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Hirnforschung: Heckenrose im Kopf


Gehirn & Geist - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 02.11.2018

Englische Wörter haben zuweilen Dutzende möglicher Übersetzungsvarianten. Und so könnte man den Namen »rosehip«, auf den Forscher um Ed Lein vom Allen Institute for Brain Science und Gábor Tamás von der Universität Szeged in Ungarn nun ein neu entdecktes Neuron tauften, profan mit »Hagebutte« übersetzen. Doch die Nebenbedeutung »Heckenrose« beschreibt die fein verzweigte Zelle deutlich besser.

Bei dem neuen Typus von Nervenzellen handle es sich um ein so genanntes Zwischenneuron, das andere Nervenzellen miteinander verschaltet, erklären die Wissenschaftler. Seinen Sitz hat es in der ersten der insgesamt sechs Schichten der Großhirnrinde, wo die »Heckenrose« über den Neurotransmitter GABA hemmende Signale an die Pyramidenzellen schickt und somit deren Aktivität dämpft und kontrolliert. Das Besondere dabei sei, dass sich die Zellen nur an bestimmten Stellen anlagerten, was eine sehr spezifische Funktion nahelege – ähnlich einer Bremse, die an den Stellen funktioniert, wo andere Bremsen nicht greifen, so die Forscher. Die Neurone könnten schätzungsweise ein gutes Zehntel der hemmenden Neurone in der oberen Schicht der Hirnrinde ausmachen.

Die ungarischen Forscher waren auf die Zellen in Proben aus Hirngewebe von mehreren Patienten gestoßen. Die Gewebeproben des US-Teams stammten von zwei verstorbenen Männern mittleren Alters, die ihren Körper der Forschung gespendet hatten. Bei Nagern konnten die Forscher die »rosehip«-Neurone nicht ausmachen. Das bedeute aber noch nicht, dass die neue Hirnzelle einzigartig für den Menschen sei. Als Nächstes wollen die Wissenschaftler die Heckenrosen-Neurone auch in anderen Hirnregionen sowie bei Menschen mit Hirnerkrankungen aufspüren, um mehr über ihre Funktion zu erfahren.

Nat. Neurosci. 21, S. 1185–1195, 2018

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Bildquelle: Gehirn & Geist, Ausgabe 12/2018

Digitale Rekonstruktion des »rosehip«-Neurons, das mit seiner Form an eine Heckenrose erinnert.


TAMAS LAB, UNIVERSITÄT SZEGED

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