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Highlights 15.–28.9.


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tip Berlin - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 14.09.2022

Stadtleben

Artikelbild für den Artikel "Highlights 15.–28.9." aus der Ausgabe 19/2022 von tip Berlin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: tip Berlin, Ausgabe 19/2022

Karneval der Zukunft

UMWELT-DEMO Alle reden von der Inflation – aber was ist mit dem Klimawandel? Um daran zu erinnern, dass uns die Erwärmung der Welt, die Vermüllung von Landschaften und Meeren und das Artensterben noch viel mehr treffen werden als die derzeit steigenden Preise, haben sich verschiedene Kultur- und Umweltgruppen aus Neukölln nun zum zweiten Mal zusammengetan, um ihr Anliegen auf die Straße zu tragen. In ihrem Karneval für die Zukunft ziehen diese Initiativen vom Rathaus Neukölln über den Hermann- bis hin zum Oranienplatz – dabei sind auch Jugendgruppen und Schulklassen. Man wird selbstgebaute Großpuppen sehen sowie gerettete Kleidung. Künstlerisch untermalt wird das Ganze von Maskentheater und Sambagruppen.

Rathaus Neukölln (Start) Karl-Marx-Str. 83, Neukölln, Sa 24.9., 14–18 Uhr,

Berlin Marathon

LEICHTATHLETIK Exakt 42,195 Kilometer durch Berlin zu traben ist kein ...

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... Pappenstiel. Egal, ob man nun den Rekord von Eliud Kipchoge (KEN) brechen will (2:01:39 Stunden). Oder hoffen muss, noch vor dem Besenwagen ins Ziel zu kommen. Die Unterstützung des Publikums ist gefragt! Nach vier Jahren Pause tritt Kipchoge übrigens wieder an. Und trifft mit Guye Adola (ETH) auf einen weiteren Favoriten. Bei den Frauen machen sich u.a. Keira d’Amato (USA) und Maurine Chepkemoi (KEN) Hoffnung auf Trophäen.

Straße des 17. Juni (Start), zwischen Brandenburger Mitte, So 25.9., 9–17.30 Uhr,

It’s complicated!

PODIUMSGESPRÄCH Passen Frauen und Männer eigentlich überhaupt zusammen? Denn Frauen, so haben Forschungen ergeben, litten in Partnerschaften eher unter Verlustängsten – während Männer Angst vor Bindungen hätten. Wie Heteropaare trotzdem zusammenfinden und -bleiben können, bespricht Wieland Stolzenburg, ein Psychologe und Experte für Beziehungsfragen, mit der Journalistin und Soziologin Brenda Strohmaier. Das Publikum hat die Möglichkeit, (auch anonyme) Fragen zu stellen.

Urania An der Urania 17, Tempelhof-Schöneberg, Fr 23.9. ab 17.30 Uhr, 11/6 €,

Woka-Kuma-Festival

FESTIVAL Rund 60 Volksgruppen leben in Burkina Faso, dem Land der aufrechten Menschen, so die Übersetzung des Namens. Entsprechend vielfältig ist die Kultur. Ein Ausschnitt davon ist beim Woka-Kuma-Festival zu erleben, wo nicht nur zu verschiedenen Konzerten (Foto: Jimas Sanwidi), sondern auch zu Poetry-Slam, Tanz, einer Fotoausstellung, einem afrikanischen Buffet, Podiumsdiskussion und Workshops geladen wird.

Forum Factory Besselstr. 13-14, Kreuzberg, Sa+So 17.+18.9., Tickets: 15/ 12 (Workshops: anderer Ort + Preis) Infos:

Aktionstag Sexuelle Selbstbestimmung

DEMO Das Recht auf Abtreibung ist ein Menschenrecht, sind die Mitglieder des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung überzeugt: Niemand dürfe Frauen zu Schwangerschaften zwingen – so wie die Anti-Choice Bewegung es mit zunehmendem Einsatz (und Erfolgen in Ländern wie den USA oder Polen) versucht. Als Redner:innen werden beim Aktionstag u.a. Dr. Jana Maeffert (Doctors for Choice) und Staatssekretärin Saraya Gomis erwartet.

Pariser Platz Mitte, Sa 17.9. ab 12 Uhr,

Zero Waste

FESTIVAL Auf dem Zero-Waste-Festival will man die Menschen zusammenzubringen, um Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu finden, aber eben auch, um heute schon anzupacken. Auf dem Marktplatz werden nachhaltige Produkte vorgestellt, per Workshops und Vorträgen kann man sich durch Ideen inspirieren lassen und etwa der Frage nachgehen, wie unsere Städte künftig grüner werden.

Engelnest Wilhelm-Kabus-Str. 24, Schöneberg, Fr 16.9., 9.30–22.30 Uhr + Sa 17.9., 11–20 Uhr, Tagesticket: 14/ 9 €,

Ruth Weiss – Wege im harten Gras

GESPRÄCH Nachdem Ruth Weiss’ Vater mit der Machtübernahme der Nazis bereits 1933 seine Arbeit verlor und nach Südafrika auswanderte, reiste der Rest der jüdischen Familie 1936 hinterher: Es war die Rettung vor der Schoa. Als spätere Journalistin wurde Ruth Weiss zu einer Stimme gegen Apartheid, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus. Zudem veröffentlichte sie Historienromane. Nun spricht sie über ihr Leben.

Blumenthal Akademie Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, Kreuzberg, Di 10.9. 19 Uhr, Eintritt frei, Anm. erf. unter:

Reparieren!

AKTIONSTAG Anstatt kaputte Gegenstände wegzuwerfen, wenn diese nicht mehr funktionieren, kann man sie auch reparieren. Was Reparatur-Anfänger:innen zunächst schwierig erscheint. Dass das Reparieren aber durchaus oft für Laien machbar ist – und Spaß macht! – will man in der Bibliothek Schöneberg beim Reparatur-Aktionstag zeigen: Wer defekten Gegenständen wieder auf die Sprünge helfen will, kann am Aktionstag vorbeikommen, um mit Reparatur-Expert:innen gemeinsam zu werkeln.

Bibliothek Schöneberg Hauptstr. 40, Schöneberg, Mo 26.9., 16–19 Uhr, Eintritt frei,

TEXTE: EVA APRAKU, LUISE KIENEL

Familie

Okidoki

KINDERFEST Bei diesem Kinderfest sollen vor allem die Kleinen ganz groß rauskommen: Klein-, Vorschul- und Grundschulkinder stehen im Fokus. Entsprechend die kreativen Aktionen: Malen mit Fingerfarben, Knet-Workshops und Bobby-Car-Parcours erfreuen besonders die ganz jungen Künstler:innen bzw. Verkehrsteilnehmer:innen. Viel Spaß wird auch im „Ritter und Prinzessinnen“-Areal und in den Spielzelten versprochen. Und bei der Tombola gilt: Jedes Los gewinnt!

