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Himmlische Highlights des Jahres 2023


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Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 13.01.2023

BEOBACHTUNGEN

Schönes Spektakel

Zu den attraktivsten Meteorströmen des Jahres gehören die im Dezember auftretenden Geminiden, deren Ausstrahlungspunkt im Sternbild Zwillinge (lateinisch: Gemini) liegt. Erich Meyer fotografierte sie im Jahr 2013 zusammen mit dem Mond über dem Tauernwindpark Oberzeiring in der Steiermark, Österreich. Das Bild besteht aus 52 Einzelbelichtungen à 15 Sekunden mit einer Canon 5D Mk III und einem 8- bis 15-Millimeter-Zoomobjektiv bei f/4,0.

Artikelbild für den Artikel "Himmlische Highlights des Jahres 2023" aus der Ausgabe 2/2023 von Sterne und Weltraum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 2/2023

Schattenspiele auf dem Mond, Feuerringe für Reiselustige, sehenswerte Begegnungen heller Planeten, Meteorströme – und sogar am Taghimmel tut sich etwas. Kurzum, das Jahr 2023 lässt keine Langeweile aufkommen! Wir helfen bei Ihrer Planung mit einem Überblick über die anstehenden Ereignisse und wie sie sich am besten beobachten lassen. Beginnen wir mit den beiden wichtigsten Akteuren: Sonne und Mond.

Kosmische Schattenspiele

Läge die ...

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Läge die Mondbahn um die Erde in derselben Ebene wie die Bahn der Erde um die Sonne – an den Himmel projiziert ist dies die Ekliptik –, dann würde jeder Vollmond durch den Erdschatten laufen, und wir hätten jeden Monat eine Mondfinsternis. Tatsächlich ist die Mondbahn jedoch um rund fünf Grad gegen die Ekliptik geneigt, und so mogelt sich unser Trabant während seines Umlaufs zumeist ober- oder unterhalb des Erdschattens vorbei. Immerhin taucht er am 5. Mai 2023 zwischen 15:14 Uhr UT und 19:32 Uhr UT (17:14 Uhr MESZ und 21:32 Uhr MESZ) tief in den Halbschatten der Erde ein, aber den Kernschatten wird er knapp verfehlen, so dass keine totale Verfinsterung eintritt. Dieses Phänomen wird als Halbschatten-Mondfinsternis bezeichnet.

Günstiger ist die Situation rund ein halbes Jahr später, am 28. Oktober: Der Vollmond streift dann den Kernschatten während unserer Abendstunden (siehe »Erdtrabant mit Biss«). Die größte Tiefe beträgt um 21:14 MEZ (22:14 Uhr MESZ) knapp 13 Prozent des Monddurchmessers. Trotzdem dürfen wir einen schönen Anblick erwarten – ob mit bloßem Auge, einem Fernglas oder einem Fernrohr mit Weitfeldokular –, und das zu einer bequemen Abendstunde. Passenderweise wird an diesem Tag auch der von der Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) organisierte Astronomietag 2023 stattfinden. Volkssternwarten, Planetarien und Forschungseinrichtungen in Deutschland und der Schweiz werden dann besondere Angebote für die interessierte Öffentlichkeit bereithalten. Unter können Sie nach Veranstaltungen in Ihrer Nähe suchen oder eigene Aktivitäten anmelden.

Noch spezieller als bei einer Mondfinsternis sind die Voraussetzungen für eine Sonnenfinsternis. Hierbei muss un-ser relativ kleiner Begleiter bei Neumond die Sonnenscheibe verdecken, so dass sein schmaler Schatten auf die Erde fallen kann. Es ist eine Laune der Natur im Spiel, die einem Planeten wie der Erde in einem Sciencefiction-Roman wie »Per Anhalter durch die Galaxis« sicherlich eine besondere Erwähnung einbringen würde: Sonne und Mond erscheinen uns ähnlich groß. Die Sonne ist zwar rund 400-mal größer als der Mond, aber sie ist auch rund 400-mal weiter von uns entfernt. Perfekt ist die Übereinstimmung von Sonnen- und Mondscheibe dennoch nicht, da die Mondbahn um die Erde nicht kreisförmig, sondern elliptisch ist. Mithin ändert sich die Distanz des Mondes ständig, so dass er im Lauf eines Monats unterschiedlich groß aussieht.

