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Himmelswege, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Der Himmel ist eine Scheibe


Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 05.01.2021

Fürstenhügel und Ringheiligtum, Sonnenobservatorium und Himmelsscheibe - in Thüringen und Sachsen-Anhalt belegen prähistorische Funde sowie rekonstruierte Anlagen längst vergessene Hochkulturen. Wer ihren Spuren folgt, dringt tief vor in die Vergangenheit: Zeitreise mit dem Wohnmobil.


Artikelbild für den Artikel "Himmelswege, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Der Himmel ist eine Scheibe" aus der Ausgabe 2/2021 von Reisemobil International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reisemobil International, Ausgabe 2/2021

Abbild: Die Himmelsscheibe von Nebra gehört seit Juni 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland. Sie gilt als Hauptattraktion auf den Himmelswegen.


Eingebettet: Die Arche Nebra steht gut sichtbar auf einem Hügel oberhalb des Unstruttals nahe Nebra. Ihre Architektur greift Elemente der Himmelsscheibe auf.


Der ...

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... Metalldetektor gab Signal. Die zwei Raubgräber, die am 4. Juli 1999 auf dem Mittelberg nahe Nebra auf Schatzsuche waren, fingen an zu schaufeln. Zwei Bronzeschwerter brachten sie ans Licht der Taschenlampe, zwei Beile, einen Meißel und Bruchstücke spiralförmiger Armreife.

Dann stieß ihre Spitzhacke auf etwas Hartes. Henry Westphal und Mario Renner, die hier illegal suchten, vermuteten zunächst, sie hätten den Blechdeckel einer Mülltonne entdeckt. Doch ihr Fund war wertvoller - er war einzigartig: Ohne es zu ahnen, hielten die Sondengänger die älteste bisher bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheit in den Händen.

Tatsächlich ist die Himmelsscheibe von Nebra, wie sie nun heißt, eine 3.600 bis 4.100 Jahre alte, kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold. Sie gilt als Artefakt der Aunjetitzer Kultur aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas, die in Thüringen, vor allem aber in Sachsen-Anhalt deutliche Spuren hinterlassen hat.

Diese Spuren bilden die Eckpunkte der sogenannten Himmelswege: Diese Route lässt sich prima mit dem Reisemobil verfolgen. Wer der Chronologie gehorcht, fährt von jung nach alt, ungeachtet der sich daraus ergebenden Streckenführung - was zu einem ziemlichen Zickzackkurs führt. Zum Glück lässt sich die insgesamt 250 Kilometer lange Tour nach Belieben verändern und durch weitere Sehenswürdigkeiten vor Ort erweitern.

Wichtig, um die einzelnen Punkte zuzuordnen, ist das Wissen um deren Zusammenhang. Wer sich darauf einlässt, Orte wie Langeneichstädt und Nebra, Pömmelte und Goseck zu besuchen, begibt sich auf Zeitreise. Sie beginnt um 1950 vor Christus und führt zurück bis etwa 5000 vor Christus. Von heute aus also gut 7.000 Jahre in die Vergangenheit.

Leubinger Fürstenhügel, um 1950 vor Christus

Die Tour beginnt im Reisemobil auf der Autobahn. Ein Schild an der A 71 bei Sömmerda im nördlichen Thüringen weist auf den ersten Punkt der Route hin: „Leubinger Fürstenhügel“, so heißt ein Parkplatz. Noch wird hier gebaut, es entsteht eine hochmoderne Tank- und Rastanlage samt Infozentrum. Gäste sollen hier ab Frühsommer 2021 Fakten und Hintergründe zu einer bedeutenden archäologischen Fundstätte aus der frühen Bronzezeit erfahren: dem Leubinger Fürstenhügel.

Erhaben: Der Leubinger Fürstenhügel erhebt sich nahe Sömmerda neben der Autobahn 71. Eine Betonplatte erinnert an das Grab des Herrschers, der hier Jahrtausende lang seine Ruhe gefunden hat.


Beeindruckend: Die Arche Nebra zeigt die Geschichte rund um die Himmelsscheibe. Ein Stellplatz befindet sich gerade mal 300 Meter davon entfernt.


Detailliert: Die fünf Phasen, in denen die Himmelsscheibe verändert wurde, sind in der Arche Nebra gut nachvollziehbar. Die Sonderschau „Sternensucher - Von der Himmelsscheibe bis zur Rosetta-Mission“ zeigt die Mittel, mit denen moderne Menschen noch immer nach den Sternen greifen (rechts).