Schloss Charlottenburg Spandauer Damm 11-22, Charlottenburg, Sa 17.9. + So 18.9., je 10–20 Uhr, Eintritt frei,

Kidzpalloza

MUSIKFESTIVAL Eines der größten Musikfestivals Europas ist das Lollapalooza – eine Veranstaltung, bei der Kinder mitgedacht werden: Ins Kidzapalooza, das Festival für Kinder, können sich Familien zurückziehen und bei Musik, Spiel-, Bastel- und Bewegungsaktionen ihre eigene Party feiern. Betreuer:innen helfen dabei, dass Eltern nicht den Überblick verlieren. Kindergerechte Verpflegungsangebote, Still-Ecken usw. sind hier selbstverständlich.

Olympiastadion & Olympiapark Olympischer Platz 3, Charlottenburg, Sa 24.9. + So 25.9., 99–179 (Kinder bis 11 Jahre frei), kidzapalooza

#play #discover #connect!

GAMESWEEK Einen aufregenden Tag für große und kleine Fans von Computer-, aber auch Brettspielen versprechen die Veranstalter:innen der diesjährigen Gamesweek. Während sich tags zuvor Spieleentwickler:innen und andere Fachleute treffen, ist der Samstag Publikumstag. An diversen Stationen können Spiele ausprobiert und mit Gleichgesinnten gefachsimpelt werden. Auf der Bühne gibt’s Spielturniere, Cosplay-Aktionen, Gespräche und Live-Musik.

Colosseum (Ex-Kino) Schönhauser Allee 123, Prenzlauer Berg, Sa 17.9., 10–20 Uhr, Tickets: 10/7 €,

Festival der Riesendrachen

FLUGSHOW Nach zwei Jahren coronabedingter Pause ist es endlich wieder soweit: Kurz bevor der Herbst tatsächlich kalendarisch beginnt, wird die kommende Jahreszeit mit dem inzwischen schon traditionellen Festival der Riesendrachen eingeläutet. Der Himmel über dem Tempelhofer Feld färbt sich dann kunterbunt. Neben allerlei fliegendem Getier wehen dann auch Superhelden an langer Leine in der Luft: Super Mario, Batman und Supermann werden als luftig-leichte Hohlversionen erwartet. Darüber hinaus dürfen sich Kinder auf Drachenbastel-Workshops, Kinderschminken und Hüpfburgen freuen. Außerdem gibt es spannende Vorführungen von Weltmeister:innen im Drachensteigen.

Tempelhofer Feld (westlicher Teil), Tempelhofer Damm, Tempelhof, Sa 17.9., 11–22 Uhr, Eintritt frei,

Tanztreffen der Jugend

TANZFESTIVAL Eine unabhängige Jury hat zehn der 45 von Jugendlichen aus dem gesamten Bundesgebiet geschaffenen Tanzproduktionen ausgewählt: Soli, Duette oder Ensemblestücke, etwa das Stück „Representity“ (Foto) aus Mannheim. Im Fokus steht in diesem Jahr das Thema Identität. Ausgedrückt in Tanz erlebt das Publikum hier, wie junge Menschen sich und ihre Situation sehen, aber auch, was sie in Zeiten der Pandemie und anderer Krisen sonst noch bewegt.

Haus der Berliner Festspiele Schaperstr. 24, Charlottenburg-Wilmersdorf, 26.9.-3.10., Tickets: 9/ 6 €,

Taschenlampenkonzert

MITMACH-KONZERT Alles leuchtet! Wenn niemand seine Taschenlampe vergisst, dann funkelt es am 17. September in der Waldbühne über 20.000 kleinen und großen Köpfen. Für zusätzliche Stimmung sorgt dabei die Band „Rumpelstil“, seit 2001 ein Garant für gelungene Konzerte und Familienunterhaltung. Mitsingen und Mittanzen ist dabei natürlich so erlaubt wie erwünscht.

Waldbühne Glockenturmstr. 1, Charlottenburg, Sa 17.9. ab 19 Uhr, 6–30 €,

@nachbarschafft!

HIP-HOP-PROJEKT Die Hip-Hop-Kultur, in den USA Ende der 1970er Jahre von Jugendlichen mit Diskriminierungserfahrungen gestartet, hat sich nicht nur um die ganze Welt verbreitet. Ein Ende dieser Kultur ist auch nicht absehbar. Einmal mehr wird sie vorangetrieben, wenn ein Bauträger zusammen mit dem Berliner Verein Sprühlinge e.V. zum Mitmachprojekt @ nachbarschafft! samstags in den Hof der Sophie-Scholl-Schule laden: mit Graffiti-, Basketball-, Breakdance-Aktionen und vielem mehr.

Sophie-Scholl-Schule Elßholzstr. 34–37, Schöneberg, Sa 17.+24.9., 12–16 Uhr (jeden Sa bis 13.11.), kostenlos

Grips City

THEATERSPIELSTRASSE Zum Spielzeitauftakt lädt das Grips Theater zu einem Open-Air-Event für die ganze Familie. Ab dem Vormittag verwandelt sich die Bartningallee in eine Theaterspielstraße mit einem opulenten Mitmachangebot für Kinder ab 4 Jahren. Es gibt Workshops von Tanz über Kreidekunst bis hin zu einer Bewegungsbaustelle. Den aktionsreichen Tag beschließt ab 16 Uhr die Aufführung der Inszenierung „Himmel, Erde, Luft und Meer“ (Foto).

Grips Theater Hansaplatz, Tiergarten, Sa 17.9., 11 Uhr, Eintritt frei,

12. Apfelfest

FAMILIENSAUSE Wer einen Kleingarten hat – oder häufiger durch eine Kleingartenanlage spaziert – weiß: Jetzt ist Apfelzeit! Aus diesem Anlass laden mehrere Kleingartenverbände Kinder und Jugendliche mit Behinderungen nebst ihren Betreuer:innen zu einer bunten Sause in den Tierpark Berlin ein. Auf dem Spielplatz und der Freilichtbühne erwarten die Besucher:innen Spielaktionen, außerdem Imbiss- und Infostände. Und Tiere gucken geht auch!

Tierpark Berlin Am Tierpark 125, Friedrichsfelde, Fr 16.9., 10–14 Uhr,

TEXTE: EVA APRAKU, LUISE KIENEL, FRIEDHELM TEICKE

Kunst

Berlin Art Week

KUNSTHERBST Die Berlin Art Week, die am 14. September begonnen hat (tip 18/ 2022), läuft bis 18. September, dem Tag, an dem das dritte Kapitel von Mona Hatoums Werkschau dazu kommt. Die in Berlin und London lebende Künstlerin zeigt die ersten beiden Teile bereits in Georg-Kolbe-Museum und Neuem Berliner Kunstverein (wie „Mobile Home II“, 2006, Abb.). Nun folgt im Kindl-Zentrum eine Großinstallation, die den prekären Zustand unserer Welt versinnbildlichen soll. Weitere Höhepunkte der Art Week sind die Kunstmesse und Sonderöffnungszeiten von Galerien (s. Seite 97).

