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HINTERGRUND: LEBRON VS. KAWHI KAMPF UM DIE KRONE


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019

Hat Kawhi Leonard den König entthront? Seit Jahren gilt „King James” als bester Spieler der NBA, doch die letztjährigen Playoffs zeigen: Die Wachablösung hat begonnen!


Am 18. Mai scheint die Saison der Raptors dem Ende entgegen zu gehen. Nach einer kräftezehrenden Serie gegen die 76ers wirken die Raptors müde und finden einfach keine Antwort auf die gut eingespielten Bucks um Superstar Giannis Antetokounmpo. Und so geht es mit einem 0:2-Rückstand zurück in das heimische Air Canada Center. Die Bucks, die bereits die Celtics in der Runde zuvor dominierten, sehen zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger ...

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 12/2019

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... aus und stehen schon mit einem Bein in den NBA-Finals. Doch die Raptors wissen um ihren großen Trumpf: Kawhi Leonard. Während der zweimalige „Defensive Player of the Year” in den ersten beiden Spielen nur in zwölf Prozent aller Verteidigungssequenzen als direkter Bewacher von Antetokounmpo eingesetzt wurde, verfünffacht sich dieser Wert in Spiel drei auf über 50 Prozent. Und die Umstellung zeigt Wirkung. Mit Leonard als primärem Verteidiger gegen den „Greek Freak” erzielen die Bucks nur noch 88 Punkte pro 100 Angriffe, ohne diese Maßnahme waren es 111. Es ist eine pure Machtdemonstration. Eine der alten Schule. Im direkten One-on-one zeigt er, dass er der beste Spieler auf dem Platz ist. Und das nicht etwa nur am offensiven Ende des Parketts, sondern vor allem in der Defensive, wo er das schafft, was über die gesamte Saison hinweg niemandem gelungen war: Er stoppt Antetokounmpo. Schnell wird klar, dass der Finals-MVP von 2014 in diesen Playoffs ein neues Level erreicht hat. Die inoffizielle Auszeichnung als bester „Two- Way-Player” der Liga trägt er seit Jahren mit sich herum, doch sie reicht längst nicht mehr aus. Von dieser Partie an hält er Season- MVP Antetokounmpo im direkten Eins-gegen-eins zu einer Wurfquote von gerade einmal 30 Prozent und erzielt selbst 29,2 PPS, 10,0 REB und 5,5 AS. Ohne ein weiteres Spiel zu verlieren, zieht Toronto dank „The Claw” erstmals in die NBA-Finals ein.

Leonard wurde einst an 15. Stelle im Draft von den Spurs ausgewählt. Gregg Popovich ernannte ihn zum Nachfolger von Tim Duncan, also zu seinem neuen Franchise-Player.


Kawhi Leonards Leistungen waren einzigartig, aber LeBron liefert seit Jahren permanent ab, trägt mittelmäßige Teams mehrmals bis in die Finals und erreicht diese achtmal in Folge. Bevor der „King” von seinem Thron verdrängt wird, muss sein Nachfolger erstmal beweisen, dass er mit James’ unglaublicher Konstanz mithalten kann. Ihn nach einer Saison in einem dysfunktionalen Team abzuschreiben, wäre überstürzt und nicht fair gegenüber dem besten Spieler dieses Jahrhunderts.

Stars und wahre Legenden

Doch gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Was macht den besten Spieler der Welt überhaupt aus? Welche Eigenschaften muss er mitbringen? Zunächst mag man hier vielleicht an den MVP denken, doch der Titel für den wertvollsten Spieler der Saison hat paradoxerweise keinerlei Einfluss. MVP-Auszeichnungen gebühren dem erfolgreichsten Spieler der regulären Spielzeit, der beste Spieler der Welt muss sich allerdings dann beweisen, wenn es zählt: in den Playoffs! Sucht man nach den Meisterschaftstiteln der letzten drei MVPs, wird man keine finden. Harden, Westbrook und Antetokounmpo haben zwar alle das spielerische Vermögen eines zukünftigen Champions, aber um auch in der Postseason erfolgreich zu sein, braucht es die richtige Mentalität.

Der beste Spieler der Welt übernimmt das Spiel, wenn sein Team wackelt. Er dominiert in der Offensive und schaltet gleichzeitig den gegnerischen Superstar in der Defense aus. Nicht in einem belanglosen regulären Saisonspiel gegen die Phoenix Suns, sondern dann, wenn es heißt: „Win or go home”. Die Playoffs machen gute zu großartigen Spielern und formen Stars zu wahren Legenden.

