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Hightech trifft Klassik


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 13.09.2021

BOOTE Hallberg-Rassy 50

Testdaten

Testrevier: Ostsee vor der Insel Orust

Testbedingungen: drei Beaufort, etwas Welle

Konzept: Blauwasseryacht

Preis: ab 1.500.000 Euro

Artikelbild für den Artikel "Hightech trifft Klassik" aus der Ausgabe 100/2021 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Auf der Hallberg-Rassy 50 ist vieles ganz besonders. Das fängt beim Rigg an, denn Mast, Baum, Salinge und Baumniederholer sind aus Carbon gefertigt. Zwecks effektiverer Trimmbarkeit ist der Mast durchs Deck gesteckt, und um den Reck in den Wanten zu reduzieren, wurden keine Drähte verwendet, sondern Rod. Damit nicht genug, steht der Fuß auf einem Mast-Jack-Zylinder. Die Spannung auf den Wanten lässt sich erhöhen, indem man den Mast mit einigen Hydraulikhüben anhebt.

Derart hochwertige und aufwändige Mastinstallationen kennt man eher von Regattayachten als von Langfahrtschiffen, aber wie gesagt: Vieles an der HR 50 ist anders. Um das Riggkonzept fahrtentauglich und auch für eine kleine Crew leicht handelbar zu machen, ist das ...

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... Carbonprofil für Rollgroßsegel konstruiert. Die Kunst für die Mastenbauer von Seldén und die Segelmacher von Elvström bestand darin, eine Rollanlage und eine Garderobe zu entwickeln, die den Aufwand der Carbonverwendung und Wicklung rechtfertigt und die sich trotzdem für längere Törns empfiehlt. In diesem Fall ging es nicht darum, das Schiff für Regattasiege fit zu machen, wohl aber für gute Geschwindigkeiten. Elvström hat daher ein Großsegel entworfen, das im Topp leicht ausgestellt ist, so dass eine Segelfläche entsteht, die mit normalen Großsegeln vergleichbar ist. Trotz Rollfunktion soll das Groß flächenmäßig mit konventionellen Segeln mithalten können.

Besonders leicht

Damit erklärt sich auch, warum der Aufwand betrieben wurde, einen durchgesteckten Carbonrollmast als Alternative zu einem herkömmlichen Alurollmast zu entwickeln. Carbon ist leichter als Alu, was sich vor allem im Masttopp bemerkbar macht. Mit Carbonprofil kann der Mast sogar ein Stück länger ausfallen, ohne dass das Schiff zu topplastig wird und/oder zusätzlicher Ballast eingesetzt werden muss. Auf Komfort in der Bedienung braucht nicht verzichtet zu werden, denn die entscheidenden Trimmvorrichtungen werden hydraulisch unterstützt. Allerdings sollte man mit durchgesteckten Masten und Hydrauliknutzung umzugehen wissen. Die Kraft, die hierbei zum Tragen kommt, ist nicht zu unterschätzen.

Um dem neuartigen Rigg die Aufmerksamkeitskrone aufzusetzen, wurden die Segel aus rabenschwarzem Laminat gefertigt. Das erinnert an Piratenschiffe und sieht auf jeden Fall sehr bissig aus, ist aber für den Steuermann gewöhnungsbedürftig. Obwohl es seinen Augen guttut, auf eine dunkle anstelle einer gleißend hellen Fläche zu schauen, muss er genau hinsehen, um den entstehenden Gegenbauch oder kleinere Falten zu entdecken.

Guten Vortrieb bringen die Segel auf jeden Fall. Mit einem kleinen Schrick in den Schoten schaffen wir locker neun Knoten bei leicht kabbeliger See. Diese guten Werte kommen auch zustande, weil die 110-Prozent-Genua ebenfalls optimiert ist. Obwohl sie auf einer Rollanlage sitzt, kann das Vorsegeldreieck komplett genutzt werden, denn die Trommel ist unter Deck montiert. Derart ausgestattet bringt der 50-Füßer 149,5 Quadratmeter Segelfläche an den Wind.

