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Hochrasanter Alleskönner


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 80/2022 vom 15.07.2022

REPETIERER FÜR ALLE FÄLLE

Artikelbild für den Artikel "Hochrasanter Alleskönner" aus der Ausgabe 80/2022 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die perfekte Kombination fürs Niederwildrevier!

Das Kaliber .223 Remington erfreut sich seit jeher unter Sportschützen großer Beliebtheit.

Jagdlich fristet es jedoch überwiegend ein Schattendasein.

Unser Autor hat das Kaliber mit seiner neuen Sauer 100 im Niederwildrevier für uns auf Herz und Nieren getestet.

Damenwahl

Ein Allroundkaliber wie .308 Win., 30. 06 oder 8x57 IS ist heute meist das Mittel der Wahl. Ein Kaliber für Reh, Sau und Hirsch mit reichlich Reserven, um das Wild auch mit einem schlechten Schuss zur Strecke zu bekommen. In Deutschland gilt bei den Büchsenkalibern meist die Regel „viel hilft viel.“ Auch ich führe eine .308

Win. mit unterschiedlichen Geschossen und Laborierungen für unterschiedliche Wildarten und bin damit sehr zufrieden.

Dennoch habe ich, selbst mit den leichtesten und schonendsten Geschossen, immer noch das Gefühl, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn es dem Reh-, oder Raubwild gilt. Ein ...

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... zehn Gramm schweres

Geschoss ist an einen Fuchs oder Rehbock schon eine ordentliche Ansage. Deswegen war ich stets auf der Suche nach einer Waffe in einem Kaliber, das sich besser für kleines Wild eignet.

In Down Under gelten andere Gesetze

Ich erinnere mich an eine Zeit, die ich in Australien verbracht habe und während der ich auch jagdlich unterwegs gewesen bin. Hier jagten wir Damwild und Schwarzwild mit einer .223 Rem. und hatten als Back Up eine .243 Win. für eventuell passende Hirsche oder wirklich große Keiler.

Nach deutschen Maßstäben waren beide Kaliber viel zu klein und natürlich gesetzlich nicht einmal auf diese Wildarten zugelassen. Das Interessante jedoch ist, dass eine .223 Rem. mit einem entsprechenden Geschoss eine Wirkung hat, die leicht mit einer .308 Win. zu vergleichen ist, wie etliche Stück Damwild in Down Under unter Beweis stellten. Diese Erfahrung hat meine Neugier geweckt und ich habe mich auf dem deutschen Markt umgesehen.

Die Vorzüge

Die Vorteile, die mich zu der Entscheidung für eine .223 Rem. führten, möchte ich noch einmal aufzeigen. Es gibt eine schier endlose Auswahl an Geschossen, Gewichten und Patronenherstellern, die für dieses Kaliber ihre Produkte anbieten. Die Preise für 20 Schuss reichen im Schnitt von zehn bis 60 Euro (50 Cent bis 3 Euro pro Schuss). Relativ gestreckte Flugbahn, eine V 0 von ca. 1000 m/s (abhängig von Geschossart und Gewicht) und eine E 100 von 1100-1550 Joule (abhängig von Geschossart und Gewicht). Sehr gute Verfügbarkeit in nahezu allen Waffensystemen sprach ebenfalls für die .223. Rem.

Ebenso besteht die Möglichkeit, günstig mit der Waffe zu trainieren und das Kaliber ist noch für Wettkämpfe im klassischen DJV-Schießen zugelassen.

Dicke Pillen und kleine Hüpfer

Alles in allem bietet mir das Kaliber ausreichend Reserven, um damit auf Rehwild zu jagen. Hier sind sowohl bleifreie als auch bleihaltige Geschosse in ausreichender Auswahl und unterschiedlichen Gewichten verfügbar. Ebenso gibt es verschiedenste Varmint- Geschosse, welche als Vollzerlegungsgeschosse für Raubwild und Krähen verwendet werden können.

Die Geschossgewichte reichen von leichten 2,3 Gramm (35 Grains) bis zu stattlichen 4,5 Gramm (69 Grains) wobei sich die meisten Geschosse zwischen 3,2 Gramm (50 Grains) und 3,6 Gramm (55 Grains) bewegen. Bei einer .223 Rem. hat der Drall der Waffe einen sehr starken Einfluss auf die Präzision bei verschiedenen Geschossgewichten, da diese durch den Drall ja bekanntlich stabilisiert werden, oder eben nur unzureichend. Generell gilt, dass ein höherer Drall für leichte Geschossgewichte besser ist.