Die Clippers sind für Kawhi Leonard bereits die dritte Franchise in drei Jahren. In L.A. unterschrieb „The Claw” einen Vertrag über drei Spielzeiten und 103 Millionen Dollar.


Lässt man die letzten Jahre Revue passieren, kommen dafür nur drei Spieler in Frage: LeBron, Kawhi und Durant. Für manche vielleicht auch noch Steph Curry, aber seine unterdurchschnittliche Defense und teilweise enttäuschenden Leistungen in den Finals schließen ihn aus. „KD” hingegen hat uns in den letzten Jahren eigentlich alles gezeigt. Zwei Meisterschaftstitel mit zwei Finals-MVP-Trophäen sprechen Bände. Allerdings hatte er auch den mit Abstand geringsten Druck. Neben drei anderen All Stars auf dem Feld würde jeder Superstar glänzen. Hinzu kommt sein Achillessehnenriss. Um Kawhi oder LeBron zu übertrumpfen, muss er sich zunächst in Brooklyn beweisen und ein Team „alleine” tragen.

Eines steht also schon mal fest: Die beiden momentan besten Akteure der Liga spielen beide in Los Angeles. Glücklicherweise nicht für dasselbe Team und das ist auch gut so! Natürlich war Leonard der beste Spieler der letzten Saison, aber gleichzeitig kann man LeBrons unfassbare Leistungen der letzten Jahre nach nur einer durchschnittlichen Spielzeit keineswegs ignorieren. Was wir wissen: Es ist ein Duell auf Augenhöhe und beide werden uns die Antwort in dieser Saison liefern. Was könnte es Schöneres geben, als dass die beiden besten Spieler nicht nur in der gleichen Conference, sondern gar in derselben Stadt gegeneinander antreten?

Battle of L.A.

LeBron ist angestachelt. Für ihn geht es darum, Michael Jordan, den GOAT des letzten Jahrhunderts, zu übertreffen. „Meine Motivation ist der Geist, der in Chicago gespielt hat”, sagte er bereits vor drei Jahren. Dass er der erfolgreichste Basketballer seiner Generation ist, steht für ihn völlig außer Frage. Aber könnten das die nächsten Jahre möglicherweise ändern? Die größte Kritik an James’ Karriere ist und bleibt seine miese Finals-Bilanz. Nur drei Ringe bei neun Teilnahmen.

Zusätzlich musste er Cleveland erstmal verlassen, um überhaupt seine erste Championship einzufahren. Bei Kawhi stehen immerhin zwei Titel aus drei Finals zu Buche. Was wäre, wenn „The Claw” über die nächsten Jahre zwei weitere Ringe mit den Clippers gewinnt und „LBJ” leer ausgeht? Was würde das für die Legacy der beiden bedeuten? Es sind Fragen, die einem vor Augen führen, wie essentiell wichtig die nächsten Jahre für die Karrieren beider Spieler werden. Andererseits kann natürlich auch LeBron weitere Titel zu den Lakers holen und damit endgültig in die unglaublichen Sphären von „His Airness” aufsteigen.

Für LeBron spricht die Erfahrung, für Kawhi die beeindruckende letzte Saison und sein Alter. Sechs Jahre trennen die beiden. Schon in der letzten Spielzeit konnte man deutlich feststellen, dass LeBrons Defensivqualitäten stark nachgelassen haben. Er kann ein Spiel nicht mehr über 48 Minuten an beiden Enden des Courts dominieren. Dafür hat er ab dieser Saison allerdings „AD” an seiner Seite, der ihn sowohl in der Offense wie auch in der Defense entlasten kann. Sicher ist: „King James” wird motiviert sein wie lange nicht mehr. Er wird sich einmal mehr beweisen müssen. Auf der anderen Seite scheint Kawhi Leonards Karriere gerade erst so richtig in die Gänge zu kommen. Nachdem er mit den Heat und Warriors zwei Dynastien quasi im Alleingang beendete, hat er mit Paul George zum ersten Mal einen zweiten Star an seiner Seite.

Kawhi vs. LeBron. Die beiden besten Baskrtballer der Welt im direkten Duell, in derselben Stadt! Der Kampf um die Krone elektrisiert nicht nur LA.

Kawhi und LeBron im Alter von 28 Jahren


Fotocredit: Getty Images