Im Standard wird ein Alurollmast geriggt, der die Am-Wind-Segelfläche um einige Quadratmeter reduziert. Übrig bleiben immer noch stattliche 131,5.

Die Bedienung der Segel erfolgt aus dem sicherem Mittelcockpit heraus. Um Platz für die E-Motoren der Genuawinschen zu schaffen und gleichzeitig einen Tritt zu schaffen, der den Einstieg ins Cockpit erleichtert, wurden die Winden auf Podeste direkt neben den Sülls gesetzt. Sie liegen so dicht an den Steuerständen, dass sie für den Steuermann erreichbar sind. Bei Bedarf oder im Solomodus kann er die Genuaschoten loswerfen oder neu bestücken. Die Winsch für seine Großschot ist mittig auf dem Achtersüll montiert. Sie liegt also in seinem Rücken, aber ebenfalls in Griffnähe. Dichtgeholt werden die Schoten per Knopfdruck. Die entsprechenden Bedienelemente sitzen auf den Paneelen an den Steuersäulen.

An Deck

Leicht zu trimmen

Besonders geschützt

Um mehr Platz in den Innenraum zu bekommen, aber auch um das Geschwindigkeitspotenzial mit Hilfe einer längeren Wasserlinie zu erhöhen, ist das Heck des 16 Meter langen Schiffs sehr breit angelegt. Von der Mitte aus, bis in den Spiegel hinein, verjüngt es sich kaum. Aufgrund dieser großen Breite werden zwei Ruderblätter montiert – und zwei Steuerräder. In der Gästeplicht ist ein großer zweiflügeliger Cockpittisch aufgestellt. Die Sitzbänke zu beiden Seiten bieten Platz für vier bis sechs Personen, die geschützt hinter der festen Windschutzscheibe und der Sprayhood sitzen, sofern sie aufgespannt ist. Bei Schlechtwetter kann sie sogar noch verlängert werden. Die dafür vorgesehenen Zusatzplanen lassen sich mit einem Reißverschluss befestigen.

Halt für die Füße geben die Tischbeine und eine Niro-Stange, die zwischen ihnen entlangläuft. Im Bedarfsfall kann ein innen liegendes Zusatzrohr herausgezogen und in einen Beschlag am Niedergang eingeklinkt werden. Diese Fußstützenverlängerung ist ideal für alle, die weit unter die Sprayhood rutschen und Halt bei Schräglage suchen.

Die schwarzen Segel der Hallberg-Rassy 50 erinnern an Piratenschiffe und verleihen ihr ein bissiges Aussehen.

Für den Steuermann gibt es aufstellbare Fußrasten, die gute Dienste leisten. Da die HR 50 mit Mittelcockpit ausgestattet ist, steht beziehungsweise sitzt der Rudergänger selbst bei großer Krängung nicht allzu weit oben, denn zusätzlich zu den Laufdecks gibt es breite Sülls, die dafür sorgen, dass das Cockpit nicht allzu ausladend wird. Auf den Seitendecks ist Platz genug, sicher nach vorn aufs Vorschiff zu gelangen. Damit man sich nicht um die Wanten herumwinden muss, sind die Wanten getrennt angeschlagen, mit einem Durchlass für die Crew. Beim Passieren muss man allerdings nach unten schauen, denn genau zwischen den Püttingen liegen die Travellerschienen für die stufenlos verstellbaren Fockholepunkte. Stolperfallen auf dem ansonsten planen Deck.

