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Hoch die Tassen!


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 13/2008 vom 08.12.2008

Fast noch wichtiger als das Essen ist das Trinken. Leider trinken viele Kinder aber viel zu wenig. Lesen Sie, wie viel Flüssigkeit ein Kind wirklich braucht und wie Sie das Trinken bei Ihrem Nachwuchs zur guten Gewohnheit machen können.


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Foto: ABDA

Lange vorbei sind glücklicherweise die Zeiten, in denen man der Meinung war, Kinder sollten besser nicht so viel trinken. Mineralwasserkisten im Klassenzimmer gab es nicht und nach dem Sportunterricht hing man unter dem Wasserhahn statt an der mitgebrachten Trinkflasche. Inzwischen wissen Eltern, dass Kinder viel trinken müssen, im Verhältnis zu ihrem ...

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Lange vorbei sind glücklicherweise die Zeiten, in denen man der Meinung war, Kinder sollten besser nicht so viel trinken. Mineralwasserkisten im Klassenzimmer gab es nicht und nach dem Sportunterricht hing man unter dem Wasserhahn statt an der mitgebrachten Trinkflasche. Inzwischen wissen Eltern, dass Kinder viel trinken müssen, im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht sogar mehr als Erwachsene.

Natürlich können Mama und Papa nicht immer mit dem Trinkbecher daneben stehen, aber viele Kinder vergessen schlichtweg das Trinken. Etwa die Hälfte aller Kinder trinkt zu wenig, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Bei einer unzureichenden Flüssigkeitszufuhr lässt die Aufmerksamkeit nach, die Kinder werden müde, in der Schule sinkt die Leistungsfähigkeit. Zudem können sie Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme bekommen. Langfristig kann es sogar zu schwerwiegenden körperlichen Schädigungen wie Harnund Nierensteinen oder sogar Fettsucht kommen.

Vor allem kleine Kinder sind gefährdet

Je jünger ein Kind ist, desto sensibler reagiert es auf Flüssigkeitsdefizite, es kann sie schlecht ausgleichen. Bei Fieber, Durchfall und Erbrechen benötigen Kinder noch mehr Flüssigkeit als sonst, denn sie können sehr schnell austrocknen. Dann wird eine an sich harmlose Durchfallerkrankung zur ernsthaften Bedrohung. Auch wenn Kinder weniger essen, sollten sie umso mehr trinken. Denn bei reduzierter Nahrungsaufnahme, kleinen oder seltenen Mahlzeiten fehlt ihnen das in der Nahrung enthaltene Wasser.

Als Faustregel gilt: Kinder ab einem Jahr sollten am Tag pro benötigter Kilokalorie einen Milliliter Flüssigkeit (energiefreie Getränke plus Milch) zu sich nehmen. Das heißt, Kinder zwischen ein und vier Jahren mindestens 1,1 Liter, weil sie 1.000 bis 1.100 Kilokalorien verbrauchen, ältere Kinder entsprechend mehr, zwischen 1,4 bis 1,7 Liter. Zusätzliche Getränke darüber hinaus dürfen immer sein. Wenn die Kinder viel toben und es heiß ist, müssen sie sogar mehr trinken.

In Reichweite: Wasser oder ungesüßte Tees sollten immer bereit stehen.


Foto: itstock

Süß löscht nicht den Durst

Als Durstlöscher ist alles geeignet, was nicht süß ist, also vor allem Wasser (Leitungswasser oder Mineralwasser), stark verdünnte (im Verhältnis von eins zu drei, besser eins zu vier) Fruchtschorle mit Fruchtsäften ohne Zuckerzusatz oder auch ungesüßte Früchtetees.

Limonaden, Colagetränke, Eistee, Energydrinks, reine Fruchtsaftgetränke und Fruchtnektare sind hingegen nicht geeignet. Diese Getränke liefern zwar Energie, wegen des hohen Zuckeranteils wird der Flüssigkeitsanteil jedoch langsamer aufgenommen. Der zusätzliche Zucker ist schlecht für die Zähne und das Getränk hat unnötige Kalorien. Süße Getränke ziehen im Sommer zudem lästige Insekten an. Eistee, Energydrinks und Cola enthalten außerdem meistens Teein, Koffein oder das ebenfalls den Kreislauf anregende Taurin. Alle drei Stoffe sind nicht für Kinder geeignet.

