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Hochzeitsfotos gestalten


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 06.05.2022

HOCHZEIT

Artikelbild für den Artikel "Hochzeitsfotos gestalten" aus der Ausgabe 60/2022 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 60/2022

Ein besonders wichtiger Moment Die Ringübergabe gehört zu den wichtigsten Momenten während der Zeremonie. Gleichzeitig ist sie auch die kritischste, denn als Fotograf fällt man hier am meisten auf. Ich wähle gerne die Perspektive hinter dem Paar, um den Fokus schnell auf die Gäste umlegen zu können.

DURCH BILDAUSSCHNITTE SCHWERPUNKTE SETZEN

In „meiner“ Hochzeitswelt unterteile ich Bildausschnitte in drei unterschiedliche Bereiche: die Totale (12-35 mm), die Halbtotale ( /– 50 mm) und die Details (85-200 mm). Je detailreicher es wird, desto weniger kann das Bild in Zusammenhängen kommunizieren. So zeigt ein Detailbild bei der Ringübergabe zwar ganz deutlich, wie die Ringe angesteckt werden, aber nicht, wie die Reaktionen der Gäste darauf ausfallen, wo die Hochzeit stattfindet und wie an diesem Tag das Wetter war. Eine gute Geschichte erzählt immer von allem und zeigt die Situation in Kombination aus Vorder-und Hintergrund.

Fotografiere ich also die Ringübergabe, gibt es meist eine Totale (12-35 mm), in der ich die Situation als Ganze zeige, und ein Detailbild, das den Ring am Finger abbildet. Mehr schaffe ich meist nicht, denn ich habe oft nur zwei Kameras mit unterschiedlichen ...

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... Festbrennweiten am Körper. Nutzen Sie Zoomobjektive, können Sie jedoch mit einem 24-70 mm von der Totalen über die Halbtotale fast schon bis ins Detail wechseln. Viel Erfolg!

EINEN SCHWERPUNKT MIT LICHT SETZEN

Eine weitere Methode für die Bildgestaltung und den Bildaufbau besteht in der Blickführung des Betrachters durch bewusst gesetzte Lichtunterschiede. Helle und leuchtende Bildbereiche ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Alle dunklen Bereiche geraten schnell in den Hintergrund.

EINEN SCHWERPUNKT MIT SCHÄRFE SETZEN

Schärfe und Unschärfe gehören für viele Laien ebenfalls zu den Zaubertricks vieler Profi-Fotografen. Mit einer offenen Blende können Sie problemlos den Hintergrund verschwimmen lassen und damit Ruhe in ein Bild bringen. Ein Betrachter wird immer zuerst den scharfen Bereich eines Bildes erfassen wollen. Denn hier erkennt er am einfachsten, um was es geht. Unscharfe Bereiche werden in den Hintergrund gerückt. Möchten Sie also etwas besonders betonen, stellen Sie auf diesen Bereich scharf.

EINEN SCHWERPUNKT MIT DEM BILDSCHNITT SETZEN

Sie kennen sicherlich den Goldenen Schnitt und die Drittelregel. Beide sorgen in jeder Gestaltung für Harmonie und ausgewogene Proportionen. Aber auch mit anderen Arten der Bildeinteilung lässt sich durch eine entsprechende Anordnung von Flächen und Farben die gewünschte Gewichtung erreichen. Durch Größe erreichen Sie immer Aufmerksamkeit. So lässt sich eine große Fläche vom Betrachter immer etwas schneller erfassen als eine kleine Fläche.

MOTIVE UND INHALTE

Publikationen verschiedenster Art (egal, ob Blog oder Zeitschrift oder Social Media) geben oft Hinweise darauf, welche Motive am Hochzeitstag vor allen anderen fotografiert werden sollten. Ich behaupte, dass solche Motiv-Hitlisten nicht helfen. Es kommt immer auf Ihre individuelle Ausrichtung an. Darauf, was Sie abbilden und liefern wollen! Natürlich in Abstimmung mit den Paaren.

Bedienen Sie Paare, die einen Riesenspaß an all dem Hochzeits-Chichi (wie die Dekoration oder die Art der Location) haben, sind das Ihre wichtigen Motive. Be- dienen Sie jedoch Kunden, die Wert auf die gemeinsame Zeit mit ihren Freunden und Verwandten legen, so ist die menschliche Interaktion eines Ihrer wichtigsten Motive. Was möchten Sie zeigen?