Der erhebt sich gut sichtbar gleich nebenan. Ein Weg führt hin zu dem größten erhaltenen Fürstengrab der Aunjetitzer Kultur. Diese Zivilisation erlebte in der Frühbronzezeit von 2300 bis 1600/1500 vor Christus ihre Hochphase. Sie ging hervor aus den Kulturen der Glockenbecher- und Schnurkeramiker.

Verdeutlicht wird der kulturelle Zusammenhang durch den Weg hinauf auf den Fürstenhügel: Wer die nur wenige Hundert Meter lange Strecke geht, schreitet zurück in der Zeit. Oben auf dem Fürstengrab sind 4.000 Jahre zurückgelegt. In 8,5 Meter Höhe mit viel Weitblick übers Land erinnert eine Betonplatte an die „Grabkammer des Bronzezeitfürsten“. Sie war „sechseinhalb Meter tief im Grabhügel“ verborgen.

Bis 1877, als der Leubinger Fürstenhügel unter der Leitung von Friedrich Klopfleisch ausgegraben wurde. Der Jenaer Universitätsprofessor dokumentierte, wie der Hügel beschaffen und die Grabbeigaben angeordnet waren. Nur deshalb lässt sich der Zustand des Grabes sehr genau rekonstruieren.

Himmelsscheibe von Nebra, 2100 bis 1700 vor Christus

Das geht beim Fund der Himmelsscheibe von Nebra nicht, schließlich waren hier Raubgräber am Werk. Der archäologische Jahrhundertfund auf dem Mittelberg in Thüringen, der sich bis auf 252,2 Meter über NN über das uralte Kulturland erhebt, misst 32 Zentimeter im Durchmesser, ist 1,8 bis 4,5 Millimeter dick, besteht aus Bronze und Gold und wiegt 2,3 Kilogramm.

Die Himmelsscheibe zeigt 32 goldene Sterne, von denen sieben die Plejaden (Siebengestirn) darstellen in Bezug auf Vollmond (oder Sonne) und zunehmenden Mond. Außerdem sind zwei goldene Horizontbögen eingearbeitet und eine mythologisch einzuordnende Barke. Über mehrere Jahrhunderte ist die Scheibe verändert worden bis zu ihrem noch immer bestehenden Erscheinungsbild.

Die Himmelsscheibe gilt als älteste konkrete Darstellung des Kosmos weltweit. Sie birgt eine verschlüsselte Schaltregel, die Sonnen- und Mondkalender miteinander verknüpft. So konserviert sie uraltes Wissen über Himmel und Erde und verlieh ihrem Besitzer damit Macht: Wer sie zu lesen und anzuwenden wusste, herrschte über die Lebensgrundlagen, über Aussaat und Ernte.

Heute gestattet die Himmelsscheibe einen tiefen Einblick in das Weltbild der bronzezeitlichen Menschen sowie in deren Astronomie- und Religionsgeschichte. So birgt die Scheibe Erkenntnisse über das jahreszeitliche Geschehen am Himmel, festgehalten in bestimmten Winkeln zu Frühlings- und Herbstanfang sowie zur Sommer- und Wintersonnenwende.

Der faszinierenden Geschichte der Himmelsscheibe widmet sich seit dem 21. Juni 2007 die Arche Nebra. Das Besucherzentrum, nur 300 Meter vom Reisemobilstellplatz entfernt, ähnelt in seiner Architektur der Barke auf der Himmelsscheibe: Das 60 Meter lange goldene Dach stützt sich auf einen dunklen Sokel, farblich angepasst der Umgebung.

Auffällig: An der Fundstelle der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg ist eine Edelstahlscheibe in den Boden eingelassen - das Himmelsauge.


Innen erklärt die Ausstellung spielerisch und für Familien geeignet die Geschichte der Himmelsscheibe und ordnet sie auf einem Zeitstrahl ein in die Meilensteine der weltweiten Astronomiegeschichte. Zu diesem Zeitstrahl gehört auch das Sonnenobservatorium von Goseck.

Besonders empfehlenswert ist, das Planetarium in der Arche Nebra zu besuchen. Eine 360-Grad-Projektion zeigt 42 Besuchern im Halbstundentakt das Firmament über Sachsen-Anhalt, wie es zur Zeit der Himmelsscheibe aussah. Sehr plausibel vermittelt die 20-minütige Schau Zusammenhänge zwischen Sonne, Mond und Erde und erklärt, was auf der Himmelsscheibe zu erkennen ist.