Verschiedene Orte Festivalzentrum Berlin Art Week Uferhalle, Uferstr. 8–11, Wedding, 15.–18.9., Mo–So 12–22 Uhr, 21.–25.9.: Mi–Fr 14–20 Uhr, Sa/ So 12–18 Uhr, weitere Adressen s. Seite 88

Olena Pronkina

KUNSTPREIS Olena Pronkina erhält den mit 10.000 Euro dotierten Claus Michaletz Preis, zu dem eine Präsentation im Kunstverein Ost gehört. Bei Kvost stellt die Künstlerin unter dem Titel „Dew in the Sun“ („Tau in der Sonne“, eine Zeile aus der ersten Strophe der ukrainischen Nationalhymne) aus. Sie zeigt Skulpturen und Gemälde, darunter surreale Landschaften und Interieurs, deren Bewohner sich und ihrer Umgebung entfremdet sind. Pronkina, in Usbekistan geboren, floh vor dem Krieg aus Kiew.

Kvost Leipziger Str. 47, Mitte, Mi–Sa 14–18 Uhr, 15.9.–19.11.

18. Pictoplasma

DESIGN Pictoplasma ist eine Berliner Konferenz für Character Design, also die Erfindung und Ausgestaltung von Charakteren für Comics, Spielzeug, Werbung, Bücher, Produktdesign (hier von Csaba Kelment). Der letzte Tag der Konferenz gehört dem Publikum: mit Workshops, Kunstmarkt, Gesprächen und Filmen. Ausstellungen (Eintritt frei) mit aktuellen Arbeiten von Illustrator:innen und Künstler:innen finden unter anderem in der Galerie Neurotitan statt.

Silent Green Gerichtstr. 35, Wedding, 18.9., 12–18 Uhr, Filme 19 Uhr (9 €), weitere Adressen S. 88

Aktionale IV

BILDNISSE Bunt wird es bei der vierten „Aktionale“ zugehen, denn die rund 60 Beiträge sind in Petersburger Hängung zu sehen und wurden von 29 sehr unterschiedlich arbeitenden Künstler:innen gefertigt, etwa von Herbert Achternbusch (Abb.) und Jonas Burgert, Marianne Stoll und Heike Ruschmeyer. Die „Aktionale“ hat ihre Wurzeln in den ehemaligen Workshops für Aktzeichnen am Verein Berliner Künstler. Ihr diesmaliges Thema ist Empfindsamkeit.

Verein Berliner Künstler (VBK) Schöneberger Ufer 57, Tiergarten, Di–Fr 15–19, Sa/ So 14–18 Uhr, 24.9.–16.10.

Torsten Schlüter

1. FC UNION Der Berliner Maler Torsten Schlüter, der auch ein Atelier auf Hiddensee unterhält, ist für Stadtansichten und Ostseelandschaften bekannt. Ein besonderes Thema seines Werks aber ist der 1. FC Union. In Schlüters Gemälden wird die Faszination für Fankultur erfahrbar – und doch verfremdet. Wenn die Fahnen des Klubs über die Leinwände wehen, sieht das schwer nach roter Revolution aus.

Alte Försterei BallEtage, Haupttribüne, An der Wuhlheide 263, ab 28.9., 19 Uhr, Besuch nach Anmeldung: heike.albrecht@fc-unionwirtschaftsrat.de

Maria Lassnig

FARBEN Maria Lassnig (1919–2014) erforschte ihren Körper und setzte das, was sie da fand, Schmerz, Lust, Gerüche, Verdauung, in Farben um, die sie in eigenwillig verzerrten Leibern auf Leinwand brachte. Oder auf Papier, wie jetzt im kommunalen Gutshaus Steglitz zu sehen ist: mit Arbeiten aus der Münchner Sammlung Klewan. Lassnig, die ein Jahr in Berlin lebte, zählt zu den Künstlerinnen, die erst im Alter Weltruhm erlangten.

Gutshaus Steglitz Schloßstr. 48, Steglitz, Mo–So 10–18 Uhr, 16.9.–26.2.

Aufbrüche Abbrüche Umbrüche

OST-BERLIN In der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank hat die dreiteilige Ausstellung zu Kunst aus dem späten Ost-Berlin bereits begonnen, bieder gehängt, unter anderem mit Klaus Killischs Gemälde „Bonjour Monsieur“ (Abb.). Hoffentlich geht es bei den folgenden Teilen in Ephraim-Palais und Museum Nikolaikirche flotter zu. Interessant dürften die gefilmten Künstleraussagen werden. Denn die sind schon in Charlottenburg höchst informativ.

Museen Ephraimpalais + Nikolaikirche Poststr. 16, bzw. Nikolaikirchplatz, Di–So 10–18 Uhr, 6/ 4 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, 16.9.–11.12.

Humboldt Forum

ZWEITE ERÖFFNUNG Die erste Teileröffnung des Humboldt Forums 2021 war von Protesten begleitet: Initiativen forderten die Rückgabe in Kolonialzeit geraubter Kunstgegenstände. Seitdem sind einige Restitutionen beschlossen worden (wie die der Benin-Bronzen). Ein Muss, am Eröffnungswochenende zu sehen, wie die Kurator:innen mit Rückgaben und Kritik nun im zweiten Teil umgehen.

Humboldt Forum Schloßplatz 1, Mitte, Mo, Mi, Do, So 10–23, Fr/Sa 10–22 Uhr, Dauerausstellungen und Eröffnung am 17./ 18.9. Eintritt frei, bis auf Weiteres

S.88

12. Berlin Biennale

LETZTE CHANCE Die 12. Berlin Biennale steht unter dem Motto Reparatur. An sechs Ausstellungsorten ging es um die Frage, wie auf historische Verwerfungen konstruktives Handeln folgen kann, in Beiträgen von rund 80 Künstler:innen (wie von Omer Fast aus Berlin, Abb.). Am letzten Wochenende finden Performances von Uriel Orlow (18.9, 15 Uhr, AdK) und Zuzanna Hertzberg statt (17.+18.9., 16 Uhr, KW) .

Akademie der Künste, KW, ehem. Stasi-Zentrale, Hamburger Bahnhof, Projektraum Wilhelmstraße Stasi-Zentrale bis 18 Uhr, Wilhelmstr. 0–24 Uhr, 18/ 9 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, Adressen S. 88/ 89, bis 18.9.

TEXTE: CLAUDIA WAHJUDI

Offener Sonntag

BERLIN ART WEEK Während der Art Week öffnen viele Galerien auch am Sonntag, den 18. September, zwischen 12 und 18 Uhr. Ausstellungen in Kunsthallenformat zeigt etwa die Galerie Sprüth Magers, dieses Mal mit Jon Rafman, der neue Arbeiten zu Jugend und Nostalgie präsentiert wie „Counterfeit Poast“, 2022, ein Video auf vier Kanälen. Der Künstler und Filmemacher aus Kanada ist ein gern gesehener Gast in der Stadt: unter anderem nahm er an einer Berlin Biennale und am Transmediale-Festival teil.

Galerie Sprüth Magers und andere Oranienburger Str. 18, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, 18.9. 12–18 Uhr, 15.9.–29.10.

