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Hintergrund: Fußball aus dem Home- Office


FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 07.05.2020

Wie es Linda Dallmann, Alex Popp und Lea Schüller während der Corona-Krise ergeht, haben die drei FFussball- Magazin Autorin Sarah Rauch via Ferninterview geschildert


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Bildquelle: FFussball Magazin, Ausgabe 3/2020

Wie trainieren eigentlich Fußballprofis im Home Office? Linda Dallmann zeigt ihren Videochat mit den Bayern-Frauen.


I m Freizeitlook steht Linda Dallmann im Wohnzimmer und jongliert einen Gegenstand zwischen ihren Füßen hin und her. Knapp 80.000 Aufrufer ihres Videos zählen mit. 23, 24, 25. Ihre Schwester Pauline postet in den Kommentaren „50 Mal besser als de Ligt.“ Es klingt nach Sommerpause, so als würde die Spielerin der FC Bayern ...

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I m Freizeitlook steht Linda Dallmann im Wohnzimmer und jongliert einen Gegenstand zwischen ihren Füßen hin und her. Knapp 80.000 Aufrufer ihres Videos zählen mit. 23, 24, 25. Ihre Schwester Pauline postet in den Kommentaren „50 Mal besser als de Ligt.“ Es klingt nach Sommerpause, so als würde die Spielerin der FC Bayern Frauen schon einmal an ihrer Technik feilen. Allerdings nicht mit einem Ball, sondern mit einer Rolle Toilettenpapier. Ihr Beitrag zur „StayAtHomeChallenge“ geht viral. Linda bringt die Zuschauer zum Schmunzeln, aus einem traurigen Grund. Die Corona Pandemie hat die (Fußball) Welt zum Stillstand gebracht.

In der Pressemitteilung des DFB vom 03. April 2020 heißt es, dass der Spielbetrieb in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga sowie den Pokalwettbewerben noch mindestens bis zum 30. April ausgesetzt wird. „Wann und in welcher Form der DFB-Pokal der Frauen fortgesetzt werden kann, wird in Abhängigkeit von der behördlichen Verfügungslage entschieden. Die nächste zu spielende Runde wäre das Viertelfinale.“ Es herrscht weltweit Ruhe am Ball. Das gemeinsame Motto #StayHome wird zum Symbol dieser noch nie dagewesenen Situation und soll Menschen auffordern möglichst zu Hause bleiben.

Am 06. April feierte die Wolfsburgerin Alex Popp ihren 29. Geburtstag. Zuhause auf dem Balkon. Der Frühling schenkte ihr Sonne satt, so dass sich ihr Ehrentag auch ohne Gäste aushalten lies. Da ihre Eltern Risikopatienten sind, fällt es ihr leichter, sie nicht sehen zu können. Eine willkommene Abwechslung in diesen Tagen bietet ihr vor allem das tägliche Training mit ihrem Hund Patch, der sich schnurstracks auf dem Boden legt, wenn Frauchen „Peng“ ruft.

Indes feilt Lea Schüller im Garten an ihrer Torschusstechnik oder übt sich im Ballhochalten. Um das Sportprogramm möglichst abwechslungsreich zu gestalten unternimmt die Stürmerin der SGS Essen derzeit auch gerne Radtouren. Abseits des Sports gilt ihre Konzentration auch dem Fernstudium. Das eLearning Programm ihrer Universität hält dabei ausreichend Nachschub an Materialien bereit.

Am elften März sollten die drei Nationalspielerinnen mit dem DFB Team das Finale im Algarve Cup gegen Italien bestreiten. Auf Grund der Pandemie und der verschärften Einreisebedingungen musste Deutschlands Finalgegner seine Teilnahme zurückziehen und überlies der Mannschaft von Martina Voss-Tecklenburg den Pokal.

Mit dem Gewinn verabschiedeten sich Linda, Alex und Lea vorerst auf unbestimmte Zeit nicht nur voneinander, sondern auch von der Nationalmannschaft und ihren deutschen Vereinen.

Ein Interview von Sarah Rauch

Wie erging es Euch drei persönlich als Ihr erfahren habt, dass der Spielbetrieb in allen Wettbewerben vorerst ruht? Linda Dallmann: Ich hatte beim Algarve Cup in Portugal schon das Gefühl, dass es in den nächsten Wochen so ähnlich kommen wird. In den ersten Tagen war dort noch alles noch in Ordnung. Bis zu dem Tag vor dem Finale, das dann abgesagt wurde. Dann war uns allen klar, dass wir jetzt nach Hause kommen werden und der Fußball Nebensache sein wird.

Alex Popp: Natürlich war ich erst mal geschockt auf einer Art und Weise, aber wir befinden uns einfach in einer absoluten Ausnahme- und Krisensituation, da wäre ein Weiterspielen völlig falsch gewesen. Es geht um Menschenleben und um die Gesundheit jedes Einzelnen, da haben wir als Profisportler eine Vorbildfunktion.

