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Höllische Abenteuer


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 70/2022 vom 10.06.2022

PORTRAIT JAKUB VÁGNER

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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 70/2022

Kälteschock: Eine ganze Nacht lang musste Jakub sein gepanzertes Kettenfahrzeug reparieren ? bei minus 47 Grad.

Ich bin in Tschechien angekommen, genauer gesagt am Pohan-Teich. Der kleine kommerzielle Angelsee gehört dem Mann, den ich zum Interview treffe und der bereits am Ufer auf mich wartet. Unser Gesprächsort ist ganz in Moosgrün gehalten. Allerlei Karpfenund Welsangel-Equipment, ein Eimer mit Brei, Köder, eine Wathose und ein paar andere Dinge, die ich nicht kenne, liegen verstreut auf dem Angelplatz. Auf dem Rod Pod ruhen vier vormontierte Ruten und auf der Liege vor dem Zelt entspannt Jakub Vágner. Er hält seine Hand vors Gesicht – schützt es vor der blendenden Sonne, lächelt und grüßt. Wir unterhalten uns bereits angeregt, während ich noch ein paar Sachen beiseite räume und schließlich auf einem ziemlich abgerockten Karpfenstuhl neben ihm Platz nehme. Ich denke mir, dass ich ihm jetzt ein bisschen auf den Zahn fühlen werde, diesem Jakub. Ich werde keine einzige Frage zu ...

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... fantastischen Großfängen, internationalen TV-Erfolgen und Anglerprominenz stellen. Ich will lieber wissen, welche Dinge auf seinen Reisen passiert sind, die wir nicht im Fernsehen gesehen haben.

Blinker: Soweit ich weiß, warst Du ein vielversprechendes Musiktalent und hast Musik studiert. Was ist dann passiert?

Jakub Vágner: Das kann jetzt ein bisschen dauern (lacht). Ich hoffe, Du hast es nicht eilig. Ich war 17 Jahre alt und in meinem dritten Jahr an der Musikschule in Prag, als mir klar wurde, was ich wirklich machen wollte. Als ich meinem Vater sagte, dass ich mit der Schule abgeschlossen hatte, bekam ich eine Ohrfeige und einen Tritt in den Hintern. „Verschwinde hier! Wenn Du solche Entscheidungen treffen kannst, musst Du alleine zurechtkommen“, sagte er zu mir. Von diesem Tag an sah ich meine Familie die nächsten drei Jahre nicht mehr.

Das klingt nach einem schwierigen Karrierestart, was hast Du dann gemacht?

Ich habe mir Geld von meiner Großmutter geliehen, Flugtickets gekauft und bin nach Australien gereist. Ich dachte, dass ich von Glück überhäuft werden würde, sobald ich das Land betrat. Alles, was ich damals hatte, war mein stotterndes Englisch und 20 Dollar in der Tasche. Ich dachte, es sei ziemlich einfach, einen Job zu finden, aber ich hatte keine Arbeitserlaubnis. Die ersten drei Monate habe ich als Obdachloser im Central Park in Sydney gelebt. Ich war pleite und habe Müll direkt aus dem Abfalleimer gegessen. Aber ich wollte meinen Traum trotzdem nicht aufgeben. Als professioneller Angler könnte ich überall arbeiten. Eines Tages öffneten sich die Tore einer große Anglermesse – und ich wusste, dass mein großes Idol Rex Hunt dort sein würde. Es war nicht schwer, ihn zu finden. Es ging nun nur darum, nicht der Letzte in einer 300 Meter langen Menschenschlange zu sein. Rex Hunt gab Autogramme am Fließband, ohne auch nur eine Sekunde Zeit zu haben, die Leute in der Warteschlange anzusehen. Nach ein paar Stunden war es so weit und ich stand vor ihm. Ich weiß nicht, was damals in mich gefahren ist, aber ich sagte zu ihm: „Hallo, mein Name ist Jakub, kann ich für Dich arbeiten?“ Ich verstehe bis heute nicht, warum ich gefragt habe – ein junger Mann mit miesem Englisch, der nicht einmal aus Australien kam. Er sah zu mir auf, schrieb sein Autogramm auf die eine Seite der Karte und eine Telefonnummer auf die andere und bat mich, ihn am nächsten Tag anzurufen. Ich rief an und Rex bot mir einen Job als Guide an. Ich würde Touren auf Marlin, Thunfisch und Königsfisch machen – Arten, über die ich zuvor nur in Büchern gelesen habe. Ich hatte anfangs keinerlei Erfahrung mit dem Big Game-Angeln, wurde mit der Zeit aber immer besser. Nach einer Weile ging ich zurück in die Tschechische Republik – als sich meine Mutter wegen der Situation schlecht fühlte. Ich kehrte voller Elan und Tatendrang heim, mit großartigem Englisch und vielen neuen Erfahrungen.

