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HITZE UND TROCKENHEIT .. ZERSTOREN UNSERE .. WALDER. ABER .. WIR KONNEN DEN SCHADEN BEGRENZEN — WENN WIR DEN..KURS JETZT ANDERN.


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National Geographic Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 29.04.2022
Artikelbild für den Artikel "HITZE UND TROCKENHEIT .. ZERSTOREN UNSERE .. WALDER. ABER .. WIR KONNEN DEN SCHADEN BEGRENZEN — WENN WIR DEN..KURS JETZT ANDERN." aus der Ausgabe 5/2022 von National Geographic Deutschland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

● VORIGE DOPPELSEITE

Die Douglasfichte Big Lonely Doug auf Vancouver Island in British Columbia ist 66 Meter hoch und vermutlich über 500 Jahre alt. Ein Holzfäller verschonte sie 2011, da ihn ihre schiere Größe beeindruckte. Hinsichtlich Stamm-und Kronenumfang sowie Höhe ist sie die drittgrößte Douglasie Kanadas. Weltweit bedrohen Bulldozer und Kettensägen alte Wälder. Der Klimawandel bringt neue Probleme mit sich: mehr Waldbrände, Insektenbefall und Dürren.

● SEQUOIA NATIONAL FOREST

KALIFORNIEN, USA

EIN GIGANT TROTZT DER ZERSTÖRERISCHEN KRAFT EINES FEUERREGENS

Glut regnet aus der Krone eines Riesenmammutbaums, der im September 2021 durch ein vom Wind herangetragenes brennendes Aststückchen entzündet wurde. In diesem Waldstück hatte es seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gebrannt, sodass den Flammen viel trockenes Holz zur Verfügung stand. Trotzdem überlebte der riesige Baum. Fotograf Jeff Frost ...

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... dokumentierte fünf Jahre lang die Feuer in Kalifornien und begab sich dafür oft selbst in Gefahr. Daraus entstand sein preisgekrönter Kurzfilm „Califonia on fire“.

● SEQUOIA NATIONAL FOREST

KALIFORNIEN, USA

EIN FÜNFTEL DER GRÖSSTEN SEQUOIEN SIND IN DEN LETZEN ZWEI JAHREN VERBRANNT

An einem versengten Hang in der Sierra Nevada, ihrem einzigen und ursprünglichen Verbreitungsgebiet, stehen Riesenmammutbäume – manche über tausend Jahre alt – wie schwarze Dolche zwischen anderen Verstorbenen: Silbertannen, Zuckerkiefern, Weihrauchzedern. Zwar können Riesenmammutbäume Bodenbrände häufig überleben, da sie im unteren Bereich nur wenige Äste haben. Doch bei diesem Feuer gelangten Flammen bis in ihre Kronen.

● NORDKÜSTE

AUSTRALIEN

39 MILLIONEN MANGROVEN SIND HIER VERDURSTET

Jahrelange Hitze und Trockenheit hatten die Mangroven entlang der Küste des Golfs von Carpentaria bereits in Mitleidenschaft gezogen. Der intensive El Niño von 2015/16 gab ihnen den Rest: Er führte zu einem vorübergehenden Absinken des Meeresspiegels um 40 Zentimeter, wodurch die Wurzeln der Bäume vertrockneten. Diese Aufnahme aus dem Jahr 2021 zeigt, dass sie sich noch nicht erholt haben. Das Grün gehört zu einer kleinwüchsigen Mangrovenart, die das Massensterben überlebte.

● OSTSIBIRIEN

RUSSLAND

2021 VERNICHTETEN FEUER 8,4 MILLIONEN HEKTAR WALD

Schnee bedeckt einen borealen Nadelwald, der im vergangenen Sommer in der Republik Sacha (Jakutien) niederbrannte. In dieser Region kommt es regelmäßig zu kleineren Bränden, doch 2021 vernichteten die Flammen viermal so viel wie sonst. Möglicherweise wurde dadurch uralter Kohlenstoff aus dem Permafrostboden freigesetzt.

DAS ERSTE, WAS EINEM an diesem vom Feuer gezeichneten Wald auffällt, ist die Farbe. Vor noch nicht allzu langer Zeit war dieses Stück Land südlich des Yellowstone-Nationalparks ein monochromes Grau aus Asche und verkohlten Kiefern. Doch im letzten Sommer überzogen zentimeterhohe Jungpflanzen und Espenschösslinge den Boden mit einem leuchtenden Hellgrün. Violette Weidenröschen und blutrote Büffelbeeren wuchsen um die schwarzen Baumstämme herum. Gelbe Arnikablüten tanzten im Wind. Fünf Jahre nachdem sich das sogenannte Berry Fire 2016 durch 84 Quadratkilometer des US-Bundesstaates Wyoming gefressen hatte, reagierte dieses Stück verbrannter Erde auf das Feuer, wie es die Wälder der Rocky Mountains seit Jahrtausenden tun: Sie begannen zu heilen.

Monica Turners Job war es, diesen Prozess der Wiedergeburt zu katalogisieren. An einem brütend heißen Julitag folgte die Professorin für Ökologie an der University of Wisconsin-Madison einem Band, das sie auf 50 Meter Länge über den Boden gespannt hatte. Zusammen mit einem Doktoranden zählte sie alle Küsten-Kiefernsämlinge, die rechts und links davon im Abstand von einem Meter aufgegangen waren. Wir waren zu weit von jeder befestigten Straße entfernt, um sagen zu können, welche Waldbewohner hier möglicherweise lauerten – Wapitis, Hirsche, Elche, Wölfe. Die Luft war so heiß, dass ich mich kurz fragte, ob die Bärenspray-Dose an Turners Hüfte nicht bald explodieren würde.

● SÜDLICH VON YELLOWSTONE

USA

DIESER ABGEBRANNTE WALD WÄCHST NACH, ANDERE TUN ES NICHT

Die Ökologin Monica Turner zählt die nachwachsenden jungen Küsten-Kiefern, die mit Schmalblättrigen Weidenröschen unter den 2016 verbrannten Altbäumen sprießen. Feuer öffnet die Samenzapfen und ermöglicht den Kiefern eine Wiedergeburt.

So viele winzige Bäumchen drängten sich um die Füße der Wissenschaftler, dass sie für eine Strecke, die man normalerweise in Sekunden zurücklegen würde, fast eine Stunde brauchten. Letztlich zählten sie auf einer Fläche halb so groß wie ein Tennisplatz 2286 Babybäumchen. „So machen das Küsten-Kiefern“, sagte Turner. „Sie kommen mit aller Macht zurück.“

Am Tag zuvor hatte Turner in einem angrenzenden abgebrannten Waldstück jedoch etwas Beunruhigendes bemerkt: Statt einer Flut frischer Kiefernkeimlinge bedeckten den Boden Blumen, Gräser und verkrustete Erde. Espen waren da, ebenso aber invasive Gräser und Zwerg-Sauerampfer. Auf einem 50 Meter langen Abschnitt hatte Turner gerade einmal 16 Jungkiefern gezählt, auf einem anderen nur neun. Alles in allem wuchs hier weniger als ein Fünfzigstel der Anzahl junger Nadelbäume wie auf der Nachbarfläche.