Linda Dallmann beim Home Gym: „Das bringt mich gut auf andere Gedanken“.


Lea Schüller: Ich war zuerst etwas überfordert. Ich meine, dass ist in meiner ganzen Karriere nie vorgekommen. Da fragt man sich natürlich, fällt die Saison jetzt aus? Werden nur einige Spiele ausgelassen oder eventuell sogar nachgeholt? Dann war es für mich persönlich (als Essenerin) irgendwie auch interessant, ob es vielleicht eine Weiterführung von nur einem Wettbewerb geben könnte, da wir ja noch im Pokal sind. Wenn es so weitergeht, werde ich mit dieser Mannschaft kein Spiel mehr machen, da ich nächste Saison in einem anderen Verein bin. Das macht mich schon traurig.


“Dann werde ich mit dieser Mannschaft kein Spiel mehr machen.”


Alex, auf welche Maßnahmen haben sich die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg verständigt? Wir sind tatsächlich alle Zuhause, treffen uns auch nicht, weil sich das einfach nicht gehört. Wir schreiben halt miteinander oder machen eine Videokonferenz. Man merkt einfach, dass einem etwas fehlt. Für die Trainingspläne haben wir extra eine App bekommen, in der dann immer unsere individuellen Läufe und Trainingseinheiten eingestellt werden.

Eine willkommene Abwechslung in diesen Tagen bietet Alex Popp vor allem das tägliche Training mit ihrem Hund Patch.


Stichwort „StayAtHomeChallenge“. Wie sieht Ihr Alltag während der Corona-Krise aus und wie haltet Ihr Euch fit?
Linda Dallmann: Wir wurden natürlich mit Trainingsplänen vom Verein ausgestattet, der uns alle gut beschäftigt hat. Zum größten Teil sind es Läufe, die wir absolvieren müssen. Jede Spielerin hat ihre Kilometerzeiten und Herzfrequenzen mit denen sie laufen muss. Zusätzlich haben wir „Cyber-Training“, bei dem wir über eine App gemeinsam trainieren können. Es ist schön die Mädels so zwar nicht in echt, aber zumindest virtuell ab und zu sehen zu können. Außerdem müssen wir regelmäßig Technik Challenges erledigen und an unseren Co-Trainer schicken. Ich habe dann noch ein Home Gym, das mich gut auf andere Gedanken bringt. Alles in allem hat mich der Sport in den letzten Wochen sehr gut „aufgefangen“.

Alex Popp: Da wir Trainingspläne besitzen, stehe ich in der Früh auf, gehe dann sofort meinen Laufplan absolvieren, damit ich das hinter mir habe – ich hasse nämlich Laufpläne. Danach bekommt mein Hund etwas zu futtern, wir gehen spazieren und ich mache dann meine Wohnung sauer bis ins kleinste Detail. Damit man nicht so schnell fertig ist, ein Zimmer pro Tag. Und ansonsten schaue ich Disney+ oder Filme und erledige meinen Papierkram. Wir haben eigentlich jeden Tag immer mindestens eine Einheit, zwei Mal wöchentlich auch zwei Einheiten – das sind dann unterschiedliche Läufe. Und dann kann man selbst auch noch entscheiden, ob man noch etwas mit dem Ball machen möchte oder nicht. Alles natürlich immer nur individuell.

Lea Schüller: Auch wir haben vom Verein und auch von der Nationalmannschaft Trainingspläne bekommen. So bekommt man etwas Abwechslung ins Training. Das bedeutet, wir dürfen natürlich raus gehen zum Laufen, können aber auch Räder benutzen. Außerdem machen wir Krafttraining und, soweit es geht, etwas Technik mit Ball. Ansonsten sieht mein Alltag so aus, dass ich aktuell viel Lerne um in meinem Studium weiter zu kommen. Das funktioniert durch mein Fernstudium sehr gut.

Wie motivierst Du Dich oder musst Du überhaupt motiviert werden?
Linda Dallmann: Also um ehrlich zu sein, musste ich mich in der ganzen Zeit kaum mal motivieren. Ich habe mich nach jeder anstrengenden Einheit besser gefühlt und es hat mir selten in meinem Leben so gut getan, was zu tun. Es ist natürlich auch etwas Anderes zu trainieren, ohne Rücksicht auf das Mannschaftstraining zu nehmen. Man kann sich richtig verausgaben und dem Körper auch mal andere Reize geben.

Alex Popp: Das ist tatsächlich manchmal schwer bei mir zurzeit. Erstens weil ich Laufpläne hasse und zweitens hat man ja leider kein Ziel vor Augen und weiß absolut nicht, ob es noch weitergeht oder nicht. Da fällt es mir manchmal schon schwer, mich aufzuraffen. Doch ist es für mich wie erwähnt das Einfachste, aufzustehen und dann sofort laufen zu gehen.


“Nichts soll um jeden Preis durchgezogen werden. Das darf nicht passieren.”