Anthony Caro

METALL Anthony Caro hat von Großbritannien aus die europäische Bildhauerei mitgeprägt: Vom Figurativen fand er in die Abstraktion (wie mit „Larry’s Land“, 1970) und zurück zum Halbgegenständlichen, wie seine Großinstallation zu einem christlichen Motiv 2019 in der Gemäldegalerie zeigte. Der Saal bei Max Hetzler in Tiergarten hat das richtige Format für 19 Skulpturen von Caro, darunter Arbeiten mit Papier. Eine weitere Caro-Skulptur ist in Hetzlers Schaufenster in der Charlottenburger Goethestraße 2/3 zu sehen.

Galeirie Max Hetzler Potsdamer Str. 77–87, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr, So 18.9. 12–18 Uhr, 15.9.–29.10.

Mario Pfeiffer

RASSISMUS Vor einem Jahr stellte Mario Pfeiffer bei KOW einen Zwischenstand seiner filmischen Recherche zum ungeklärten Tod von Oury Jalloh aus. Jalloh, ein Asylbewerber aus Sierra Leone, verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Nun kommt das forensische Filmprojekt zum Abschluss: In den vergangenen zwei Jahren arbeitete Mario Pfeiffer dafür mit der Initiative Break the Silence zusammen, die Zeugenaussagen und Indizien sammelt sowie die Aufklärung von Jallohs Tod fordert.

KOW Galerie Lindenstr. 35, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, 18.9. 12–18 Uhr, 16.9.–12.11.

Austin Martin White

RASSIMUS II Bei Capitain Petzel kann das Berliner Publikum das Werk von Austin Martin White kennenlernen, der erstmals eine Einzelausstellung in der Galerie zeigt. Der USamerikanische Künstler zeigt Bilder in einer Mischtechnik aus Malerei und Druckgrafik, die bekannte und verdrängte Medienbilder zu Identitätsfragen und den Folgen von Rassismus kombiniert wie hier in „Untitled (Massacre des Blancs par les Noirs)“ 2020.

Galerie Capitain Petzel Karl-Marx-Allee 45, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, 18.9. 12–18 Uhr, 14.9.–22.10.

Carsten Nicolai + Albert Oehlen

KOMBI Im vergangenen Jahr stellten der Komponist und Künstler Carsten Nicolai (1965 in Karl-Marx-Stadt geboren) und der Maler Albert Oehlen (1954 in Krefeld geboren) gemeinsam in der Schweiz aus: auf einem Festival, das auch im Hochmoor Gais stattfand. In einer Holzhütte dort ließ ihre interaktive Soundinstallation Licht flackern und Text erklingen. Jetzt stellen sie erneut zusammen aus: in Nicolais Stammgalerie Eigen + Art. Nicolai zeigt neue Leinwände, Oehlen Zeichnungen.

Galerie Eigen + Art Auguststr. 26, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, 16.9.–18.9. 12–18 Uhr, 16.9.–29.10.

Šelja Kameriç

EUROPA Šelja Kameriç, aktuell Teilnehmerin der 14. Manifesta in Prishtina, zeigt in ihrer Berliner Stammgalerie einen Überblick über 20 Jahre Schaffen, Werke zu Frau/ Mann, West/ Ost, Öffentlich/ Privat in verschiedensten Medien. Das Foto zeigt die Brücke, die Kameriç im Jahr 2000 in einen Fußweg für EU-Bürger und einen für „andere“ teilen ließ. Das war in Ljubljana, also Slowenien, das kurz darauf EU-Mitglied wurde.

Galerie Tanja Wagner Pohlstr. 64, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr 10.9.–29.10.

Positions + Positions Friday Night

MESSE Mit ihrem Mix aus Handelsware von jungen wie etablierten Künstler:innen hat sich Berlins größte Kunstmesse einen guten Namen gemacht, seit die Konkurrenz die Segel strich. Bei 88 teilnehmenden Galerien aus 20 Ländern liegt 2022 ein Schwerpunkt auf Galerien aus Afrika. Dazu kommen erneut Beiträge von Kunsthochschulen, Kojen von Modemacher:innen, und dieses Mal eine Sonderschau zu dem New Yorker Künstler Boris Lurie. Und die „Friday Night“ am 16. September: der Abend der offenen Türen bei Berliner Galerien, die an der Messe teilnehmen, wie Anahita Contemporary oder Horst Dietrich in Charlottenburg und die Galerie des Messedirektors Jarmuschek + Partner in Tiergarten.

Positions Hangar 5 +6, Tempelhofer Damm 45, 16./ 17.9. 14–20, 18.9. 10–15 Uhr, 20/ 10 €, Abend-Ticket ab 18 Uhr 10 €, bis 18 J. frei, sowie verschiedene Orte, Adressen S. 88 und

S. 87

3. Amtssalon

EXTRA In dem ehemaligen Charlottenburger Amtsgericht in der Kantstraße präsentieren sich zum dritten Mal Berliner Galerien mit Extra-Ausstellungen. Die zeitgenössische Kunst nimmt dem Gebäude seine Strenge, auch, weil die teilnehmenden Galerien sehr unterschiedliche Programme haben. So ist HUA International für Kunst aus Asien bekannt, Dorothée Nilsson für Konzeptfotografie aus Nordeuropa und Kicken Berlin für Fotografie vor allem aus Deutschland wie von Sibylle Bergemann, hier mit „In der Nähe des Times Square“ (1984).

Amtssalon Kantstr. 79, Charlottenburg, 16.9. 15–20, 17./ 18.9. 12–20 Uhr, freie Tickets:

TEXTE: CLAUDIA WAHJUDI

Bühne + Klassik

Ophelia’s Got Talent

URAUFFÜHRUNG Natürlich gab es hier während der Proben gleich einen Wasserschaden. Denn Florentina Holzinger (Foto), deren „Age of Aquarius“-Produktion die Spielzeit an der Volksbühne eröffnet, verwandelt dabei die Bühne in ein Schwimmbad mit Sumpf und Morast. Heimat der Nymphen, Nereiden und Sirenen, den verführerischen Naturgeistern der Feuchtgebiete. Die für ihre verstörenden Choreografien bekannte Regisseurin feiert die undomestizierte weibliche Sexualität mit 17 nackten Tänzer- und Performerinnen (darunter auch Apnoe-Taucherinnen) aus mehreren Generationen von Kindern bis zur Seniorin.

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Mitte, Do 15., Sa–Mo 17.–19.9., So+Mo 25.+26.9., 19.30 Uhr, 16–42

Spy on me #4

FESTIVAL Seit vier Jahren erprobt das HAU bei „Spy on me“ regelmäßig den Umgang mit unserer digitalen Gegenwart, untersucht subversive Strategien gegen den Big-Data-Hunger wie auch die Nutzung des digitalen Raums fürs Live-Theater. Im Fokus der vierten Festivalausgabe stehen die neuen Verbündeten bei den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft. Dabei sind u.a. die interdisziplinäre Compagnie STO Union aus Kanada und die Gruppe Interrobang (Foto).