Dabei waren die beiden Waldstücke fast identisch. Vor dem Berry Fire waren beide Flächen um die Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs abgebrannt. Doch einen Unterschied gab es: Der Teil mit dem geringeren Kiefernbewuchs hatte im Jahr 2000 ein weiteres Mal gebrannt. Die Bäume, die nach diesem Feuer ausgetrieben hatten, waren noch nicht alt genug, um genügend Samen zu produzieren, bevor sie 2016 verbrannten. An diesem Ort hat das Feuer den Kiefernwald nicht neu belebt, sondern die Landschaft für Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende verändert.

Yellowstone ist Teil eines globalen Trends. Vom Amazonas bis zur Arktis werden Waldbrände im

Zuge des Klimawandels großflächiger, heißer und häufiger. Die Feuer in Australien 2019 und 2020 haben eine Fläche von der Größe des US-Bundesstaates Florida verbrannt. Verheerend genug. Doch im ersten Schock wird häufig übersehen, was nach dem Tod der Bäume passiert: Viele Wälder können sich nicht mehr regenerieren.

Einige der bedeutendsten Wälder der Erde befinden sich im Umbruch. Manche werden nicht mehr dieselben sein. Andere sind vielleicht für immer verloren.

BÄUME HABEN HEUTE EIN SCHWERES LEBEN. In den letzten 10 000 Jahren hat die Erde ein Drittel ihrer Wälder eingebüßt – die Hälfte davon allein seit 1900. Wir haben Bäume gefällt, um Bauholz zu gewinnen. Wir haben Flächen kahlgeschlagen, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu schaffen. Wir haben Wälder gerodet, um Häuser und Straßen zu bauen. Weltweit ist die Abholzung seit ihrem Höhepunkt in den 1980er-Jahren zurückgegangen – doch nicht überall. In Indonesien, wo riesige Wälder für Ölpalmenplantagen geopfert wurden, ist der Verlust an Primärwald seit 2016 rückläufig. Im brasilianischen Amazonasgebiet wurden zwischen August 2020 und Juli 2021 13 000 Quadratkilometer Regenwald freigeholzt, ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 1990 haben wir weltweit mehr Wald geschlagen, als es auf dem gesamten Staatsgebiet der USA Wälder gibt.

Emissionen aus Kohlekraftwerken und Auspuffsrohren bleiben für die Wälder nicht folgenlos. Da Kohlendioxid (CO2) und andere Treibhausgase den Planeten aufheizen, wandern einige der rund 73 000 Baumarten polwärts oder in höher gelegene Regionen und ziehen andere Lebensformen mit sich. Erlen, Weiden und Zwergbirken breiten sich in die Arktis hinein aus, von Skandinavien bis Kanada, und bieten Schneeschuhhasen und Elchen Schutz und Nahrung. Bäume wachsen schneller, weil sie überschüssiges CO2 aufnehmen – eine Schlüsselkomponente für die Photosynthese. Diese Begrünung des Planeten hat bisher dazu beigetragen, den Klimawandel zu verlangsamen und uns vor uns selbst zu schützen.

Aber der Klimawandel bringt auch Bäume um. Was Forstwissenschaftler zunehmend beunruhigt, ist die Häufung von Extremereignissen – Brände, stärkere Stürme, Insektenbefall und vor allem steigende Temperaturen und Dürren, die die Auswirkungen aller anderen Faktoren noch verschlimmern. Diese einmaligen, oft noch nie dagewesenen Wetterereignisse können rasch zu einem Massensterben führen und Wälder, die seit der letzten Eiszeit bestehen, komplett verändern.

„Es gibt eine Reihe von Mechanismen, durch die Wälder schneller wachsen und mehr CO2 aufnehmen“, erklärt der Biologe William Anderegg von der University of Utah. Doch diese Prozesse „stehen in einem grundlegenden Spannungsverhältnis mit Mechanismen, die die Wälder der Erde auf eine Klippe zusteuern – mit mehr Baumsterben und mehr Freisetzung von Kohlenstoff.“

Die Wälder, die bereits über diese imaginäre Klippe gestürzt sind, machen nur einen kleinen Teil der drei Billionen Bäume und vier Milliarden Hektar Wald auf unserem Planeten aus. Noch bedroht der Klimawandel die Wälder weniger, als es Abholzung und Rodung tun, doch die Bedrohung wächst. „Wie groß wird dieser Anteil werden, und wann wird er alles andere überschatten?“, fragt Matt Hansen von der University of Maryland, der Wälder mit Satelliten überwacht.

WIR HABEN SEIT 1990 WELTWEIT MEHR WALD GERODET, ALS ES WÄLDER IN DEN USA GIBT.

Das Problem ist, dass wir das weltweite Ausmaß des Klimawandels noch nicht beziffern können. Satellitendaten zeigen, dass die mit Bäumen bewachsene Fläche der Erde von 1982 bis 2016 um sieben Prozent zugenommen hat. Was aber nicht heißt, dass es den Wäldern gut geht: Die Daten unterscheiden nicht zwischen natürlichen Wäldern und Baumplantagen, also den Millionen von Palmen, Eukalyptusbäumen und Kiefern, die als Nutzpflanzen kultiviert werden, während der Regenwald abgeholzt wird. Die Daten zeigen auch nicht, welche Wälder durch Kettensägen verloren gingen und welche zerstörerische Klimaereignisse sie vernichteten.

Kein Computermodell vermag bislang vorherzusagen, wie das Klima die Wälder verändern wird – oder wie sich der Kohlenstoffspeicher der Bäume wiederum auf das Klima auswirken wird. „Erdsystemmodelle haben dies in der Vergangenheit nicht wirklich gut erfasst“, meint Charlie Koven, Klimaforscher am Lawrence Berkeley National Laboratory, der mit dem Weltklimarat (IPCC) zusammenarbeitet. Nur zwei der elf Modelle des Gremiums berücksichtigen sowohl Brände als auch klimabedingte geografische Verschiebungen bei Pflanzen.

Dabei ist die globale Anzahl der Bäume nicht das Einzige, was zählt. Der Klimawandel verändert die Wälder auf lokaler Ebene fast über Nacht, und zwar selbst dort, wo es Maßnahmen zu ihrem Schutz gibt. Das geschieht so schnell, dass wir die Folgen nicht abschätzen können. Wir verlieren zwar Bäume aller Arten und Größen, aber die größten und ältesten speichern den meisten Kohlenstoff, sind wichtig für die biologische Vielfalt und am schwierigsten wiederherzustellen. „Große Bäume sind unverhältnismäßig wichtig und können nicht schnell ersetzt werden – wenn überhaupt“, sagt Nate Stephenson, emeritierter Wissenschaftler beim Geologischen Dienst der Vereinigten Staaten.

