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HINTERGRUND: DAMIAN LILLARD JAGD NACH DEM TITEL


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

SPÄTESTENS SEIT SEINEM ATEMBERAUBENDEN GAME-WINNER GEGEN OKC IN DEN PLAYOFFS 2019 SPIELT DAMIAN LILLARD IM KONZERT DER GANZ GROSSEN MIT. TROTZDEM FEHLT „DAME” WEITERHIN EIN TITEL – ODER ZUMINDEST DIE CHANCE, ÜBERHAUPT UM EINEN MITZUSPIELEN.


Artikelbild für den Artikel "HINTERGRUND: DAMIAN LILLARD JAGD NACH DEM TITEL" aus der Ausgabe 1/2020 von Basket. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Basket, Ausgabe 1/2020

Franchise- Player: Damian Lillard spielt seit 2012 (No.- 6-Pick) für die Portland Trail Blazers.


Es ist der 24. April 2019. Spiel fünf zwischen den Portland Trail Blazers und den Oklahoma City Thunder. Portland führt in der Serie mit drei zu eins. Nur noch zehn Sekunden sind auf der Uhr, als Damian Lillard beim Stand von 115:115 an der Mittellinie den Ball dribbelt. Er ...

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... hat bereits 47 Punkte erzielt und weiß: Wenn er seinen nächsten Wurf versenkt, explodiert das Moda Center und er wird zur Legende. Wie oft hat er diese Momente schon erlebt, wie oft hat er schon den entscheidenden letzten Wurf genommen. Aber kaum einer dieser Momente war so wichtig wie dieser. Noch fünf Sekunden. Lillard wird von Paul George, einem der besten Defender der NBA, verteidigt. Immer noch dribbelt er den Ball auf dem Blazers-Logo.

Gegen alle Erwartungen zieht der Point Guard nicht zur Dreierlinie, versucht nicht George auszuspielen. Er hat sich für diesen Moment etwas Spektakuläres vorgenommen: Ein Dribbling nach links, ein Dribbling nach rechts, Stepback. Lillard drückt ab, aus über elf Metern, mit der Hand von Paul George im Gesicht. In den eineinhalb Sekunden, die der Ball durch die Luft fliegt, kann man die Anspannung in der Arena förmlich fühlen. Jeder der knapp 20.000 Fans ist von den Sitzen aufgesprungen und hat seine Augen auf das Spielgeschehen gerichtet. Es sind diese eineinhalb Sekunden, die einem wie eine Ewigkeit vor kommen. Die Sirene ertönt und der Ball fliegt durch die Reuse.

50 Punkte und ein entscheidender Game-Winner in einer Playoff-Serie – spätestens jetzt ist Damian Lillard einer der ganz großen Spieler der NBA und natürlich Gesprächsthema Nummer eins in der Basketball-Welt. Der Traum vom Titel geht also weiter: In der darauffolgenden Serie können die Blazers auch die favorisierten Nuggets schlagen und stehen in den Conference Finals. So nah war Lillard der Larry O’Brien- Trophy noch nie. Doch der Höhenflug endet durch die Golden State Warriors, die Portland Trail Blazers scheiden aus den Playoffs aus – wieder einmal.

Problembereich Postseason

Denn trotz all seinen persönlichen Erfolgen fehlt dem mittlerweile 29-jährigen Lillard weiter der Gewinn des NBA-Titels. Der Point Guard wurde 2013 zum „Rookie of the Year” gewählt, er ist vierfacher All Star und wurde 2018 sogar ins All-NBA First Team berufen. Nur mit dem Team will es noch nicht so wirklich klappen. Obwohl die Blazers mit Lillard fast immer die Playoffs erreichten, war dort meistens ziemlich schnell Schluss. Bezeichnend dafür: 2018 wurde die Franchise aus Oregon als Drittplatzierter der regulären Saison von den New Orleans Pelicans (sechster Platz) gesweept.

Bei NBA-Größen wie Karl Malone, Charles Barkley oder Allen Iverson wird der Legendenstatus zumindest ein wenig hinterfragt, weil sie nie eine Championship gewinnen konnten. Um nicht auch in diese Kategorie zu fallen, braucht Lillard den Titel also unbedingt. Auch ihm wurde in der Vergangenheit immer wieder die Fähigkeit abgesprochen, eine Franchise bis in die Finals, geschweige denn bis zur Larry O’Brien-Trophy zu führen. Aber liegen die Misserfolge der Blazers in den Playoffs wirklich an ihrem Franchise-Player?

Nach Harden ist „‚Dame” mit 30,5 PPS in dieser Saison der zweitbeste Scorer der NBA.


Im Gegensatz zu manch anderen hohen Draft-Picks musste Lillard schon als Sophomore viel Verantwortung in einer guten Mannschaft übernehmen. Neben LaMarcus Aldridge war er seit Beginn seiner NBA-Karriere der Goto- Guy auf dem Parkett. In seiner ersten Playoff-Serie gegen Houston erzielte der damals 24-Jährige einen Game-Winner in Spiel sechs und entschied damit das Duell für die Blazers. In den meisten Jahren konnte Lillard in der Postseason gute bis sehr starke Leistungen zeigen. Das einzige Mal, dass man das Ausscheiden wirklich mit der Performance des Franchise-Players begründen konnte, war 2018. Der Point Guard war in der regulären Saison mit knapp 27 Punkten pro Spiel zwar noch der viertbeste Scorer der Liga. In den vier Partien gegen die Pelicans legte er allerdings nie mehr als 20 Punkte auf, auch seine Dreierquote von 30 Prozent war unterdurchschnittlich. Lillard rechtfertigte sich nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: „Ihr Gameplan war mich aus dem Spiel zu halten. Ich kam über die Mittellinie und wurde direkt von zwei Spielern verteidigt, ein Dritter war zum Aushelfen bereit.”