Wahl der Waffen

Da ich als Waffe einen Repetierer im Kaliber .223 Rem. nutzen wollte, musste auch hier eine Entscheidung getroffen werden. Ich bin ein großer Fan davon, immer und für alles die gleiche Waffe zu nutzen, da ich der Meinung bin, dass der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Büchsen, Drillingen und Doppelbüchsen die Handhabung und Leistung des Schützen schmälert. Da ich eine Sauer 100 im Kaliber .308 Win. führe und es für diese Waffe nicht die Option eines Wechsellaufes gibt, war die Entscheidung schnell gefasst, dass es eine Sauer 100 in .223 Rem. in identischer Ausführung werden sollte.

Aufgrund des äußerst attraktiven Preises kostet die gesamte Waffe nahezu genauso viel wie ein Austauschlauf inklusive Verschlusskopf und Magazin einer hochpreisigen Waffe. Für all diejenigen, die die Option haben, den Lauf und somit das Kaliber ihrer Büchse zu wechseln, wäre dies jedoch das Mittel der Wahl.

Ein echtes Arbeitstier

Warum genau diese Waffe? Ganz einfach: Man bekommt hier eine hervorragende und extrem präzise Waffe für einen wirklich schlanken Preis. Natürlich verzichtet man hier auf die Option eines Wechsellaufes oder eine Schaftholzklasse 10. Dafür ist die Waffe jedoch auch nicht gemacht und anstatt eines Wechsellaufes bekommt man für das gleiche Geld einfach eine zweite S 100. Ein zuverlässiges Arbeitstier durch und durch. Ich habe meine S 100 in der Ausführung mit verstellbarem Schaftrücken und einer Ceracotebeschichtung gewählt. Der Schaftrücken erleichtert einem das entspannte Schießen ungemein, da die Wange perfekt anliegt und somit eine angenehme Schießhaltung entsteht. Die Ceracotebeschichtung ist für mich das Mittel der Wahl, wenn es um Schutz vor Feuchtigkeit und somit Rost geht. Lästiges Putzen des Äußeren der Waffe entfällt. Der Abzug der S100 kann zwischen 1000 und 2000 Gramm eingestellt werden und sucht in dieser Preisklasse wirklich seinesgleichen. Mit einer Dentler Montage habe ich ein Steiner Ranger 4 4-16x50 montiert.

Praxis

Beim Ein- und Probeschießen von verschiedenen Laborierungen zeigte sich schnell, dass die Sauer 100 ein wahrer „Lochstanzer“ ist. Mit einem Drall von 10“ (254 mm) und einer Lauflänge von 56 cm verdaute die Sauer 100 die 53 Grain- Geschosse am besten. Hier wurde mit dem V-Max Geschoss von Hornady in 53 Grains ein Streukreis von 12 mm erreicht. Das V-Max in 55 Grains brachte es auf 15 mm Streukreis. Das Teilmantelspitz (Spire Point) von Hornady in 55 Grains brachte es auf 19 mm und auch das bleifreie GMX Geschoss in 53 Grains konnte mit drei Schuss einen Streukreis von 17 mm erreichen. Die Präzision dieser Kombinationen war also mehr als gut. Anschließend wurde noch getestet, inwieweit sich die bleifreie GMX und das V-Max Geschoss zusammen verschießen ließen, da ich mit dem V-Max auf Raubwild und mit dem GMX Geschoss auf Rehwild jagen wollte, ohne die Waffe jedes Mal neu einzuschießen. Eine Abweichung von 3 cm in der Höhe war vertretbar.

Scharfe Zähne, spitze Krallen… V-MAX

Das V-Max Geschoss ist ein Geschoss, das ausschließlich für die Bejagung von Raubwild und Raubzeug entwickelt wurde. Es zerlegt sich beim Auftreffen auf das Ziel komplett und soll so für eine extreme Augenblickswirkung sorgen. Durch den fehlenden Restkörper wird in der Regel kein Ausschuss erwartet und so die Hinterlandgefährdung durch Abpraller minimiert. Das GMX Geschoss ist ein bekanntes bleifreies, monolithisches Geschoss, welches beim Auftreffen aufpilzt ohne Splitter abzugeben. Mit einem Restgewicht von 95% soll es für einen stets sicheren Ausschuss sorgen. Die Wirkung hat mich bereits in anderen Kalibern wie .308 Win oder 8x57 IS überzeugt. Für die bessere Darstellung wurden für beide Geschosse die Fluchtstrecken in Abhängigkeit des Treffersitzes eingeteilt.

Die raue Praxis

Im gesamten Testzeitraum wurden mit der V-Max in 53 Grain von Hornady 28 Füchse, 34 Maderhunde sowie 7 Krähen erlegt. Die Schussentfernungen lagen im Schnitt bei 62 Metern. Die kürzeste Entfernung betrug 16 Meter, die weiteste 227 Meter. Bis auf einen Fuchs und einen Maderhund gab es mit dem 53 Grains V-Max Geschoss in .223 Rem. keine Fluchtstrecke. Ein Fuchs ging mit einem tiefen Treffer am Brustkern noch 12 Meter und ein Maderhund lief mit einem Schuss hinters Blatt durch beide Lungenflügel noch sieben Meter. Alle anderen Stücke reagierten mit einem schlagartigen Zusammenbrechen auf den Schuss. Auch einige wenige Stücke die weich getroffen wurden, blieben am Platz und konnten umgehend durch einen Fangschuss erlöst werden.

