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Hoffnungsfroh trotz neuer Welle


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L-MAG - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 17.12.2021

Artikelbild für den Artikel "Hoffnungsfroh trotz neuer Welle" aus der Ausgabe 1/2022 von L-MAG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Mehr Geld für Lesben!

Silvia Casalino, Raumfahrtingenieurin Paris, Frankreich

Silvia Casalino hat als Ingenieurin bei der französischen Raumfahrtagentur CNES gearbeitet, an renommierten Unis gelehrt – und eine Karriere als Feministin und LGBTIQ*-Aktivistin hingelegt. Während der Pandemie hat sie mit der EuroCentralAsian Lesbian* Conference Finanzhilfen für Lesbenprojekte organisiert:

Meine Partnerin und ich hatten uns im Oktober 2020 mit Covid infiziert. Damals gab es noch keinen Impfstoff. Wir waren ziemlich krank, hatten zwei Wochen lang hohes Fieber. Aber wir mussten nicht ins Krankenhaus, sondern konnten uns zu Hause auskurieren. Inzwischen sind wir geimpft und es geht uns wieder gut.

Während der Pandemie hat meine Arbeit bei der EuroCentralAsian Lesbian* Community stark zugenommen. In den letzten sechs Monaten haben wir mehrere Studien veröffentlicht, wie etwa den Report über die Auswirkungen des ...

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... Coronavirus auf die lesbischen Gemeinschaften in Europa und in Zentralasien. Die Hauptergebnisse: Die Situation von Lesben am Arbeitsplatz wurde aufgrund der Pandemie noch prekärer. Sie waren einsam und hatten keine Möglichkeit, mit ihren örtlichen Communitys in Kontakt zu treten. Das hat ihr Wohlbefinden extrem beeinträchtigt. Der chronische Mangel an Ressourcen und finanzieller Unterstützung ist für lesbische NGOs schlimmer als vor der Krise. Deshalb hat die EuroCentralAsian Lesbian* Conference kleine Nothilfen für lesbische Gruppen in extremer Not bereitgestellt. Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass lesbische Projekte mehr Unterstützung bekommen!

www.europeanlesbianconference.org

Endlich wieder tanzen

Ella Bottom Rouge, Künstlerin Mailand, Italien

Ella Bottom Rouge versteht sich als moderne Version italienischer Filmdiven der 1950er-Jahre. Bei der Berlin Burlesque Week 2018 kam die Künstlerin und Aktivistin mit ihrem „wunderschönen Cocktail aus orientalischem Tanz, Burleske und Fetischstil“ auf den zweiten Platz:

Hallo, liebe deutsche Lesben! Hier ist eure italienische Burlesque-Darstellerin, die direkt aus ihrem Wohnzimmer in Mailand schreibt. Hier hat Corona sehr stark zugeschlagen. Alle Veranstaltungsorte, auch Tanzstudios, waren mehr als ein Jahr geschlossen.

Ich wurde im Juni geimpft und habe mich riesig gefreut, wieder ins „normale Leben“ zurückzukehren! Auf der anderen Seite lernen wir immer noch jeden Tag, mit der Situation umzugehen. Ich unterrichte wieder und habe viele – auch immer mehr queere – Schüler:innen von überall her! Sie sind begeistert, die Kunst des Burlesque zu erlernen, ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen und zu hinterfragen, was sie wirklich wollen.

Zurück auf der Bühne zu sein, bedeutet für mich, meine Kreativität aufzuladen, aber mich auch zu fragen: Wer ist Ella nach dieser Zeit? Bin ich alt geworden? Bin ich klüger? Bin ich eine bessere Performerin? Bin ich eine bessere Produzentin und Lehrerin?

Natürlich habe ich während des Lockdowns zugenommen, aber ich akzeptiere das als eine normale Sache. Zudem bin ich ja Italienerin. Essen ist für uns Wohlbefinden! Im April war ich auf dem Cover von Frisson, einem unabhängigen Magazin über Freiheit, Sexualität und Feminismus. Im Juni 2021 habe ich einen Preis dafür bekommen, dass ich mit meinen Kursen und Shows ohne Geschlechterunterschied neue Räume für queere Menschen in der Burlesque-Branche schaffe.