Zu den Zeitpunkten einer Finsternis ist der Mond oftmals zu weit von der Erde entfernt, um die Sonnenscheibe vollständig zu verdecken. Statt eines total verfinsterten Tagesgestirns verbleibt dann ein gleißend heller Ring, der die viel lichtschwächere Sonnenkorona überstrahlt (siehe »Finsternisse für Reisefreudige«). Dieser Typ einer ringförmigen Sonnenfinsternis wird in wenigen Millionen Jahren der Regelfall sein, weil sich der Mond infolge der Gezeitenwechselwirkung mit der Erde mit vier Zentimetern pro Jahr allmählich von uns entfernt.

Sonnenfinsternisse sind wegen der engen Begrenzung ihrer zentralen Zone immer auch Ziele für besonders Reiselustige. So ist am 20. April 2023 – Weltumsegler aufgepasst – über den Weiten des Pazifiks ein sehr feiner Ring der aufund untergehenden Sonne zu sehen. Dabei dürften Unterbrechungen des gleißend hellen Ringes durch den gezackten Rand der Mondscheibe auftreten. Jedoch ist die Finsternis in ihrem mittleren Verlauf, der auch einen kleinen Teil der australischen Küste im Nordwesten erfasst, bis zu 40 Sekunden lang total. Dann zeigt sich die Korona, denn hierbei übertrifft der scheinbare Durchmesser des Mondes denjenigen der Sonne um gut ein Prozent.

Die ebenfalls bei uns nicht sichtbare ringförmige Sonnenfinsternis am 14. Oktober ist von weiten Teilen Amerikas aus als partielle Finsternis zu beobachten, während in ihrem Zentralverlauf ein gleißend heller Sonnenring unbedeckt bleibt. Er ist in Teilen der USA, Mittelamerikas und des nördlichen Südamerikas am Himmel sichtbar. Hierbei ist der Neumond scheinbar knapp fünf Prozent kleiner als die Son-ne. Um bei der Beobachtung des grellen Tagesgestirns die Augen nicht zu schädigen, ist der Gebrauch einer geprüften Sonnenfinsternisbrille, die im Astrofachhandel erhältlich ist, unverzichtbar – auch während der zentralen, ringförmigen Phase der Finsternis. Für die Fotografie dieser Ereignisse empfiehlt sich eine kompakte Reiseausrüstung.

Erdtrabant mit Biss

Während der partiellen Mondfinsternis am 28. Oktober 2023 streift unser Begleiter den Kernschatten der Erde. Um 22:14 Uhr MESZ wird der maximale Verfinsterungsgrad von 13 Prozent erreicht. Der Mondscheibe scheint dann ein kleines Stück zu fehlen.

Astronomie für alle

Der von der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) organisierte Astronomietag findet am 28. Oktober statt. Schwerpunktthema ist die von Mitteleuropa aus sichtbare partielle Mondfinsternis.

Doch nun zurück zu den weiteren interessanten Erscheinungen in unserem Sonnensystem, die im Jahr 2023 von Europa aus sichtbar sind.

Merkur im Visier

Erfahrene wissen die Dämmerung als astronomisches Jagdrevier zu schätzen – insbesondere, wenn es darum geht, den sonnennächsten Planeten Merkur aufzuspüren. Dieser flinke Planet steht unserem Tagesgestirn stets so nahe, dass er notorisch schwierig zu beobachten ist. Nur zu jenen Zeiten im Jahr, wenn sein Winkelabstand zur Sonne – die Elongation – maximal ist, gibt er uns für einige Tage eine Chance. Wann das ist, entnehmen Sie dem »Astro-Planer 2023« oder unseren aktuellen Hinweisen im Beobachtungsteil (siehe S. 48). Um in unseren Breiten gut sichtbar zu werden, muss sich Merkur gleichzeitig im steil am Horizont aufragenden Teil der Ekliptik am Himmel befinden. Dies ist im Spätwinter und Frühjahr am Abendhimmel und im Spätsommer und Herbst am Morgenhimmel der Fall.

Doch selbst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, nimmt sich Merkur trotz seiner großen scheinbaren Helligkeit um 0 mag in der Dämmerung und im Horizontdunst oft noch schwach aus. Daher empfiehlt es sich, ein Fernglas zu nutzen, wenn man nach ihm sucht. Ende Januar, wenn Sie vielleicht gerade diese Zeilen lesen, können Sie es bei besonders guter Durchsicht tief am Morgenhimmel versuchen. Günstigere Sichtbarkeitsperioden fallen in diesem Jahr auf Ende März bis Mitte April am Abendhimmel sowie auf Mitte September bis Anfang Oktober am Morgen- himmel. Dabei kommt es immer wieder zu einer interessanten Begegnung mit der schmalen Mondsichel, wie am Morgen des 13. September 2023 (siehe »Merkur ist nicht allein«). Dieses Ereignis lässt sich mit einem Fernglas gut beobachten.

