss sowie Srams bissige Vierkolben-Bremse Code RSC. Gemessen am Gesamtpaket ist das LTD mit 7500 Euro also durchaus fair kalkuliert.

Für ein Trailbike äußerst aggressiv zeigt sich die Geometrie: Lenkwinkel von 64° sind sonst im Enduro-Segment zu Hause, entsprechend lang ist auch der Radstand. Der Reach hingegen fällt zeitgemäß geräumig, aber nicht extrem aus. In Summe führt das bergab zu einem höchst sicheren, spurtreuen Handling, das aber auch jederzeit zum Spielen mit dem Gelände einlädt. Dazu passt die hoch und stabil im Hub stehende, schluckfreudige Pike-Federgabel, die stets Herrin der Lage ist. Im „Nebenjob“ scannt die Gabel via Sensoren den Untergrund und gibt diese Infos an die Flight-Attendant-Steuerzentrale weiter. Dort fließt auch ein, ob man pedaliert oder nicht. Je nach Infostand stellt ein kleiner Motor die Heckfederung automatisch ein: offen, Pedalier-Plattform, Lockout. Das funktioniert wie gewohnt sehr gut und schnell. Allerdings zeigt sich der Hinterbau auch mit ausgeschaltetem „FA“ nahezu wippfrei und eher straff abgestimmt – was zum höchst progressiven Charakter des Bikes durchaus passt. So oder so tritt sich das Canyon auch dank des 76° steilen Sitzwinkels geschickt bergauf. Wirklich flott geht es ob des für ein Trailbike nicht gerade niedrigen Gesamtgewichts und der griffigen Reifen aber nicht voran.

FAZIT: Das Spectral 125 CF LTD ist ein edles und buchstäblich spannend ausgestattetes „Mini-Enduro“ mit sehr progressiver Geometrie sowie Kinematik. Fraglos ein Bike für Könner, weniger für die Genussfraktion.

Radon

Skeen Trail AL 8.0

Alles wird besser, aber auch teurer. Moderne MTBs sind auf einem Entwicklungsstand, von dem man vor zehn Jahren nur träumen konnte. Dennoch haben viele das Gefühl, immer weniger fürs Geld zu bekommen. Während Topmodelle mit Parts ausgestattet sind, die man auch an einem Mars-Rover vermuten könnte, wandeln fast alle erschwinglichen Modelle im schattigen Bereich der Ausstattungskataloge – und fallen entsprechend bleischwer aus.

Radon geht mit seinem neuen Touren- und Trailbike einen erfreulich anderen Weg, setzt dabei zunächst auf Bewährtes: Das Skeen Trail AL kommt mit 29"-Laufrädern/Reifen, 130 mm Federweg an der Front und 120 mm am Bürzel. Generell ist Radon bekannt für geradlinige Designs und Bikes mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis – zumindest was die Ausstattung angeht. Das Skeen Trail AL, das übrigens wie das Merida auf den vorherigen Seiten auf unserem MOUN-TAINBIKE TESTIVAL erstmals gezeigt wurde, macht da keine Ausnahme. Es geht als Topmodell 8.0 für 2699 Euro über den Versender-Tresen. Dafür bekommt man eine Pike-Ultimate-Gabel und den Dämpfer Deluxe Select+ von Rock Shox, Magura-MT-Trail-Bremsen, eine Sram-GX/NX-Eagle-Schaltgruppe, solide Sunringlé-Laufräder und Maxxis-Reifen. Noch preiswerter ist das Skeen Trail AL 7.0 für 2199 Euro.

Ohne Schnickschnack

Dafür spart Radon – auch zum Leidwesen unseres Fotografen – an Details: keine Rahmenöffnung für Ersatzschlauch und Co., keine komplexe Dämpferaufnahme, keine Zugführung durch den Steuersatz, keine Aufnahmen für „On-Bike“-Tools, nicht mal ein Flip-Chip. Klingt alles langweilig? Ist es aber nicht, denn die Wahrheit liegt wie immer auf dem Trail. Und da kann es schon bei der Anfahrt befreiend sein, sich keine Gedanken um Geometrie-Verstellungen oder die vor sich hin faulende Banane im Unterrohr machen zu müssen – keep it simple!

Ausgewogene Geometrie

Dazu passt, dass die Geometrie zwar modern, aber nicht extrem ausfällt, sodass sich auch Einsteigerinnen und Einsteiger schnell zurechtfinden sollten. Der Lenkwinkel steht etwa bei recht „normalen“ 66,5°, die 435-mm-Kettenstreben versprechen Drehfreude, und der Reach beträgt nicht zu kurze 454 mm (in Größe M). Die Sitzposition fällt ebenso ausgewogen aus, man nimmt zentral im Bike aus Bonn Platz und kann auch dank des steilen 76,4°-Sitzwinkels in knackigen Anstiegen ordentlich Druck auf das Vorderrad ausüben. Das hilft auch, wenn man das Rad bei technischen Uphills über Absätze oder Wurzeln „pushen“ muss, wobei die 29"-Räder natürlich willig unterstützen.