Mit Gio, die ich 2020 nur zwei Wochen kennenlernen konnte, gab es in den Lockdown-Zeiten ernsthafte Probleme. Wir kämpfen auch jetzt, wo wir nicht mehr soviel Freizeit haben wie im letzten Jahr, weiter um unser Glück. Aber wir sind immer noch zusammen!

www.ellabottomrouge.com

Ohne Tochter in Quarantäne

Ging Cristobal, LGBTIQ*-Aktivistin Quezon City, Philippinen

Ging Cristobal ist eine lesbische Feministin, Menschenrechtlerin und Tierliebhaberin auf den Philippinen. Die Angehörige der ethnischen Gruppe der Baduy ist Buddhistin und arbeitet als Projektkoordinatorin bei der LGBTIQ*-Organisation OutRight Action International:

Ich habe während der Pandemie geliebte Menschen verloren! Meine Partnerin hat mir zur Seite gestanden, obwohl sie selbst mit Ängsten zu kämpfen hatte. Gleichzeitig gab uns die Pandemie auch die Chance mal durchzuatmen, im Unterschied zur sonst üblichen Hektik und der hohen Verantwortung bei unserer Arbeit. Wir haben die Zeit genutzt, um die Qualität und Quantität der Zeit, die wir miteinander verbringen, neu zu bewerten – und um die Art und Weise, wie wir füreinander da sind, zu verbessern.

Meine Tochter und ich mussten getrennt voneinander in Quarantäne, nachdem sie mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatte. Das war schwierig zu bewältigen. Die Angst während der Quarantäne hat die schlimmsten Szenarien in meinem Kopf noch verschlechtert. Manchmal führte diese Angst zu einem Negativismus, denn anfangs war uns beiden nicht klar, dass wir uns gegenseitig als Resonanzboden benutzen und so den Stress ungewollt aufeinander projizierten.

Präsident Rodrigo Duterte hatte LGBTIQ*-Personen zwar Unterstützung zugesagt, damit sie besser durch die Corona-Maßnahmen kommen. Aber beim philippinischen Sozialministerium ist das offenbar nicht angekommen – dieses ist für die Bereitstellung und Verteilung von Hilfsgütern an alle Bürger:innen verantwortlich. Weil weder der Präsident noch das Ministerium klar definiert haben, wer als „Haushalt“ gilt, sind LGBTIQ*-Personen, die zusammenleben, den Sozialarbeiter:innen ausgeliefert – und die interpretieren sehr subjektiv, ob Menschen einen Haushalt bilden oder nicht …

www.outrightinternational.org

Die Normalität genießen

Candy Yun, LGBTIQ*-Aktivistin Seoul, Südkorea

Candy Yun ist Direktorin des Korean Sexual-minority Culture and Rights Center in Seoul. Südkorea war zunächst stark von Corona betroffen, bekam die Epidemie aber schnell in den Griff. Das Infektionsgeschehen in Südkorea bewegt sich auf niedrigem Niveau. Regionale Hotspots sind die Hauptstadt Seoul und die umgrenzende Provinz Gyeonggi:

Weil meine Partnerin an Krebs erkrankt war und ich sie pflegte, wurde ich schon im Mai 2021 geimpft. Leider ist sie dann im Juni gestorben. Eine Coronainfektion hätte vermieden werden können, aber leider konnte die Ausbreitung von Krebszellen nicht verhindert werden. In meiner Organisation „Korean Sexual-minority Culture and Rights Center“ läuft der Bürobetrieb wieder einigermaßen wie vor Corona. Allerdings werden alle Vorträge und Veranstaltungen online oder hybrid durchgeführt, was auch bei anderen Organisationen die neue Normalität ist.

Nachdem es im Mai 2021 in einigen queeren Bars und Clubs zu besonders vielen Covid-Infektionen kam, wurden viele davon geschlossen. Glücklicherweise scheint die Stigmatisierung von LGBTIQ* seitdem wieder nachgelassen zu haben, was nicht bedeutet, dass sich die Menschenrechtslage verbessert hat.

Weil die Impfrate nun über 70 Prozent liegt, wurde Ende Oktober die Coronapolitik auf eine neue Basis gestellt: „Leben mit Covid-19“. Freund:innen können sich wieder treffen und Bars oder Clubs besuchen. Mal sehen, wie lange das anhält, wenn jetzt im Winter die Zahl der bestätigten Infektionen wieder steigt. Wie dem auch sei, die Menschen genießen die gegenwärtige normale Situation!