Brillante Venus: Begegnungen bei Nacht und Tag

Unsere innere Nachbarin Venus ist auf einem viel weiteren Orbit um die Sonne unterwegs und daher sehr viel länger und einfacher sichtbar als Merkur. Hinzu kommt, dass die Venus an unserem Himmel das hellste Objekt nach Sonne und Mond ist. Dank ihrer scheinbaren Helligkeit von bis zu –4,7 mag kann sie sogar am Taghimmel beobachtet werden, wozu es manchmal einen guten Anlass gibt – dazu gleich mehr.

Auch in diesem Jahr erfüllt unsere planetare Schwester ihre beiden Rollen gleichermaßen: in der ersten Jahreshälfte als auffälliger Abendstern und ab Ende August 2023 bis März 2024 als Morgenstern. Dabei kommt es immer wieder zu schönen Konstellationen. So gibt es eine spektakuläre Begegnung mit Jupiter am Abend des 1. März 2023 tief im Südwesten in einem Abstand von nur 0,6 Grad (siehe S. 49). Aber auch an den Abenden davor und danach ist es interessant, mit bloßem Auge oder einem Fernglas die Annäherung der beiden hellsten Planeten zu verfolgen. Nach dem Rendezvous zieht die Venus am Sternenhimmel zügig in östlicher Richtung weiter und lässt Jupiter hinter sich.

Weniger spektakulär ist die Begegnung der Venus mit dem viel lichtschwächeren Planeten Uranus am 30. März. Das Ereignis ist jedoch sehr hilfreich, da sich bei Anbruch der Dunkelheit die Möglichkeit bietet, den nur 5,8 mag hellen fernen Gasriesen 1,1 Grad südöstlich des Abendsterns leicht aufzufinden. Am 13. Juni steht die Venus in der Praesepe, dem großen offenen Sternhaufen Messier 44 im Sternbild Krebs. Allerdings wird unsere brillante Nachbarin die relativ schwachen Sterne dieses Haufens mühelos überstrahlen – erneut ist ein Fernglas sehr hilfreich.

Finsternisse für Reisefreudige

Die Sonnenfinsternisse im April und Oktober 2023 sind ringförmig wie dieses Ereignis, aufgenommen am 1. September 2016 in La Réunion. SuW-Leser Peter Remmel notierte: »Ich hatte eine DMK 51 an meinem Pentax 75/500 mm mit Lunt 50 mm H-Alpha-Etalon-Filter im Einsatz. Das Ganze auf einer kleinen Skywatcher Star-Adventurer-Montierung.«

Als besonders wichtigen Termin sollten Sie sich den Vormittag des 9. November 2023 vormerken, denn dann bedeckt der Mond die nun –4,3 mag helle Venus. Dieses Ereignis ist trotz soeben aufgegangener Sonne am südwestlichen Taghimmel gut sichtbar (siehe »Zwei Sicheln am Tageshimmel«, S. 67). Der Eintritt des Planeten am hellen Rand der Mondsichel erfolgt gegen 10:50 Uhr MEZ, der Austritt am unsichtbaren dunklen Rand gegen 12:05 Uhr MEZ. Beides lässt sich gut im Teleskop verfolgen. Angenehmer beobachtet es sich im Schatten eines Hauses, und ein bereits auf »unendlich« vorfokussiertes Teleskop erleichtert das Aufsuchen.

Planetenreigen von Mars bis Neptun

In diesem Jahr entgeht uns auch keiner der äußeren Planeten. Mars stand zwar erst am 8. Dezember 2022 in Opposition, aber auf seiner der Erde benachbarten Bahn strebt er zügig nach Osten und läuft der Sonne für eine Weile davon. So gelingt es ihm noch bis in den Juli hinein, am Abendhimmel zu verbleiben und dem näher rückenden Glanz des Tagesgestirns einige Monate zu trotzen. Vom 1. bis zum 3. Juni 2023 durchquert der dann bereits mit +1,5 mag recht müderote Krieger den Sternhaufen der Praesepe – ein sehr schöner Anblick im Fernglas, gleich nach Einbruch der Dunkelheit.

Merkur ist nicht allein

»Freitag, der 13. November 2020, zeigte sich am frühen Morgen von seiner besten Seite«, berichtet Andrea Sittig-Kramer. »Der abnehmende, nur zu sechs Prozent beleuchtete Mond stand scheinbar zwischen den inneren Planeten unseres Sonnensystems. Der Mond dominierte den wolkenfreien Osthimmel als schmale Sichel mit aschgrauem Licht. Rechts darüber strahlte die Venus als Morgenstern, links darunter Merkur. Ein himmlischer Anblick, wie er schöner kaum sein kann!« Zur Aufnahme diente eine Canon EOS 6D Mark II mit einem Objektiv Canon EF 24–70 mm bei 70 Millimeter Brennweite. Eine vergleichbare Konstellation können wir am Morgen des 13. September 2023 beobachten.