Das ist für uns alle von Bedeutung. Wir Menschen sind mit den Wäldern verbunden. Unsere Geschichte ist eng mit den Bäumen verknüpft. Wir sind von ihren Kronen herabgestiegen, haben sie genutzt, um Feuer zu machen. Die Erfindung von Papier – und der Druckpresse – ließ Literatur und Wissenschaft florieren. Bäume ernähren uns, bieten uns Schutz und schenken uns Medizin, Inspiration und Entspannung.

Einer meiner liebsten Zufluchtsorte ist der Hoh-Regenwald auf der Olympic-Halbinsel, vier Stunden von meinem Zuhause im US-Bundesstaat Washington entfernt. Es ist ein Ort, an dem schimmernde Farne den Boden bedecken, die groß genug sind, dass sich dahinter Wapiti-Hirsche verbergen können, während uralte Sitka-Fichten und Oregon-Ahorne, die von smaragdgrünem Moos überzogen sind, den Blick zum Himmel verdecken. Hier lässt sich begreifen und wertschätzen, wie viel außerhalb unseres normalen Sichtfelds geschieht. Bäume in einem Wald sind keine isolierten Individuen; sie tauschen über unterirdische Pilzgeflechte Nährstoffe und Informationen aus. Sie sprechen miteinander, geben chemische Botschaften weiter, warnen sich gegenseitig vor Schädlingsinvasionen und anderen Gefahren.

Alte Wälder sind Solidargemeinschaften, erklärte mir Korena Mafune, Postdoc-Forscherin an der University of Washington, als wir kürzlich durch den Hoh-Regenwald wanderten. Ihrer Ansicht nach könnte eine kleinere Version dieses Pilznetzwerks auch im höheren Astwerk existieren. Unter dem Moos, das im Kronendach wächst, hat sie Erdreich gefunden und winzige Bäumchen, die aus den lebenden Ästen der großen alten Bäume sprießen – „ein Miniatur-Wald im Wald“, sagt sie. Sie befürchtet, dass selbst dieser uralte Ort, der um so vieles reicher ist als eine Baumplantage, sich schnell verändern könnte, wenn eine heiße Trockenperiode zu lange andauert.

Schon jetzt entzieht die frühe Schneeschmelze in Alaska Nootka-Scheinzypressen ihre wärmende Decke. Bei Kälteeinbrüchen bekommen ihre Wurzeln Frost ab, weshalb sie zu Tausenden absterben. Dem jüngsten IPCC-Bericht zufolge haben durch den Klimawandel bedingte Hitze und Trockenheit seit 1945 bis zu 20 Prozent der Bäume in der afrikanischen Sahelzone, in Südwestmarokko und im Westen der Vereinigten Staaten getötet. Fünf der acht am häufigsten vorkommenden Baumarten im Westen der USA sind seit 2000 erheblich zurückgegangen, vorwiegend durch Brände und Insektenbefall. Die Küsten-Kiefer führt die Liste an.

„Wälder sind im Zeitalter des Klimawandels viel anfälliger, als die Leute denken“, meint der Landschaftsökologe Craig Allen. Bis zum vergangenen Jahr war er für den Geologischen Dienst der Vereinigten Staaten tätig, nun, nach seiner Pensionierung, arbeitet er mit Monica Turner zusammen. Seit zwei Jahrzehnten versucht er, die Menschen auf diese Gefahr aufmerksam zu machen.

TURNER LÄCHELT GERN und viel, hat sandblondes kurzes Haar und auch mit 62 Jahren noch die Begeisterungsfähigkeit einer Studentin. Selbst bei ständiger Arbeit wirkt sie stets beschwingt und bewahrt gute Laune. Letzten Sommer habe ich mit ihr einige Tage im John D. Rockefeller Jr. Memorial Parkway verbracht. Der Parkway ist kein Highway, sondern ein mit Steppenbeifuß und Kiefern bewachsener Streifen, der die Nationalparks Yellowstone und Grand Teton miteinander verbindet. Turner schien auf diesem bewaldeten Plateau so zu Hause, dass ihr Long-Island-Akzent mich immer wieder überraschte.

● SÜDOSTKÜSTE

BRASILIEN

ERST KAM DIE DÜRRE, DANN DER VERHEERENDE HAGEL

Sechs Monate nach dem Mangrovensterben in Australien im Jahr 2015 verursachte derselbe El Niño einen Sturm, der die Mangroven im Mündungsgebiet des Flusses Piraquê-Mirím traf. Trockenheit hatte den Bäumen zugesetzt, unter anderem durch den erhöhten Salzgehalt des Wassers. Hagel und Wind vernichteten fast ein Drittel der Mangroven. Zwar sind Abholzung für Nutzholz oder Landwirtschaft weltweit zurückgegangen, doch der Klimawandel gibt Anlass zu Sorge.

Turner kam im Sommer 1978 als Aushilfsrangerin nach Yellowstone und bot in der Abenddämmerung naturkundliche Führungen an. Mit seinen goldfarbenen Wiesen und den bunt schillernden Thermalquellen zog Yellowstone sie sofort in seinen Bann. So kehrte sie später zurück und verbrachte Jahrzehnte mit dem Studium der hiesigen Bäume.

1988 überflog sie zusammen mit einem Kollegen, dem Ökologen Bill Romme, den Nationalpark in einem Hubschrauber, um die Folgen der schlimmsten Feuersaison in 100 Jahren zu sichten. Ein Drittel der Fläche war binnen weniger Monate den Flammen zum Opfer gefallen. Turner befürchtete, der Nationalpark würde sich nie wieder erholen. Doch während dieses Fluges begann sie zu glauben, was Romme kurz zuvor postuliert hatte: Auch das gehöre zu Yellowstone dazu.

Viele Leute hatten vermutet, die Brände in Yellowstone hätten derart überhandgenommen, weil Feuerwehrleute mehr als ein Jahrhundert lang Flächenbrände unterdrückt haben und der übermäßige Baumbestand für Brennholz sorgte. Das trifft auf Teile der westlichen USA auch tatsächlich zu. Doch als Romme Wildpfaden folgte, um die Historie der Brände im Nationalpark aufzuzeichnen, entdeckte er, dass Yellowstone in der Vergangenheit nur sehr selten stark niedergebrannt war. „Selbst in der Zeit vor der Brandbekämpfung gab es nicht sehr viele Feuer“, erzählte er mir eines Morgens. „Das hat mich wirklich völlig überrascht.“

Yellowstone ist das Land der Küsten-Kiefern. Ihre mächtigen schlanken Stämme bilden 80 Prozent der Wälder des Nationalparks. Einige von ihnen brauchen Feuer, um ihre Zapfen zu öffnen und die Samen freizugeben. Romme hatte belegt, dass es in diesen Wäldern im 18. und 19. Jahrhundert gewaltige Waldbrände gegeben hatte, die ganze Bestände vernichteten. Solche Brände waren selten, weil das Gebiet „zu feucht und zu kühl“ war, erläuterte er mir. Aber alle 100 bis 300 Jahre entzündeten sich in einem außergewöhnlich heißen, trockenen Sommer riesige Flächen in einer gewaltigen Feuersbrunst, die den Wäldern eine Wiedergeburt ermöglichte. Die Wälder hier, so erkannte Turner, waren ausgesprochen widerstandsfähig. Aber das könnte sich ändern.