HAU 1–4 Stresemannstr. 29, Kreuzberg, 22.9.–7.10., 5–17, erm. 8 €, Kombiticket 40 H S. 58

Jaws / Der Weiße Hai

PERFORMANCE Profitgierige Kapitalisten und Haie sind seit langem metaphorisch eng verbunden, der Hai dient gern als Metapher für Gier. Mit Steven Spielbergs Film „Jaws“ wurde Mitte der 1970er-Jahre der Raubfisch selbst als blutrünstige Bestie mit „Da-dam-dadam“-bedrohlichen Beat zum Trauma. Dabei bleibt das gefährlichste Raubtier in und an der Natur der Mensch selbst. Die Performance klopft die unterschiedlichen Motive mit Schauspiel, Tanz, Musik und Gameshow-Elementen ab.

English Theatre Berlin Fidicinstr. 40, Mitte, 21.–24.9, 28.9.–1.10., 20 Uhr, 17,60, erm. 11

Brechts Gespenster

URAUFFÜHRUNG Eigentlich sollte Suse Wächters Auseinandersetzung mit Brecht, dem Hausgeist des BE, bereits dort die Freiluftsaison eröffnen. Doch das Hoftheater fiel aus. So geht das Puppen-Musiktheater um Brecht und die zahllosen untoten Zeitund anderen Genossen des BE-Gründers dafür nun im Großen Haus über die Bühne. Gemeinsam mit Hans-Jochen Menzel und den Musikern Matthias Trippner und Martin Klingeberg hält Wächter eine Art spiritistische Sitzung ab.

Berliner Ensemble Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, 21.–23., 26.9., 19.30 Uhr, 8–35

S. 60

Münchhausen

PREMIERE Wer lügt, braucht ein gutes Gedächtnis aber auch Fantasie. Der Comiczeichner Flix hatte die Lügengeschichten von Münchhausen gemeinsam mit Bernd Kissel neu interpretiert, hier landet der Lügenbaron bei Sigmund Freud auf der Couch. Sönke Andresen hat aus diesem Spiel um Wahrheit und Lüge ein Theaterstück gemacht, das Andreas Gergen nun als Uraufführung inszeniert.

Komödie am Ku’damm im Schiller Theater Bismarckstr. 110, Charlottenburg, ab 23.9., Di–Sa 20 Uhr, So 16 Uhr, 15–45

Epitaph

FESTIVALAUSKLANG Am letzten Abend des diesjährigen Musikfests lädt die BigBand der Deutschen Oper zu einer Hommage an Charles Mingus mit dessen Opus magnum. Der Bassist und Komponist hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Von der klassischen Musik kommend entdeckte er als Jugendlicher den Jazz für sich. In den 1950er- und 1960er-Jahren galt er als einer der Protagonist:innen, die die Renaissance der Live-Improvisation initiierten.

Philharmonie Herbertvon-Karajan-Str. 1, Tiergarten, Mo 19.9., 20 Uhr, 21–70

Intolleranza 1960

OPER Die erste Premiere der Spielzeit unter dem neuen Leitungsteam Susanne Moser und Philip Bröking ist ein Klassiker des politischen Musiktheaters. In Luigi Nonos Oper wird ein Gastarbeiter Opfer politischer Willkür. Auf der Flucht vor der brutalen Ausbeutung in einem Bergwerk wird er verhaftet, interniert und gefoltert. Als er freikommt, lässt er sich in einem Dorf nieder, das schließlich vom Hochwasser fortgespült wird. Marco Štorman inszeniert den Klassiker, Gabriel Feltz übernimmt die musikalische Leitung.

Komische Oper Behrenstr. 55–57, Mitte, Fr 23.9., 19 Uhr (P), So 25.+Di 27.9., 19 Uhr, 12–94

lautten compagney Berlin

BACH-BEARBEITUNGEN Die lautten compagney, eines der führenden Ensembles für Alte Musik, widmet sich Johann Sebastian Bachs letztem Werk, das er trotz schwerer Erkrankung noch vollendete: Bei „Die Kunst der Fuge" handelt es sich um einen Zyklus mit 14 Contrapuncti (drei- und vierstimmige Fugen). Die beiden Komponisten Bo Wiget und Bernd Schurer haben dem Klassiker live gesteuerte elektronische Verfremdungen und Klangschleifen hinzugefügt.

St. Matthäuskirche Matthäikirchplatz, Tiergarten, Fr 16.+Sa 17.9., 19.30 Uhr, 20, erm. 10

TEXTE: FRIEDHELM TEICKE, RONALD KLEIN

Musik + Club

Madness

SKA, DANCEHALL Auch wenn im Format-Radio nur ihr Chart-Erfolg „Our House“ (1983) läuft – die britische Ska-Pop-Formation war bis auf eine kurze Auszeit (1986–1992) stets aktiv. Die Kritiker attestierten dem Album „The Liberty of Norton Folgate“ (2009) den Status „Opus magnum“. Wie auch auf den späteren Platten verweigern sich Madness den Retro-Anleihen und klingen nach knapp 45 Jahren Bandhistorie noch immer frisch. Aufgrund der großen Ticketnachfrage spielen die Musiker am Samstag ein Zusatzkonzert.

Tempodrom Möckernstr. 10, Kreuzberg, Fr+Sa 16.+17.9., 20 Uhr, VVK: 63

Kummer

RAP, INDIE Der Kraftklub-Frontmann Felix Kummer startete vor drei Jahren sein Soloprojekt, das den Fokus stärker auf den Rap legt und auf die Indierock-Elemente seiner Hauptband verzichtet. Damit könnte er sich eine goldene Nase verdienen. Zur Veröffentlichung des Albums „Kiox“ machte er in seiner Heimatstadt Chemnitz den gleichnamigen Plattenladen auf, der exakt drei Tage geöffnet hatte. Die Solokarriere hängt er ebenfalls an den Nagel und spielt die letzten Konzerte in der Parkbühne.

Parkbühne Wuhlheide An der Wuhlheide, Oberschöneweide, Fr. 16.+Sa 17.9., 19 Uhr, ausverkauft

Counting Crows

ROCK Die US-amerikanische Alternative-Band, die im vergangenen Jahr das 30. Jubiläum feierte, machte sich auf deutschen Bühnen zuletzt rar. 2014 erfolgte die erste Tour hierzulande seit zehn Jahren nach der Veröffentlichung des bisher letzten Albums „Somewhere Under Wonderland“. 2019 kündigten die Counting Crows an, neues Material veröffentlichen zu wollen – verteilt auf mehrere EPs. Den Anfang macht „Butter Miracle, Suite One“ (2021) mit vier neuen Tracks.

Huxleys Neue Welt Hasenheide 107–108, Neukölln, Mo 19.9., 20 Uhr, VVK: 54

Jon Hopkins

ELECTRO Obwohl ihn die Musikpresse völlig zurecht als einen der spannendsten Elektronik-Interpreten seiner Generation bezeichnet, spielen die analoge Elemente für Jon Hopkins weiterhin eine Rolle. Das Motto „Polarity“ führt die vermeintlich konträren Richtungen auf der Bühne zusammen: Er spielt den Flügel und zeichnet zugleich für Live-Elektronik verantwortlich. Leo Abrahams (E-Gitarre), Emma Smith (Violine) und Laura Moody (Violoncello) begleiten Hopkins an diesem Abend.

