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Highspeed-Projekt:Tagesbaustelle


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 16.09.2019

Die letzten „Kurfürstender Luftwaffe mussten unter großem Zeitdruck in die Luft gebracht werden. Wie schnell man die kleine Bf 109 K-4 von AZ model flügge bekommt, zeigt uns dieser Bericht


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Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 10/2019

Eine bunte Mühle. Das Ergebnis der dislozierten Produktion. Am Vorbild fanden sich vermutlich alleine sechs verschiedene Tarnfarben


Bf 109 K-4 I Maßstab 1:72 I Baubericht

D ie Bf 109-Serie von AZ model ist ja gut bekannt und gut in der Qualität. Von daher war ich sehr an dem neuen Kit interessiert und habe gleichzeitig keine große Schwierigkeiten beim Bau erwartet. An der neuen Bf 109 K-4 von AZ model hat mich ...

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D ie Bf 109-Serie von AZ model ist ja gut bekannt und gut in der Qualität. Von daher war ich sehr an dem neuen Kit interessiert und habe gleichzeitig keine große Schwierigkeiten beim Bau erwartet. An der neuen Bf 109 K-4 von AZ model hat mich allerdings zweierlei gereizt. Zum einen sind die Farbvariationen zum Kriegsende sehr interessante Herausforderungen und zum anderen wollte ich endlich einmal wissen, wie viel Zeit man denn bei so einem kleinen Jäger in welcher Bauphase wirklich lässt, ohne jetzt zu viel Aufwand am Modell zu betreiben. Al so hieß es: anfangen und mal sehen, wie der Bau aus dem Karton so läuft.

Die Uhr läuft
Wenn man die Bausatzschachtel öffnet, fallen auf der Habenseite die vielen Ersatzteile für die Grabbelkiste positiv auf, denn Basis ist nach wie vor die G-Serie von AZ model, ergänzt um die spezifischen Teile der K. Sogar ein kompletter G-Rumpf findet sich im Karton. Da auch der Flügel von der G-Serie abstammt, finden sich hier auf der Sollseite auch ein paar kleinere Fehler. Leicht behe-Alben ließen sich die fehlenden Wartungsdeckel. Diese habe ich mithilfe einer ovalen Schablone neu graviert. Die eine oder andere vorhandene Gravur des Modells war auch etwas verwaschen und die habe ich in einem Rutsch gleich mit überarbeitet. Weniger leicht lässt sich der Fahrwerksschacht korrigieren. Hier müsste das Innenleben aufgrund der größeren Räder der Bf 109 K-4 eigentlich geändert werden. Ich habe allerdings darauf verzichtet. Um die Maschine interessanter zu gestalten und da die Kühlerklappen schon zweiteilig sind, habe ich Lande-und Kühlerklappen komplett abgesenkt dargestellt. Hierzu wurden diese entlang der Gravur eingesägt und nach unten gedrückt. Die entstandene Lücke habe ich mit einem gezogenen Gussast aufgefüllt und verschliffen. Insgesamt flossen in diese ersten Arbeitsschritte drei Stunden Arbeit (1 ). Die so vorgearbeiteten Teile erhielten für die bessere Tiefenwirkung eine schwarze Grundierung. Auf diese Basis habe ich dann die eigentlich benötigten Farbtöne lasierend aufgetragen. RLM 02 für die Federbeine, RLM 66 für Cockpitbereich und Räder und der Rest in Naturmetall. Arbeitet man genau in dieser Reihenfolge, muss man den Airbrush nach jedem Lackierdurchgang nur einmal kurz mit dem jeweiligen Verdünner durchpusten. So sind diese Arbeiten nach 45 Minuten abgeschlossen (2 ). Etwas mehr Zeit musste ich dann für die Lackierung der Details und den Zusammenbau des Innenlebens aufbringen. Aber mit dem passenden ruhigen Moment und konzentrierter Arbeit war dies nach zwei Stunden erledigt. Da ich ja möglichst den Bau ohne Zubehör durchführen wollte, kamen für die Instrumente und die Sitzgurte die beigefügten Decals zur Verwendung. Dieses spart Zeit und ist bei geschlossener Haube durchaus ausreichend (3 ). Flügel und Rumpf ließen sich innerhalb weniger Minuten mithilfe von Tamiya „Extra Thin” zusammenkleben. Allerdings zeigten sich an den Montagestellen für das Seitenleitwerk einige Passungenauigkeiten. Diese habe ich mittels aufgeklebtem und dann verschliffenem Plastiksheet behoben (4 ,5 ). Weiterhin habe ich auch noch einen kleinen Spalt in der Flügelwurzel mit gezogenem Gussast verschlossen. Anpassen und Schleifen der Fehlstellen kos-teten dann doch mehr Zeit als der eigentliche Zusammenbau, sodass hier in Summe zweieinhalb Stunden zu notieren waren.

