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HIGH SPEED IN DER HITZE: IM RAUSCH DER GESCHWINDIGKEIT


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Von wegen träge Sommer-Räuber – bleiben die Bisse aus, muss der Köder schneller werden! RaubfischexperteChristopher Görg ist der Meinung, dass eine rasante Führung den entscheidenden Unterschied machen kann. Hier zeigt er Ihnen, worauf Sie beim schnellen Spinnfischen achten sollten.


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Bauchige Crankbaits mit ihrem mittig liegenden Schwerpunkt und der geringen Länge eignen sich gut, um extrem schnell geführt zu werden.


FOTOS: C. GÖRG


“ DER WOBBLER WAR SCHNELL – DER BARSCH NOCH VIEL SCH NELLER! „


Damit die Wobbler nicht aus der Bahn laufen oder gar kippen, muss die Öse unbedingt mittig ausgerichtet sein. ...

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Trotz vollem Magen ließ sich dieser Hecht durch einen schnellen Köderlauf zum Biss provozieren.


Egal was ich versuchte, die Räuber ignorierten meine Köder den ganzen Tag. Ob Gummifisch oder Wobbler, ob an der Wasseroberfläche, im Mittelwasser oder am Gewässergrund – es wollte nichts beißen! Ich beschloss, den großen See zu verlassen und steuerte das Boot in Richtung Hafen. Ohne große Erwartungen hatte ich meinen Wobbler zum Schleppen ausgeworfen. Da auch hier nichts beißen wollte und der Weg zum Bootsanleger noch weit war, drehte ich den 5-PS-Motor komplett auf. Den Wobbler ließ ich spaßeshalber noch im Wasser. Keine zwei Minuten später erhielt ich einen brachialen Einschlag in meiner Rute, der durch die schnelle Fahrt des Bootes noch heftiger spürbar war. Kurz darauf konnte ich einen knapp 90 Zentimeter langen Hecht sicher landen. Ich war völlig baff. Hatte ich meinen Köder einfach zu langsam geführt?

15 Minuten später kam die Antwort: Dieselbe Geschwindigkeit, der gleiche Köder – ein 70 Zentimeter langer Zander hatte nun meinen handlangen Hardbait attackiert. Umdenken war angesagt!

RASANTE METERHECHTE

Von meinen geliebten Rapfen war ich es ja gewohnt, dass ab und an die Köderführung etwas schneller ausfallen muss. Als ich mit meinen Gedanken in die Vergangenheit abschweifte, fielen mir noch ein paar weitere Fische ein, die ich mit Höchstgeschwindigkeit fangen konnte. Am Strelasund dachteich einmal, am meinem Gummifisch würde Kraut hängen. Daher kurbelte ich diesen hastig ein. Kurz darauf wurde mir beim Biss fast die Rute aus der Hand gezogen. Genau einen Meter maß der Brackwasser-Hecht. Beim Barschangeln gab es eine ähnliche Situation: Nicht weit von mir entfernt fing es plötzlich an, wie wild zu rauben. Mein Köder war jedoch noch die volle Wurfweite von mir entfernt. Also leierte ich meinen Wobbler ein, so schnell es eben möglich war. Kurz vor meinem Boot packte sich dann ein wirklich dicker Barsch den Köder.

Dicke, bauchige Gummifische bieten viel Wasserwiderstand. Um sie dennoch schnell führen zu können und einer langen Absinkphase entgegenzuwirken, muss der Jigkopf zwei Nummern schwerer ausfallen als bei schlanken Shads.


“SCHNELLES KURBELN BRINGT DEN HECHT.“


Ein Schwanzdrilling ist beim schnellen Jiggen unerlässlich, um zu viele Fehlbisse zu vermeiden.


Nachdem ich mir diese Erlebnisse noch einmal verinnerlicht hatte, bin ich heute häufig mit einer „glühenden“ Rolle am Wasser zu finden und stelle den Räubern mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit nach.

Drei Gründe für überhöhte Geschwindigkeit

Fangen, ohne geblitzt zu werden:

1. Durch die schnelle Köderführung gelingt es dem Angler, in kurzer Zeit eine große Gewässerfläche abzuangeln. Das bedeutet, dass der Köder im selben Zeitraum viel mehr Strecke macht, als bei einer normalen oder langsamen Einholgeschwindigkeit. Umso höher ist also die Chance, dass der Köder an einem beißwilligen Fisch vorbeigezogen wird.

2. Der schnell vorbeihuschende Beutefisch, oder in diesem Fall unser Köder, erregt das Aufsehen der Raubfische. Er weckt ihren Jagdinstinkt und sie versuchen, den vermeintlichen Flüchtling zu fressen. Gerade bei ansonsten trägen Fischen kann so doch noch ein Biss provoziert werden.

