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Hoffnungsträger Sonnenenergie


first class - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 01.08.2019

Solarstrom lohnt sich wieder – Photovoltaik-Anlagen sind 2019 so günstig wie nie. Auch für Hotels werden die nachhaltigen Energielieferanten immer interessanter.


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Bildquelle: first class, Ausgabe 8/2019

Die Stromkosten für Privatkunden liegen 2019 auf einem Allzeit-Hoch: Knapp 30 Cent pro Kilowattstunde muss der Deutsche laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt hinblättern. Gewerbekunden zahlen immerhin zwischen 18 und 23 Cent. Auch in der Hotellerie stellt Energie einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar. Kein Wunder also, dass sich deutsche Hoteliers zunehmend anderweitig umsehen.
Eine preisgünstige Alternative, die sich in den letzten ...

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Die Stromkosten für Privatkunden liegen 2019 auf einem Allzeit-Hoch: Knapp 30 Cent pro Kilowattstunde muss der Deutsche laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt hinblättern. Gewerbekunden zahlen immerhin zwischen 18 und 23 Cent. Auch in der Hotellerie stellt Energie einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar. Kein Wunder also, dass sich deutsche Hoteliers zunehmend anderweitig umsehen.
Eine preisgünstige Alternative, die sich in den letzten Jahren als immer lohnenswerter erwies, bieten Photovoltaik-Anlagen zur Eigenstromversorgung. Waren diese vor 15 Jahren noch dazu gedacht, Strom zu hochpreisiger Vergütung (55 ct/Kwh) ins Netz einzuspeisen, lohnt sich ein solches Modell heute weniger.
Dafür profitieren Anwender persönlich von dem selbst erzeugten Strom. Aufgrund der niedrigen Preise für Solarmodule und der fortgeschrittenen Technologie, die eine hohe Effizienz und lange Lebensdauer verspricht, produziert eine Photovoltaik-Anlage, die 2019 gekauft und installiert wird, langfristig Strom für 6 bis 12 Cent pro Kilowattstunde für den Eigenbedarf. Besonders große Anlagen sollen den Strom sogar unter 5 Cent pro Kilowattstunde zur Verfügung stellen können. „Die Installation einer PV-Anlage und die Eigenstromerzeugung refinanziert sich je nach örtlichen Gegebenheiten durchschnittlich innerhalb von zehn Jahren“, weiß Daniel Münch, Projektleiter für Energiemanagement bei Engie Deutschland. Die Anschaffung lohnt sich also schon allein finanziell.
„Der Solarmarkt in Deutschland hat sich nach dem Einbruch in 2012 wieder erholt und sieht aktuell sehr erfreulich aus“, kommentiert Stefan Oexle-Ewert, Geschäftsführer von Enerquinn. „Jetzt sind die politischen Entscheidungsträger dringend gefragt, stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung der Energiewende zu schaffen.“

Neue Wertschätzung

Das Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg setzt bereits auf Photovoltaik. „Es ist wirtschaftlich, es ist sympathisch für Gäste und Mitarbeiter und es hilft, den CO2-Fußabdruck des Hotels zu minimieren“, fasst Hoteldirektor Bertram Späth die wesentlichen Vorteile einer Photovoltaikanlage zusammen. Den gesamte Stromverbrauch der Gästezimmer können die Freiburger Hoteliers mit der Anlage abdecken. Außerdem nutzen sie die Solar-Anlage als Attraktion: Zwischen den Modulen können Gäste auf Liegestühlen und Sitzgruppen platznehmen, sich sonnen und das hauseigene „Kraftwerk“ begutachten.
Viele Hotels nutzen ihr ökologisches Engagement öffentlichkeitswirksam. Nachhaltige Konzepte kommen bei den Gästen gut an. In Zeiten, in denen vermehrt über den ökologischen Fußabdruck diskutiert wird, will der Gast mit gutem Gewissen nächtigen.