Lea Schüller: Ich glaube, wenn man den ganzen Tag zu Hause rumsitzt, braucht man keine zusätzliche Motivation etwas Sportliches zu machen, vor allem, wenn man normalerweise jeden Tag etwas macht. Da ist man froh, wenn man sich mal bewegen kann. Außerdem weiß man nicht, wann es eventuell weitergehen könnte.

Zahlreiche Profis aus der Bundesliga verzichten aktuell auf einen Teil ihres Gehalts. Wie sieht es bei den Spielerinnen des VfL Wolfsburg und der SGS Essen aus? Könnt Ihr überhaupt auf einen Teil verzichten oder besteht gar eine finanzielle Notsituation?
Alex Popp: Wir sind tatsächlich im Austausch mit dem Verein inwiefern das realisierbar wäre oder nicht. Fakt ist natürlich auch, dass wir nicht die Gehälter der Bundesligaprofis haben und da nicht so leicht mal etwas raushauen können, selbst, wenn wir es wollten. Aber es laufen derzeit Gespräche.

Lea Schüller: Über die finanzielle Situation im Verein will und kann ich mich nicht äußern. Für uns ist es natürlich wichtig, dass wir weiterhin irgendwie unser Gehalt bekommen, um unsere Miete oder Lebensmittel zu bezahlen. Das ist leider etwas anders als bei den Männern.

Sollte die laufende Saison, wie es in so vielen anderen Sportligen der Fall ist, komplett beendet werden?
Alex Popp: Puh, ich find es unglaublich schwer das zu beantworten. Grundsätzlich würde ich gerne die Saison zu Ende spielen, aber nicht um jeden Preis. Man muss einfach abwarten, wie sich die Fallzahlen entwickeln und schauen, wie es eventuell weitergehen könnte oder eben auch nicht. Ich würde die Saison gerne zu Ende spielen, von daher wäre es schade, wenn alles beendet wird. Aber nichts soll um jeden Preis durchgezogen werden. Das darf nicht passieren.

Lea Schüller: Da der aktuelle Stand ist, dass bis zum 30. April keine Spiele stattfinden und sogar Turniere im Sommer abgesagt wurden, finde ich es Quatsch die letzten beiden Spiele, die im Mai stattfänden, (anstatt stattfinden würden) zu spielen. Die Gesundheit eines jeden Menschen geht da einfach vor.

Linda, Du bist ein absoluter Familienmensch, oder? Was geht in Dir vor bei dem Gedanken, Deine große Familie auf unbestimmte Zeit nicht persönlich sehen zu können?

Für mich ist all das eine ganz neue Situation. Ich bin jetzt seit dem Algarve Cup alleine und habe so was natürlich auch noch nicht gehabt. Es fällt mir schwer nur telefonisch Kontakt zur Familie zu haben, vor allem in einer solch schwierigen Situation. Aber jeder weiß, dass das der vernünftigste Weg ist. Ich muss sagen, dass man sich selbst auch sehr gut kennenlernt. Man muss sich einfach mit sich selbst und neuen Dingen beschäftigen. Also ich sehe nicht nur Nachteile.

Auf Deutschland kommen irgendwann wieder bessere Zeiten zu. Was nehmt Ihr persönlich aus der Krise mit? Was hat Euch besonders und nachhaltig beeindruckt?
Linda Dallmann: Der ganze Umgang der Menschen ist schon ein anderer in dieser Zeit. Ich finde es beeindruckend, wie Menschen einander helfen möchten. Jüngere bieten es älteren Menschen an beispielsweise einkaufen zu gehen, was ich hier in München auch viel erlebe. Sie setzen sich natürlich auch der Gefahr aus, krank zu werden. Aber die älteren und gefährdeten Personen haben oberste Priorität und müssen geschützt werden. Das finde ich persönlich sehr schön. Und ich glaube, dass das Miteinander und Füreinander nach dieser Zeit positiv verändert sein wird.


“Grundsätzlich find ich es sehr erschreckend, wie egoistisch die Menschheit plötzlich werden kann.”


Alex Popp: Grundsätzlich find ich es sehr erschreckend, wie egoistisch die Menschheit plötzlich werden kann. Zum Beispiel was den Einkauf von Toilettenpapier und Nudeln angeht. Für mich nehme ich definitiv mit, dass ich glücklicherweise vernünftig erzogen wurde, solidarisch zu sein und Menschen helfe, die Hilfe benötigen. Ich nehme für mich mit, dass soziale Kontakte einfach unheimlich wichtig sind.

Lea Schüller: Naja, ich denke die Krise hat für uns nicht besonders viel Positives mit sich gebracht. Da sollte man sich wahrscheinlich über die neu aufgeblühte Umwelt freuen, die die Krise hinterlassen wird.

Lea Schüller übt sich im Garten im Ballhochalten. Um das Sportprogramm möglichst abwechslungsreich zu gestalten unternimmt die Stürmerin derzeit auch gerne Radtouren.