Ein richtiger Ausschuss war bei keinem der Stücke vorhanden, lediglich einzelne kleine Splitter schienen sich auf der vom Einschuss abgewandten Seite durch den Balg gebohrt zu haben. Beim Abbalgen wurde die ganze Wirkung der Geschosse erst sichtbar. Die Stücke weisen im Kern enorme Gewebezerstörung auf, die nur noch vom Balg zusammengehalten werden. Für einen Jungfuchs ist die Wirkung etwas zu stark, für adulte Füchse, Maderhunde und Dachse jedoch genau richtig. Das Geschoss tötet augenblicklich und schont dabei den Balg. Auch die faktisch nicht vorhandene Hinterlandgefährdung durch Abpraller ist sehr angenehm und verleiht dem Jäger ein besseres Gefühl. Das V-Max Geschoss zerstäubt beim Auftreffen auf die Erde in kleinste Fragmente, welche schnell an Reichweite und Energie verlieren und somit kein großes Risiko mehr darstellen. Ein sicherer Kugelfang muss natürlich immer gegeben sein. Mit dem GMX Geschoss in der .223

Rem. kamen insgesamt 42 Stück Rehwild zur Strecke. Die Schussentfernungen lagen zwischen 22 und 134 Metern. Die Fluchtstrecken bei Kammertreffern reichten bis zu 20 Meter weit. Bei Treffern auf das Blatt lag der Großteil der Rehe am Anschuss und einige wenige gingen noch ein paar Meter, bis sie zusammenbrachen.

Sowohl bleifreie als auch bleihaltige Geschosse sind in ausreichender Auswahl und unterschiedlichen Gewichten verfügbar.

Geringe Verluste

Besonders hervorzuheben ist, dass bei reinen Kammerschüssen der Wildbretverlust gegen Null geht. Viele hatten mir vorher von ihren Erfahrungen auf Rehwild mit der .223 Rem. erzählt und mich vor dem enormen Wildbretverlust gewarnt. Mit einem weichen Teilmantelgeschoss kann ich mir diese Zerstörung auch sehr gut vorstellen, mit dem harten GMX- Geschoss ist davon jedoch kaum etwas zu sehen. Auf der Einschussseite ist die Zerstörung meist etwas größer, als auf der Ausschussseite, hält sich jedoch auch hier sehr in Grenzen. Lediglich Handgroße Blutschwämme und minimale Hämatome um den Einschuss sind zu beklagen.

Deutlich weniger jedoch als bei meiner .308 Win, mit dem gleichen Geschoss.

Lediglich das Zeichnen fällt nicht so stark aus wie bei den gewohnten Standardkalibern .308 Win oder 8x57IS. Der Rückstoß mit Schalldämpfer ist dafür so minimal, dass man ihn kaum wahrnimmt und sofort erkennen kann was für einen Treffer das Stück hat, da man nicht aus dem Ziel gerissen wird. Lediglich die schnell nachlassende Tiefenwirkung bzw. Energie begrenzt die .223 Rem. und sie ist somit in Deutschland nur auf Rehwild zugelassen.

Ein treuer Begleiter

Um es kurz zu machen, habe ich ein neues Lieblingskaliber samt neuer Lieblingswaffe gefunden. Die Sauer 100 hat auch in diesem kleinen Kaliber mehr als überzeugt. Dies gilt für Schlossgang, Abzug, Schaft und Präzision. Wenn man sich überlegt, welche Schussleistung die Waffe aus dem Karton heraus geliefert hat, gibt es einfach keine zwei Meinungen. Natürlich gibt es noch andere Waffen in dem Preissegment, die auch ähnlich gut sind.

Jedoch zeigt dies einmal mehr, dass es nicht immer die High-End Lösung sein muss, sondern auch der gehobene Standard in der Lage ist alle Aufgaben mit Leichtigkeit zu meistern. Ich kann die Sauer 100 jedem wärmstens empfehlen und das nicht nur als Zweitwaffe, sondern als vollwertiges Werkzeug für jeden Tag im Revier.

Patrik Bollrath 32 Jahre alt, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Nach seinem Masterstudium in Göttingen arbeitete er in der Jagdbranche und ist Förster in Schleswig-Holstein. Er ist leidenschaftlicher Reh-und Damwildjäger. Doch auch Rot- und Sikawild haben es ihm angetan. Er bewirtschaftet unter anderem ein großes Niederwildrevier und ist Experte für Lockjagd. Habitatverbesserung und Wildbiologie im Hoch- und Niederwildrevier gehören ebenso zu seiner Expertise.