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Hochalpiner Flugbetrieb in Courchevel: Die Steilpiste


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 60/2019 vom 24.05.2019

Fast 19 Prozent Steigung – die Landebahn des französischen Skiorts Courchevel bietet einen der spektakulärsten Anflüge weltweit. Dasfliegermagazin war mit der Kodiak von Quest Aircraft an dem anspruchsvollen Altiport


Artikelbild für den Artikel "Hochalpiner Flugbetrieb in Courchevel: Die Steilpiste" aus der Ausgabe 60/2019 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 60/2019

Kein Zurück mehr Kurz vor dem Aufsetzen ist ein Durchstarten unmöglich. Jetzt muß alles passen


Dieser hellgraue Fleck da unten im Schnee soll also genügen? Man könnte fast meinen, das Stückchen Asphalt mitten am Berg wäre der Parkplatz der Skipiste, die sich gleich daneben den Hang hinabzieht. Dafür fände ich es angemessen. Aber eine Landebahn? Das ist ein Handtuch, mehr nicht!

Das Garmin ...

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... G1000 an Bord der Quest Kodiak 100 lässt aber keinen Zweifel, als wir uns dem Wegpunkt in 7000 Fuß Höhe nähern: Gut 400 Fuß unter uns liegt der Altiport Courchevel, einer der spektakulärsten Flugplätze der Welt. Wer behauptet, es wären 600 Fuß, liegt genausowenig falsch. 18 Prozent Steigung der Landebahn sind der Grund, warum im Anflugblatt zwei unterschiedliche Platzhöhen vermerkt sind, eine für den Pistenanfang und eine fürs Ende.

Mit ihren 40 Metern Breite sehen die 537 Meter Asphalt nochmal kürzer aus, als sie ohnehin schon ist. In ein paar Augenblicken sollen wir dort aufsetzen – und das mit einem Flugzeug, das man nicht wirklich »klein« nennen kann: Die Kodiak ist eine imposante Maschine mit 14 Metern Spannnweite, über drei Tonnen maximalem Startgewicht und Platz für bis zu zehn Personen. Wir sind heute nur zu fünft unterwegs, aber mit reichlich Gepäck. Was nicht in die Kabine muss, ist in dem Cargo Pod an der Rumpfunterseite verstaut. Beladungsprobleme hat man in der Kodiak keine; das ist wichtig, wenn das Ziel ein Wintersportort wie Courchevel ist. Mehrere Paar Ski samt Schuhe? Für jeden Mitflieger einen Koffer und einen Rucksack für »aufm Berg«? Alles kein Thema. Das Flugzeug wurde für kurze, anspruchsvolle Extremplätzekonstruiert, und was für Buschpisten in Afrika taugt, ist auch für den Altiport in den französischen Alpen gut. Die 750 Wellen-PS starke Pratt & Whitney Turbine sorgt dafür, dass die Turboprop voll beladen nach nicht mal 300 Metern in der Luft ist und mit über 1300 Fuß pro Minute steigt. Kein Wunder, dass Pilot Frank Prochaska sie liebevoll »unseren Drachen« nennt.

Mountain Rating ist Pflicht

Um den französischen Promi-Skiort mit Flugzeugen über 2,5 Tonnen anfliegen zu dürfen, braucht man eine Vorabgenehmigung – zusätzlich zum Mountain Rating oder einer Flugplatzeinweisung des Piloten. Es ist ganz gut, dass der Flugzeugführer verpflichtet ist, sich intensiv mit den Besonderheiten des Altiports auseinanderzusetzen: Die »22« ist die einzig mögliche Landerichtung. Im ansteigenden Gelände ist ein Durchstarten nur möglich, wenn man weit vor dem Platz und noch recht hoch ist. Fliegt man flach an, vergibt man diese Option zu früh. Zu hoch und zu schnell ist ebenso problematisch. Erst im Februar wollte der Pilot einer Piper PA-46 Malibu Mirage hier landen und endete in einer Schneewand am Ende der Bahn – glücklicherweise wurde keiner der Insassen ernsthaft verletzt.