Mit einem Silberstift und durch Chippen (Abkratzen) der Tarnfarbe werden die Abnutzungsspuren im Bereich der Flügelwurzel erzeugt


Vom Cockpit zur Farbe
Trotz guter Trockenanpassung war auch eine kleine Unebenheit beim Unterrumpf-Flügelübergang nicht zu vermeiden. Hier wählte ich zum Angleichen Sekundenkleber. Ausgehärtet lässt er sich gut schleifen und gravieren (6 ). Im Verhältnis dazu ein Zeitfresser war die Cockpitverglasung. Die vorgefertigten Montexmasken wollten nicht so recht auf den Rundungen der Erlahaube halten, sodass ich mir mithilfe der Montexvorlagen dann Masken aus Tamiya-Tape schnitt. Außerdem musste der Rumpfübergang durch Schleifen angepasst werden. Die gesamte Kanzelmontage hat dann mal eben zwei Stunden gekostet (7 ).
Nach nun knapp zehn Stunden ging es auf die Lackierstraße. Zunächst erhielt das Modell eine graue Alclad-Grundierung (8 ). Diese hilft, letzte Unsauberkeiten zu eliminieren. Hier gab es keinerlei böse Überraschungen und so war das in wenigen Minuten erledigt. Nachdem die Grundierung überschliffen war, kam das eigentliche Farbkleid. Die späten „109er” waren recht variantenreich lackiert. Das lag daran, dass mehrere Zulieferer an der Produktion beteiligt waren. Man muss hier also kurz überlegen, wie man vorgehen will. Da ich gerne eine natürliche Basis schaffe und die Flügelunterseiten ohnehin teilweise Naturmetall waren, erhielt das Modell eine Grundlackierung in verschiedenen Alclad-Tönen (9 ). Anschließend habe ich jene Bereiche abgeklebt, welche Metallfarben bleiben sollten und ein schwarzes Preshading aufgebracht. Einmal die schwarze Farbe in die Airbrush gefüllt, lackierte ich auch direkt das Rumpfband entsprechend (10 ). Immer wieder Abkleben und kleinteilig Lackieren ist natürlich ein echter Zeitfresser, aber ich wollte es ja „bunt”. Zunächst waren Unterseiten und Seitenruder in RLM 76 Hellblau dran (11 ), gefolgt von ein wenig RLM 75 Grauviolett für Ruderflecken und ein Stück Motor. Das erste Mal flächenmäßig mehr Farbe kam dann mit dem Farbton RLM 77 Hellgrau. Laut verschiedenen Quellen soll dieser im Bereich Motor sowie auf Flügel und Leitwerksoberseiten aufgebracht worden sein (12 ). Mit der Lackierung der Rumpfseiten und Unterseiten in Grüngrau, bisweilen auch behelfsweise als RLM 84 bezeichnet, fing die 109 jetzt schon langsam an, interessant auszusehen. Aber bis hierhin waren dann auch schon wieder knapp sechs Stunden Zeit verstrichen (13 ).