Planeten rund ums Jahr

Vom 23. auf den 24. Juni 2022 gelang es Andreas Schubert, sechs Planeten innerhalb einer Nacht zu fotografieren und hier in einer Montage zusammenzustellen. Hierfür nutzte er an seinem Celestron C 6 eine Kamera ASI ZWO 178MC und einen Dispersionskorrektor. Im Jahr 2023 wird es schwieriger sein, diesen schönen Erfolg zu wiederholen, aber im Lauf mehrerer Monate sind alle Planeten von Merkur bis Neptun gut sichtbar.

Im Überblick: Die wichtigsten Himmelsereignisse im Jahr 2023

Diefolgende Tabelle berücksichtigt die wichtigsten vorhersagbaren Ereignisse in den kommenden Monaten. Hierzu gehören die günstigsten Sichtbarkeiten der großen Planeten. Merkur und Venus lassen sich am besten beobachten, wenn ihr Winkelabstand zur Sonne maximal ist: Zur Zeit der größten westlichen Elongation geht der Planet morgens vor der Sonne auf und lässt sich dann über dem Osthorizont beobachten. Während der östlichen Elongation geht der Planet hingegen abends nach der Sonne unter und erscheint zuvor über dem Westhorizont.

Für die Sichtbarkeit der äußeren Planeten Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun eignen sich die Monate um den jeweiligen Oppositionstermin, wenn der Planet der Sonne am Himmel gegenübersteht. Er geht dann abends zu Sonnenuntergang im Osten auf und morgens zu Sonnenaufgang im Westen unter. Seine Höchststellung über dem Südhorizont, die so genannte Kulmination, erreicht er um Mitternacht (00:00 Uhr MEZ beziehungsweise 01:00 Uhr MESZ).

Informationen über kurzfristige Entwicklungen – insbesondere Prognosen über Kometen und Details zur Aktivität von Meteorströmen – veröffentlichen wir regelmäßig in unserer Rubrik »Aktuelles am Himmel« (siehe S. 53).

In den Monaten danach geht es Schlag auf Schlag mit den Oppositionszeiten, denn die günstigsten Beobachtungsperioden der Gasplaneten folgen dicht aufeinander. Saturn steht der Sonne bereits am 27. August am Himmel gegenüber, mit immer noch recht weit geöffneten Ringen, aber leider einem eher niedrigen Stand im Sternbild Wassermann. Nutzen Sie daher vor allem die Kulminationszeiten des Ringplaneten, also seine Höchststände im Süden. Dem Herrn der Ringe folgt alsbald Neptun, der seine Opposition am 19. September 2023 im Sternbild Fische (lateinisch: Pisces) erreicht. Der mit nur 7,8 mag und 2,5 Bogensekunden Durchmesser sonst nicht leicht aufzufindende ferne Gasplanet passiert in diesem Jahr den 5,5 mag hellen Stern 20 Piscium (20 Psc) in geringem Abstand. Am 12. September steht er nur 3,5 Bogenminuten nordwestlich von ihm. Diese Gelegenheit macht den äußersten der großen Planeten schon mit einem 10 × 50-Fernglas zu einer leichten Beute – am besten montieren Sie das Gerät auf einem Stativ, damit das Bild beim Durchschauen nicht wackelt.

Jupiter erreicht seine Opposition zwar erst am 3. November 2023 im Sternbild Widder, aber dank seiner weit nördlichen Stellung am Himmel ist der König der Planeten bereits ab Juni morgens über dem Osthorizont gut sichtbar. In den frühen Stunden des 22. August leuchtet er nur 31 Bogensekunden nördlich des 5,5 mag hellen Sterns Sigma Arietis (σ Ari), den man gut mit den Jupitermonden vergleichen kann. Anhand des Erscheinungsbilds der Trabanten als kleine Scheibchen – immerhin betragen ihre Winkeldurchmesser 0,7 bis 1,6 Bogensekunden – unterscheiden sie sich auch in einem kleineren Teleskop augenscheinlich von einem Stern.

