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HIGHLIGHT BIKES 2023


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MountainBIKE - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 04.10.2022

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Bildquelle: MountainBIKE, Ausgabe 11/2022

Bold

Linkin 150 LT

Die kleine Edelmarke Bold aus der Schweiz sorgte bereits vor Jahren für Furore. Grund dafür war (und ist) der im Rahmen versteckte Dämpfer, der Bold-Bikes eine zunächst einzigartige Optik bescherte. Doch so viel Innovationskraft blieb in der Bike-Industrie nicht unbeachtet. 2019 kaufte der ebenfalls in der Schweiz ansässige Radgigant Scott die innovative Boutique-Marke und übernahm das Rahmendesign für sein eigenes Erfolgsmodell Spark.

Bold bleibt eigenständig

Doch Bold bleibt im Scott-Kosmos als eigenständige Marke bestehen und entwickelte jüngst das coole Trail-/All-Mountain-Bike Linkin von Grund auf neu. Statt des stehend platzierten Dämpfers, wie er im Scott Spark und in den Vorgängermodellen des Linkin zu finden ist, stellte Bold für 2022 das neue Linkin mit VPP-artiger Kinematik und liegend im Rahmen verstecktem Dämpfer vor. Dadurch fällt die Silhouette vor allem im Bereich ...

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... des Sitzrohrs deutlich schlanker aus. Weiterhin erreicht man den Dämpfer über eine Klappe am Tretlager, um das Setup zu erledigen.

Neu ist auch das „Safe-the-day“-Kit. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Tools und Co., die im Unterrohr und Tretlagerbereich sowie in der Hinterradachse zu finden ist. Das Kit besteht aus Multitool mit Kettennieter, Ersatzschlauch, Minipumpe, Reifenheber, Stauraum für Kettenschlösser und einem gut in der Hand liegenden Werkzeug mit 6-mm-Inbus, Torx T25 und T30. Alles zusammen wiegt stolze 520 g, macht einen aber auch für fast jede Panne gerüstet.

Damit das Setup am Linkin leicht fällt, ist am Tretlager ein „Sag“-Indikator angebracht.Und auch auf eine Verstellung der Geometrie via Flip-Chip und variablen Steuerrohrwinkel wurde nicht verzichtet. Neu für Bold ist schlussendlich das vom Lenker aus verstellbare Fahrwerk. Wie von Scott bekannt, sitzt ein Remote-Hebel auf der linken Seite des Lenkers, über den „on the fly“ der Dämpfer gestrafft und blockiert werden kann. Auch die mit üppigem Hub versehene Vario-Sattelstütze wird von dort gesteuert. Das alles kombiniert Bold mit einem formschönen, raffiniert verarbeiteten Carbon-Rahmen, der auf 29"-Rädern die Trails unsicher machen soll.

Auf der Eurobike 2022 stellten die Schweizer nun gleich die nächste Ausbaustufe vor. Die Linkin-LT-Version kommt hinten weiterhin mit 150 mm Federweg, bekommt vorne aber mit der neuen Rock Shox Lyrik Ultimate 10 mm mehr an Hub spendiert – perfekt für anspruchsvolle All-Mountain-Einsätze. Abgerundet wird das Ganze mit Anbauteilen aus dem Scott-Sortiment wie dem einteiligen Syncros-Carbon-Cockpit, das Vorbau und Lenker verschmelzen lässt. Als Schaltung fungiert die elektronische Sram GX AXS, dazu gibt es Shimano-XT-Stopper sowie DT-Swiss-Alu-Laufräder, auf denen Maxxis-Minion-DHF-Reifen sitzen. Das ist alles bar jeder Kritik.

