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Hilfe, die ankommt


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Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 25.06.2022
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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 7/2022

Juan Luis Escobar und María Jesús Márquez haben die Geschwister Ljubawa, Warja und Jesenja nach Spanien geholt

Spanien

Ein Ehepaar bringt drei Schwestern in Sicherheit

AM 25. FEBRUAR ging es für María Jesús Márquez und ihren Mann Juan Luis Escobar auf eine weite Reise: 7700 Kilometer wollten sie mit ihrem Citroën C4 von ihrer Heimatstadt Ciudad Real in Spanien nach Ubla, einem slowakischen Dorf an der Grenze zur Ukraine fahren – und wieder zurück.

Ihre Mission? Die drei ukrainischen Schwestern Ljubawa, 14, Jesenja, 12, und Warja, zehn, vor dem eskalierenden Krieg zu retten und sie in Sicherheit zu bringen. Am 5. März trafen die fünf in Ciudad Real ein. Erschöpft erzählten Márquez und Escobar in Medieninterviews von ihrer anstrengenden, aber aufregenden Reise. Nun waren die Mädchen in Sicherheit.

Auf ihrer Reise sind die Eheleute bewegt von der Großzügigkeit der Menschen, denen sie begegnen

Im Sommer 2017, 2018 und 2019 hatte Jesenja im Rahmen eines Förderprogramms einige Wochen bei dem Ehepaar gelebt. Nun bat ...

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... Jesenjas 18-jährige Schwester Juliana die Spanier auf Instagram um Hilfe: „Bitte holt meine Schwestern. In der Ukraine passieren furchtbare Dinge.“ Juan und María zögerten keine Sekunde.

Es war eine schwierige Reise, nicht zuletzt deshalb, weil nur Márquez einen Führerschein hat. Außerdem hatten sie kaum Zeit, die Route zu planen oder im Voraus Unterkünfte zu reservieren. Zum Glück half Tochter Andrea (25) von Spanien aus.

Außerdem unterstützten sie Freunde und Mitglieder der gemeinnützigen Organisation Ciudad Real en Ayuda al Niño, die bereits Jesenjas Sommeraufenthalte vermittelt hatte.

Das Ehepaar berichtet bewegt von der Solidarität und Großzügigkeit der Menschen, denen sie begegneten. So gewährte eine polnische Familie ihnen Verpflegung und ein Nachtlager, in dem sie sich ausruhen konnten. Andere boten über soziale Netzwerke Unterkünfte an. „In einem Restaurant durften wir sogar kostenlos essen, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass wir drei ukrainische Flüchtlingsmädchen bei uns aufnehmen wollten“, erzählt Escobar.

Der traurigste Moment der Reise sei der gewesen, als die Mutter der Mädchen sich von ihren Töchtern verabschieden musste. „Bisher haben wir nicht über die Trennung gesprochen.

Sie sollen erst mal zur Ruhe kommen“, berichtet Escobar.

Jesenja und Warja, die zwei jüngeren Schwestern, werden vorerst bei Maria Jesús und Juan Luis bleiben. Für Ljubawa hat sich wenige Kilometer entfernt eine Pflegefamilie gefunden.

Aus ihrer Freude, in Spanien zu sein, macht Jesenja keinen Hehl: In Cuidad Real begrüßte sie die Journalisten mit einem fröhlichen „¡Hola!“, ehe sie erklärte, sie wolle jetzt mit Juan Luis und María Jesús nach Hause gehen und Eis essen.

Als Nächstes stehen Behördengänge an, damit die Mädchen medizinisch versorgt werden und die Schule besuchen können.

Wie lange dürfen die Fil-Schwestern in Spanien bleiben? So lange es nötig ist und ihre Familie es wünscht, verspricht das Ehepaar. „Wir wissen, wenn der Krieg endlich vorbei sein wird, beginnt die schwierige Nachkriegszeit. Aber wir sind darauf vorbereitet, und wir behandeln die Mädchen so, als ob sie unsere eigenen Töchter wären“, verspricht Escobar.