Philharmonie Herbertvon-Karajan-Str. 1, Tiergarten, Mo 26.9., 20 Uhr, VVK: ab 39

Jochen Distelmeyer

DISKURS-POP Zuletzt coverte der ehemalige Blumfeld-Frontmann englischsprachige Hits („Songs from the Bottom Vol. 1“, 2016). Das neue Album „Gefühlte Wahrheiten“ enthält zwölf neue, von Distelmeyer geschriebene Stücke. Als Welterklärer wie zu frühen Blumfeld-Zeiten gibt sich der 55-Jährige nicht mehr. Der Titel hat nichts mit „alternativen Fakten“ zu tun – stattdessen geht es um den Umgang mit den eigenen Gefühlen – und der Liebe, der Hoffnung und dem Licht.

Hole44 Hermannstr. 146, Neukölln, Di 27.9., 20 Uhr, VVK: 27

Lindsey Buckingham

ROCK Nach 1987 schmiss der Gitarrist erneut bei Fleetwood Mac hin. Über die Gründe lässt sich spektakulieren. Nach eigenen Aussagen war der 72-Jährige genervt davon, dass die Arbeiten am neuen Studioalbum nicht vorangingen: „Say You Will“ liegt nunmehr fast 20 Jahre zurück. Deutlich produktiver ist Buckingham solo, im gleichen Zeitraum brachte er fünf Platten heraus – die bisher letzte, unbetitelte erschien im vergangenen Jahr. Somit liegt genügend frisches eigenes Material vor, sodass das Konzert kein nostalgischer Abend wird.

Theater am Potsdamer Platz Marlene-Dietrich-Pl. 1, Tiergarten, Mi 28.9., 20 Uhr, VVK: ab 49,25

Kurt Vile

SLACKER–INDIE Vier Jahre ließ sich der Ex-War-On-Drugs-Musiker Zeit für sein neues Album – so lange wie nie zuvor. Aber er war auch viel unterwegs. Zumindest in Gedanken, wenn man seine Verse für bare Münze nimmt. „(Watch My Moves)“ besteht aus 15 äußerst zurückgelehnten Songs mit zum Teil herrlich verspulten Akkorden – so als könnte Kurt Vile nichts erschüttern. Dass der Indie-Musiker dabei trotzdem Dynamik und Spannung erzeugt, gehört zu den Qualitäten des 42-Jährigen. „(Watch My Moves)“ setzt die Messlatte für die Singer-Songwriter-Kolleg:innen in jedem Fall äußerst hoch.

Huxleys Neue Welt Hasenheide 107–108, Neukölln, Do 15.9., 20 Uhr, VVK: 27

Lollapalooza

FESTIVAL Nachdem das Festival zuletzt pandemiebedingt pausieren musste, treten in diesem Jahr am Samstag und Sonntag 62 Acts auf. Zu den Headlinern zählen das Dancehall-Kollektiv Seeed, das kürzlich an mehreren, ausverkauften Abenden in der Parkbühne Wuhlheide und in der Waldbühne auftrat. Jan Kummer spielte wenige Tagen zuvor seine letzten beiden Solokonzerte. Jetzt ist er wieder mit seiner Band Kraftklub zu erleben. Ebenfalls sehnsüchtig erwartet werden die Auftritte der Rapper Machine Gun Kelly (USA) und Apache 207 (Foto). Auch das weitere Line-up kann sich sehen lassen: Für den passenden Groove zu spätsommerlichen Abenden sorgen DJs und Elektro-Acts wie Alle Farben, Tiesto oder Lexy & K Paul sowie Soul-Sängerin Joy Denalane.

S. 70

Olympiastadion Olympischer Pl. 3–5, Westend, Sa+So 24.+25.9., ab 12 Uhr, VVK: 2-Tages-Ticket: 169

TEXTE: RONALD KLEIN

Film

Alle reden übers Wetter

DRAMA Clara arbeitet als Philosophin in Berlin. Mit ihrer Tochter fährt sie für ein Wochenende zu ihrer Mutter. Die Bewegung von der Stadt aufs Land wird in Annika Pinskes genau beobachtetem und sensibel erzähltem Film zu einer spannenden Erkundung von Heimaterfahrung und Entfremdung. BR

Kinostart: 15.9. D 2022, 89 Min., R: Annika Pinske, D: Anne Schäfer, Anne-Kathrin Gummich, Judith Hofmann ●●●●○

S. 49

Moonage Daydream

DOKU-KOLLAGE Nach seinem Tod hinterließ David Bowie ein riesiges Archiv aus Bildern, Filmausschnitten, Kunst und Musik. Aus diesem Material formte der Dokumentarfilmregisseur Brett Morgan einen visuell und akustisch überbordenden Film, der dem Mysterium David Bowie so nahe kommt wie möglich. Eine mitreißende Hommage an einen großen Künstler, der wie nur wenige andere die (Pop-)Kultur des 20. Jahrhunderts geprägt hat. MM

Kinostart: 15.9. USA 2022, 135 Min., R: Brett Morgen ●●●●●

S. 50

Alice Schwarzer

DOKUMENTARFILM Alice Schwarzers Verdienste um den Feminismus sind unbestritten, das bestätigt Sabine Derflingers Dokumentarfilm einmal mehr. Kritik an Schwarzer bleibt allerdings weitgehend außen vor. Wie etwa jüngere Feministinnen die einstige Wegbereiterin betrachten, das wäre ein ebenso wichtiger Aspekt gewesen wie Schwarzers seltsam anmutende Kooperation mit der einst so verhassten „Bild“. Am Ende bleibt ein zwar im Ansatz informatives, aber allzu einseitiges Bild der wichtigen Feministin.

MM

Kinostart: 15.9. A/D 2022, 102 Min., R: Sabine Derflinger ●●○○○

S. 53

Die Küchenbrigade

KOMÖDIE Unwillig nimmt eine Spitzenköchin die Stellung in einem Heim für unbegleitete minderjährige Geflüchtete an, schafft es aber nach und nach, die jungen Männer mit gutem Essen zu motivieren, sich selber an dessen Zubereitung zu beteiligen. Etwas glatter als „Der Glanz der Unsichtbaren“, der vorangegangene Film des Regisseurs, gefällt „Die Küchenbrigade“ trotzdem durch die Verbindung von Sozialkritik und Komik sowie das engagierte Spiel von Profiund Laiendarstellern.

FA

Kinostart: 15.9. F 2022, 97 Min., R: Louis-Julien Petit, D: Audrey Lamy, Francois Cluzet, Chantal Neuwirth ●●●●○

S. 54

Dancing Pina

DOKUMENTARFILM An der Dresdener Semperoper und der senegalesischen École des Sables entstehen Wiederaufführungen von Werken der legendären Pina Bausch. Es ist in erster Linie deren eindrucksvolles Vermächtnis, eingefangen in langen Proben- und Aufführungssequenzen, das den Schauwert dieses Dokumentarfilms ausmacht.