Doch überzeugt das schicke Bold auch auf dem Trail? Ja! Mit moderner, progressiver Geometrie – 63,8°-Lenkwinkel (in flacher Position), kurzerHinterbau, moderat-langer Reach von 483 mm bei Größe L – rockt das Linkin LT vom ersten Meter an. Die Fahrerin oder den Fahrer platziert es mittig auf sich, sodass sich sofort ein wohliges Gefühl einstellt. Dass man auf einem mit viel Federweg versehenen, eher aggressiven All-Mountain Platz nimmt, spürt man dabei zunächst gar nicht, das hohe Gewicht von über 15 Kilo aber schon, etwas zäh rollt es voran. Gut hingegen: Im Anstieg hilft das Vario-Fahrwerk enorm. Schon in der mittleren Stufe des Trac-Loc-Hebels hebt sich das Heck leicht an, und man tritt in effektiver Sitzposition in die Pedale. Neigt sich der Trail gen Tal, ist es mit der Zurückhaltung dann eh vorbei, mutig wirft sich das Bold hinab. Das Fahrwerk arbeitet aufmerksam, wenn auch sportlich-straff. Das Bold will hart gefahren werden, dann gibt der Hinterbau den Federweg gönnerhaft frei. Die höchst stabil im Hub stehende Lyrik-Gabel passt bestens dazu, ebenso die griffigen Reifen.

1| Tool to go: Am Tretlager befindet sich ein Miniwerkzeug von Syncros mit Kettennieter und Co.

2| Hinter der Klappe am Tretlager sitzt der Dämpfer, der über Luftdruck-, Zugstufen- sowie Low-Speed-Druckstufenverstellung verfügt. Letztere ist schwer zugänglich.

5| Das hohe Gewicht des All-Mountains resultiert auch aus dem ganzen Zubehör „im Bike“. Alles zusammen wiegt 520 g!

3| Aus dem Unterrohr lässt sich bei geöffneter Klappe der zweite Teil des „Safe-the-day“-Kits ziehen – mit Pumpe, Schlauch und Fach für Kleinteile.

4| Der „Sag“-Indikator hilft beim Setup der Hinterbaufederung.

6| Vorne bietet das LT mit 160-mm-Gabel etwas mehr (10 mm) Hub als das Standard-Linkin.

5| Die kleine, elegante Führung bewahrt vor Kettenabwürfen.

„Die harte Gangart, die das Bold Linkin LT fordert, liegt mir. Cool ist die Detailverliebtheit, mit der die Bold-Ingenieure demLinkin das gewisse Etwas verleihen.“

JENS KRAFT, Testfahrer

FAZIT Bold toppt mit dem Linkin LT sein Erstlingswerk noch einmal und gehört auch unter dem Scott-Dach zu den spannendsten Marken. Das All-Mountain begeistert mit extrem detailreichem Rahmen, exzellentem Handling und hohen Nehmerqualitäten.

Ghost

Path Riot LTD

Weniger Power und doch mehr Spaß? Light-E-MTBs (siehe auch S. 74) sind immer stärker im Kommen. Die Neulinge bieten im Vergleich zu „klassischen“ E-MTBs einen spürbar schwächeren Antrieb mit einem maximalen Drehmoment um 50 Nm, verbrauchen so aber auch weniger Strom und kommen mit einem kleineren Akku aus. Das spart Gewicht, Werte unter 20 Kilo sind locker machbar, sodass die Agilität auf Niveau unmotorisierter Mountainbikes liegen soll – was speziell Trailfans begeistern dürfte.

Viel Spaß mit Fazua-Power

Ghost präsentiert mit dem Path Riot nun sein Erstlingswerk in der trendigen Kategorie. Die Oberpfälzer sind dabei einen spannenden Entwicklungsweg gegangen: Vom ersten Entwurf an wurden zwei Bikes, eines mit Motor (Path Riot) und eines ohne (Riot), in Waldsassen parallel konzipiert. Wenig verwunderlich, dass die Newcomer in Sachen Optik und Geometrie nah beieinanderliegen, teils sogar identisch sind. Ghost verspricht zudem, dass sich das Fahrverhalten nur in Nuancen unterscheidet – und die Einstiegshürde in die Welt des E-MTBs auch für eingefleischte „Pushbiker“ niedrig ist.