AUS: LA TRIBUNA DE CIUDAD REAL (5. März 2022); © 2022 EFE NEWS SERVICES

Deutschland

Ein Arzt hilft an der polnischen Grenze

SEIT ENDE FEBRUAR herrscht Krieg in der Ukraine. Viele Menschen flüchten von dort ins Nachbarland Polen. Peter Haarmann war 14 Tage lang im südpolnischen Ort

Przemysl, um den an der Grenze ankommenden Menschen zu helfen.

Eigentlich führt er eine Arztpraxis im südbadischen Stühlingen. In einem Rundfunkinterview zu Beginn des Krieges berichtet er, was er erlebt hat.

Herr Dr. Haarmann, was sehen Sie denn aktuell? Beschreiben Sie uns Ihre Eindrücke!

Dr. Peter Haarmann: Wir sind seit vier Tagen hier und sehen nicht abreißende Flüchtlingsströme mit entkräfteten, erkrankten und psychisch stark belasteten Menschen. Vor allem Frauen mit Kindern und ältere Menschen. Männer so gut wie keine.

Sie sprechen natürlich auch mit den Menschen. Wie erleben Sie die Geflüchteten, was erzählen sie?

Die Konversation ist etwas erschwert, da wir in unserem Team niemanden haben, der deren Landessprache spricht. Es ist so, dass wir ab und zu ein paar Dolmetscher vor Ort haben, die übrigens immer mal selbst Geflüchtete sind, die zu uns kommen .Frauen, die fragen, wo sie helfen können. Es ist ziemlich schwierig. Die Frauen sind häufig schwer traumatisiert und kümmern sich liebevoll um ihre Kinder. Wenn man sie aber in einem Moment erwischt, in dem wir zum Beispiel ihrem Kind ein Überraschungsei in die Hand gedrückt haben, und man fragt, ob man etwas für sie tun kann, haben sie Tränen in den Augen. Sie drehen sich dann ab und gehen weg.

Sie sind als Arzt dort. Wie können Sie denn aktiv helfen?

Ich kann die Menschen hier teilweise untersuchen und entsprechende Medikation für sie herausgeben. Darüber hinaus haben wir sehr viele Medikamente mitgenommen, die wir zu einem nicht unerheblichen Teil hier an die Menschen verteilen, die das natürlich alles nicht dabei haben. Zum Beispiel Medikamente für veränderte Hautsituationen durch die Kälte. 36 Stunden in der Kälte stehen bringt so einiges mit sich. Durchfallerkrankungen, die jetzt so langsam beginnen. Hier kommen auch immer wieder Lkw-weise Hilfslieferungen medizinischer Natur an. Ich bin, so wie das hier aussieht, momentan der einzige Arzt an dieser Stelle, der dann diese Dinge trennt. Einige Präparate und Hilfsmittel werden direkt in die Ukraine gehen, in die Militärkrankenhäuser. Wir haben dort schon einen Kontakt aufgebaut, von dem Fahrer hierherkommen. Das sind übrigens häufig auch Damen, die mutig wieder rüberfahren in die ukrainischen Militärkrankenhäuser.

Wie ist es denn gekommen, dass Sie jetzt an der Grenze sind?

Wir haben – wie wir alle – von diesen schrecklichen Ereignissen gehört. Und dann hat in unserem Heimatort in Stühlingen ein Unternehmer angefangen zu sammeln, um mit Lkws die Sachen rüberzufahren. Da habe ich gedacht, da kann ich nicht viel beitragen, aber ich fahre selber rüber. Als ich das in der Praxis ausgesprochen hatte, hat einer meiner Mitarbeiter sofort gesagt: Ich komme mit.

Hat man da nicht auch ein bisschen Angst, wenn man dann dem Krieg so nahe ist?