3. In Gewässern mit hohem Angeldruck kommt es häufiger vor, dass der Raubfisch den Köder attackieren will, aber dann wieder abdreht. Ich denke, dass erfahrene Fische, die schon einmal Bekanntschaft mit einem Haken gemacht haben, in der Lage sind, zwischen Täuschung und Original zu unterscheiden. Je schneller der Köder im Wasser an einem Raubfisch vorbeizischt, desto schwerer gelingt es ihm, diesen als Imitat zu identifizieren. Bei einer schnellen Beute bleibt dem Räuber nicht die Zeit, diese auf Echtheit zu prüfen. Er muss sofort attackieren, sonst ist der Leckerbissen weg.

Diese drei Punkte animieren sicher jeden dazu, seinen Köder einmal schneller als gewohnt durchs Wasser zu ziehen.

Die Highspeed-Führung funktioniert allerdings nicht mit jedem Köder. Ich persönlich halte Hardbaits und Gummifische für besonders prädestiniert.

Für einen Rapfen kann der Köder nicht zu schnell eingekurbelt werden!


HARTE BROCKEN

Dank seiner Tauchschaufel bleibt ein Wobbler trotz schnellem Tempo mehr oder weniger in der Wassertiefe, für die er ausgelegt ist. Doch nicht jedes Modell ist für hohe Geschwindigkeiten geeignet. Einige brechen aus, legen sich auf die Seite und laufen mit kreisenden Bewegungen unter der Wasseroberfläche. Oft liegt es daran, dass die Einhängeöse nicht mittig sitzt. Mit einer Zange kann dies aber behoben werden. Auch können Sie in einem solchen Fall mit dem Sprengring experimentieren – abbauen, wechseln oder ignorieren und den Einhänger direkt in die Wobbleröse hängen.

Am liebsten verwende ich Crankbaits. Der bauchige Körper verdrängt viel Wasser, was von den Raubfischen gut wahrgenommen wird. Außerdem eignet sich die schnell um die eigene, kurze Achse kippende Aktion gut für hohe Geschwindigkeit.

Auch ein Twitchbait kann schnell und monoton eingekurbelt werden, wobei er durch seine schlanke Körperform weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht als ein dickbäuchiger Crankbait. Aus diesem Grund bevorzuge ich das Twitchen, also das unregelmäßige Schlagen mit der Rutenspit-ze, gepaart mit einem überhöhten Tempo.

Durch den flinken und unvorhersehbaren Lauf des Köders ist es für den Raubfisch jedoch schwerer, die potenzielle Beute zu fixieren. So kommt es bei diesem Führungsstil häufiger zu brutalen Fehlattacken. Den Angelspaß erhöhen diese (Fehl-)Bisse eher, als ihn zu schmälern – schließlich attackieren die Raubfische die sich aufreizend bewegende Beute oft ein zweites Mal.

Crankbaits, Twitchbaits mit nicht zu ausladender Aktion sowie überschwere Gummifische sind ideal für eine extrem schnelle Köderführung geeignet.


TEMPO RAUF, TEMPO RUNTER

Egal ob Crank-oder Twitchbait, manchmal ist es sehr erfolgreich, wenn die Einholgeschwindigkeit des Köders innerhalb eines Wurfes mehrmals variiert. Das heißt, dass der Köder nach einer Phase mit hohem Tempo einfach mal angehalten wird, um eine Sekunde später wieder utopisch schnell durch das Wasser zu schwimmen. Oder aber, dass der Hardbait wie ein um sein Leben flüchtender Fisch schwimmt, dann kurz darauf ein paar Meter im Schneckentempo tänzelt und dann wieder losdüst. Hier ist die Kreativität des Anglers gefragt.

Bei einer hohen Einholgeschwindigkeit kommen die Bisse hammerhart. Daher ist es wichtig, die Bremse der Rolle nicht zu fest einzustellen – sonst kommt es zu Aussteigern.

Wenn Gummifische schnell eingekurbelt werden, laufen sie nur knapp unter der Wasseroberfläche. Sicherlich können so auch Fische gefangen werden, jedoch verwende ich die weichen Köder auf eine andere Art und Weise.

Die Geschwindigkeit erzeuge ich nicht mit der Rolle, sondern mit einem überhöhten Bleigewicht. Das bedeutet, ich jigge den Gummifisch ganz normal über den Gewässergrund – mit dem Unterschied, dass ich ein Bleigewicht benutze, dass für die jeweilige Gewässertiefe deutlich zu schwer ist. Bei einer Tiefe zwischen zwei und vier Metern kommen dann Gewichte von 15 bis 25 Gramm zum Einsatz. Je voluminöser der Köder, desto schwerer muss das Gewicht ausfallen. Diese Art der Führung erfordert einen Zusatzdrilling am Schwanz des Gummifisches. Durch die extrem schnelle Absinkphase kommt es sonst zu vielen Fehlbissen. Mit den überbleiten Gummifischen muss nicht zwangsweise der Gewässergrund beangelt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, ihn im Mittelwasser zu jiggen. Ich greife für diesen Gewässerbereich jedoch lieber auf Hardbaits zurück.

Verhaftet: Trotz oder gerade wegen schneller Absinkphase wurde der Köder vom Räuber brutal attackiert und komplett inhaliert.


FOTOS: C. GÖRG

FOTOS: C. GÖRG