Die wurde um 1600 vor Christus vergraben. Die Fundstelle liegt 3,5 Kilometer von der Arche Nebra entfernt. Der Weg lohnt sich: Auf der Kuppe des Mittelbergs steht ein 30 Meter hoher, um zehn Grad geneigter Aussichtsturm, der den Zeiger einer Sonnenuhr symbolisiert. Damit greift er ein für die Himmelsscheibe zentrales Thema auf: die Zeitmessung.

Genau 176 Stufen (Achtung: bei Regen glatt) führen hinauf zu einer Plattform. Zu sehen sind im Süden das Unstruttal, im Nordosten Kyffhäuser und Brocken. Sicht- achsen, eingelassen in den Boden, lenken den Blick auf die Landmarken. Die haben die Menschen schon vor 3.600 Jahren vom Mittelberg aus gesehen. Sie spielten eine Rolle bei der Beobachtung des Himmels und dem Lauf der Sonne.

Die genaue Stelle, an der die Himmelsscheibe ausgegraben wurde, markiert eine gewölbte Scheibe aus Edelstahl. Dieses Himmelsauge hat einen Durchmesser von 3,4 Metern - einem Hunderttausendstel der Entfernung zwischen Erde und Mond.

Ringheiligtum Pömmelte, Ende 3. Jahrtausend v. Chr.

Rituale und Opferhandlungen spielten eine Rolle im Ringheiligtum Pömmelte nahe Schönebeck an der Elbe. Zu erreichen ist es bei einer abwechslungsreichen Fahrt durch das Biosphärenreservat Mittelelbe. Bei Barby, wo die Saale in die Elbe mündet, pendelt eine Fähre und bringt auch Reisemobile ans andere Ufer.

Ausgerichtet: Die Eingänge des Ringheiligtums Pömmelte zielen auf den Sonnenstand an Tagen der Sonnenwende - wichtig für Saat und Ernte.


Ein Stück weiter noch, südöstlich von Magdeburg, haben Archäologen die Überreste eines mehr als 4.000 Jahre alten Kultortes rekonstruiert. Erstaunlich: In Größe, Aufbau und Funktion glich das Ringheiligtum Pömmelte dem englischen Stonehenge. Beide Anlagen entstanden am Ende der Steinzeit. Die Kreisgrabenanlage an der Elbe bestand aber nicht aus mächtigen Megalithen, sie war gebaut aus Tausenden von Holzpfählen.

Auch hier ist das Verständnis vom Sonnenlauf zu erkennen: Die Zugänge zu dem 115 Meter großen Rund sind auf wichtige Termine im bäuerlichen Jahr wie Saat und Ernte astronomisch ausgerichtet. Zu Frühlings- und Herbstanfang sowie Sommer- und Wintersonnenwende fiel das Sonnenlicht durch die Pforten zentral in das Ringheiligtum.

Rund um das Rondell, die Rekonstruktion ist ständig frei zugänglich, sind Siedlungsspuren nachweisbar. Betonplatten mit Reliefs zeigen, ob Gräber oder Gegenstände gefunden wurden. Die im Boden hervorragend erhaltenen Funde gestatten detaillierte Einblicke in die komplexen Rituale und Opferhandlungen der Menschen in der Jungsteinzeit im Übergang zur frühen Bronzezeit.

Stolz: Das Ringheiligtum Pömmelte befindet sich am Rand des Ortes. Archäologen haben es komplett rekonstruiert. Steinplatten markieren Fundstellen.


Klar: Die Verzierungen an den Eingängen des Ringheiligtums belegen, dass es sich bei der runden Anlage um eine Kultstätte handelt. Hier wurde Göttern gehuldigt und ihnen Opfer dargebracht. Die Originale der Stelen sind im Salzlandmuseum im benachbarten Schönebeck zu sehen. Eindrucksvoll sind aber schon die Nachbildungen.


Markant: Der Wartturm dient als guter Orientierungspunkt, um die Dolmenkönigin oberhalb von Langeneichstädt zu finden.


Entdeckt: Das Grab mit dem Menhir hat ein Bauer beim Pflügen gefunden. Die Ritzungen zeigen eine weibliche Gottheit.