Neben Fahrerin oder Fahrer steht aber auch im Path Riot der Motor im Mittelpunkt. Hier setzt Ghost auf das neu vorgestellte System von Fazua namens Ride 60. Der kleine, sehr leichte Motor bietet dabei in drei Stufen (Breeze, River, Rocket) ein für einen „Minimal-Assist“-Motor recht stolzes maximales Drehmoment von 60 Nm. Cool: Betätigt man den Bedienhebel während der Fahrt in höchster Stufe, schiebt der Motor für zwölf Sekunden mit kräftigen 450 Watt. So sollen auch steile Kletterpassagen kein Problem sein. Über die Fazua-App bekommt man die wichtigsten Infos, das minimal gehaltene LED-Display auf dem Oberrohr teilt lediglich Akkustand und Unterstützungsstufe mit. Fest verbaut ist der 430-Wh-Akku. Insgesamt soll das Fazua-Paket nur 4,2 kg Mehrgewicht bringen. Optional gibt es einen 210-Wh-„Range Extender“, der im Trinkflaschenhalter Platz findet.

Mit Rückenwind auf die Trails

Ab März 2023 ist das Path Riot laut Ghost zu Preisen ab 7000 Euro erhältlich. Alle Modelle kommen mit Carbon-Rahmen samt integrierter Eightpins-Vario-Sattelstütze und 29"-Laufrädern. Federwege bis zu 160 mm an der Gabel sind möglich, hinten stehen 140 mm zur Verfügung. Das Testmodell LTD kommt mit 150-mm-Gabel und ist als Highend-Variante für 10 000 Euro mit feinsten Parts garniert: Shimano-XTR-Schaltgruppe, bissige Formula-Cura-4-Bremse, DT-Swiss-Carbon-Laufräder samt Reifen-Inserts und Syntace-Cockpit.

Ab ins Gelände! Aufrecht und zentral nimmt man auf dem Ghost Platz, auch wenn das Oberrohr eher lang gezeichnet ist. Auf technischen Trails brilliert das Path Riot dank flach-langer Frontpartie mit 64°-Lenkwinkel sowie üppig gezeichnetem Reach (470 mm in M) mit hoher Spurstabilität, zeigt aber auch eine ordentliche Portion Agilität. Natürlich auch, weil es mit 17,5 Kilo für ein E-MTB ein Fliegengewicht ist. Highspeed-Passagen meistert das Path Riot ebenso mit hoher Souveränität. Das für ein All-Mountain nicht üppig bemessene Fahrwerk „haushaltet“ prima mit seinem Heckfederweg und bietet stets genug Reserven. Geht es bergauf, arbeitet der Fazua-Motor diskret, aber durchaus hörbar. Wie nahezu alle Light-E-MTB-Motoren mag auch das Aggregat aus Ottobrunn lieber höhere Trittfrequenzen, es fühlt sich im Vergleich zu den anderen „Winz-Motoren“ aber erstaunlich stark an. In Steilstücken hilft zudem die Boost-Funktion, die ordentlich Nachdruck bringt. Stichwort Reichweite: Rund 950 Hm sind auf höchster Unterstützungsstufe drin. Und auch ohne Motorunterstützung fährt sich das Ghost klasse, über 25 km/h koppelt der Antrieb sanft aus. Überhaupt zeigt sich der Motor kultiviert, wenn auch nicht ganz so feinfühlig wie der neue TQ.

1| Per ringförmigem Remote ändert man die Unterstützungs-Modi, zudem lässt sich ein zwölf Sekunden langer Extra-Boost aktivieren.

2| Die vollintegrierte Vario-Sattelstütze sorgt für eine cleane Optik und bietet bis zu 212 mm Hub.

3| Der VPP-artige-Hinterbau lässt das Ghost sehr feinfühlig agieren, im groben Geläuf bietet er ausreichend Reserven.

4| Am Ladeport wird auch der optionale „Range Extender“ mit 210 Wh, der im Flaschenhalter Platz nimmt, angestöpselt.

5| Das Path Riot LTD bietet 150 mm Federweg vorne und 140 mm am Heck, kommt mit Carbon-Rahmen und kostet glatt 10 000 Euro.

6| Die LED-Farbe gibt Meldung über die gewählte Unterstützungsstufe. Per Klappmechanismus kann man einen USB-C-Ladeport hinter der Anzeige erreichen.