● JEMEZ-GEBIRGE

NEW MEXICO, USA

DIE JAHRESRINGE VERRATEN EINE FEURIGE GESCHICHTE

Seit 1650 hat diese Ponderosa-Kiefer 15 Feuer überlebt. Im 20. Jahrhundert wurden die meisten Brände unterdrückt, sodass sich viel Brennmaterial ansammelte. Nach einer Dürreperiode verwüstete 2011 ein riesiges Feuer in einer Nacht 117 Quadratkilometer. „Ein Ökosystem ist für immer verschwunden“, sagt Forscher Craig Allen (r.).

EINE FRÜHE WARNUNG KAM 2002, während der schlimmsten Dürreperiode im Südwesten der USA seit einem halben Jahrhundert. Einige Wochen vor meinem Treffen mit Turner erklomm ich in der Nähe des Bandelier National Monument in New Mexico eine staubige Böschung. Neben mir betrachteten Craig Allen und Nate McDowell, ein Geowissenschaftler vom Pacific Northwest National Laboratory, eine Fotografie, die Allen 2002 aufgenommen hatte. Das Bild zeigte dichte Bestände von Pinyon-Kiefern, deren Nadeln sich orange gefärbt hatten, weil sie am Absterben waren.

Allen deutete mit dem Arm auf einen nahe gelegenen Tafelberg. Seit den 1980er-Jahren untersucht er die Bäume in diesem trockenen Waldgebiet in der Nähe der Jemez-Berge. Jetzt waren die auf dem Foto abgebildeten Kiefern verschwunden. Geblieben waren rissige Erde, dürrefester Wacholder und vereinzelte Jungpflanzen.

Eine Dürre in den 1950er-Jahren hatte zwar noch weniger Regen gebracht, doch zwischen 2002 und 2004 waren die Auswirkungen auf die Bäume schlimmer: In einigen Gebieten gingen mehr als 90 Prozent ein, viele fielen Borkenkäfern zum Opfer, einem natürlichen Fressfeind, der sich so stark ausbreitete wie nie zuvor. Im gesamten Südwesten starben rund 350 Millionen Pinyon-Kiefern. Brände nie da gewesenen Ausmaßes vernichteten Zehntausende Hektar an Ponderosa-Kiefern. Allen war von dem Ausmaß des Schadens überrascht. Doch nach und nach wurde ihm klar: Diese Dürre war heißer. Der leichte Temperaturanstieg, der auf die Treibhausgasemissionen zurückzuführen war, reichte bereits aus, um das Baumsterben in New Mexico in Gang zu setzen.

● HÖLSTEIN BEI BASEL

SCHWEIZ

WELCHE BÄUME WERDEN EINE TROCKENERE ZUKUNFT ÜBERLEBEN?

Wie genau verdursten Bäume? Im Rahmen eines 20-jährigen Projekts zur Beantwortung solcher Fragen fahren der Pflanzenökologe Ansgar Kahmen (r.) und der Techniker Lucio Rizzelli von der Universität Basel regelmäßig in das Kronendach eines Forschungswaldes hinauf. Hier messen sie den Wasserdampf, den eine Fichte über ihre Nadeln abgibt.

● SÜDWESTLICH VON KOPENHAGEN

DANEMARK

WAS WÄLDER FÜR UNS TUN, GEHT WEIT ÜBER STATISTIKEN HINAUS

Der Wald ist nicht nur ein Lieferant für Holz und ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass das sogenannte Waldbaden psychischen und physischen Stress abbaut (s. auch S. 28). Im Camp Adventure Kletterpark steigen die Besucher eine spiralförmige Rampe hinauf, um einen neuen Blickwinkel auf die Bäume zu gewinnen – und vielleicht auch auf ihr Leben.

Und noch etwas wurde offensichtlich: Die Extrawärme machte die Bäume verwundbar. Die wärmere Atmosphäre entzieht den Pflanzen und somit auch dem Boden mehr Feuchtigkeit. Um den Wasserverlust während Dürreperioden zu verringern, verschließen die Bäume die Poren in ihren Blättern, die sogenannten Spaltöffnungen, oder sie werfen kurzerhand ihr Laub ab. Dadurch wird jedoch die CO2-Aufnahme eingeschränkt, sodass sie gleichzeitig hungern und austrocknen. Ist es besonders heiß, entweicht ihnen sogar etwas von dem Wasser, das sie dringend zurückhalten müssten.

Trocknet der Boden zu sehr aus, können Bäume den Unterdruck und damit die Saugspannung in ihren Leitungen, die das Wasser zu den Blättern führen, nicht mehr aufrechterhalten. Luftblasen unterbrechen dann den Wasserfluss und verursachen eine tödliche Embolie. Einige Bäume schützen sich, indem sie beispielsweise mehr und tiefere Wurzeln austreiben. Doch solche Investitionen gehen auf Kosten der Abwehrkräfte und langfristig des Höhenwachstums.

Erst in den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, dass viele Bäume der meisten Waldlandschaften – vom heißen und regnerischen Amazonas bis zum kalten und trockenen Alberta – selbst unter normalen Bedingungen an der Grenze ihres Hydrauliksystems leben und nur über einen geringen Spielraum verfügen. Das bedeutet, dass eine heiße Trockenperiode sie an ihre Belastungsgrenze bringt. Die Dürrekatastrophe von 2002 hat im Südwesten der USA genau das getan: Jahresringaufzeichnungen sollten später zeigen, dass es das trockenste und schlechteste Wachstumsjahr in einem Jahrtausend war.

All dies machte Allen bewusst, was er inzwischen als ernste globale Bedrohung ansieht. „Als ich die Veränderung dieser Landschaft sah, die ich mein ganzes Erwachsenenleben über beobachtet hatte, da war der Klimawandel auf einmal keine bloße Theorie mehr“, berichtete er mir. Er begann, Massensterben auch andernorts zu verfolgen. Im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte sollten Hitze und Dürre direkt und indirekt Milliarden von Bäumen umbringen – in Spanien, in Südkorea und in Australien. In Zentralsibirien verlor Russland 800 000 Hektar Tannen. In Texas tötete Trockenheit 2011 rund 300 Millionen Bäume – jeden 16. Baum dieses US-Bundesstaates.

Die steigenden Temperaturen begünstigten auch die Ausbreitung von Schadinsekten. Sie sorgten dafür, das Käfer und Falter den Winter überlebten oder sich stärker vermehrten. Solche Invasionen vernichteten Bäume in Honduras, Algerien und in der Türkei. In Mitteleuropa trafen sie als entsetzliche neue Landplage ein.