Nein. Ganz klare Antwort. Aber wir wissen, dass einige um uns Angst haben. Das ist auch etwas, das wir wahrnehmen. Wir versuchen immer wieder zu vermitteln, dass wir uns hier sehr sicher fühlen. Direkt Angst haben wir nicht. Da sind ganz andere Emotionen im Raum, die uns beschäftigen.

Was möchten Sie den Menschen mitgeben oder auch sagen?

Im Grunde genommen kann ich nur dazu aufrufen, dass wir die Menschen, die von diesem Krieg so gebeutelt sind, weiter unterstützen. Bitte, bitte spenden Sie weiter. Spenden Sie vor allem finanzielle Mittel. Wir bauen hier oben auch Verbindungen auf, um später, wenn wir nicht mehr hier sind, sondern wieder in Stühlingen unseren Praxisbetrieb aufnehmen, trotzdem weiter helfen zu können.

AUS SWR AKTUELL, 3. MÄRZ 2022, © 2022 SÜDWESTRUNDFUNK

—SWR Aktuell

Finnland

Eine Olympionikin mobilisiert Helfer

ANNI VUOHIJOKI war gerade von den Olympischen Winterspielen in Peking in ihre Heimatstadt Helsinki zurückgekehrt, als Putins Truppen in die Ukraine einmarschierten. „Das erinnerte mich an die Annexion der Krim“, sagt die Ärztin in Ausbildung, die zum Betreuerstab der finnischen Nationalmannschaft gehört. „Das geschah direkt nach der Olympiade 2014 in Sotschi.“

Die 33-Jährige fühlt sich den Ukrainern stark verbunden. „Durch den Sport habe ich mehrere ukrainische Freunde.“ 2016 trat sie bei den Olympischen Spielen in Rio im Gewichtheben an. „Und wir Finnen hegen schon immer eine gewisse Angst vor dem mächtigen Nachbarn im Osten.“

Finnland und Russland teilen sich eine 1300 Kilometer lange Grenze.

Am 27. Februar, drei Tage nach der Invasion, beschlossen Vuohijoki und ihr Mann Sami Köngäs, ihr Blockhaus als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Mit ihrer Freundin Laura Peippo aus Lappland überlegte sie: Wenn sie einen Bus samt Fahrer auftreiben würden, könnten sie Vorräte in die Ukraine schaffen und Menschen evakuieren.

Als Vuohijoki, die in Finnland fast jeder kennt, ihren Plan über Twitter teilte, meldeten sich sofort zahlreiche Journalisten und baten um Interviews.

Hilfsorganisationen und sogar ein ehemaliger finnischer Außenminister wollten helfen.

Vuohijoki erzählt: „Wir fragten bei einer ukrainischen Organisation an, was gebraucht würde. Medikamente, Lebensmittel und andere Hilfsgüter.“

Unterdessen nahm Laura Kontakt mit Flüchtlingen auf, die nach Finnland kommen wollten und dort Bekannte oder eine Anlaufstelle hatten.

„Es war total chaotisch“, erinnert sich Vuohijoki. Doch sechs Tage nach ihrem Tweet hatten die beiden Frauen 56 Flüchtlinge ausfindig gemacht.

Genug, um den Bus zu füllen und die Genehmigung für den Transport von Hilfsgütern nach Warschau zu bekommen. Am 6. März, einem Sonntag, bestiegen Vuohijoki, Peippo und drei freiwillige Fahrer in Helsinki den gespendeten Bus und setzten kurz darauf mit der Fähre nach Tallinn, Estland, über.

Nachdem Lucas Wojcik einen Aufruf auf Facebook gepostet hat, kommen viele Hilfsangebote

„Als wir die Hilfsgüter im medizinischen Verteilzentrum in Warschau ablieferten, sahen wir, wie dringend diese gebraucht werden. Sobald ein Lastwagen eintrifft, der für die Ukraine bestimmt ist, wird er sofort beladen und auf den Weg geschickt.

Unsere Lieferung war in weniger als 25 Minuten verteilt“, erzählt Vuohijoki.