Das Steuern fällt leicht, zumindest am Testtag, an dem drei Windstärken herrschen. Für den Rudergänger gibt es wenig zu tun, weil die Hallberg-Rassy 50 zuverlässig ihre Spur hält. Dass sie leer 21 Tonnen wiegt, merkt man nicht, wohl aber, dass sie keine Nervosität zeigt. Für eine Blauwasseryacht, die für lange Schläge konfektioniert ist, wäre kapriziöses, allzu agiles Auftreten eine unerwünschte Charaktereigenschaft. Solides, im besten Sinne stoisches Kursverhalten ist das, was gewünscht wird und was die HR 50 bereitstellt.

Besonders luftig

Um Komfort auch unter Deck zu bieten und dabei möglichst wenig Kompromisse hinsichtlich Rumpferweiterungen und Freiborderhöhungen zu machen, haben sich Werft und Konstrukteur Germán Frers einiges einfallen lassen. Das selbstgesteckte Ziel bestand darin, Stehhöhe von vorn bis achtern zu bieten und gleichzeitig den Kabinenboden auf einer Ebene zu halten. Für den Ausbau der Achterkabine war das Achterdeck hoch genug, doch den Durchgang zum Salon mit Stehhöhe auszustatten, gestaltete sich so lange schwierig, bis man auf die rettende Lösung kam: Indem das Cockpitsüll eine deutlich breitere Form als gewohnt erhielt und genau über dem Durchgang positioniert wurde, konnte die gewünschte Deckenhöhe generiert werden. Selbst hochgewachsene Segler, die von der Pantry in die Achterkabine wechseln, müssen keine Angst haben, sich den Kopf zu stoßen, denn die Stehhöhe beträgt im Durchgang zwei Meter.

Um auch die Vorschiffskabine luftig zu gestalten, ließ man sich gleich zwei Designtricks einfallen. Zum einen erhielt die HR 50 einen ordentlichen Deckssprung (der ihr gut steht), zum anderen wurde das Deckshaus durch einen niedrigen Vorbau erweitert. Dieser sehr flache Ausläufer streckt den Aufbau optisch und bringt die fehlenden Höhenzentimeter ins Schiffsinnere.

Der Interieurgrundriss bleibt bei allen Layoutvorschlägen gleich. In jedem Fall werden drei Kabinen eingebaut, eine achtern, eine im Bug, die dritte an Steuerbord, noch vor dem Mast. Und es gibt für vorn und achtern eigene Bäder. Die Unterschiede liegen in der Anordnung und Formgebung der Möbel und in den verwendeten Hölzern und Polsterfarben. Der größte Schlafraum liegt unter dem Achterdeck und gilt als Eignerkabine inklusive En- Suite-Bad. Beim Testschiff ist hier noch ein kleiner Bürobereich aufgebaut. Das ist machbar, weil die Doppelkoje als Inselbett geformt ist. Im Alternativvorschlag würde man zwei separate Betten finden, eines davon breit genug für zwei Erwachsene. Auf den Bürotisch muss man dann verzichten, nicht aber auf eine kleine Sitzbank.

Unter Deck

Edel und luftig

Für die Möblierung der Bugkabine gibt es ebenfalls zwei Layoutvorschläge: A: Inselbett, B: Einzelbetten, die im Fußbereich zusammengeführt werden. Unverändert bleiben die separate Nasszelle auf der Backbordseite und die Einzelkabine gegenüber (die auf Wunsch mit einer klappbaren Seekoje komplettiert werden kann). Im Salon sitzt man sich entweder auf einem Längs- und einem L-Sofa gegenüber oder wählt die gemütlichen Lesesessel anstelle der kürzeren Bank. In diesem Fall wird die Navigationsecke steuerbord neben dem Niedergang eingebaut, mit Blick in Fahrtrichtung. Dieses Layout bedeutet auch, dass die Pantry im Durchgang zur Achterkabine liegt. Entscheidet man sich gegen die Lesesessel und für die kurze Bank, findet der Smutje seinen Arbeitsplatz, wo sonst der Navigator sitzt.