Modelimonade

Trendige Getränke wieBionade und ähnliche Limoalternativen sind auch bei Kindern sehr begehrt. Sie enthalten in der Regel etwas weniger Zucker als normale Brausen und können deshalb eine Alternative zum üblichen gefärbten „Zuckerwasser“ sein. Ein ÖKO-TEST im Januar 2008 zeigte aber, dass auch in den „sehr guten“ Bio-Limonaden umgerechnet immer noch rund 4,5 Stücke Würfelzucker pro 330 ml stecken. Deshalb sind auch diese Getränke keine Durstlöscher.

Besondere Vorsicht ist bei den kleinen, bunten Trinkpackungen wie derCapri-Sonne aus dem Bereich der Kinderlebensmittel geboten. Die meisten sind ganz besonders süß und gehören nicht als tägliche Trinkration in Kindergartentasche oder Schulranzen.

Nicht direkt vor dem Essen trinken

Das Trinken sollten Kinder auf den ganzen Tag verteilen. Wichtig ist, dass sie schon etwas getrunken haben, wenn sie in Kindergarten oder Schule gehen. Viele Kinder retten eine gute Angewohnheit aus Säuglings- und Kleinkindtagen in spätere Jahre. Sie trinken morgens Milch oder Kakao und haben so bereits einen kleinen Flüssigkeits- und Kalorienvorrat angelegt. Auch zu den Mahlzeiten sollten die Kids immer etwas zu trinken angeboten bekommen. Es ist für sie allerdings oft schwierig, sich das Getränk zum Essen einzuteilen. Wird es zu Beginn der Mahlzeit in einem großen Zug ausgetrunken, hat das Kind oftmals keinen Hunger mehr, das passiert selbst bei Wasser. Ernährungsexperten raten deshalb, möglichst eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten kein Getränk mehr anzubieten.

In den meisten Kindertagesstätten steht deshalb immer ein Getränkewagen bereit. Fragen Sie danach und achten Sie darauf, dass auch in der Schulklasse Wasser zur Verfügung steht, geben Sie Ihrem Kind aber besser noch zusätzlich ein Getränk mit.

Die Milch macht’s

Milch ist streng gesehen gar kein Getränk, sondern ein Lebensmittel, aber sie ist Calciumlieferant Nummer eins und notwendig für das Knochenwachstum. Einjährige Kinder sollten pro Tag etwa 300 Milliliter Milch trinken, zwei- bis sechsjährige etwa 350 Milliliter, Schulkinder von sieben bis 14 Jahren 400 bis 500 Milliliter. Mehr darf es natürlich immer sein.

Mögen die Kinder keine Milch, kann man auf andere Calciumquellen umsteigen. Joghurt, Quark, Buttermilch oder Käse enthalten auch Calcium. Vorsicht: Viele Dickmilch- und Joghurtprodukte sind zu süß und schlagen mit unnötigen Kalorien zu Bauche. Bei einer Laktoseunverträglichkeit kann man Sojadrinks anbieten.

Auch abends ist trinken erlaubt

Noch immer hält sich die Mär, dass Kinder in den letzten zwei Stunden vor dem Zubettgehen nichts trinken sollen, damit sie nicht ins Bett machen. Vor allem der abendlichen Milch wird diese Wirkung nachgesagt. Ob ein Kind nachts trocken bleibt oder nicht, hängt aber davon ab, ob es in seiner Entwicklung so weit ist, dass es nachts aufwacht, wenn es seine Blase entleeren muss. Das ist ein individueller Reifeprozess, der bei dem einen Kind früher, beim anderen später einsetzt, unabhängig davon, wie viel es tagsüber getrunken hat. Fünf- oder Sechsjährige, die nachts immer noch eine Windel brauchen, sind keine Seltenheit. Eltern sollten sich also nicht verunsichern lassen, Kinder dürfen auch abends trinken.

