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Hoch die Räder!


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The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 09.11.2021

Artikelbild für den Artikel "Hoch die Räder!" aus der Ausgabe 12/2021 von The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 12/2021

STRASSEN-KÜNSTLER Bike-Trickser Jae Milez im Washington Square Park in Manhattan. Der New Yorker fährt den szenetypischen ?Wheelie? ohne Pause, weil er das Vorderrad abmontiert hat.

„Ich habe schon verfeindete Gang- Mitglieder gesehen, die nebeneinander Tricks vorzeigen. Unsere Bike‐Kultur ist ein positives Ventil.“

JAE MILEZ

„Als ich die ersten Wheelie- Fahrer sah, wusste ich, das ist mein Ding.“

CURLY, TRICK-FAHRERIN

Jae Milez braucht auf seinem Bike kein Vorderrad. Er fährt sowieso ausschließlich auf dem Hinterrad, also hat er es gleich ganz abmontiert. Wenn der 23-jährige mit den schwarzen Rastazöpfchen seine Lenkstange hochzieht, schlängelt er sich mühelos durch den dichten Verkehr Manhattans. Wheelie ohne Pause – und auch ohne Alternative. Ganz easy. Denn auf dem Hinterrad ist Jae Milez in seinem Element.

Der „Wheelie“, also das Balancieren auf dem Hinterrad des Bikes, ist Erkennungszeichen und Ehrensache zugleich in der „Bike Life“-Szene von New York. Unter dem ...

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... Begriff ist in den vergangenen Jahren eine neue urbane Subkultur entstanden. Meist sind es farbige Jugendliche, die das Tricksen auf dem Rad für sich entdeckt haben: nicht in erster Linie als umweltfreundliche Art, von A nach B zu kommen, sondern als Ausdrucksform und Lifestyle, um in der öffentlichen Wahrnehmung Aufmerksamkeit zu erregen – und um einen Platz in der City einzufordern. New York ist nur eine von vielen US-Metropolen, die derzeit diese Nischenkultur erleben. In Newark, Boston, Philadelphia, Oakland oder Los Angeles spielt sich das Gleiche ab.

Klar erregen die Biker-Gruppen Aufsehen. Ihre Schwärme erstrecken sich oft über drei Blocks.

Wenn Jae Milez mit seinen Freunden die Straßen zwischen der Bronx und der Wall Street unsicher macht, erregt das zuverlässig Aufsehen. Erstens, weil sie so viele sind. Die Schwärme, in denen die Radler bei ihren „Mass Rides“ in der Stadt auftreten, können sich schon mal über drei Blocks erstrecken.

Zweitens, weil die Bike-Life-Gruppen eine ganze Palette von Tricks draufhaben: Da werden Pedale, Sättel und Lenkstangen spielerisch in akrobatische Figuren eingebaut, da schleifen Hände am Boden, und immer ist das Vorderrad in der Luft. Meist stacheln sich die Fahrer gegenseitig zu immer neuen Höchstleistungen an. Die Bike-Life-Szene lebt von Individualisten, die aber den gegenseitigen Support hochhalten.

Aber warum wurde ausgerechnet das Fahrrad zum Ausdrucksmittel? Das habe mit der weitgehend elitären Geschichte des Sportradelns in den USA zu tun, meint die amerikanische Stadt-Architektin und Bloggerin Taz Khatri: „Radfahrclubs haben Afroamerikaner, Amerikaner mit asiatischen Wurzeln sowie Arme und Ureinwohner die längste Zeit ausgeschlossen.“

Jetzt sorgt Bike Life für ein starkes Gemeinschaftsgefühl in der Community. „Bikes vereinen alle“, sagt Jae Milez, „ich habe schon Gang-Mitglieder gesehen, die nebeneinander Tricks zeigen, nur wegen der Freude am Biken. Das ist ein absolut positives Ventil.“

Sein Kollege mit dem Künstlernamen Obloxkz, gern auch O genannt, ebenfalls aus der Bronx und seit vier Jahren mit von der Partie, meint: „Für mich bedeutet Biken Gemeinschaft und Familie. So drücken wir uns aus.“ O hat es ausdruckstechnisch inzwischen zu einer derartigen Meisterschaft gebracht, dass ihm 18.000 Fans auf Instagram folgen.

Seit drei Jahren hat er einen Sponsor – ein auf Street Bikes spezialisiertes Unternehmen aus Los Angeles.

„Für mich bedeutet Biken Familie und Gemeinschaft. So drücken wir uns aus.“

OBLOXKZ, TRICK-FAHRER

Obwohl bis jetzt Männer die Bike-Life­ Kultur ganz klar dominieren, haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen der Bewegung angeschlossen, was ihr deutlich mehr Style und Flair verleiht. Die New Yorkerin Curly ist ein gutes Beispiel: 2017 hing sie gerade vor ihrem Block an der Lower Eastside herum, als ein paar junge Männer mit den Vorderrädern hoch in der Luft vorbeicruisten.

„Das war eine Schicksalsbegegnung“, erinnert sich Curly. „Jetzt konzentriere ich mich ganz auf meine Tricks.“

Zugegeben, ganz einfach ist das nicht. Normalerweise dauert es zwei, drei Monate, bis man den Wheelie sicher beherrscht. „Zuerst fand ich mich nur peinlich, also habe ich allein auf einem Parkplatz geübt“, erzählt Curly. Aber der Support aus der Gruppe überzeugte sie dann doch. Mittlerweile balanciert sie ziemlich selbstbewusst auf dem Hinterrad durch ihre Stadt.

WHEELIE-HELDEN Für die Film-Doku zu New Yorks Bike Life-Kultur einfach den Code scannen.