Passt! Gas raus über der Schwelle, und schon sitzt die Kodiak am Bahnanfang


Was für ein Unterschied! Die Schwelle der»22« liegt 212 Fuß tiefer als das Vorfeld


Bunte Mischung Auf dem Vorfeld von Courchevel stehen auch Kolbeneinmots und Jelis – Wenn mehrere Skifahrer zusammen unterwegs sind, ist die Turboprop das Fluggerät der ersten Wahl


Luxusklasse Die PC-12 ist eine der größten Maschinen am Flugplatz des Nobelskiorts


Exklusiver Skibus Mit der Pilatus landet man mitten im Wintersportgebiet. Vom Vorfeld auf die Piste sind es nur ein paar Meter


Schneller als nach Handbuch

Solch ein Missgeschick soll uns bitte nicht passieren! Mit der Kodiak liegt die Geschwindigkeit für eine Kurzlandung laut Handbuch bei 74 Knoten. Wir sind gut 10 Knoten schneller unterwegs, so bringen wir genügend Energie mit, um die Nase der Turboprop ausreichend anheben zu können. Die ersten 134 Meter der Bahn haben zwar »nur« 12,5 Prozent Steigung, doch selbst hier würde ein Abfangbogen nach Handbuch unweigerlich in einer Bugrad-Landung enden. Danach steigt der Asphalt mit fast 19 Prozent an. Doch Frank Prochaska, zuständig für den Verkauf beim deutschen Quest-Vertriebspartner Rheinland Air Service, hat die Kodiak im Griff: Wir setzen direkt an der Schwelle auf – alles gut. Bremsen ist unnötig. Im Gegenteil: Bergauf braucht es sogar noch ein bisschen zusätzlichen Schub, bis wir auf dem kleinen Vorfeld angekommen sind.


Bremsen? Bergauf muss sogar Gas gegeben werden!


Wir sind beileibe nicht die Einzigen, die an diesem Wochenende einschweben. Dieser Skiort in den französischen Alpen ist vor allem bei wohlhabenden Wintersportfans ein beliebtes Ziel. Die Anreise mit dem Flugzeug erspart eine zweistündige Fahrt von Genf oder Lyon. Die am Platz ansässige Alpine Airlines ist der einzige gewerbliche Anbieter von Zubringerdiensten; manche Reisende kommen per Heli, aber viele nutzen ihre eigene Privatmaschine.

Vom Vorfeld auf die Skipiste

Eine PC-12 rollt die Bahn herauf, der Pilot stellt sie neben zwei Hubschraubern ab. Die einmotorige Turboprop-Single des Schweizer Herstellers Pilatus ist ein gutes Stück größer als die Kodiak, hat zudem eine Druckkabine. Die Passagiere steigen aus, ziehen ihre Skier aus dem Flugzeug, stapfen ein paar Meter über den Asphalt und sind schon auf der Skipiste, bereit für die erste Abfahrt. Am späten Nachmittag sehen wir die Pilatus wieder abfliegen. Ein bisschen neidisch kann man da schon werden: Mal schnell mit dem eigenen Flieger einen Tag zum Wintersport in die Berge.

Wer glaubt, dass die Landung in Courchevel spektakulär ist, der wird beim Start eines besseren belehrt: 123 Meter lang ist das Platau am Bahnanfang, bevor das Asphaltband den Hang hinab verschwindet. Wenn man beim Anrollen nicht genau wüsste, dass die Runway hinter der Geländekante noch weitere gute 400 Meter lang ist …

Wenn Sie nun auf den Geschmack gekommen sind: Alpine Airlines bietet vor Ort Bergflug-Training für das Rating – dann allerdings nicht auf Turboprop, sondern Cessna 172.

Anspruchsvoll Schon der Anflug auf LFLJ ist unkonventionell. Die Steigung der kurzen Bahn erfordert eine spezielle Landetechnik


KARTE: AIP FRANKREICH


FOTOS TIMO BREIDENSTEIN