Tipp: Bunte Becher und tolle Tassen

Foto: BrandX

Einen kleinen Motivationsschub bekommen trinkfaule Kinder durch eine schöne Verpackung des Getränks: Bieten Sie bunte Trinkbecher und Gläser an. Bei einem Kindergeburtstag zum Beispiel könnte man Becher und Tassen selbst gestalten. Farbige Strohhalme sind nicht teuer, für besonders Durstige dürfen es auch zwei sein. Oder sie zaubern bunte Getränke: Fruchtsaft in originelle Förmchen einfrieren und dann die bunten Eisfiguren ins Wasserglas geben. Weil Kinder viel unterwegs sind, eignen sich Trinkflaschen, die an Fahrrad oder Roller montiert werden. Doch Vorsicht: Das Trinken säurehaltiger Getränke wie Fruchtsaft und auch Fruchtsaftschorle aus Ventilflaschen kann die Zähne schädigen, weil die Flüssigkeit die Zähne permanent umspült. In die Trinkflaschen mit Nuckelverschluss sollte deshalb ausschließlich Wasser.

Kompakt

Fruchtsaft, Nektar & Co.

Fruchtsaft besteht zu 100 Prozent aus Saft und dem Fleisch von Früchten oder mehreren Fruchtarten. Farbe, Aroma und Geschmack sind charakteristisch für die entsprechenden Früchte. Fruchtsaft wird in der Regel durch Erhitzen haltbar gemacht.

Für Fruchtsaftkonzentrat werden die Früchte in ihren Ursprungsländern ausgepresst und in Fruchtfleisch (Pulpe), Saft und Aromen getrennt. Dem Saft entzieht man das fruchteigene Wasser. Was übrig bleibt, ist ein Konzentrat, das tiefgefroren auf dem Schiff nach Europa kommt. Hier wird es wieder mit Wasser vermischt, es kommen Aromen dazu und eventuell Fruchtfleisch. Vor dem Abfüllen wird das Gemisch pasteurisiert, also erhitzt.

Direktsaft wird nach Pressung oder Kelterung pasteurisiert und so, wie er ist, vermarktet. Kommt er aus Übersee, wird er in großen Blöcken gefroren und hierzulande schließlich aufgetaut. Dann wird der Saft noch einmal pasteurisiert und abgefüllt.

Fruchtsaftgetränke haben einen Fruchtanteil von mindestens 40 Prozent reinem Fruchtsaft bei Kernobst wie Äpfeln oder Trauben, von mindestens sechs Prozent bei Zitrusfrüchten und mindestens zehn Prozent bei allen anderen Früchten. Die restlichen Zutaten sind Zuckerwasser und weitere Zusatzstoffe.

Trinkwasser ist kostbar

Foto: bjearwicke/sxc.hu

Trinkwasser ist kostbar und sollte nicht verschwendet werden. Machen Sie Wasser bei Ihren Kindern zum Thema. Schon mit Kindergartenkindern kann man zu einer Quelle im Wald wandern und die Kleinen probieren lassen. Mit Schulkindern lassen sich je nach Alter Wasserwerke, Wassertürme, Mineralbrunnen oder Kläranlagen besichtigen.

Kompakt

Nektar, Sirup, Zusatzstoffe

FürFruchtnektare gibt die Fruchtsaftverordnung einen Fruchtsaftgehalt zwischen 25 und 50 Prozent vor, je nach Obstart. Der Rest besteht aus Wasser. Dem Fruchtnektar darf bis zu 20 Prozent Zucker beigemischt werden. Außerdem darf Milchsäure (E 270), Zitronensäure (E 330) und Ascorbinsäure (E 300) dazukommen. Bei Früchten, wie Bananen, aus denen kein Saft gewonnen werden kann, wird Fruchtmark mit Wasser verdünnt.

Fruchtsirupe sind dickflüssige, zuckrige Produkte, die durch Wärmebehandlung, Zentrifugieren und Filtrieren aus Früchten, Fruchtsaft und konzentriertem Fruchtsaft hergestellt werden.

Zusatzstoffe: Weil Direktsäfte und Säfte aus Konzentrat relativ sauer sein können, dürfen bis zu 15 Gramm Zucker (ausgenommen Trauben- und Birnensaft) zugesetzt werden. Dieser „Korrekturzucker“ muss nach EU-Recht auch nicht angegeben werden.
Zusatz- und Hilfsstoffe erscheinen nicht im Zutatenverzeichnis der Lebensmittel, dürfen aber trotzdem verwendet werden. Darüber hinaus brauchen beim Fruchtsaft aus Konzentrat alle Zutaten, die zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands nötig sind, nicht auf dem Etikett auftauchen. Auch das Bearbeiten mit Speisegelatine, Enzymen und Tanninen ist erlaubt.