3 FRAGEN AN…

Daniel Münch, Projektentwickler für Energiemanagement bei der Engie Deutschland GmbH. Das Unternehmen bietet alle Leistungen rund um gebäudetechnische Anlagen für Hotels an – vom Bau über den Betrieb bis hin zu Service und Wartung.

first class: Herr Münch, warum sollte der Hotelier lieber heute als morgen in ein nachhaltiges und energiesparendes Konzept investieren?
Je früher eine Maßnahme zur Energieeffizienz umgesetzt wird, desto schneller kann sich diese Maßnahme auch lohnen. Der Hotelier verbessert zu einem früheren Zeitpunkt seine Wettbewerbsfähigkeit, senkt seine Betriebskosten, macht sich durch Eigenstromerzeugungsanlagen unabhängig von Preissteigerungen auf dem Energiemarkt, erhöht Flexibilität, Komfort und Betriebssicherheit – und senkt definitiv seinen Carbon Footprint.

Die Möglichkeiten zur nachhaltigen Energiegewinnung sind vielfältig. In welcher Reihenfolge würden Sie bei der nachhaltigen „Aufrüstung“ eines Hotels vorgehen?
Bei uns gilt die Maxime „Efficiency First“. Denn die nicht verbrauchte Kilowattstunde Energie ist die klimaneutralste und langfristig kostengünstigste Kilowattstunde Energie. Aus diesem Grund betrachten wir bei unseren Analysen zunächst die ungenutzten Einsparpotenziale, bevor wir über eine nachhaltigere, kostengünstigere oder klimaneutralere Energieerzeugungsform nachdenken.
Im ersten Schritt bedeutet das, unnötige Energieverbraucher zu eliminieren. Danach versuchen wir Potenziale zur Effizienzsteigerung zu nutzen, indem wir zum Beispiel die Abwärme in der Küche für die Beheizung der Hotelzimmer nutzen oder an kühleren Tagen Außenluft zur freien Kühlung verwenden. Erst dann prüfen wir den Einsatz alternativer Energieformen. Je nach Situation vor Ort machen dann beispielsweise eine Photovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk Sinn.

Welche Energie-Potenziale sehen Sie in heutigen Hotelanlagen?
Durchschnittlich 5 bis 7 Prozent des jährlichen Betriebsumsatzes wenden Hotels für Energie auf. Bei einem typischen 4-Sterne-Hotel mit 150 Zimmern betragen die Energiekosten somit rund 300.000 Euro pro Jahr. Realistische Einsparpotenziale liegen bei 10 bis 35 Prozent, also bei 30.000 bis 100.000 Euro pro Jahr.Herr Münch, vielen Dank für das Gespräch.

An Spitzentagen werden bis zu 42 Prozent des Strombedarfs in Deutschland durch Photovoltaik-Anlagen gedeckt. Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme


Gerade Solaranlagen genießen in der Bevölkerung ein gutes Ansehen. Einer Umfrage der Agentur für erneuerbare Energien zur Folge liegt die Akzeptanz von Solarparks in der Nachbarschaft bei 77 Prozent, während nur 55 Prozent eine Windenergieanlage in ihrer Nähe haben wollen.
„Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach signalisiert den Gästen die zukunftsorientierte, klimafreundliche Ausrichtung eines Hauses“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar). „Betriebszustand und Ertrag der Anlage lassen sich ganz bequem am Wechselrichter oder auch über eine App auf dem Smartphone ablesen, letzteres gerne auch werbewirksam im Hotelfoyer.“
Aber nicht nur die Verbraucher werden umweltbewusster – auch immer mehr Hoteliers machen sich Gedanken über die Umweltbelastung ihrer Hotels und das nicht nur, weil es gut für das Image ist. Ihnen ist klar, welche Belastung ihre Häuser durch den hohen Energieverbrauch und die Abfallerzeugung für die Umwelt bedeuten.
Photovoltaik-Anlagen können die Emissionen deutlich reduzieren. „Ein einzelnes Solarmodul mit 1,7 Quadratmetern Fläche erzeugt jährlich soviel Strom, wie bei der Verbrennung von 300 Kilogramm Braunkohle erzeugt wird. Eine 10 kWp Anlage mit einer Fläche von rund 56 Quadratmetern vermeidet beim aktuellem Strom-Mix in Deutschland ca. 5,4 Tonnen CO2 pro Jahr. Dies entspricht der Menge CO2, die in zwei 100 Jahre alten Fichten mit 35 Metern Höhe gespeichert ist“, veranschaulicht Stefan Oexle-Ewert.