Am begehbaren Motorraum wird nicht gerüttelt. Er liegt unter dem vorderen Teil des Cockpits und ist groß genug für den Motor und diverse Aggregate. Seine Rückwand grenzt an die Achterkabine, das Schott auf der Steuerbordseite ans En-Suite-Bad, wo unter anderem die Waschmaschine eingebaut ist. Sollte sie wegen eines Defektes ausgetauscht werden müssen, kann man sie durch die erstaunlich geräumige Maschinenkammer nach außenbords befördern. Ein schöner Nebeneffekt.

Die Bedienung der Segel erfolgt aus dem sicheren Mittelcockpit heraus. Per Knopfdruck

Testergebnisse

Segeltragezahl Testschiff mit optimierter Segelfläche: 4,4

Ihr Wert gibt das Verhältnis von Segelfläche zur Verdrängung an. Wie viel Segelfläche eine Yacht bis zum Reffen tragen kann, hängt jedoch von der Tiefe des Schwerpunkts und der Stabilität ab. Der Wert einer typischen Fahrtenyacht liegt bei 4,2. Steife Cruiser Racer erreichen über 5.

Ballastanteil: 35 Prozent

Mit einem Ballastanteil von 35 Prozent ist die HR 50 auf der sicheren Seite. Einen Ballastanteil von 25 Prozent sollten Fahrtenyachten mit dem üblichen, moderaten Tiefgang aus Gründen der Seetüchtigkeit nicht unterschreiten.

Längen-Breitenverhältnis: 3:1

Das Längen-Breitenverhältnis von 3:1 spricht für eine ausgewogen segelnde Fahrtenyacht. Reinrassige Regattayachten können das Verhältnis 2,2:1 haben. Zusammen mit dem Ballastanteil und der Lage des Schwerpunkts hat dieser Wert einen großen Einfluss auf die Segeleigenschaften.

Rumpfgeschwindigkeit: 9,35 Knoten

Maximal erreichte Fahrt am Testtag: 9,1 Knoten

Erreicht wurde die Topgeschwindigkeit auf einem Schrickkurs von 60 Grad zum Wind unter Genua und Groß bei drei Windstärken und leicht kabbeliger See.

Besonders einladend

Von ihrer Anmutung, Verarbeitung und Materialwahl präsentiert sich die gesamte Einrichtung als ausgesprochen einladend. Indirektes Licht sorgt für eine heimelige Atmosphäre, schöne Holzarbeiten verleihen den Möbeln Klasse. In dieser schwedischen Werft werden Schränke und Schapps selbstverständlich mit Belüftungsschlitzen gearbeitet und so gebaut, dass ihre Maserung durchläuft. An Bord des Testschiffs wurde das Interieur aus Eiche gefertigt und die Maserung quer zur Schiffsrichtung angelegt. Das soll dem Salon noch mehr Großzügigkeit verleihen, verbunden mit dem Gefühl, besonders viel Bewegungsfreiheit zu haben. Auch objektiv ist das der Fall, denn auf einige Schotten, die den Schiffsinnenraum in kleinere Parzellen teilen, kann verzichtet werden, seit die Bodenwrangen den gesamten Rumpf bis zum Deck hochlaufen, was bei den neueren Rassy-Modellen der Fall ist.

Die offene Raumgestaltung in Kombination mit den hellen Eichenhölzern und den hellgrauen Polstern lädt so sehr zum Verweilen ein, dass man sich gut vorstellen kann, eine längere Reise mit diesem Schiff zu unternehmen. Unterstützt wird die Gemütlichkeit durch hochwertige Polster mit ergonomisch geformten Rückenlehnen. Dafür, dass die notwendigen Utensilien Platz an Bord finden, sorgen zahlreiche Stauräume. Außen sind das die große, tiefe Backskiste auf dem Vordeck – zusätzlich zum Ankerkasten – und die etwas kleineren auf dem Achterdeck. Innen findet man zahlreiche Schränke, Hängeschränke und Banksockel. Die Untergestelle der Kojen eignen sich, abhängig von den hier untergebrachten Tanks, Batterien etc. mal mehr oder weniger gut als Stauraum. Für die fachgerechte Lagerung von empfindlichen Lebensmitteln stehen mehrere Kühlschränke und Kühlboxen zur Verfügung, so dass einem längeren Schlag ohne Zwischenstopp nicht mehr viel im Wege steht.