SCHÖNE DETAILS VERSUS MENSCHLICHE INTERAKTIONEN

Der meiste Stress und die hohen Ansprüche resultieren zudem häufig aus der Erwartung, dass klassische Motive, wie die Ringübergabe oder der anschließende Kuss, unbedingt und auf eine ganz spezielle Weise auf Bilder gebannt werden. Die Paare haben dazu im Vorfeld Bilder recherchiert und genau diese Bilder von sich selbst im Kopf. Na ja. Das kann zeitweise schwierig werden, denn das Paar ist ja nicht das Pärchen auf dem Bild, das sie gesehen haben. Ist das Paar beim Anstecken der Ringe nämlich damit beschäftigt, den Ring auf den Finger zu bekommen, achtet es nicht darauf, dass man den Ring auch wirklich sieht. Am Schluss haben Sie vielleicht nur eine Menge Finger, aber kaum einen Ring auf dem Bild. Schließlich wollen Sie sich ja auch keinesfalls peinlich über die beiden drüberlehnen, um den Blick von oben auf die Finger zu bekommen. Auch der legendäre erste Kuss nach dem Eheversprechen ist ein Ritual, das nicht bei jeder Trauung Platz finden wird. So ist es liturgisch beispielsweise gar nicht vorgesehen, sich zu küssen, und die eine oder andere kirchliche Trauung kam deshalb auch schon ohne einen überbordenden Liebesbeweis dieser Art aus. Der Pfarrer für seinen Teil wird sich hüten, darum zu bitten.

Am besten schauen Sie jedes Mal individuell, was die jeweilige Hochzeitsfeier auszeichnet. Wenn Sie zudem nachfragen, was genau das Paar sich wünscht, werden Sie zufriedene Kunden haben. Im Vorfeld können Sie so viel klären! Liegt die Priorität auf einer ausgelassenen Feier oder ist dem Paar die Trauzeremonie besonders wichtig? Je nachdem, wie hier von Ihren Kunden die Prioritäten gesetzt werden, können Sie an dieser Stelle auch Energiereserven bündeln und sich entsprechend vorbereiten.

Für meinen persönlichen Workflow habe ich übrigens entschieden, eine Woche vorher noch einmal die wichtigsten Motive bei meinem Paar abzufragen, um mir ganz sicher sein zu können, wie sich meine Kunden die Bildinhalte (nicht die Umsetzung!) vorstellen. Für die jeweilige Pers- pektive oder Umsetzung behalte ich mir immer vor, uneingeschränkt zu sein. Ich möchte Bilder nicht immer gleich machen und kein Paar der Welt kann entscheiden, aus welcher Richtung ein Bild gut wird oder nicht. Motivwünsche sind also okay, auf spezielle Wünsche hinsichtlich der Motivumsetzung sollten Sie jedoch keinesfalls eingehen.

HERO-SHOTS, EFFEKTBILDER UND INSPIRATIONEN

Von jeder Hochzeit bringe ich im Schnitt zwei, drei richtig gute Einzelfotos mit, die mich persönlich begeistern. Bilder, die entweder einen sehr klaren und unwiederbringlichen Moment eingefangen haben und zu meinen All-time-Favoriten werden, oder Effektbilder, die durch Tricks und Kniffe in der Fotografie (beispielsweise besonderes Licht oder einen ganz neuen Blickwinkel) sofort Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Beide Arten von Bildern sind Portfoliomaterial und perfekt für einen ersten Eindruck meiner Arbeiten.

Inspirationen für solche besonderen Bilder können auch aus einer reinen Problemlösung heraus erwachsen, wenn es beispielsweise darum geht, das Hochzeitskleid angemessen zu präsentieren. Findet sich kein Ort, der zum Aufhängen des Kleides sinnvoll erscheint, müssen Sie vielleicht kreativ werden.

So halfen tatsächlich einmal nur noch Hammer und Nagel, um die geeignete Stelle für das Drapieren des Hochzeitskleides im Schlafzimmer des Paares zu schaffen – selbstverständlich nur mit Einwilligung der beiden.

Tische, Stühle und Fensterbänke sind ebenfalls dankbare Helfer, um Kleider richtig hoch hinauswachsen zu lassen. Da müssen auch mal einige Minuten lang die Türen, über die man es hängt, geschlossen bleiben. Oftmals helfen mir auch bereits im Kopf vorhandene Ideen von Kollegen, um sie als Basis für Eigenes zu verwenden. Beispielsweise durch eine bewusste Perspektiv-oder Brennweitenänderung können Sie unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Setzen Sie um, was nötig ist, aber spielen Sie auch, seien Sie etwas verrückt. Nur so schaffen Sie es, außergewöhnliche Bilder zu machen, die auch noch lange in Erinnerung bleiben, Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Sie und Ihren Stil unverwechselbar machen.

DAS BUCH

Dieser Beitrag stammt – mit freundlicher Genehmigung – aus dem Buch „Hochzeitsfotografie – Planung, Handwerk und Kreativität“ von Saja Seus, erschienen im Rheinwerk Verlag für 39,90 Euro. Auf 313 Seiten beleuchtet die Autorin ausführlich den Beruf des Hochzeitsfotografen, von Akquise und Marketing über Backoffice und Workflow bis zu Spezialisierung und Weiterbildung.