Was bei gemäßigten wie steilen Anstiegen negativ auffällt, ist das recht stramme Gewicht von 14,6 Kilo. Hier scheint der kreuzstabile, spürbar steife Aluminium-Rahmen, den Radon bis 115 Kilo Systemgewicht freigibt, zu Buche zu schlagen. Auch das leichte Wippen des 120-mm-Hinterbaus ist nicht ideal, aber tolerabel – oder man greift zum Plattformhebel am Federbein.

Bei der Abfahrt setzt sich der seriöse Auftritt des Skeen Trail fort, das Handling ist berechenbar, mixt Agilität und Spurtreue. Auch durch enge Kurven zir-keln macht Spaß, was bei den kurzen Kettenstreben nicht verwundert. Dazu führt die Pike-Federgabel bar jeder Kritik, auch wenn Radon aus Kostengründen das 2022er Modell mit der älteren „Charger-2.1“-Kartusche verbaut. Trailbike-typisch, wird das Bike bei sehr hohen Geschwindigkeiten etwas unruhig: Zwar steht der Dämpfer im viergelenkigen Heck grundsätzlich stabil und sackt nicht weg, ein Sensibelchen ist er aber nicht. Und bei nur 120 mm Federweg sind die Reserven auf harten Alpen-Trails naturgemäß schnell verbraucht.

„Leicht einstellbares Fahrwerk, stabiler Rahmen, tolle Parts, und das zum kleinen Preis: Das Skeen Trail AL 8.0 ist für mich das perfekte Tourenfully für alle, die in den Bikesport seriös einsteigen wollen.“

PAUL WEINBRENNER, Praktikant

FAZIT: Um Spaß zu machen, braucht ein Bike nicht viel – wie das Skeen Trail AL. Der Verzicht auf Details sowie der Direktvertrieb ermöglichen ein schnörkelloses, absolut robustes Trail- und Tourenfully mit sehr guten Parts und prima Fahreigenschaften.

Cannondale

Moterra Neo Carbon LT 2

Mit frisch geliftetem E-MTB-Portfolio will Cannondale 2023 durchstarten. Neben den All-Mountain-Modellen Moterra Neo mit 150-mm-Fahrwerk und Alu- oder Carbon-Rahmen fahren zwei LT-Modelle vor. LT steht für Long Travel: 170 mm Hub vorne und 165 mm hinten sollen für maximale Schluckfreude in bester Enduro-Manier sorgen, dazu gibt es einen „Mullet“-Aufbau mit 29"-Laufrad vorne und 27,5" heckwärts sowie eine modern-abfahrtslastige Geo mit 64°-Lenkwinkel und üppigem, aber nicht extremem Reach.

Unser Testbike LT 2 mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Heck ist mit 7499 Euro das günstigere der zwei Langhuber. Gespickt ist das über 26 Kilo schwere E-Enduro mit mächtigem Rock-Shox-Fahrwerk inklusive Stahlfederbein, Sram-Code-Bremse, breiten und gripstarken Maxxis-Pneus sowie bunt gemixter Schaltgruppe. Angetrieben wird das E-Bike natürlich nicht nur mit starken Schenkeln, sondern per E-Aggregat: Der Bosch-CX-Motor kommt in aktueller Smart-Ausführung inklusive des großen 750-Wh-Akkus und wird via LED-Remote, Kiox-Display und auf Wunsch per App gesteuert. Wie üblich brilliert der Bosch am Berg mit kräftigem, aber kultiviertem Schub. Das hohe Gewicht spürt man kaum, so effizient drückt der Motor voran. Doch auf dem Trail machen sich die Kilos bemerkbar: In steilen Abfahrten spürt man sie zum Beispiel beim Anbremsen deutlich. Dennoch weiß das Rad bergab zu beeindrucken. Die Kombination aus „fetter“ Gabel mit 38-mm-Standrohren mit dem stahlfedergedämpften Heck bügelt Unebenheiten nur so weg. Während sich der Ballermann in der Luft eher behäbig bewegen lässt, macht sich ansonsten ein feiner Kompromiss aus Laufruhe und Agilität bemerkbar. Das Gewicht ist gut verteilt, das Handling berechenbar.

FAZIT: Nix für Zarte! Das schwere Moterra Neo LT verlangt nach aktiver Fahrweise. Ist es einmal in Fahrt, begeistert es bergab dank ausgewogener Geo und sensiblem Heck. Bergan werkelt das Bosch-Smart-System wie gehabt brillant.

Lust auf mehr?Wir stellen das Moterra Neo Carbon LT 2 auch in unserem Video-Format MOUNTAINBIKE REVIEWvor:

„Mein optisches Highlight ist die rote Dämpferfeder als Akzent – wie im Motorsport. Und hat man sich an das hohe Gewicht gewöhnt, geht es zünftig zur Sache.“

LUKAS ITTENBACH, Volontär