Hast Du einen guten Rat von Rex Hunt bekommen, bevor Du nach Hause gefahren bist?

Das Letzte, was Rex damals zu mir sagte, war, dass ich, wenn es in meinem Heimatland Sportfischen geben sollte, es im Fernsehen gezeigt werden muss. Damals gab es in Tschechien aber noch kein Sportfischen. Vor allem aber galt Angeln nicht als Sport. Angler waren Männer in Tarnklamotten, die ein oder zwei Fische zum Essen fingen. Setzte man einen Fisch wieder zurück, galt man als Idiot. Es wurde einfach nicht akzeptiert. Als ich meinen Freunden und Bekannten erzählte, dass ich in der Sportfischerei arbeiten würde, verstanden sie nicht, was ich meinte. „Du wirst also in einem Fischgeschäft oder als Berufsfischer arbeiten?“, fragten sie. Aber eigentlich sollte es mich nicht verwundern, dass sie es nicht verstanden, denn in der Tschechischen Republik gab es niemanden, der mit Angeln Geld verdiente. Kein einziger Mensch.

Wie hast Du es geschafft, das Sportfischen ins tschechische Fernsehen zu bringen?

„Als ich meinen Freunden und Bekannten erzählte, dass ich in der Sportfischerei arbeiten würde, verstanden sie nicht, was ich meinte.“

Ich habe sechs Monate lang jeden Tag das tschechische Nationalfernsehen angerufen. Sie hassten mich inzwischen, aber dann kam es zu einem Treffen. Die Sekretärin redete nicht mit mir, sie war sauer wegen meines Gequatsches. Ich hatte noch nicht einmal das Büro des Programmmanagers betreten, da fragte er mich schon, ob ich der verrückte Typ sei, der seine Sekretärin den ganzen Tag stört und der eine seltsame Sendung übers Angeln machen will. Mir wurden fünf Minuten gegeben, ich wurde nach meiner Idee befragt und bekam umgehend die Antwort: „Sie wollen also eine Sendung über einen einsamen Angler machen, der in einem kleinen Boot auf einem leeren Meer sitzt und friert? Es wird weder gesprochen, noch passiert irgendwas. Dann geht er wieder nach Hause.“ Ich antwortete, dass es genau das sei, was ich wollte, aber dass ich dachte, ich könnte es sowohl unterhaltsam als auch gut machen. Sechs Monate später hatte ich meine erste TV-Show. Ich war 19 Jahre alt und stand das erste Mal vor der Kamera. Die Sendungen waren wirklich schlecht, aber in diesem Genre die allerersten in der Geschichte des Landes. Sie liefen sogar ganz gut. Es dauerte fünf Jahre, bis das Angeln in der Tschechischen Republik sowohl ein angesehener Sport als auch ein Lebensstil waren, den immer mehr Menschen annahmen. Junge Leute angelten und Fische wurden zurückgesetzt, ohne dass andere verwundert ihre Augenbrauen hochzogen.