An einem kühlen Herbsttag vergangenen Jahres kämpfte ich mich die 227 Stufen eines ehemaligen Wachturms aus dem Kalten Krieg hinauf, der auf einem 1315 Meter hohen Hügel unweit von Prášily, einem tschechischen Dorf nahe der deutschen Grenze, steht. Ich musste ordentlich schnaufen, um mit Petr Kahuda, Ranger im Nationalpark Šumava, und Zdeněk Patočka, Forstwissenschaftler an der Mendel-Universität, Schritt zu halten. Der Turm wurde in den 1960er-Jahren errichtet, um Nato-Funk abzuhören, doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs öffnete die tschechische Regierung die Anlage und den 68 000 Hektar großen Park für

WALDBRÄNDE VERLEIHEN .. LANDSCHAFTEN EIN VOLLIG NEUES GESICHT: EINIGE WÄLDER WACHSEN NICHT ODER NUR SPÄRLICH NACH.

Besucher. Oben angekommen, überblickt man von dem Rundbalkon aus die Wälder, die einst die Glasindustrie der Region mit Brennholz versorgten. Jetzt sterben große Teile der Baumbestände ab. Sie sind Opfer von Borkenkäferbefall.

2018 erlebte Mitteleuropa die schlimmste Trockenperiode seit fünf Jahrhunderten. Die Sommertemperaturen lagen 3,3 Grad Celsius über dem Durchschnitt. Das Baumsterben nahm sprunghaft zu, und die geschwächten verbliebenen Bäume lockten Käfer an. Am schlimmsten traf es Tschechien. Holzfäller versuchten zu retten, was zu retten war. So verzweifelt waren die Menschen, dass Kahuda zufolge ein Mann dem Nationalpark Šumava seine Schafe anbot, in der Hoffnung, ihr Gestank würde die Schadinsekten vertreiben.

In Deutschland starben zwischen 2018 und 2020 rund 300 000 Hektar Wald. Niemand wusste so recht, wie man darauf reagieren sollte. Was die Krise noch weiter verschärft: In Mitteleuropa gibt es fast keine ursprünglichen Wälder mehr. Der Mensch hat die Landschaft hier gründlich verändert. Einst von Buchen und Eichen dominiert, wurden viele deutsche Wälder mit Fichten und Kiefern aufgeforstet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu Kahlschlägen, um Bauholz zu gewinnen und Reparationszahlungen an die Alliierten zu leisten.

Obwohl Fichten von Natur aus in höheren, kühleren Lagen wachsen, pflanzten Forstwirte sie auch in tieferen Regionen an. Rund 70 Jahre lang kamen sie dort auch gut zurecht. Dann aber, so Henrik Hartmann, Waldexperte am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, „machte der Klimawandel diesen ehemals geeigneten Lebensraum ungeeignet“. Auch wenn die Forstwirtschaft in der Vergangenheit Fehler gemacht habe, sie sei nicht verantwortlich für das extreme Fichtensterben – das ist Hartmann ganz wichtig zu betonen. Schließlich hätten auch andere Arten, zum Beispiel die bis dato als Zukunftsbaum angesehene Buche, in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels stark gelitten. „Auch die Kiefer galt als widerstandsfähiger Kandidat, weil sie tiefe Wurzeln bildet und daher sehr trockenresistent ist“, so Ökophysiologe Hartmann. „Aber selbst die tieferen Schichten sind in Deutschland in den vergangenen Jahren zu trocken geworden.“

Um herauszufinden, wie der Wald der Zukunft aussehen wird, hat Hartmann zusammen mit Forscherkollegen das „Tree Mortality Network“ ins Leben gerufen. Ökologen, Ökophysiologen, Forstwirte und Modellierer quantifizieren das Baumsterben, suchen nach Ursachen und analysieren Trends. „Wir brauchen unbedingt mehr Daten“, so Hartmann. Doch er ist zuversichtlich, dass es auch in 150 Jahren noch genug Wald in Deutschland geben wird: „Die Frage ist nur, wie er dann aussehen wird.“

TV-TIPP

Begleiten Sie den Baumforscher Steve Sillett zusammen mit NATIONAL GEOGRAPHIC WILD in schwindelerregende Höhen: Mammutbäume Kaliforniens Giganten, 8. Mai um 21.00 Uhr.

EINE ZEIT LANG bewahrte sich Turner ihren Glauben an den Zyklus von Feuer und Wiedergeburt in Yellowstone. Bäume sterben; das ist Teil der Gleichung. Doch 2008 wurde sie auf einer Konferenz in Jackson Hole, Wyoming, mit der Möglichkeit konfrontiert, dass sich alles geändert hatte. Ein Kollege präsentierte Karten, aus denen hervorging, dass Yellowstone in den kommenden Jahrzehnten fast jeden Sommer eine Feuersaison wie die von 1988 erleben könnte. Dieses Jahr „wäre nicht mehr die Ausnahme – und die Ausnahmejahre würden völlig aus dem Ruder laufen“, so Turner.

Zuerst glaubte sie das nicht. Jahrtausendelang hatten Monsterfeuer in Yellowstone unregelmäßig und mit unterschiedlicher Intensität gewütet, wobei einige Stellen völlig verbrannten, andere verschont blieben. Durch dieses Mosaik konnten sich Tiere und Bäume leicht wieder ansiedeln. Ihre eigene Arbeit, beeinflusst durch den lange zurückliegenden Hubschrauberflug, hatte dieses Muster gründlich dokumentiert. Was aber, wenn das System nicht mehr auf diese Weise funktionierte?

Turner begann zu forschen. Sie fand heraus, dass junge Küsten-Kiefern in heißen, trockenen Zeiten schlecht wachsen. Ursprünglich hatte sie gelernt, dass junge Küsten-Kiefern zu grün seien, um zu brennen. Doch sie stellte fest, dass sie explosive Brände sogar schürten. Sie sah zu, wie 1988 abgebrannte Gebiete des Nationalparks erneut Feuer fingen. Sie beobachtete, wie Brände ausbrachen, bevor die Jungbäume reife Samenzapfen produzieren konnten. Manche Feuer waren so groß und heiß, dass keine Samen überlebten, um den Wald wieder neu wachsen zu lassen.

An fünf Stellen rund um Grand Teton und Yellowstone entdeckte Turner, dass die Wälder nur spärlich oder überhaupt nicht mehr nachwuchsen. Der Klimawandel war dabei, einigen Landschaften ein völlig neues Gesicht zu verleihen.

Turner hatte Yellowstone für „den widerstandsfähigsten Ort der Welt“ gehalten. Jetzt zeigte ihre Forschung, dass die Wälder in einen neuen Zustand übergingen. Wissenschaftler andernorts gelangten zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Camille Stevens-Rumann, Waldökologin an der Colorado State University, untersuchte 1485 Stellen nach 52 Bränden in den US-Bundesstaaten Colorado, Idaho, Montana und Washington. Die Anzahl verbrannter Flächen, die sich nicht erholten, stieg von 19 Prozent vor 2000 auf 32 Prozent in den Jahren danach. „Und mit ‚sich nicht erholen‘ meine ich: kein einziger Baum – nicht einer“, sagt sie.