Das Vorbild: Messerschmitt Bf 109 K-4

Bf 109 K-4, 11. Staffel/JG 3, geflogen von Unteroffizier Martin Deskau, Pasewalk/Deutschland im April 1945 Foto: Herbert Ringlstetter – eigenes Werk, CC BY-SA 3.0


Die Messerschmitt Bf 109 K-4 war die letzte in Serie gebaute Messerschmitt-Variante dieses Jägers, welcher die Luftwaffe durch den ganzen Krieg hindurch begleitete. Mit ihr versuchte man zum einen noch einmal Anschluss an die alliierten Jäger zu erhalten und zum anderen das Versionschaos der G-Serie endgültig in den Griff zu kriegen. Insgesamt sollen noch rund 1890 Maschinen gebaut worden sein, von denen aber nur noch zirka 800–900 Maschinen die Truppe erreichten. Ausgerüstet mit dem DB-605D-Motor und mit Verfeinerungen wie der Fahrwerks-Restabdeckung, erreichte sie in der Tat noch einmal das Niveau alliierter Jäger. Sie bedurfte aber auch eines erfahrenen Piloten, um die Leistung abrufen zu können.

Es wird klebrig
Um nicht unverhältnismäßig viel Zeit in die nun eigentlich notwendige Abkleberei zu stecken, verwendete ich diesmal BlueTac zur Trennung der verschiedenen Farbflächen. BlueTac ist gut formbar und nur leicht klebend. Zu längeren Strängen gerollt, lässt es sich gut auf die Oberfläche aufbringen und so modellieren, dass man den gewünschten Farbverlauf erhält (14 ). Wichtig ist hier aber, dass man einen guten Airbrush sein Eigen nennt, mit dem man präzise und ohne Sprühnebel arbeiten kann. So erhielt das Modell die weiteren Farben RLM 81 Braunviolett und RLM 82 Hellgrün (15 ). Nach der Lackierung lässt sich das BlueTac dann rück-standslos entfernen. Den farblichen Schlusspunkt setzte dann das Seitenruder. Hier musste ich allerdings mit einer Schablone arbeiten, da die Tarnflecken beim Original ebenfalls scharfkantig mit Schablonen aufgebracht waren. Dafür skalierte ich eine Zeichnung auf den passenden Maßstab, druckte diese und arbeitete die Flecken mit einem Skalpell heraus. Das Ganze ist mit etwas Übergröße ausgeschnitten. Nachdem das Seitenleitwerk in RLM 75 grundiert war, befestigte ich die Maske und sprühte die Tarnflecken in Dunkelgrün auf (16 ). Einmal im Maskiermodus, erstellte ich ebensolche Masken auch noch für die Rumpfbalkenkreuze, welche ich entgegen der Bauanleitung, die hier ein schwarzes Innenleben fordert, mit einer grünen Füllung versah.

Die Gravuren sind nachgearbeitet, fehlende Gravuren ergänzt, erste Kleinteile verklebt und die Klappen neu positioniert


Eine schwarze Grundierung und der lasierende Auftrag der eigentlichen Farbe erzeugen mehr Plastizität


Der gesamte Innenbereich ist lackiert und wartet auf die Endmontage. Kontrastreiche Bemalung mit Washing unterstützt die Tiefenwirkung


Beim Seitenleitwerk musste nachgearbeitet werden. Plastiksheet (rote Pfeile) sorgte für einen geraden Übergang


Gute Vorarbeit zahlt sich aus: Auf die begradigten Flächen konnte das Seitenleitwerk sauber aufgeklebt werden


Der Pfeil weist auf eine kleine Stufe beim Rumpf-Flügel-Übergang hin, hier angeglichen und dann sauber verschliffen


Aufwendiger waren die Arbeiten an der Cockpitabdeckung. Anpassen und Maskieren nahmen viel Zeit in Anspruch


Vor der Lackierung wird das Modell mit Alclad Grau grundiert und verschliffen. So eliminiert man letzte Unsauberkeiten


Flügelunterseiten waren bei späten Luftwaffen-Flugzeugen oftmals unlackiert, hier direkt ganz mit Alclad-Tönen


Für eine lebhafte Oberfläche liefert Preshading die Basis. Lieber etwas mehr, denn was man nicht braucht, wird überlackiert


Viele Farben heißt auch viel Abkleben. Hier der Zustand, nachdem die erste Unterseitenfarbe RLM 76 aufgebracht ist


Lasieren lässt das Preshading gut durchschimmern und verleiht dem eigentlich eintönigen Grau deutliche Nuancen