Der Goliath-Tigerfisch lebt nur im Einzugsgebiet des Kongo. Ich weiß, dass Du wegen dieses besonderen Fisches über ein Jahr in Kongo-Kinshasa verbracht hast, dem vielleicht gefährlichsten Land der Welt. Was geschah dort wirklich, als die Kamera ausgeschaltet wurde?

Über Kongo-Kinshasa gibt es so viel zu sagen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Probleme, so viele Schwierigkeiten, so viel was schiefging, erlebt, wie dort. Als ich dort hinkam, war ich nicht einmal auf den Bruchteil des ganzen Ärgers vorbereitet.

Fang einfach irgendwo an und verrate mir, was schiefgelaufen ist.

Es begann eigentlich sofort, als ich das Land betrat. Ich traf auf zwei betrunkene Wachmänner mit geladenen AK-47. Die Wärter schauten auf mein Visum und meinen Pass und sagten mir umgehend, dass meine Dokumente ungültig seien – was sie natürlich nicht waren. Mir wurde befohlen, den nächsten Flug nach Hause zu nehmen. Ich unternahm einen zweiten Versuch, wich zunächst ein paar Meter zurück, legte 50 Dollar über das Passfoto und gab mein Visum und meinen Pass erneut ab. Die Wachen sahen sich an und wiesen darauf hin, dass beim ersten Mal etwas schiefgelaufen sein musste. „Willkommen in Kongo – viel Spaß!“, sagten sie gemeinsam mit dem breitesten Grinsen ganz Afrikas. Ich ging weiter und drei Minuten später wurde ich festgenommen – zum ersten Mal.

Warum wurdest Du verhaftet?

Für nichts, vielleicht wegen meiner weißen Haut, ich weiß es nicht. In den ersten drei Tagen in Kongo-Kinshasa wurde ich zwölfmal festgenommen. Und es lief jedes Mal gleich ab. Ein gut gekleideter Herr, begleitet von vier bis fünf schwer bewaffneten Männern in Uniform, brachte mich zu einer Hütte und sagte mir, dass ich verbotene Dinge mache, dass ich auf der Straße fotografiere und an die falschen Orte gehe. Ich habe keine Fotos gemacht und bin wie alle anderen gegangen – nur auf der Straße. Nach einer Weile baten sie um Geld. Ich habe schnell verstanden, wie es läuft. Mit fünf Dollar in der linken Tasche, zehn in der rechten Tasche, 20 Dollar in der Brusttasche und 100 Dollar im Schuh navigierte ich mich durch die auftretenden Probleme. Kleine Probleme habe ich mit der linken und der rechten Tasche und größere Probleme mit dem Schuhgeld gelöst. Wenn sie mich anlächelten, waren sie glücklich und wurden Freunde. Wenn nicht, musste ich ihnen mehr Geld geben. Jede Straße hatte ihren eigenen „Chef “. Wenn sie nicht zufrieden waren, verhafteten sie mich. Immer und immer wieder, bis der richtige Betrag gezahlt wurde. Und als sie fragten, was ich hier mache und ich antwortete, dass ich angeln würde, lachten sie nur. Sie haben mir kein Wort geglaubt.

Was dachten sie, was Du in dem Land machen würdest?

Sie waren davon überzeugt, dass ich nach Gold und Diamanten suchte. Das nächste Problem war die Reparatur eines Bootes. Es war nicht einfach, oder besser gesagt:

Es war die Hölle! Der Standard der Boote erreicht nicht ganz den, den wir in Europa gewohnt sind – um es milde auszudrücken.

Okay, erzähl mir mehr!

In Kongo-Kinshasa sind die meisten Boote noch aus Holz, daher war es wirklich schwierig, ein funktionierendes Boot für meine Zwecke zu finden. Ich ging hinunter zum Hafen, wo ich einige Wracks aus den 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahren fand. Trümmer, die von den Belgiern und Franzosen zurückgelassen wurden.