● NAHE BOULDER

COLORADO, USA

WIE VERBRANNTE BÄUME DIE LANDSCHAFT NÄHREN

Ein Hubschrauber wirft zu Mulch gehäckselte verkohlte Bäume über einem Wald ab, der im Jahr 2020 völlig abgebrannt ist. Der Mulch wird dazu beitragen, die Hänge zu stabilisieren. Auf diese Weise können neue Pflanzen wachsen. Gleichzeitig verhindert die Bedeckung Bodenerosion, die andernfalls Seen und Flüsse in der näheren Umgebung in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Noch vor nicht allzu langer Zeit pflanzte die US-amerikanische Forstverwaltung meist nur dann Bäume, wenn Wälder abgeholzt worden waren. Man setzte darauf, dass sich die abgebrannten Flächen von selbst regenerieren würden. Heute werden „mehr als 80 Prozent unseres Aufforstungsbedarfs durch katastrophale Waldbrände verursacht“, erklärt David Lytle, Direktor für Wald-und Weidelandmanagement der Behörde. Über die Hälfte der mehr als eine Million Hektar, die kürzlich in 154 nationalen Wäldern verbrannt sind, würden ohne Wiederaufforstung nicht nachwachsen.

Weltweit machen den Bäumen jedoch nicht nur Dürre und Feuer zu schaffen. Nachdem extreme Hitze und Trockenheit die Mangroven entlang der nordaustralischen Küste über Hunderte von Kilometern hinweg geschwächt hatten, führte ein El-Niño-Ereignis 2015/16, vermutlich durch den Klimawandel verschärft, zu einem vorübergehenden regionalen Absinken des Meeresspiegels. Mehr als 7000 Hektar Mangroven verdursteten. Im Südosten Brasiliens verursachte derselbe El-Niño einen Rückgang der Niederschlagsmenge, wodurch die Mangroven entlang des flachen, braunen Piraquê-Mirím-Flusses unter Druck gerieten. Dann ging an einem Junitag im Jahr 2016 zum ersten Mal in der Geschichte pflaumengroßer Hagel auf diese heiße Landschaft nieder, Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde rissen das Laub von den Bäumen und knickten auf einer Fläche von 500 Hektar ganze Stämme um.

Fünf Jahre später besuchte ich den Ort zusammen mit Angelo Bernardino, einem Ozeanografen der Bundesuniversität von Espírito Santo. Von einem Boot auf dem Fluss aus beobachteten wir, wie die Erde um die abgestorbenen Bäume herum ins Wasser rutschte und dafür sorgte, dass hier, wenn überhaupt, nur wenige Mangroven gedeihen würden.

WENN IRGENDEINE ART dem Klimawandel standhalten kann, dann sind es, so möchte man meinen, die Riesenmammutbäume oder Sequoien, von denen viele schon seit Julius Caesars Zeiten stehen. Doch auch für sie hat sich der Wandel beängstigend schnell vollzogen.

In der Dezember-Ausgabe 2012 stellte NATIO-NAL GEOGRAPHIC USA in der Titelgeschichte ein gigantisches Exemplar aus dem Sequoia National Park vor. Der 75 Meter hohe „Präsident“, wie der Baumriese genannt wird, war vermutlich schon da, als auf der ganzen Erde weniger Menschen lebten als heute allein in Frankreich. Er hatte mehr Blätter, als es Menschen in China gibt. Unsere Geschichte erzählte von der bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit der Riesenmammutbäume: wie Tannine sie angeblich unempfindlich gegen Borkenkäfer machten; wie ihre dicke Borke nahezu flammenresistent war. Die Wissenschaftler waren wachsam, was ihre Zukunft betraf, aber nicht beunruhigt.

WENN IRGENDEINE ART DEM KLIMAWANDEL STANDHALTEN KANN, SIND .. ES RIESENMAMMUT- BAUME. DOCH AUCH SIE SIND JETZT IN GEFAHR.

Im letzten Sommer, nicht einmal ein Jahrzehnt später, saß ich in der Baumkrone eines benachbarten Mammutbaums und starrte zum „Präsidenten“ hinüber. Mein Hals kratzte vom Rauch eines nahen Waldbrandes. Meine Beine schmerzten, weil ich mich an einem Kletterseil gut 60 Meter hochgezogen hatte, um mich zu Anthony Ambrose zu gesellen. Ich war gekommen, weil er und andere Wissenschaftler mit einem Mal verunsichert waren.

2014, zwei Sommer nach der Veröffentlichung der Story, begannen Riesenmammutbäume ihre Nadeln abzuwerfen – ein ernster erster Schritt, um während einer Dürre den Wasserbedarf zu senken. Dann bemerkten die Wissenschaftler, dass 33 Bäume Opfer tödlichen Käferbefalls wurden. Ambrose sah in die Borke gefressene Tunnel. Er sah Äste, die versuchten, die Insekten durch Pechabsonderung zu vertreiben. Er befürchtete, dass weitere Bäume folgen könnten.

Bis dahin hatten Riesenmammutbäume als Unikate der Koniferenwelt gegolten, denn „niemand hatte je gesehen, dass einer von Insekten vernichtet wurde“, hatte mir Nate Stephenson am Tag vor dem Treffen mit Ambrose gesagt. Und Stephenson musste es wissen, denn er beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit diesen Giganten.

2015, kurz nachdem die Nadeln abfielen und die Käfer aufkreuzten, traf Stephenson sich mit Christy Brigham, die die Leitung des Bereichs Ressourcenmanagement des Nationalparks übernommen hatte. „Wie schlimm ist es?“, wollte sie wissen. Stephenson sah keinen Grund zur Panik.

Klimamodellierer hatten zwar Trocken-und Hitzestress für die Riesenmammutbäume vorhergesagt, doch kaum jemand rechnete damit, dass ihnen in den nächsten Jahrzehnten eine ernsthafte Gefahr drohte. Die Nationalparks Sequoia und Kings Canyon waren die ersten, die die angeordneten Präventivfeuer entzündeten, um Gestrüpp aus dem Unterholz zu entfernen, damit die Waldbrände nicht ausufern konnten. Brigham beschloss, noch mehr kontrollierte Brände legen zu lassen. Und sie beauftragte Anthony Ambrose und seine Partnerin Wendy Baxter, genauer zu untersuchen, wie Sequoien mit Wassermangel umgehen.