Ebenfalls im Sternbild Widder, nahe der Grenze zum Stier, gelangt schließlich auch Uranus wieder in Opposition, und zwar am 13. November 2023. Wer es Ende März nicht schaffte, den Riesenplaneten zu beobachten, kann dies nun nachholen – bei ruhiger Luft, hoch am Himmel und in aller Ruhe. Mit einer maximalen Helligkeit von 5,6 mag und einem Winkeldurchmesser von nur 3,8 Bogensekunden lässt der ferne Gasplanet bei Vergrößerungen ab 60-fach ein grünbläuliches Scheibchen erkennen, das ihn deutlich von den punktförmigen Sternen unterscheidet.

Zwei Sicheln am Tageshimmel

Eine Besonderheit ist die Bedeckung der Venus durch den Mond. Während des zurückliegenden Ereignisses, am 19. Juni 2020, ließ das Wetter vielerorts keine Beobachtung zu – doch SuW-Leser Reiner Guse hatte Glück. Er stand mit einem Teleskop Meade LX 400 mit 30 Zentimeter Öffnung und angeschlossener Kamera QHY 294c bereit: »Kurz vor dem ersten Kontakt der Venus mit dem Mond nahm die Bewölkung bei uns in Peine in Niedersachsen ab, so dass die Bedeckung hinter schwachen Schleierwolken beobachtet und aufgenommen werden konnte. Auf dem Komposit wurde der Hintergrund zum besseren Vergleich und zur Kontrasterhöhung etwas abgedunkelt.« Hoffentlich spielt das Wetter am Vormittag des 9. November 2023 mit, wenn sich die nächste Gelegenheit bietet.

Bedeckungen, Kleinplaneten und Meteorströme

Eine interessante Herausforderung für Besitzer eines fest aufgestellten Teleskops mit Schutzbau bietet die Bedeckung des Sterns Antares im Sternbild Skorpion durch den Mond am 18. Oktober 2023. Dieses Ereignis ist bei uns am Taghimmel sichtbar. Die zunehmende Mondsichel steht rund zwölf Grad hoch im Südsüdosten, wenn sie den 1,1 mag hellen Stern gegen 15:08 Uhr MESZ mit ihrem dunklen Rand bedeckt, und rund ein Grad höher im Süden, wenn sie ihn am hellen Rand gegen 16:20 Uhr MESZ wieder freigibt. Ein gut fokussiertes Teleskop sollte bei sehr klarem Himmel den hellen, rötlichen Stern sichtbar machen. Beobachten Sie dabei im Schatten eines Hauses; eine Sternwarte mit Kuppel oder halb abgerolltem Dach wäre ideal.

Wer nur ein Fernglas besitzt, dem bieten die beiden hellsten Kleinkörper in diesem Jahr eine schöne Gelegenheit. So erreicht der Zwergplanet (1) Ceres zur Opposition am 21. März 2023 im Stern- bild Haar der Berenike (lateinisch: Coma Berenices) stattliche 6,9 mag und durchquert dabei den nördlichen Teil des Virgo-Galaxienhaufens – sicher ergeben sich hier auch interessante Aufnahmen mit nachgeführtem Teleobjektiv. Und der zweitgrößte Asteroid im Hauptgürtel, (4) Vesta, erreicht kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, eine Oppositionshelligkeit von 6,4 mag in den Zwillingen (lateinisch: Gemini).

Für die Beobachtung mit bloßem Auge bieten sich drei der ergiebigsten Meteorströme unter besten Bedingungen an: Die Perseiden, deren Ausstrahlungspunkt – der so genannte Radiant – im Sternbild Perseus liegt, erreichen ihre maximale Aktivität am 13. August, die Leoniden mit ihrem Radianten im Löwen am 18. November und die Geminiden, die vom Sternbild Zwillinge ausgehen, am 14. Dezember (siehe »Schönes Spektakel«, S. 62). In allen drei Fällen stört Mondlicht diesmal nicht. Die Leoniden erreichen die größte beobachtbare Meteorrate erst in den letzten Stunden vor Dämmerungsbeginn, da der Radiant zu dieser Zeit hoch über den Horizont gelangt. Auch die Perseiden und Geminiden erscheinen in der zweiten Nachthälfte ertragreicher.

Es gibt viel zu sehen

Informationen über kurzfristige Entwicklungen am Himmel – insbesondere Prognosen über Kometen oder Details zur Aktivität von Meteorströmen – veröffentlichen wir in unserer monatlichen Rubrik »Aktuelles am Himmel«. Eine kompakte Jahresübersicht, die ebenfalls Termine großer Veranstaltungen berücksichtigt, bietet unser »Astro-Planer 2023«, der dem Januarheft von »Sterne und Weltraum« beilag. Das A2-Poster steht online unter artikel/2083545 als PDF-Datei zum kostenlosen Herunterladen bereit. ?