„Luftiger Auftritt, hohe Reichweite, überraschend starker Motor, klasse Fahrwerk und geringes Gewicht – das Path Riot ist ein gelungenes, vielseitiges Light-E-MTB.“

JENS KRAFT, Testfahrer

FAZIT Mit dem Path Riot stellt Ghost ein innovatives Light-E-MTB auf die Stollen, das gertenschlanke 17,5 Kilo wiegt. Bergauf wie bergab zeigt es sich herrlich leichtfüßig. Der kraftvolle Fazua-Motor gefällt, ebenso der vergleichsweise große Akku.

Santa Cruz

5010 C GX AXS

„Das teure 5010 fährt sich fast schon unverschämt souverän auf ruppigen Trails, feuert aber auch verspielt um Kehren. Bergauf geht es dafür gemütlicher zu.“

LUKAS HOFFMANN, Redakteur

Das 5010 ist bei den Kaliforniern traditionell für spaßige Trail-Ausfahrten konzipiert. Bei der inzwischen fünften Generation setzt Santa Cruz nun auf 140 mm Federweg an der Gabel, am Bürzel sind es 130 mm. Apropos: Das Motto am Solo lautet nun: „Business in the front, party in the back.“ Für ein würziges Fahrverhalten kommt es nämlich nun statt im reinen 27,5"-Trimm mit 29"-Vorder- und 27,5"-Hinterrad. Die Geometrie hat die US-Kultmarke entsprechend angepasst und modernisiert, sie lässt sich per Flip-Chip in der Dämpferaufnahme noch feinanpassen. Weitere Neuerungen? Neben einem Guckloch im Rahmen, das am massiven Hinterbau den Blick auf den Dämpfer freigibt und so das Setup erleichtert, findet sich ein kleines Staufach im Unterrohr, in dem Werkzeug und Co Platz finden. Preislich startet das 5010 bei 5400 Euro, unser Testbike mit Reserve-Carbon-Wheels, Rock-Shox-Select-Plus-Fahrwerk und elektronischer Sram-GX-AXS-Schaltung kostet 9699 Euro. Auf dem Trail schießt das Bike trotz des nun größeren Vorderrads und verlängerter Kettenstreben immer noch so flink um jede Kurve, wie man es vom 5010 gewohnt ist. Das frivole Handling bittet bei jeder Unebenheit zum Sprung, während sich ruppige Passagen herrlich unaufgeregt meistern lassen. Neben dem 29"-Rad an der Front trägt der stabile, „berechenbare“ Hinterbau zum souveränen Fahrgefühl bei. Die 130 mm Federweg, die das Heck bietet, fühlen sich nach weitaus mehr an, sind bergauf aber auch bei schweren Tritten wipparm. Eingebremst wird der Vortrieb durch die weniger rollfreudigen, dafür gripstarken Maxxis-Pneus. Auch das Gesamtgewicht von 14,7 Kilo ist für ein 9000-Euro-Bike ganz schön hoch geraten.

FAZIT Das 5010 hat seinen Spieltrieb bewahrt, unterstreicht dabei seine abfahrtsorientierten Gene. Der detailreiche, wertige Rahmen begeistert. Für lange, ausdauernde Touren fällt das teure 5010 allerdings (zu) schwer aus.

1| Per Flip-Chip in der Dämpferaufnahme lässt sich die Geometrie des 5010 auf Wunsch feintunen. Ein Fender schützt den verschachtelten Hinterbau vor Dreckbeschuss.

2| Die Reserve-Carbon-Laufräder kommen mit lebenslanger Garantie und mit Ventilen, die dank spezieller Ventilkerne nicht durch Dichtmilch verstopfen können.

ARC8

Essential XT

Im Portfolio der jungen Schweizer Boutique-Marke ist das Essential der jüngste Spross. Das 29"-Trailfully mit Voll-Carbon-Rahmen bietet 140 mm Federweg vorne und 130 mm hinten. Dabei verzichtet die Hinterbaukonstruktion auf eine klassische Umlenkung mit Wippe und Co. Stattdessen hat Arc8 einen Führungszylinder entwickelt, der als Dämpferanlenkung fungiert und über den kompletten Hubbereich hinweg eine optimale, eher lineare Kinematik bereitstellen soll. Zudem ersetzen gezielt flexende Heckstreben das hintere Gelenk. Weiteres Schmankerl: Gesteuert wird über ein kurz-breites Monocoque-Carbon-Cockpit. Mit unter 12 Kilo fällt das Bike dann auch gemessen am Federweg richtig leicht aus. Und das, obwohl Arc8 bei der Ausstattung des mit 5300 Euro sogar relativ preiswerten Testbikes auf Highend-Parts verzichtet. Interessant: Die Schweizer verbauen vorne wie hinten große 203-mm-Discs, an der Front in einer 4-Kolben-Bremszange, heckwärts mit zwei Kolben.