Anschließend ging es zum Warschauer Hauptbahnhof. 56 Flüchtlinge sollten hier zwischen 16 und 18 Uhr auf sie warten. „Wir waren nicht sicher, ob alle kommen würden.

Aber alle waren da.“ Am 8. März erreichte der Bus Helsinki.

Die Aktion hat in Finnland viel Aufmerksamkeit erregt. Genau das haben die zwei bezweckt. „Die meisten Finnen tun Gutes, ohne darüber zu reden. Wir wollten aber zeigen, wie wir der Ukraine helfen können“, erklärt Vuohijoki. Es hat funktioniert.

Die Aktivistinnen erhielten unzählige Nachrichten von Menschen, die sich ebenfalls engagieren wollten.

Mit einer jungen Studentin namens Dana, die nach Finnland geflohen ist, pflegt Vuohijoki weiter Kontakt. Sie hat ihr einen Job in ihrem Fitnessstudio in Helsinki angeboten. „Dana reiste allein. Ihr Freund musste in der Ukraine bleiben, um zu kämpfen. Sie tut mir so leid.“

—Paul Robert

Frankreich

Ein Geschäftsmann bringt Krankenwagen in die Ukraine

LUCAS WOJCIK ist Geschäftsmann und lebt im Département Meuse im Nordosten von Frankreich.

Dank der eingegangenen Spenden und mehrerer Organisationen die seinem Aufruf gefolgt sind, rollten am 7. März 22 Krankenwagen mit Freiwilligen am Steuer von der Kleinstadt Commercy Richtung Osten.

Nur wenige Tage zuvor hatte Wojcik auf Facebook einen Aufruf Ambulance ANTI WAR Convoy (Krankenwagen-Konvoi gegen den Krieg) gestartet. Er schrieb: „Ich arbeite im Sanitätswesen. Um die Ukrainer zu unterstützen, stelle ich drei Krankenwagen bereit, die mit Geräten und Medikamenten ausgerüstet sind. Die Fahrzeuge haben 7000 Euro gekostet.

Darin enthalten sind die Kosten für die Fahrzeuge, die ich normalerweise weiterverkaufen würde, die Wartung sowie Benzinkosten. Je nachdem, wie viel Unterstützung ich erhalte, würde ich gern weitere Fahrzeuge auf die Reise schicken.“

Die Facebook-Seite füllte sich im Handumdrehen mit Nachrichten von

Krankenwagen- und Taxifahrern, die freiwillig fahren wollten. Insgesamt hätten sich mehr als 50 Personen nicht nur aus Commercy, sondern auch aus anderen Gemeinden bei ihm gemeldet, erzählt Wojcik.

Der gebürtige Pole, der seit seinem zwölften Lebensjahr in Frankreich lebt, ist Inhaber der Firma Euro Machines. Diese verkauft neue und gebrauchte Krankenwagen. Mit der Lieferung von Fahrzeugen in Krisengebiete hat Wojcik Erfahrung: Als Russland 2014 die Krim besetzte, bat ihn eine Gruppe Pariser Studenten um Hilfe, die Krankenwagen in die Ukraine bringen wollten.

Dem ersten Konvoi folgten im März zwei weitere – insgesamt 38 Krankenwagen. Einen davon steuerte Wojcik selbst. „Die Fahrzeuge gingen an Hilfsorganisationen in der Ukraine“, berichtet Wojcik. Den Großteil der Ausgaben seiner Aktion, die rund 30 000 Euro gekostet hat, brachte er selbst auf. Ein Teil wurde von Wohltätigkeitsorganisationen und über eine Online-Crowdfunding-Kampagne gesammelt. Mit den dabei erzielten rund 4000 Euro wurde das Essen für die Fahrer und der Treibstoff bezahlt.

„Wenn man selbst nichts gibt, kann man nicht viel auf die Beine stellen“, erklärt Lucas Wojcik sein Engagement.