Fazit

Hochwertige Langfahrtyacht mit guten Segeleigenschaften

Pro

• innovative Ausrüstung

• schöne Holzarbeiten

• edles Finish

• luftiges Raumkonzept

Contra

• Genuatravellerschienen zwischen den Wanten, Stolperfalle

Kommentar I segeln-Testerin Silke Springer

Innovativ und luxuriös

Die Hallberg-Rassy 50 ist eine wertig gebaute, gut segelnde Blauwasseryacht, die mit innovativer Ausrüstung aufwartet. Außergewöhnlich ist das Carbonrigg, denn nicht nur der Mast, auch die Salinge, der Baumniederholer und der Baum sind aus Carbon. Damit nicht genug handelt es sich um einen durchgesteckten Mast, der ein Rollgroßsegel aufnehmen kann. Das wiederum ist mit ausgestelltem Topp geschnitten, was, komplettiert mit einer 110-Prozent-Rollgenua, für eine große Segelfläche mit entsprechend viel Vortrieb sorgt. Getrimmt wird mit Hilfe von Hydraulik und E- Motoren, die das Dichtkurbeln der Schoten übernehmen. Per Knopfdruck. Die Segeleigenschaften sind auf langen Schläge ausgerichtet, das heißt, Spurtreue steht vor Sportlichkeit.

Ansprechende Geschwindigkeitswerte werden auch durch die lange Wasserlinienlänge generiert, die durch steile Schiffsenden und ein breit auslaufendes Heck entsteht. Letzteres bringt außerdem viel Volumen ins Schiff. Mit anderen Worten: die HR 50 segelt gut und bietet komfortable Innenräume mit viel Bewegungsfreiheit. Ausgebaut ist sie mit qualitativ hochwertigen Möbeln und Polstern, wodurch eine Wohlfühlatmosphäre entsteht. Unterstrichen wird sie von einem vielseitigen Lichtkonzept aus indirekter Beleuchtung, Deckenstrahlern und Leselampen.

Die Interieurlayouts, die maximal drei Kabinen vorschlagen, sind so ausgelegt, dass alle erdenklichen Geräte, die eine komfortable Langfahrt noch komfortabler machen, untergebracht werden können, darunter Waschmaschine, Salzwasseraufbereiter, Zusatzkühlschränke etc. Diese Yacht ist ein schwimmendes Luxusappartement von 16 Metern Länge und fünf Metern Breite, auf dem man gerne viel Zeit verbringt, am liebsten segelnder Weise.

Von der Verarbeitung und Materialwahl präsentiert sich das Schiff als ausgesprochen einladend

Wichtigste Voraussetzung ist natürlich, dass man über das notwendige Kapital verfügt, um sich die HR 50 leisten zu können. Der Basispreis beträgt rund 1,5 Millionen Euro. Bekanntermaßen war es immer schon etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Bei der HR 50 relativiert sich die hohe Summe, wenn man sich die sehr umfangreiche Standardausstattung vor Augen führt und die aufwändige, wertige Verarbeitung. Das fängt bei den bis in die letzten Ecken sicher verankerten Kabelsträngen an, deren Einzelzuordnung sich anhand einer langen Nummernliste im Schaltkasten ablesen lässt, geht weiter über dimmbare Leselampen mit integrierten USB-Ladestationen zu beiden Seiten der Betten, deren Federkernmatratzen mit einem Topper nochmals aufgewertet werden und führt hin zu zwölfmal lackierten, glänzenden Teakholzablagen, die den Niedergang verschönern und zum Eintreten animieren.

Text: Silke Springer