Platz nehmen! Die Sitzposition ist durch das eher kurze Oberrohr, den Stummelvorbau und das niedrige Steuerrohr ungewohnt gedrungen, durch den steilen Sitzwinkel kommt aber viel Druck aufs Pedal. Auch der antriebsneutrale Hinterbau gefällt, die leichte Laufrad-Reifen-Kombi beschleunigt feurig. In Summe ist das Arc8 für ein Trailbike am Berg brutal stark – es zaubert aber auch im Downhill dank hoher Laufruhe (für die Kategorie sehr flacher Lenkwinkel) ein Lächeln ins Gesicht. Die breiten Reifen sorgen für Grip, der potente Fox-Dämpfer mit Ausgleichsbehälter performt super, sorgt aber dafür, dass in den formschönen Carbon-Rahmen nur eine kleine Trinkflasche passt.

FAZIT Für ein Trailbike fährt das Arc8 Essential richtig flott bergauf. Im Downhill rockt es mit seiner modernen, etwas speziellen Geometrie den Trail. Verglichen mit der Konkurrenz nicht nur leicht, sondern auch bezahlbar.

1| Das geringe Gewicht des Rahmens kommt zum einen durch das spezielle „Slider“-Dämpfer-System und durch den Einsatz von Flex-Streben statt schwerer Lager.

2| Die Leitung zur Hinterradbremse sowie die Züge für Vario-Stütze und Schaltzug laufen direkt durch einen Steuersatz von Acros. Das sorgt für eine aufgeräumte Optik.

„Für Trailbike-Verhältnisse ist das Arc8 eine Rakete bergauf, das geringe Gewicht ist deutlich spürbar. Die Geo ist speziell – aber für den Downhill sehr cool.“

LUKAS ITTENBACH, Volontär

Trek

Fuel EX 9.9 XX1 AXS

„Ist der Uphill erst mal geschafft, weiß das Fuel EX voll zu überzeugen. Ich konnte mit dem Bike auf Anhieb eine neue Bestzeit auf einem meiner Lieblingstrails aufstellen.“

LUKAS ITTENBACH, Volontär

Nach dem Light-E-MTB Fuel EXe kommt nun die Neuauflage des Fuel EX – ohne Motor natürlich. Sieben Modelle ab 3699 Euro gibt es, uns konnte Trek zunächst „nur“ das Topmodell mit Sram-Funkschaltung und -stütze, Carbon-Laufrädern sowie Fox-Factory-Fahrwerk für aberwitzige 12 999 Euro senden. Neben der Nobelausstattung glänzt das Trek mit Details: So gibt es ein Staufach im Unterrohr und einen massiven Unterrohrschutz, der das Bike im Lift und auf dem Trail schützt. Außerdem versteckt sich ein Minitool im Gabelschaft. Das hingegen klapperte in unserem Test lautstark – da sollte Trek nachbessern.

In Sachen Geo und Fahrwerk hat Trek das Fuel EX ordentlich geschärft. Vorne stehen 150 mm Federweg parat, hinten 140 mm. Via Flip-Chip lassen sich Lenk- und Sitzwinkel um 0,5° sowie die Progression des Fahrwerks verstellen. Damit nicht genug: Per Steuersatzschale lässt sich der Lenkwinkel um ein Grad flacher oder steiler stellen. Auch als „Mullet“ lässt sich das US-Fully aufbauen. Wir sind es so gefahren, wie es ab Werk kommt: 29", Link auf „low“, Steuersatz „neutral“.