So ein Schrotthaufen kann nichts kosten, dachte ich in meiner Einfalt. Für ein Boot mit 40 Jahren auf dem Buckel und einem genauso alten Motor wollten sie mindestens 20.000 Dollar. Ich kaufte ein völlig ramponiertes Boot für 12.000 Dollar und dazu einen 40 Jahre alten Motor für noch einmal 10.000 Dollar. Ich habe 22.000 Dollar für ein Boot ausgegeben, das kaum funktionierte. Ich suchte den besten Motorenmechaniker des Dorfes – der natürlich nichts von Bootsmotoren verstand. Aber das wusste ich damals noch nicht. Der Mechaniker hat den kompletten Motor auseinander geschraubt und anschließend wieder zusammengebaut.

Als ich abends den Stand der Arbeiten überprüfen sollte, lag ein ganzer Haufen Bauteile auf dem Tisch, also Teile, die jetzt im Motor fehlten. Meine Bedenken wurden noch größer, als ich sah, wie er die Schrauben mit dem Akkuschrauber eindrehte – per Hand, denn das Kabel steckte nicht in der Steckdose. Er hat den Motor komplett zerstört. Jetzt hatte ich ein kaputtes Boot ohne Motor. Außerdem hatte ich 10.000 Dollar direkt in den Sand gesetzt.

Am Ende musste ich eine morsche Holzeiche mit einem dazugehörigen 20-PS-Motor mieten. Damit würde ich 300 Kilometer den Kongo stromaufwärts fahren.

Ist natürlich auch kaputt gegangen. Alles endete damit, dass ich per Satellitentelefon lernte, das Boot vorübergehend zu reparieren. Zu diesem Zeitpunkt war ich zwei Monate im Land, ohne einen einzigen Tag zu angeln. Ich hatte gerade einmal ein Problem gelöst. Also kehrte ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück.

Mit der Sehnsucht, Goliath-Tigerfische zu fangen, bist Du ein zweites Mal nach Kongo-Kinshasa gereist?

Zu Hause angekommen lernte ich erst einmal alles über das Reparieren von Booten und Motoren. Als ich nach Kongo-Kinshasa zurückkam, wusste ich alles über Zweitaktmotoren und wie man Glasfaserboote repariert. Ich habe mein Boot repariert und einen neuen Motor importiert. Endlich war ich bereit für eine einmonatige Expedition, bereit zum Angeln. Es fehlten nur noch wenige Kleinigkeiten.

Unter anderem brauchte ich Treibstoff für einen ganzen Monat. Ich kaufte nagelneue Tanks, zehn für jeweils 100 Dollar, um absolut sicher zu sein, dass mein Benzin sauber – frei von alten Ölen und Resten von schlechtem Kraftstoff – war. Ich bat die Einheimischen, mir zu helfen, Benzin zu kaufen und es per Lastwagen dorthin zu transportieren, wo ich war. Sie kamen genau wie vereinbart zurück. Ich schaute auf den Tank und berührte den öligen Inhalt. Ich konnte es kaum glauben: Vor mir auf dem Lkw standen 2.300 Liter Diesel. Ich verschenkte den Diesel und kaufte neue Tanks. Im ersten Moment dachte ich, dass es ein Missverständnis gewesen sei, aber im Nachhinein verstand ich, dass ich getäuscht worden war. Ich wurde aufs Kreuz gelegt. Anschließend habe ich mir neue Tanks und neues Benzin gekauft.

Die Zeit in Afrika scheint wirklich hart gewesen zu sein. Was war das Schlimmste?

Armut. Menschen starben. Es gab Tage, an denen etwa 30 Leichen an meinem Boot vorbeitrieben – an einem einzigen Nachmittag. Ich bin um die ganze Welt gereist, aber ich habe noch nie so viel mit den Einheimischen gekämpft wie in Kongo-Kinshasa. Ich konnte niemandem vertrauen.

Während meiner 13 Monate dort habe ich nicht einen Menschen getroffen, der mir nicht in den Rücken gefallen wäre, wenn sich die Gelegenheit dazu ergeben hätte. Ich wurde die ganze Zeit betrogen, mehrmals täglich, Woche für Woche.