Ambrose hat genügend Riesenmammutbäume bestiegen, um zu wissen, dass sie verdammt zähe, alte Biester sind. Er hat zugesehen, wie sie vom Blitz getroffen wurden und daraufhin neue Kronendachäste bildeten. Er hat beobachtet, wie sie in Dürrezeiten ihre Photosynthese herunterfuhren. Bäume, die bis zu 3000 Liter Wasser pro Tag trinken können, werden nicht Jahrtausende alt, ohne zu lernen, wie man mit Entbehrungen umgeht, meint er. Doch 2021, als wir nach der schlimmsten Feuersaison aller Zeiten gemeinsam auf den „Präsidenten“ starrten, fragte sich auch Ambrose, wie viel diese Bäume wohl noch aushalten könnten.

Riesenmammutbäume brauchen Bodenbrände von niedriger Intensität, damit sich die Zapfen öffnen und die Samen in der nährstoffreichen Ascheschicht ungestört keimen können. Ihre hohen Äste werden von Bränden meist nicht erreicht. Doch 2020 fiel unsere Story über Brandunterdrückung mit einem sich rasch verändernden Klima zusammen. Dieselbe Trockenperiode, die den Sequoien das Blattwerk geraubt hatte, tötete in benachbarten dichten Wäldern Millionen von Bäumen – Zucker-Kiefern, Weihrauchzedern und Kolorado-Tannen. Dort begann das sogenannte Castle Fire.

Bald übersprang es die Bergkämme und griff auf die Riesenmammutbäume über. Die Flammen züngelten bis in die Kronen. Hitze und Wind trieben den Rauch bis in zehn Kilometer Höhe. Glutnester explodierten. Hohe Äste stürzten ab, Samenzapfen fielen in die Flammen. Zukünftige Generationen verbrannten.

In einem Waldstück fand Brigham kaum noch Samen. „Auf dem Boden war nichts als Asche. So etwas haben wir noch nie gesehen. Noch nie.“ Nach dem Feuer zog Brigham Bilanz: Bis zu 14 Prozent aller großen Sequoien in der Sierra Nevada, ihrem ursprünglichen Lebensraum, waren tot oder tödlich verwundet.

Einige Monate nach meinem Treffen mit Ambrose passierte es erneut: Im September 2021 versengten neue Brände die Borke von Riesenmammutbäumen und ließen über Kilometer hinweg Zweige regnen. Ambroses Studienbäume verloren rund um die Uhr Wasser. Die Flammen kamen dem General Sherman Tree – dem größten Baum der Erde – so nahe, dass Feuerwehrleute ihn mit hitzeabweisender Folie umwickelten.

Die Brände von 2021 vernichteten weitere drei bis fünf Prozent der großen Sequoien. In nur zwei Jahren hatten wir bis zu 19 Prozent dieser prächtigen Bäume verloren – Bäume, die tausend Jahre lang alle Widrigkeiten überstanden hatten.

DER VERLUST VON WÄLDERN aufgrund des Klimawandels ist nicht nur Anlass zu Melancholie. Es gibt weitreichende Folgen für Mensch und Natur: Der Qualm von Waldbränden verschmutzt zunehmend die Luft in Großstädten. Bei den Megabränden in Australien im Jahr 2020 starben 33 Menschen und eine Milliarde Tiere, darunter 60 000 Koalas. Die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten Australiens könnte sich dadurch um 14 Prozent verlängert haben.

Durch den Verlust von Wäldern wird auch Kohlenstoff freigesetzt, der die Klimabedrohung weiter verstärkt. Die Zukunft scheint in dieser Hinsicht ungewiss, ist aber in jedem Fall besorgniserregend.

● GREAT BASIN NATIONAL PARK

NEVADA, USA

KIEFERN ZWISCHEN ZERSTÖRUNG UND WIEDERGEBURT

Fahles Mondlicht scheint durch die Skelette von Langlebigen Grannenkiefern. 21 Jahre ist es her, dass hier auf einer Fläche von 670 Hektar ein Waldbrand wütete – aufgrund jahrelanger Brandbekämpfung seltener und deutlich intensiver. Einige Kiefern sind rund 5000 Jahre alt und damit die langlebigsten Einzelorganismen der Erde. Zwischen den Toten sprießen Schösslinge, was Anlass zu der Hoffnung gibt, dass diese Baumart ausreichend gegen die Klimaerwärmung gerüstet ist.

In den borealen Wäldern Nordamerikas, von Alaska bis Neufundland, setzen Großbrände inzwischen unglaubliche Mengen an Kohlenstoff frei – aus den Bäumen selbst, aber auch aus feuchten Torfböden, in denen sie wurzeln. Jennifer Baltzer, Waldökologin an der Wilfrid Laurier University in Ontario, hat festgestellt, dass in vielen abgebrannten Gebieten die früher vorherrschende Baumart, die Schwarz-Fichte, durch andere Arten wie die Espe ersetzt wird, die im Prinzip mehr Kohlenstoff speichern könnte als die Fichte und weniger brandanfällig ist. Aber der größte Teil des Kohlenstoffs in der borealen Region ist in den Böden gespeichert, und im Moment scheinen diese sehr verletzlich zu sein.

Gleichzeitig haben sich in jüngster Zeit ausgedehnte Bodenbrände in den borealen Wäldern Sibiriens zu mehrere Millionen Hektar großen Monsterfeuern entwickelt, die riesige Mengen uralten Kohlenstoffs aus dem Permafrostboden freizusetzen drohen. Diese Brände verwandeln einige Wälder in Strauchsavannen und Grasland, das weniger Kohlenstoff speichert, erklärt Heather Alexander von der Auburn University in Alabama. Doch die Umwandlung in eine hellere Landschaft hat auch einen kühlenden Effekt, da diese mehr Sonnenlicht reflektiert als dunkler Wald – insbesondere dann, wenn sie im Winter von Schnee bedeckt ist. Auswirkung auf das Klima? „Unbekannt“, so Alexander.

Der Amazonas-Regenwald bietet ein noch anschaulicheres und dringlicheres Bild. Er produziert einen Großteil seines Regens selbst, indem er Wasserdampf immer wieder recycelt. Die Abholzung des Waldes für Rinderzucht und Sojafarmen hat unter Präsident Jair Bolsonaro wieder massiv zugenommen, und der Klimawandel könnte den Eintritt eines gefährlichen Kipppunkts beschleunigen. Extreme Dürreperioden in den Jahren 2005, 2010 und 2015/16 haben Milliarden von Bäumen direkt vernichtet und Brände ausgelöst, die weitere Opfer forderten. Werden Wälder abgeholzt, verbrennen oder vertrocknen sie, verringert sich die Niederschlagsmenge in einer selbstverstärkenden Abwärtsspirale. Einige Wissenschaftler befürchten, das könne dazu führen, dass sich der größte Regenwald der Erde in eine Savanne verwandeln wird.

Jede Region der Welt steht vor ihren ganz eigenen Herausforderungen, aber die Bedrohung der Wälder ist global. „Es gibt ein Warnsignal nach dem anderen, wo diese bewaldeten Ökosysteme an ihre Grenzen gebracht werden“, meint Baltzer.