SR

Kinostart: 15.9. D 2022, 111 Min., R: Florian Heinzen-Ziob ●●●○○

S. 53

The Deer King

ANIME Japanischer Animationsfilm nach der gleichnamigen Fantasy-Roman-Reihe von Nahoko Uehashi. Der in einer Salzmine versklavte Krieger Van und ein Mädchen namens Yuna sind die einzigen Überlebenden einer Attacke von wilden Hunden, die eine mysteriöse tödliche Krankheit verbreiten. Hinter den beiden ist nun jedoch der zwielichtige Mediziner Hossal her, der glaubt, dass ihr infiziertes Blut das perfekte Gegenmittel gegen die Krankheit sein muss. Vor Kinostart wurde keine Pressesichtung abgeboten.

Kinostart: 15.9. J 2021, 113 Min., R: Masashi Ando, Masayuki Miyaji

Chase

ACTION Selbstjustiz-Thriller um einen Mann (Gerald Butler), dem beim Halt an einer Autobahn-Tankstelle seine Frau abhanden kommt. Für die Polizei ist er schnell selbst der Hauptverdächtige – so dass er die Suche nach der Vermissten selbst in die Hand nehmen muss. Die Spur führt zu Hillbillys, die hinter den sieben Bergen Crystal Meth zusammenbrauen…

Kinostart: 15.9. USA 2022, 95 Min., R: Brian Goodman, D: Gerald Butler, Jaimie Alexander, Russell Hornsby

Lieber Kurt

DRAMA Kurt (Til Schweiger) und Lena (Franziska Machens) ziehen aufs Land nach Brandenburg, um näher bei Kurts sechsjährigem Sohn Kurt zu sein, für den er sich das Sorgerecht mit seiner Ex Jana teilt. Doch dann kommt der kleine Kurt bei einem Unfall ums Leben und die Erwachsenen wissen nicht, wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen. Nach einem Roman von Sarah Kuttner. Vor Kinostart wurde keine Presse-Vorführung angeboten.

Kinostart: 15.9. D 2022, R: Til Schweiger, D: Til Schweiger, Franziska Machens, Jasmin Gerat

La Clave – Das Geheimnis der kubanischen Musik

DOKUMENTARFILM Der Rhythmus der Clave ist als Basis der musikalischen und tänzerischen Tradition Kubas Ausgangspunkt eines kulturellen Porträts des karibischen Inselstaates. Dominiert von Interviews mit Musiker:innen sowie Konzertaufzeichnungen, bleibt „La Clave“ in Theorie und Inszenierung stecken.

SR

Kinostart: 15.9. D 2021, 86 Min., R: Kurt Hartel ●●●○○

S. 56

Jeepers Creepers: Reborn

HORROR Der mittlerweile vierte Filme über den Creeper, ein Monster, das alle 23 Jahre für 23 Tage auftaucht, um sich von Menschenfleisch zu ernähren, folgt trotz neuem Personal hinter der Kamera den bewährten Mustern, ohne die Dichte des Originals zu erreichen. FA

Kinostart: 15.9. USA 2021, 88 Min., R: Timo Vuorensola, D: Sydney Craven, Imran Adams, Jarreau Benjamin ●●●○○

S. 57

Ticket to Paradise

KOMÖDIE Um die Hochzeit ihrer Tochter mit einer Ferienliebe zu verhindern, rauft sich ein seit Jahren geschiedenes Ehepaar zusammen. Eine Comedy of Remarriage, deren Gags aus der Mottenkiste stammen.

FA

Kinostart: 15.9. USA/GB 2022, 104 Min., R: Ol Parker, D: Julia Roberts, George Clooney, Kaitlin Dever, Maxime Bouttier, Billie Lourd

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S. 55

Unsere Herzen, ein Klang

DOKUMENTARFILM Doku, die sich dem Chorsingen widmet und die Aktivitäten von drei Protagonis:innen verfolgt: Der Brite Simon Halsey ist einer der renommiertesten Chordirigenten weltweit, Judith Kamphues arbeitet als Sängerin und Gesangspädagogin, und Südkoreanerin Hyunju Kwon gilt als vielversprechende Nachwuchs-Chordirigentin. Im Mittelpunkt stehen dabei stets die gemeinschaftliche Aktivität und der Austausch beim gemeinsamen Musizieren.

LP

Kinostart: 22.9. D 2022, 108 Min, R: Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier ●●●●○

S. 57

Verabredung mit einem Dichter – Michael Krüger

DOKUMENTARPORTRÄT Michael Krüger, über viele Jahre einer der wichtigsten Verleger in Deutschland, veritabler Dichter und nicht zuletzt eine Institution im Literaturbetrieb, präsentiert sich hier in einem intimen Porträtfilm, in dem ausschließlich er selbst spricht. Man hört (und sieht) ihm gern zu.

BR

Kinostart: 22.9. D 2022, 91 Min., R: Frank Wierke ●●●●○

H S. 54

Peter von Kant

DRAMA Ohne Fassbinder wäre François Ozon nicht denkbar, doch so sehr wie in „Peter von Kant“ hat der französische Regisseur seine Liebe zum Vorbild noch nie gezeigt. Statt lesbischer Frauen wie in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ steht hier ein schwuler Regisseur im Mittelpunkt, der seinen Untergebenen und seiner besten Freundin sein Leid klagt. Als eigenständiger Film funktioniert das Spiel mit Zitaten nur bedingt, als Hommage an ein großes Vorbild dagegen umso mehr.

MM

Kinostart: 22.9. F 2022, 114 Min., R: François Ozon, D: Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Khalil Ben Gharbia ●●●○○

S. 54

Into the Ice

KLIMADOKU Der dänische Kameramann und Regisseur Lars Henrik Ostenfeld begleitet die Klimaforscher:innen Alun Hubbard, Dorthe Dahl-Jensen und Jason Box zu den dahinschmelzenden Gletschern Grönlands, die in kommenden Jahren für einen weltweiten Anstieg des Meeresspiegels sorgen werden. Spektakulär sind dabei allerdings nur die Erkundungen von sogenannten Gletschermühlen durch den Briten Hubbard: Der Forscher steigt zum Boden der bis zu 180 Meter tiefen, durch Schmelzwasser entstandenen Eislöcher im Gletscher, um festzustellen, ob sich unter der gefrorenen Bodenfläche weiteres flüssiges Wasser befindet. Denn das würde die Fließgeschwindigkeit der Gletscher zusätzlich erhöhen und wäre ein Indikator dafür, dass das Eis noch schneller schmilzt als bisher angenommen.

LP

Kinostart: 15.9. DK/D 2022, 85 Min., R: Lars Henrik Ostenfeld ●●●○○

S. 56

Mittagsstunde

DRAMA Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans von Dörte Hansen: Ingwer Feddersen kehrt in sein Heimatdorf in Schleswig-Holstein zurück, um seine alten Großeltern zu pflegen; Rückblenden in die 60er- und 70er-Jahre erzählen von den Veränderungen im ländlichen Leben über die Jahre sowie von der Familiengeschichte der Feddersens. „Mittagsstunde“ hat dabei nichts Nostalgisch-Verklärendes: Die alten Zeiten waren nicht besser, sie waren einfach nur anders. Zugleich gibt es schon ein Bewusstsein für den Verlust, den die Veränderung eben auch immer bedeutet. Doch der Film driftet nicht ins Sentimentale, er moderiert all dies mit norddeutscher Trockenheit, die auch eine Art Humor beinhaltet, die man möglicherweise in anderen Landstrichen nicht einmal richtig wahrnimmt.