Deutliches Erkennungsmerkmal auf den ersten Blick: Fahrwerks-Restabdeckungen und das einziehbare Spornrad samt Abdeckung fanden sich nur bei der Version K


Die 109 erhielt die ominöse grüngraue Lackierung später Jagdflugzeuge, behelfsweise auch mit RLM 84 bezeichnet


Zur Begrenzung der Tarnfelder wird BlueTac verwendet. Seine Verarbeitung ist problemlos und verspricht schnelle Ergebnisse


Voraussetzung für eine saubere Lackierung ist ein guter Airbrush und dessen sichere Handhabung


Das Seitenleitwerk des Originals ist mit einer Schablone lackiert. Das gleiche am Modell bringt ein originalgetreues Abbild


Der Auftrag von Alclad „Acryl Gloss” sorgt für eine glatte Oberfläche, die auch den aufzubringenden Decals zugute kommt


Die Vorarbeit und tadellose Decals sorgen dafür, dass nur milder Weichmacher in geringem Umfang einzusetzen ist


Von sauber lackiert zu lebhaft. Washing macht die Illusion perfekt und verhilft dem Modell zu einem gebrauchten Aussehen


Die filigranen Kleinteile komplettieren das Modell ganz zum Schluss. Vorher angebracht, liefen sie Gefahr, abzubrechen


Auf der Zielgeraden
Alles in allem war ich hier dreidreiviertel Stunden beschäftigt, wobei alleine auf das Seitenleitwerk und die Kreuze eineinhalb Stunden entfielen. Dagegen waren die 15 Minuten für den dann folgenden Auftrag mit Alclad „Acryl Gloss” ein Klacks, aber natürlich unabdingbar, um für die Decals und das Washing eine optimale Ausgangsbasis zu haben (17 ).
AZ model legt seiner Bf 109 K-4 Decals für drei Varianten bei. Ich hatte mich für die weiße 16 vom JG 53 entschieden. Alles in allem ließen sich die Schiebebilder sehr gut aufbringen und benötigten nur wenig Weichmacher, um sich in die Gravuren zu legen. Leider gibt es kein Abziehbild für die weiße Spinnerspirale. Um nicht aufwendig maskieren und lackieren zu müssen, habe ich mich hierfür bei einem Decalbogen eines Zubehöranbieters bedient. Aber auch ohne diese zu zusätzlichen Arbeiten dauerte das Aufbringen der Schiebebilder glatte zwei Stunden (18 ). Viel Zeit investiere ich immer in die finale Farbgestaltung. Klassische Ölfarben kommen dabei genauso zur Anwendung wie Tamiyas Weathering Sets oder simples Herunterkratzen der Farbe bis zur metallenen Grundlackierung. Hier lasse ich mich gerne zeitlich aus, was auch prompt mit zwei Stunden zu Buche schlägt (19 ). Das Stündchen für die Kleinteile mag einem hingegen viel erscheinen. Aber für so etwas brauche ich immer Ruhe, denn wir wollen auf der Zielgeraden ja keinen Fehler mehr begehen (20 ).

Wolfgang Henrich, Jahrgang 1961, kam durch seinen Vater zum Hobby. Nach der Berufsausbildung trat das Modellbauen allerdings mehr und mehr in den Hintergrund, um dann 2002 wiedererweckt zu werden. Sein Modellbau-Fachgebiet ist die deutsche Luftfahrt bis 1945. „Einfach, aber effektiv” und „Die Farbe macht’s” sind die Mottos, mit denen er seine Modelle im Maßstab 1:72, dem er seit seiner Jugend treu geblieben ist, baut und verfeinert.

Fazit
Der Bau des Modells hat Spaß gemacht. Die 109 ist relativ leicht zu bauen und stellt den Modellbauer vor keine größeren Probleme. Mein Ziel, das Modell in 24 Stunden Netto-Bauzeit fertig zu bekommen habe ich knapp um 30 Minuten verfehlt. Wer noch etwas verbessern will, kann das mit geringem Aufwand tun. Und vielleicht überarbeitet AZ model ja noch einmal den Decalbogen und legt eine Spinnerspirale bei. Das wäre sehr willkommen.


Fotos, sofern nicht anders angeben: Wolfgang Henrich