—Malika Boudiba, France Télévisions

AUS: FRANCE TÉLÉVISIONS (6. MÄRZ 2022); © 2022 FRANCE TÉLÉVISIONS

Niederlande

Tierfreunde finden neues Zuhause für Vierbeiner

DIE ZWEI AFRIKANISCHEN Löwen Gyz und Nila, die hinten im weißen Viehtransporter sitzen, können nicht ahnen, dass die entfernten Explosionen, die sie hören, Geräusche des Krieges sind.

Der Transporter, eine kleine Arche Noah, ist einer von vielen Tausenden, die Menschen – und Tiere – in Sicherheit bringen soll.

Es ist Dienstag, der 1. März. Die Passagiere sind selbst laut: Sechs Wildkatzen, vier Tiger und zwei Wüstenluchse knurren nervös. Zair, ein vom Aussterben bedrohter afrikanischer Wildhund, winselt. Ebenfalls mit an Bord ist ein kleines Kapuzineräffchen. Seit Stunden harren die Tiere schon im Fahrzeug aus.

Nur Gyz und Nila haben einen richtigen, stabilen Käfig. Der Rest ist in eilig improvisierten Behausungen untergebracht. Es ist eine surreale Szene inmitten der größten Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Peter de Haan von der niederländischen Tierschutzorganisation AAP (aap ist niederländisch für „Affe“) hat die Rettungsaktion mit organisiert. „Ursprünglich hatten wir geplant, die Tiere im Mai aus der Ukraine zu holen,“ berichtet er. „Doch als der Krieg ausbrach, fragte das ukrainische Wildtierzentrum die AAP um sofortige Hilfe. Die Tiere wären sonst umgekommen.“

Die Tierstation bei Kiew kümmert sich um verletzte und misshandelte Wildtiere. Normalerweise ist AAP nur innerhalb der Europäischen Union tätig. Hier machte die Organisation eine Ausnahme, um so viele Tiere wie möglich zu retten.

Es ist Mittwochnacht, als der Lkw mit seiner tierischen Fracht die polnische Grenze erreicht. Bis sie abgefertigt sind, vergehen acht Stunden. „Man kann wilde Tiere nicht einfach so über die Grenze bringen, vor allem, wenn bedrohte Arten dabei sind“, erklärt de Haan. „Es sind Papiere zur Ein- und Ausfuhr geschützter Pflanzen- und Tierarten nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen erforderlich.“ Das Verfahren nimmt für gewöhnlich mehrere Tage in Anspruch. Wegen der besonderen

Umstände und im Interesse aller Beteiligten wurde es beschleunigt.

In Polen erholten sich die Tiere einige Tage im Zoo von Pozna, bevor die Reise weiterging. Vertreter von „Nature Help Center Opglabbeek“, AAPs belgischem Partner, nahmen zwei Löwen mit. Ein zweiter Lkw fuhr nach Spanien, wo AAP in der Nähe von Alicante eine große Auffangstation unterhält.

David van Gennep, der AAP leitet, fuhr nach Spanien, um die Lkw-Insassen am 9. März in Empfang zu nehmen. Sie waren über eine Woche lang unterwegs gewesen. „Die Tiere waren ängstlich und gestresst“, berichtet er. „Für Gyz und Nila fanden wir ein gemeinsames Gehege und freuten uns darüber, dass sie einander sogleich begrüßten und sich gegenseitig leckten. Und am nächsten Morgen spielte Zair schon wieder und jagte seinen eigenen Schwanz.“

„Leider können wir nicht allen Tieren helfen, die durch den Krieg in der Ukraine bedroht sind. Für ein paar Glückliche haben wir ein neues, sicheres Zuhause gefunden. Nach allem, was sie durchgemacht haben, geht es uns jetzt darum, dass sie wieder artgerecht leben und sich entwickeln können“, sagt Gennep.

—Paul Robert

Wir müssen das Leben loslassen, das wir geplant haben, um das Leben zu akzeptieren, das uns erwartet.

JOSEPH CAMPBELL, US-AMERIKAN. PUBLIZIST (1904–1987)