Hinter dieser Aussage verbirgt sich das eigentliche Problem der Portland Trail Blazers. Lillard hatte in seiner Zeit in Oregon immer einen Co-Star an seiner Seite. Bis 2015 LaMarcus Aldridge, der anschließend nach San Antonio wechselte, danach CJ McCollum. Letzterer spielt zwar auch schon seit 2013 in Portland, schaffte aber erst 2015/16 seinen wirklichen Durchbruch. Zusammen mit „Dame” bildet er immer noch ohne Frage eines der besten Backcourt- Duos der Liga. Doch der Rest der Mannschaft war sowohl zur Aldridge-Zeit als auch danach zu schwach, um die Blazers zum Contender zu machen. Auch wenn die restlichen Starter meistens solide bis gute Rollenspieler abgaben, war die Bank oft nicht mehr als Standard.

Einer der besten Backcourts der Liga: Damian Lillard und CJ McCollum.


„ICH WILL EINEN TITEL GEWINNEN. ABER ES GIBT AUCH ANDERE DINGE, DIE MIR MEHR BEDEUTEN.”
DAMIAN LILLARD


Neuer Anlauf mit neuem Team

In den 82 Spielen der Regular Season schien das der Leistung des Teams aber nicht im Weg zu stehen. Jahr für Jahr ließen die Blazers die meisten Experten alt aussehen und qualifi zierten sich für die Playoffs. In der Endrunde, in der sich jeder Trainer gezielt auf seinen Gegner vorbereiten kann, wurden die Schwächen der Blazers dann aber doch deutlich. Wurden Lillard und McCollum aus dem Spiel genommen, war meistens nicht mehr viel zu holen.

Nachdem der Kader im letzten Jahr mit guten Rollenspielern wie Enes Kanter und Seth Curry ergänzt wurde, konnte Portland sogar die Verletzung von Center Jusuf Nurkic kompensieren und spielte die erfolgreichste Saison seit 1999/00. Trotzdem wurde gegen das Superteam der Warriors klar, dass die Franchise aus Oregon immer noch nicht mit echten Contendern mithalten kann.

In diesem Sommer baute das Front Office den Kader wieder gravierend um. Kanter, Curry und Al-Farouq Aminu sind unter anderem nicht mehr da. Hassan Whiteside, Kent Bazemore, Mario Hezonja und weitere wurden dem Roster hinzugefügt. Schaut man sich die Depth Chart der Trail Blazers an, fällt trotzdem auf: Ein echter Contender sieht anders aus. Ein Beispiel: Am 9. November erzielte Damian Lillard gegen die Brooklyn Nets 60 Punkte, verteilte zusätzlich noch fünf Assists. Trotzdem verlor Portland das Spiel mit 115:119. Trotz „Dames” überragender Leistung kamen die Blazers zum Saisonstart noch nicht richtig in Tritt. Um wirklich um den Titel mitzuspielen, braucht es mindestens noch einen weiteren Rollenspieler, der jedes Spiel konstant abliefert und nicht nur ab und zu gute Leistungen zeigt. Vor allem auf den Forward-Positionen fehlt Championship-Qualität.

Außerdem wird die Konkurrenz im Westen immer größer. Zwar scheinen sich die Warriors aus dem Titelrennen verabschiedet zu haben, allerdings gibt es trotzdem einige Teams, die deutlich stärker sind als die Franchise aus Oregon. Dazu zählen zum Beispiel beide Teams aus L.A., die Rockets oder auch die Nuggets. Sollten sich die Blazers auch in diesem Jahr wieder für die Playoffs qualifi zieren, wird es für Lillard und Co. sehr schwer werden, ihren Traum vom Titel zu erfüllen.

Blazers-Legende ohne Titel?

Das Gleiche gilt wohl auch für die nächsten Jahre. Einen weiteren Star zu verpflichten, dürfte sich als schwierig erweisen. Portland gilt nicht gerade als Wunschziel der großen Free Agents. Auch ein Trade würde immer entweder Lillard oder McCollum beinhalten. Dazu kommt noch der zukünftige Vertrag von Damian Lillard. Der Point Guard wird wohl 2021 einen Super-Max-Vertrag unterschreiben, der ihm in vier Jahren 196 Millionen Dollar einbringen könnte. Viel Gehaltsspielraum für Stars bleibt da nicht mehr.

Sollte Damian Lillard für den Titel also wechseln, wie einige Stars es schon vor ihm gemacht haben? Für den Franchise-Player ist das keine Option. Schon oft betonte er für immer in Portland bleiben zu wollen. Auch Anfang des Jahres sagte er: „Ich will einen Titel gewinnen. Aber es gibt auch andere Dinge, die mir mehr bedeuten. Ich will mich nicht dafür verkaufen.”

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er seine Karriere vielleicht doch ohne den Gewinn der Championship beenden wird. Dann wäre er zwar eine Blazers- Legende, aber auch ein Spieler aus der Kategorie „Sehr gut, aber nicht gut genug” – und dazu will Lillard eigentlich nicht gehören.


Fotocredit: Getty Images