Die rekonstruierte Ringanlage vermittelt den Eindruck, wie das Ringheiligtum einst ausgesehen haben mag. Besonders gut ist die Anlage von einem Aussichtsturm gleich nebenan zu überblicken.

Originalfunde aus der Anlage und der Umgebung zeigt das benachbarte Salzlandmuseum (Montag und Mittwoch geschlossen) in Schönebeck - beeindruckende Überreste des Kultplatzes an der Elbe. Ein Campingplatz befindet sich elf Kilometer von Pömmelte und knapp fünf Kilometer vom Museum entfernt.

Dolmengöttin v. Langeneichstädt, 3600 bis 2700 v. Chr.

Auf der Reise in die Vergangenheit rollt das Reisemobil weiter gen Langeneichstädt in die Zeit zwischen 3.600 und 2.700 vor Christus. Wer nach der Dolmengöttin sucht: Auf einem Hügel oberhalb des kleinen Ortes, der allenfalls noch für seine Bockshornmühle bekannt sein dürfte, steht ein Wartturm. Er ist weithin sichtbar und gehört zu einem hochmittelalterlichen Landwehrsystem.

Direkt daneben stieß 1987 ein Bauer beim Pflügen auf eine mächtige Grabplatte. Bei Ausgrabungen wurde auf dem Boden der heute offenen Grabkammer Schmuck aus Kupfer und Knochen, Tierzähnen und Bernstein gefunden.

Außerdem kam ein 1,76 Meter großer Menhir zum Vorschein. Ritzungen oben an dieser Stele zeigen stark vereinfacht eine weibliche Gottheit - die Dolmengöttin. Außerdem lässt sich ein Axtmotiv als Statussymbol des Mannes erkennen. An den Seiten der Göttin zeigen sich deutliche Glättspuren. Hier haben wohl ziemlich viele Menschen Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Ernte erhofft, wenn sie den Menhir berührten.

Alljährlich lädt der Warteverein Langeneichstädt am Pfingstsonntag zu einem Fest auf dem Freigelände ein. Besucher dürfen dann sogar die Warte besteigen. Am Tag des offenen Denkmals geben Vereinsmitglieder vor Ort Auskunft zu Warte und Dolmengöttin.

Sonnenobservatorium von Goseck, 5000 vor Christus

In Goseck ist der am längsten zurückliegende Punkt der Zeitreise erreicht. In dem Ort oberhalb der Saale zwischen Naumburg und Weißenfels, eher durch sein Schloss bekannt, entdeckten Luftbildarchäologen 1991 eine runde Verfärbung. Die Ausgrabung bestätigte: Die dafür ursächliche Kreisgrabenanlage zählt 7.000 Jahre und gilt als ältestes Sonnenobservatorium Europas - ein klarer Beleg, dass die Menschen schon damals systematisch den Himmel beobachteten.

Hier finden sich erstaunlicherweise an den Verbindungslinien der Ein- und Ausgänge dieselben Winkel wie auf der Himmelsscheibe von Nebra. Schon vor 7.000 Jahren richteten die Baumeister ihre Anlage nach astronomisch relevanten Tagen aus. All das lässt sich erkennen beim Besuch der Anlage: Die Fundstätte wurde mit 20.000 Holzpfählen rekonstruiert.

Herrschaftlich: Im Schloss Goseck befindet sich das Informationszentrum zum Gosecker Sonnenobservatorium. Von hier aus reicht der Blick weit hinein nach Sachsen-Anhalt, in das Land der Himmelswege.


Rekonstruiert: Das Sonnenobservatorium besteht aus 20.000 Holzpfählen und gilt als das älteste seiner Art weltweit.


Seit Ende 2005 steht das Sonnenobservatorium für Besucher offen. Im nahe gelegenen Schloss lädt eine familienfreundliche Ausstellung zu der beeindruckenden Kreisgrabenanlage ein.