Bist Du oder ist jemand aus Deinem Team während einer der Expeditionen ernsthaft krank geworden?

So oft (lacht). Ich hatte mal einen Produzenten dabei, der noch nie in Kongo-Kinshasa war. Er hatte die seltsame Idee, dass die oberen drei Zentimeter des Wassers durch die Sonnenstrahlen desinfiziert wurden. Ich sah ihn aus dem schmutzigen Oberflächenwasser des Kongos trinken Jakub rät dazu, das Boot lieber selbst zu reparieren. und fragte ihn direkt, ob er sterben wolle.

Und genau das kannst Du, wenn Du das Flusswasser trinkst. Du machst Dir nicht nur in die Hose, es ist hochgradig lebensgefährlich. Die Situation klärte sich fast von selbst, denn später an diesem Tag, als ich meine Ausrüstung aufräumte, hörte ich einen dumpfen Schlag gegen den Rumpf.

Der Produzent trank aus dem Wasser, als gleichzeitig eine halbverweste Frauenleiche vorbeitrieb, nur 30 Zentimeter von seinem Kopf entfernt. Er machte einen riesigen Satz und seine Gesichtsfarbe veränderte sich innerhalb von nur einer Minute in alle Töne des Regenbogens. Dann trank er nie wieder aus dem Kongo. Obendrein wurde er offenbar sehr krank, denn die nächsten 48 Stunden verbrachte er auf der Toilette.

Ich selbst hatte über die Jahre ziemliches Glück, hatte keine Knochenbrüche oder ernsthafte Verletzungen. Die größten Beschwerden sind von Parasiten gekommen. Ich hatte im Laufe der Jahre viele Probleme mit Parasiten und habe es immer noch. Ich hatte siebenmal Malaria und viele Krankheiten wie Typhus, Elephantiasis, Filariose, Flussblindheit und einige mehr, deren Namen ich nicht mal kenne. Ich hatte Larven und Würmer unter der Haut an meinen Beinen, Armen, Rücken, in meinem Bauch und sogar Würmer in meinem Kopf. Ich sage immer, dass der Wurm zum besten Apfel zieht, also habe ich wahrscheinlich gutes Fleisch (lacht).

Wie geht es Dir heute?

Ich bin gerade mal 40 Jahre alt und habe schon das Leben von zwei, drei Menschen gelebt. Ich bin nicht dumm und weiß, dass ich mit der Zeit den Preis dafür zahlen muss. Meinen 80. Geburtstag werde ich wahrscheinlich nicht mehr erleben. Ich habe viel durchgemacht und erinnere mich noch gut an eine Geschichte. Ich war gerade vom Amazonas zurückgekehrt und hatte einige blinde Passagiere nach Hause mitgebracht. Larven, die in den Beinen lebten. Überhaupt nicht gefährlich, aber sie juckten sehr. Ich wollte auf einer großen Sportfischermesse hier in der Tschechischen Republik einen Vortrag über meine Reisen halten. Vor mir saß ein Publikum von etwa 300 Leuten und vorn in der ersten Reihe eine Dame in den Sechzigern. Ich war sportlich leicht gekleidet, nur mit T-Shirt und Shorts, und redete wie immer. Es juckte an einem Bein, reflexartig keilte ich zurück. Eine Raupe fiel aus dem Bein – und die Dame in der ersten Reihe in Ohnmacht. Das Personal kam mit nassen Tüchern, befeuchtete ihre Stirn. Ja, es war eine wirklich lustige Situation – und meine Geschichten wurden sehr überzeugend.

„Es hat mich viele schlaflose Nächte und literweise Tränen gekostet, bis ich verstanden habe.“

Das klingt nach einem absolut skurrilen Erlebnis. Hast Du einen Arzt, der Dir hilft?