Dennoch bieten Regierungen, seien es nun Japan oder das Vereinigte Königreich, zunehmend komplexe Emissionshandelssysteme an, die es Unternehmen ermöglichen, ihre CO2-Emissionen durch den Schutz von Wäldern auszugleichen, anstatt sie von vornherein zu reduzieren. Oft berücksichtigen diese Systeme jedoch die Möglichkeit nicht ausreichend, dass Wälder gar nicht auf diese Weise geschützt werden können. Zur gleichen Zeit, als ich letztes Jahr die Riesenmammutbäume besuchte, wurde bei einem Waldbrand in Oregon Kohlenstoff freigesetzt, den der Tech-Riese Microsoft gekauft hatte, um seine eigenen Emissionen zu kompensieren.

NIEMAND WEISS, was uns diesen oder nächsten Sommer erwartet. Aber es ist an der Zeit, sich der neuen Realität zu stellen. Wir können die rasche Veränderung einiger Wälder nicht mehr abwenden. Die weitere Erderwärmung wird erst dann aufhören, wenn wir den Ausstoß fossiler Treibhausgase vollständig stoppen, und das wird Jahrzehnte dauern.

JEDE REGION DER WELT STEHT VOR IHREN EIGENEN HERAUSFORDERUNGEN, ABER DIE BEDROHUNG .. DER WALDER IST EIN GLOBALES PROBLEM. ES GIBT EIN WARNSIGNAL NACH DEM ANDEREN.

Aber wir können verhindern, dass es noch schlimmer wird. In erster Linie müssen wir der Zerstörung der Naturwälder Einhalt gebieten, insbesondere der tropischen, borealen und gemäßigten Wälder mit altem Baumbestand. Die Leistungen, die sie erbringen, sind nicht ersetzbar. Die gute Nachricht: Viele dieser Wälder sind noch gesund – bis jetzt.

So hat der Mensch beispielsweise vom Kongo-Regenwald, dem zweitgrößten Regenwald der Erde, weit weniger abgeholzt als von den tropischen Wäldern in Asien und Südamerika. Auch dieser Urwald erhält geringere Niederschlagsmengen, zeigt sich jedoch widerstandsfähig. Während einige Bäume in Gabun weniger Früchte tragen und damit weniger Nahrung für Waldelefanten liefern (s. S. 116), ist es im Kongo zu keinem ausgedehnten Baumsterben gekommen. Selbst in Brasilien und Südostasien sind Millionen von Quadratkilometern üppiger Regenwälder bislang weitestgehend intakt geblieben.

„Wir müssen die Wälder, die wir haben, schützen“, betont Robin Chazdon, Experte für Wiederaufforstung an der University of Connecticut. „Das steht an oberster Stelle.“

Außerdem müssen wir die Wälder besser bewirtschaften, insbesondere im Hinblick auf Feuer. In den kühlfeuchten Monaten im nordaustralischen Arnhemland tragen indigene Ranger sogenannte Flämmkannen oder werfen aus Hubschraubern Brandsätze ab, um im hohen Gras Kriechbrände zu entzünden (s. S. 36). Bislang hat dies die verheerenden spätsommerlichen Waldbrände deutlich eingedämmt. In den USA kündigte das Weiße Haus im Januar Pläne an, staatliche und private Landbesitzer dabei zu unterstützen, Präventivfeuer zu legen und Wälder gegebenenfalls durch Abholzung zu lichten. Ziel ist es, das Brandrisiko auf einer viermal größeren Fläche, das heißt auf bis zu 20 Millionen Hektar, über einen Zeitraum von zehn Jahren zu verringern. Voraussetzung ist, dass der Kongress die entsprechenden Mittel bereitstellt.

Doch das ist nicht genug. Wir müssen auch geschädigte Wälder wiederherstellen, vor allem in äquatorialen Regionen, wo heimische Bäume schnell nachwachsen können, aber auch anderswo. Das von US-Präsident Joe Biden im letzten Herbst unterzeichnete Infrastrukturgesetz sieht Milliarden von Dollar vor, um die Kapazitäten von Baumschulen und der Saatguterzeugung zu erhöhen und die größte Aufforstungskampagne in der Geschichte der USA in Gang zu setzen: Innerhalb eines Jahrzehnts sollen 1,6 Millionen Hektar bepflanzt werden. Und natürlich müssen wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überwinden. Und zwar schnellstens.

An meinem letzten Tag in Yellowstone besuchten Turner und ich alte Brandherde eines Feuers aus dem Jahr 2016. Dieses hatte sich über ein Plateau oberhalb des Madison River ausgebreitet, das bereits 1988 gebrannt hatte. Die jüngste Feuersbrunst hatte die Landschaft so stark versengt, dass sich sogar umgestürzte Baumstämme entzündeten und nichts als Linien aus weißer Asche hinterließen, die sich wie seltsame Schatten über den schwarzen Boden zogen. Turner nannte sie „Geisterstämme“. In den 30 Jahren ihrer Tätigkeit hatte sie noch nie einen so stark von Feuer zerstörten Boden gesehen. Wollen wir noch mehr davon? In diesem Frühjahr ist es 150 Jahre her, dass Präsident Ulysses S. Grant das Gesetz zur Gründung von Yellowstone unterzeichnete, des ersten US-amerikanischen Nationalparks. Es enthielt die Vorgabe, die Wunder des Parks „vor Beschädigung oder Zerstörung zu schützen“ und „in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten“. Die damit verbundenen Anstrengungen wurden seit Grants Zeiten, als die Bedrohungen noch direkt und lokal begrenzt waren, ausgeweitet. Turner geht inzwischen davon aus, dass bei einem globalen Temperaturanstieg von drei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau die Fichten und Tannen der höher gelegenen Regionen ausgelöscht werden könnten. Die Waldfläche könnte bis 2100 auf die Hälfte schrumpfen. Und die Dichte der verbleibenden Wälder würde sogar noch stärker abnehmen.

Das alles ist keineswegs unvermeidlich. Wenn die Länder der Erde ihre derzeitigen Versprechen halten, wird sich der Planet um weniger als drei Grad erwärmen. Eine Stabilisierung bei zwei Grad oder weniger könnte die Waldverluste im Yellowstone-Nationalpark auf 15 Prozent begrenzen. Bäume in hohen Lagen hätten zwar immer noch zu kämpfen, und es gäbe mehr Douglasien und Espen. Aber einige alte Baumbestände würden erhalten bleiben.

Die Wälder des Yellowstone-Nationalparks werden, wie viele andere rund um den Globus, nicht mehr dieselben sein. Aber sie werden ihnen zumindest ähneln. j Aus dem Englischen von Eva Dempewolf

Der NATIONAL-GEOGRAPHIC-Reporter Craig Welch berichtet seit über 20 Jahren über den Klimawandel. Im vergangenen Jahr schrieb er für die Mai-Ausgabe die Titelgeschichte über die Geheime Welt der Wale, im Oktober-Heft erschien sein Beitrag über Elektromobilität.