MUSEUM IN HALLE - ALLES AUF EINEN BLICK

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale gehört zu den wichtigsten archäologischen Museen in Mitteleuropa. Wer den Himmelswegen gefolgt ist, sollte es unbedingt besuchen.
• Glanzstück ist die Ausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra, die hier im Original zu bewundern ist.
• Zu sehen sind Fundstücke aus dem Leubinger Fürstenhügel und Töpferarbeiten von den in dem Zusammenhang so wichtigen Schnurkeramikern.
• Auch das Original der Dolmengöttin zeigt das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Am Fundort in Langeneichstädt steht eine Kopie des Menhirs.
Vor dem Besuch bitte wegen Corona und eines internen Umbaus unbedingt nach den Öffnungszeiten erkundigen. Im 2. Halbjahr 2021 kommt die große Landesausstellung „Neue Horizonte“. In der ist die Himmelsscheibe Ausgangspunkt für eine paneuropäische Betrachtung der Bronzezeit.
Wichtig: In Halle entsteht gegenwärtig ein Planetarium. Ab Herbst 2021 sollen Besucher im dann größten und modernsten Planetarium Sachsen-Anhalts nach den Sternen greifen, www.planetarium.halle.de Reisemobilisten übernachten auf dem Stellplatz in Halle oder im zwölf Kilometer entfernten Brachwitz. Von dort pendelt eine Fähre über die Saale, groß genug auch für Freizeitfahrzeuge.

Verwandt: Der Mensch aus der Vorzeit bildet das gedankliche Zentrum im Museum für Vorgeschichte in Halle - sehr sehenswert.

MOBIL AUF DEN HIMMELSWEGEN

Der Himmel, Sonne, Mond und Sterne, dazu Bronze, Gold, Ausgrabungen und uralte Geschichten - all das findet sich entlang der Himmelswege in Thüringen, vor allem aber in Sachsen-Anhalt. Den Mythen und Fundstücken sind Museen gebaut, die Anlagen nach aktuellen Erkenntnissen rekonstruiert worden. Weltberühmte Gegenstände und Stätten erzählen die Geschichte der Menschen aus vergangener Zeit und zeugen von längst vergessenem, profundem Wissen.
Für Reisemobilisten, die sich gern den Sternen widmen, sind die Himmelswege ein Leckerbissen: Die Etappen sind kurz, die Ziele hochinteressant. Stets gibt es in der Nähe Übernachtungsplätze. Außerdem finden sich entlang der Strecke viele andere Sehenswürdigkeiten.

•Himmelswege, die archäologische Tourismusroute in Sachsen- Anhalt: www.himmelswege.de Arche Nebra, An der Steinklöbe 16, 06642 Nebra, Tel:. 03446/1725520; www.himmelsscheibe-erleben.de. Noch bis 30. September 2021: Sonderschau „Sternensucher - Von der Himmelsscheibe bis zur Rosetta-Mission“. Dolmengöttin von Langeneichstädt, Warteverein, Bernhard Kaminsky, Tel.: 034632/40168
Gosecker Sonnenobservatorium, Informationszentrum; Burgstraße 53/Schloss Goseck; 06667 Goseck; Tel:. 0344378206110; www.schlossgoseck.de
Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Richard-Wagner-Straße 9, 06114 Halle (Saale), Tel.: 0345/524730,
www.landesmuseum-vorgeschichte.de
Leubinger Fürstenhügel, www.archaeologieonline. de, Rastplatz an der Autobahn 71 nahe Sömmerda, www.iba-thueringen.de
Ringheiligtum Pömmelte, L51, 39249 Pömmelte
Salzlandmuseum, Pfännerstraße 41, 39218 Schönebeck (Elbe), Tel.: 03471/684624410, www.museum.salzlandkreis.de

••Schönebeck: OT Frohse: Campingplatz Magdeburg, Burgwall 2a-2b, Tel.: 0391/408435, www. campingplatzmagdeburg. de, Bordatlas Deutschland 2021 von Reisemobil International, Seite 500 Brachwitz bei Halle (Wettin-Löbejün): Jachthafen, Thomas-Müntzer-Straße, Tel.: 034606/29160, www.wwz-halle.de, Seite 182 Halle: Fährstraße 1, Tel.: 0345/1229984, www.halle-tourismus.de, Seite 289 Nebra: Stellplatz An der Steinklöbe, c/o Arche Nebra

•Meller, Harald, Michel, Kai: Die Himmelsscheibe von Nebra: Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas, Propyläen Verlag, Berlin, 2018, 384 Seiten, ISBN 978-3549076460, 25 Euro

Gemütlich: Der Stellplatz an der Marina in Brachwitz ist schöner als der in Halle.


Fotos: Sternenfoto: Jake Weirick, unsplash; Himmelsscheibe: LDA Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták; Claus-Georg Petri

Foto: Saale-Unstrut-Tourismus e.V.: Transmedial

Foto: Saale-Unstrut-Tourismus e.V.: Transmedial