Einer der führenden Experten für Tropenkrankheiten und Parasiten arbeitet im Krankenhaus in Prag. Er strahlt immer wie eine Sonne, wenn er mich im Krankenhaus sieht: „Jakub, was hast Du dieses Mal für mich dabei?“ Die Sache ist, dass ich ihm neues Forschungsmaterial und Material für Vorlesungen über Tropenkrankheiten zur Verfügung stelle. Wir sind im Laufe der Jahre sehr gute Freunde geworden.

Warst Du beim Angeln einmal kurz davor, Dein Leben zu riskieren?

Besondere Fischarten leben an besonderen Orten. Das trifft vor allem auf die Süßwasserarten zu, die ich fangen möchte. Diese Orte sind keine gewöhnlichen Touristenziele, denn wenn es so wäre, würde es diese Fische nicht geben. Der erste Grund, warum Touristen einen bestimmten Ort nicht besuchen, ist, dass er zu weit weg ist. Der zweite Grund ist, weil es viel zu gefährlich ist. Damit meine ich, dass ich jede Sekunde, die ich an einem solchen Ort bin, mein Leben riskiere und die größte Bedrohung dabei fast immer die Menschen sind. Menschenleben sind in armen Ländern oft nichts wert. Zum Beispiel wurde mehrmals auf mich ge- schossen, während ich im Boot saß. Die Kugeln sind direkt durch den Rumpf gegangen – nur einen halben oder ein paar wenige Meter von mir entfernt. Ich weiß nicht warum, wahrscheinlich nur, weil jemand dachte, es sei lustig. Während meiner kürzlichen Reise nach Papua-Neuguinea begegneten wir einer ganzen Bande, etwa 30 Personen in einem Lastwagen, die herumgingen, Menschen ausraubten und misshandelten – nur so zum Spaß. Wir waren nur um Haaresbreite davon entfernt, unser Leben zu verlieren. Natürlich riskiere ich mein Leben.

Wer ist Jakub Vágner?

Alter: 40 (geboren 1981)

Wohnort: Katlov, Tschechische Republik

Beruf: Sportangler, Unternehmer, TV-Star

Anzahl der Fangtage pro Jahr: ca. 300

Lieblingsfisch: alle mit Flossen

Traumfang: Ein 70 Kilo schwerer Goliath-Tigerfisch, falls es einen gibt.

Aktuell: Angelsendung für Kinder, eine Fernsehsendung über große Süßwasserfische weltweit und eine TV-Sendung über interessante Fische in Europa

Zum Schluss, Jakub: Nach all den Jahren als erfolgreicher Angler mit eigenen Angelmagazinen, Sportangel-Shop, Online-Handel, eigenen Seen und mehreren Sendungen auf den größten Fernsehkanälen der Welt – was ist das Schlimmste daran, Jakub Vágner zu sein?

Der Eifersucht und dem Neid zu begegnen. Als ich mit dem Angeln anfing, hatte ich die Vorstellung, meine Leidenschaft, mein Wissen und meine Erfahrung, ja meine ganze Seele mit allen auf dieser Erde zu teilen. Ich war sehr naiv. Ich dachte, wenn ich nur Gutes tun würde, würden mich alle lieben, aber ich lag so falsch. Ich war erst 19 Jahre alt, als ich teilweise sogar Hass spürte – weil ich meinen Traum lebte, weil ich mit Sportfischen Geld verdiente. Es gab so viele andere, die dieses Leben wollten und natürlich nichts von meinen Opfern wussten, die ich dafür brachte. Es hat mich viele schlaflose Nächte und literweise Tränen gekostet, bis ich verstanden habe. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es egal ist, ob man ein erfolgreicher Geschäftsmann, Sportler, Musiker oder wie ich, ein Angler ist, bei den Fans wachsen Hass und Eifersucht. Das Phänomen ist unvermeidbar: Wenn es Menschen gibt, die Dich lieben, gibt es auch Menschen, die Dich hassen. Es gibt nur einen Weg, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die Dich nicht mögen. Du musst besser, schneller und klüger sein, sowie größer fangen und mehr fangen.