Überraschend ist das hohe Gewicht: 14,6 Kilo inkl. Tool sind gemessen an Kategorie und Preis buchstäblich ein Pfund. Entsprechend geht es eher zäh voran und bergauf. Dass das Fuel EX mehr kurzhubiges All-Mountain als leichtfüßiges Trailbike ist, beweist es auch bergab. Das Fahrwerk funktioniert tadellos, bietet für den Federweg üppige Reserven, die dicke 36er-Federgabel sorgt an der Front für Stabilität. Auch das Handling brilliert: Das Fuel EX liegt supersatt und sicher, fährt sich dennoch angenehm spielerisch. Ruppige Passagen machen genauso viel Laune wie flowige Sektionen mit Anliegern und Jumps.

1| Im Gabelschaft versteckt sich ein schickes Minitool, das viele Funktionen bietet: Inbus-Schlüssel, Torx T25, Schlitzschraubenzieher und sogar ein Kettennieter sind an Bord.

2| Der kleine Stauraum im Rahmen bietet Platz für Schlauch, Kartusche und Reifenheber, lässt sich aber auch anders nutzen. Regenjacke? Passt! Gummibärchen? Auch ...

FAZIT Paradedisziplin des Fuel EX ist nicht das Klettern. Doch im Downhill ist es eine Macht und vermittelt selbst auf ruppigen Trails das Gefühl, alles im Griff zu haben. Ausstattung und Details sind extraklasse, der Preis ist es aber auch.

Moustache

Samedi 29 Game 5

Moustache haben sich voll und ganz E-Bikes verschrieben, unmotorisierte Räder gibt es bei den Franzosen nicht. Das Samedi 29 Game 5 zielt mit 170/160 mm Federweg und bärenstarkem Bosch-CX-Motor auf Enduristi, die viel Power zum Einstiegspreis suchen. Da muss ausstattungsseitig zwangsläufig der Rotstift angesetzt werden. Die Deore-Vierkolbenbremse von Shimano, die XT/Deore-Schaltung mit FSA-Kurbel sowie die mit hauseigener Felge und günstigen Shimano-Naben ausgestatteten Laufräder verrichten ihren Dienst glanzlos, aber funktional tadellos. Erfreut schweift das Auge über die langhubige, „fette“ Domain-Federgabel, die jedoch eine Druckstufenregulierung zur feineren Abstimmung vermissen lässt. Gleiches gilt für das hauseigene Moustache-Federbein, das nur per Luftdruck und Zugstufe abstimmbar ist, sonst nur eine zuschaltbare Plattform bietet.

Aufrecht und bequem nimmt man auf dem knapp 25 Kilo schweren Langhuber Platz, die Sitzposition ist trotz des langen Oberrohrs tourig-bequem gehalten. Im Uphill spielt der Bosch-Motor einmal mehr seine enormen Stärken aus, er zieht mit Verve gen Gipfel, ist dabei aber auf harmonischen Schub gepolt. Auf dem Trail rasiert der „Bart“ dann recht ordentlich. Bei Einhaltung der empfohlenen Luftdrücke bleiben Front und Heck erstaunlich ruhig und nutzen den Federweg super aus. Der hauseigene Luftdämpfer zeigt dabei aber gar zu gute Nehmerqualitäten, er rauscht aufgrund mangelnder Progression durch den Hub und kommt im groben Gelände recht früh ans Limit. Ganz anders die potenten, klebrigen Maxxis-Reifen, die viel Fahrsicherheit vermitteln und nahezu „ausbruchsicher“ sind.

FAZIT Das Game 5 bringt seriösen Fahrspaß fürs Geld, ist glanzlos, aber funktional ausgestattet und bringt Enduristen dank des starken Motors flott zum Trail-Einstieg. Das sensibel ansprechende Federbein kommt schnell an seine Grenzen.

1| Die preiswerte Domain R arbeitet sensibel, lässt aber eine Druckstufenregulierung vermissen. Da sie hoch im Hub steht, neigt sie dennoch kaum zum Wegtauchen.

2| Der hauseigene Dämpfer arbeitet ebenfalls feinfühlig, nutzt den Federweg super aus, es fehlt ihm aber etwas an Progression. Bei Drops kommt er ans Limit.

„Das sensible Fahrwerk klebt auch bei schnellen Schlägen sehr gut am Trail, im Groben könnte der Hinterbau aber mehr Reserven bieten.“

CHRISTIAN ZIMEK, Redakteur