www.kscrc.org/xe/Information

Mehr Natur, weniger Alkohol

Marta Dalla Chiesa, Reiseveranstalterin Florianópolis, Brasilien

Die Pandemie hat Brasilien stark getroffen, nicht zuletzt durch die Coronaverharmlosung des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro. Die Menschen sind klüger als ihr Staatsoberhaupt: Sie lassen sich impfen und die Infektionszahlen sinken und sinken (Stand: November 2021). Tourismus-Unternehmerin Marta Dalla Chiesa aus Florianópolis hofft auf einen Neustart der Reisesaison. Bis dahin zieht sie sich oft in die Berge zurück:

Meine Partnerin und ich sind viel besser durch die Pandemie gekommen als die meisten Leute. Wir sind gesund geblieben, haben keine engen Freund:innen oder Verwandte an Covid verloren. Aber die Pandemie hat sicherlich unser Denken über das, was wir vom Leben wollen, sehr verändert. Wir haben zum Beispiel beschlossen, dass wir mehr Kontakt mit der Natur brauchen und schließlich mit Freund:innen eine Hütte in den Bergen gebaut, wo wir viel Zeit verbracht haben.

Während der Pandemie stand unser Unternehmen Brazil Ecojourneys still. Das queere Surfcamp „Gay Surf Brazil“ mussten wir aufgrund der Reisebeschränkungen verschieben. Wir hoffen, dass es im März 2022 wieder stattfinden kann. Der internationale Tourismus – sowohl Mainstream als auch LGBTIQ* – waren in der Pandemie so gut wie nicht vorhanden! Ich glaube, Fernreisen werden der letzte Bereich sein, der zur Normalität zurückkehren kann. Wir stehen bereit, wenn es wieder losgeht. Und wir haben für nächstes Jahr schon viele Anfragen bekommen!

Wie bei vielen anderen auch hat unser Kochprojekt – bei uns ayurvedische Küche – die Pandemie nicht überdauert. In den ersten Monaten haben wir viel gekocht, dann aber doch örtliche Lieferdienste genutzt. Die waren zwar nicht ayurvedisch, aber immerhin haben wir einen tollen veganen Imbiss entdeckt. Aber unseren anderen Vorsatz haben wir eingehalten: Alkohol trinken wir nur an Wochenenden und auf gesellschaftlichen Veranstaltungen – meistens zumindest!

www.brazilecojourneys.com

Yoga statt DIVA

Carrie Lyell, Social-Media-Profi Edinburgh, Großbritannien

Carrie Lyell war Chefredakteurin des Lesbenmagazins DIVA. Die Lockdown-Zeit hat sie genutzt, um neue Wege einzuschlagen – sowohl privat als auch beruflich. Zum „Freedom Day“ am 19. Juli 2021 feierten die Brit:innen das Ende der Coronabeschränkungen:

Wir haben niemanden durch Covid verloren, aber die Oma meiner Frau starb aus anderen Gründen. Wir durften sie nicht im Krankenhaus besuchen und nicht bei ihr sein, als sie starb. An der Beerdigung durften nur 20 Personen teilnehmen und die saßen weit voneinander entfernt. Meine Partnerin und ich haben die Pandemie bisher relativ unbeschadet überstanden. Natürlich war es schwierig, aber wir sind glücklich und gesund, doppelt geimpft und bald ist die Booster-Impfung dran.

Das Leben läuft immer noch langsamer – aber das ist nicht schlimm. Ich habe festgestellt, dass ich nicht gleich wieder ins „richtige Leben“ zurückkehren wollte. Während der Pandemie begann ich über Zoom mit Yoga. Das ist ein so wichtiger Teil meines Lebens geworden, dass ich über eine Ausbildung zur Yogalehrerin nachdenke.

DIVA ist wieder zurück. Das gedruckte Magazin hat weniger Seiten als vor Covid und ist derzeit nur als Abo erhältlich. Aber die während des Lockdowns entstandene digitale Community wächst weiter und 2021 wurde der DIVA-Podcast gestartet.

Nach acht Jahren bei DIVA hatte ich aber das Gefühl, dass ich einen neuen Sinn brauche, eine andere Richtung einschlagen möchte. Der Lockdown hat mir die Zeit und den Raum dafür gegeben. Seit August dieses Jahres bin ich jetzt Digital Engagement Managerin für die Organisation Mermaids. Sie unterstützt transgender, nicht-binäre und genderdiverse junge Menschen und ihre Familien.

Privat wollen meine Frau und ich eine Familie gründen – der erste Termin in der Kinderwunschklinik steht! Außerdem lerne ich mit 36 Jahren noch Autofahren – und hoffe zu beweisen, dass man alten Hunden tatsächlich neue Tricks beibringen kann!

FOTOS: privat

// Protokolle: Michael Lenz