LP

Kinostart: 22.9. D 2022, 93 Min., R: Lars Jessen, D: Charly Hübner, Peter Franke, Gro Swantje Kohlhof ●●●●○

S. 52

Literatur

Jonathan Franzen

FAMILIENROMAN „Crossroads“, der neue Roman des amerikanischen Literaturgiganten, ist ein mächtiges Werk von mehr als 800 Seiten über die Pfarrer-Familie Hildebrandt aus einem Vorort von Chicago, in der es im Jahr 1971 drunter und drüber geht: vom Vater, der sich von seiner Gemeinde entfernt und sich in eine Witwe verliebt, bis zur Tochter, der ihre erste Kiff-Erfahrung gleich mal zu einer Begegnung mit Gott verhilft. Und diese gut 800 Seiten sind nur der erste Teil einer Trilogie. Jonathan Franzen spricht übrigens auch ganz passabel Deutsch, er hat in den 80er-Jahren mal in Berlin gelebt. Jetzt ist er auf Kurzvisite in Deutschland, unter anderem, um in Lübeck den Thomas Mann-Preis entgegenzunehmen. Und liest bei Radioeins.

Großer Sendesaal des rbb Masurenallee 8–14, Charlottenburg, So 18.9., 18 Uhr, 17/16

Finale des 22. ilb

LITERATURFEST Endspurt beim Internationalen Literaturfestival Berlin. Noch bis 17. September feiert das Bücherfest die Gegenwartsliteratur mit viel Debattenstoff. So debattieren Oliver Guez, Daniel Cohn-Bendit und Moritz Rinke über den Mythos des brasilianischen Fußballs, erforscht Eliot Weinberger (Foto), das „Universalgenie der US-Literatur“ (Deutschlandfunk), himmlische Wesen, spricht Paul Muldoon über Paul McCartneys Texte und stellt Jennifer Egan ihren neuen Roman vor.

Haus der Berliner Festspiele (Zentrum) Schaperstr. 24, Wilmersd.., bis Sa 17.9.

Laura Cazés

ESSAYS Die gebürtige Münchnerin (Foto) beschäftigt sich mit jüdischen Lebenswelten in Deutschland und deren Wahrnehmung und Einbezug in gesellschaftliche Diskursräume. Für den Essay-Band „Sicher sind wir nicht geblieben“ hat sie zwölf jüdische Autor:innen um Texte darüber gebeten, was „Jüdisch-sein“ in Deutschland bedeutet. Bei der Buchpremiere lesen daraus neben ihr selbst Debora Antmann, Daniel Donskoy, Mirna Funk und Richard C. Schneider.

Pfefferberg Theater Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Do 15.9., 20 Uhr, VVK 12

Maja Göpel

WISSENSCHAFT Maja Göpels Bücher helfen dabei, die komplexe Welt ein wenig besser zu verstehen. In ihrem neuen Buch „Wir können auch anders“ beschäftigt sich die Nachhaltigkeitsexpertin mit Selbstverständlichkeiten in Umwelt, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Technologie, die sich in rapider Geschwindigkeit auflösen. Über den „Aufbruch in die Welt von morgen“ diskutiert sie mit den Fernsehfachkräften Anke Engelke und Bjarne Mädel und dem Gründer und Entdecker Fridtjof Detzner.

Kino International Marx-Allee 33, Mitte, So 18.9., 11 Uhr, VVK 14,30

Wladimir Kaminer

STORYS Wladimir Kaminers Familiengeschichten sind nicht ganz so episch wie die von Jonathan Franzen, aber entschieden lustiger. Im Mittelpunkt steht seine Mutter, die sich mit allerlei befremdlichen Marotten der jüngeren Generationen befassen muss. Vegane Rühreier, die Verdammung des Zoos als Tierquälerei, und dann erst diese Flugreisen-Verachtung. „Wie sage ich es meiner Mutter“, heißt das Buch. Gute Frage.

Pfefferberg Theater Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Di 20.9., 20 Uhr, VVK 22

Jan Böttcher

WISSENSCHAFTSROMAN Erstmals hat sich der Berliner Autor an einem historischen Stoff gewagt. „Das Rosen-Experiment“ war in den 1920er-Jahren eine bahnbrechende Versuchsreihe unter dem Berliner Psychologen Kurt Lewin über die Kräfte der Seele. Der Roman dreht sich um einen deutsch-jüdischen Wissenschaftler, der an seinem Lehrstuhl ebenso um Anerkennung ringt wie seine Studentinnen in der Gesellschaft.

Literaturforum im Brecht-Haus Chausseestr. 125, Mitte, Di 20.9., 20 Uhr, 5/3

S. 91

Judith Holofernes

AUTOBIOGRAFIE „Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück“ – lange ist es her, dass Judith Holofernes und ihre Band Wir sind Helden mit dieser Songzeile ihre Karriere kickstarteten. Mit einigem Abstand – die Helden lösten sich vor zehn Jahren auf – blickt die Ex-Frontfrau in ihrem Buch „Die Träume anderer Leute“ auf Ruhm und Ruhelosigkeit zurück, und wenn zur Buchpremiere dann auch noch Nora Tschirner dem Hörbuch die Lesestimme leiht, wird das auf jeden Fall: ein guter Tag.

Heimathafen Karl-Marx-Heimathafen Str. 141, Neukölln, Fr 23.9., 20 Uhr, VVK 20

S. 24

Behzad Karim Khani

NEUKÖLLN-ROMAN Sein Roman „Hund, Wolf, Schakal“ ist eine der großen Würfe des Literaturherbstes. Behzad Karim Khani, Betreiber der Kreuzberger Lugosi Bar, beim Wettlesen in Klagenfurt erstaunlicherweise unbepreist geblieben, erzählt in seinem grandiosen Debüt von Jugendgangs of Neukölln, von Kleindealern und Revolutionären – und von Saam, der mit Vater und Bruder nach der Hinrichtung seiner Mutter im Iran nach Deutschland flieht und sich behaupten muss in der neuen Heimat.

Literaturhaus Berlin Fasanenstr. 23, Charlottenburg, Di 27.9., 19 Uhr, 8/5

Jan Faktor

SCHELMENROMAN Der gebürtige Tscheche, der 1978 nach Ost-Berlin übersiedelte und in der Bohème des Prenzlauer Berg skurrile Lyrik-Performances von sich gab, ist ein eigensinniger Erzähler. So ist auch der, nun ja, Held seines neuen Romans „Trottel“ (sein vorheriger Roman erschien vor zwölf Jahren). Und so kurios und schräg er vom russischen Einmarsch in Prag, einem Büro für Lügenstatistiken und seiner Rammstein-Liebe fabuliert, der ernste Hintergrund schwingt doch mit: der Suizid seines Sohnes.

S. 90

Pfefferberg Theater Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Mi 28.9., 20 Uhr, VVK 11

TEXTE: ERIK HEIER