Best Western Premier Hotel Victoria


Vorbild sein

Auch im Biohotel Eggensberger setzt man auf Photovoltaik. Dort können bereits 31 Prozent des Strombedarfs durch die Anlage gedeckt werden. Der restliche Strom kommt aus dem hauseigenen BHKW, das mit Biogas und Lebensmittelresten betrieben wird, und aus Wasserkraft-Strom, der hinzugekauft wird. 48.000 kWh überschüssigen Strom speist das Hotel außerdem jährlich ins Netz ein.
„Hotels sollten sich an der Energiewende aktiv beteiligen, weil sie Vorbilder sind“, ist Inhaber Andreas Eggensberger überzeugt. „Photovoltaik lohnt sich dort, weil die Sonnenstunden mit den Verbrauchszeiten im Hotel fast übereinstimmen.“

Nettostromerzeugung von Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Stand 8. Juni 2019


Einschränkungen bei der Montage gibt es dabei nur wenige. Die Fläche sollte ganztägig unbeschattet und im Idealfall nach Süden ausgerichtet sein. Entsprechend große und meist brachliegende Dachflächen finden sich auf den meisten Hotels.
„Eine geeignete Dachfläche vorausgesetzt, lohnen sich Photovoltaikanlagen nahezu immer, vor allem wenn der erzeugte Solarstrom vor Ort genutzt werden kann“, erläutert Stefan Oexle-Ewert und setzt ein klares Statement: „PV-Anlagen sind ein Kinderspiel geworden und sollten auf jeder freien Dachfläche montiert werden.“
In der Regel garantieren die Hersteller eine Mindestlaufzeit von 20 oder 25 Jahren. Premiumhersteller Solarwatt wartet sogar mit einer Garantie von 30 Jahren auf, wobei man bei dem sächsischen Unternehmen davon ausgeht, dass die Module noch deutlich länger zuverlässig Strom erzeugen.
Der Verschleiß der Photovoltaik-Module ist dabei marginal. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zur Folge sinkt deren Effizienz gerade einmal um 0,1 Prozent pro Jahr. Auch um die Umweltbelastung bei der Herstellung der PV-Module müssen sich Verbraucher keine Sorgen machen. Denn PV hat eine relativ geringe Energierücklaufzeit von 2,5 bis 2,8 Jahren.
Die Instandhaltungskosten sind gering; ist die Photovoltaik-Anlage einmal installiert, bedeutet sie quasi keinen Mehraufwand. „Aufgrund ihrer langen Lebensdauer nennen wir unsere PV-Module auch Generationenmodule. Sie sind außerdem sehr wartungsarm und haben keine Verschleißteile, wie es zum Beispiel bei einer Heizungsanlage der Fall ist“, erklärt Detlef Neuhaus, CEO von Solarwatt.
Andreas Grey, Leiter Vertrieb Deutschland von IBC Solar, empfiehlt dennoch, regelmäßige Wartungen von einem Spezialisten durchführen zu lassen: „Zeiträume zwischen ein und vier Jahren sind hier realistisch. Die Kosten hierfür sind mit 1,5 bis 2 Prozent der Investitionskosten überschaubar und werden in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung vor der Installation bereits direkt mit einkalkuliert.“
Bei der RWE-Tochter Innogy setzt man dazu auf Diagnose aus der Luft: Eine Fachkraft fliegt eine Drohne, den sogenannten Hexacopter, per Fernsteuerung über die Photovoltaikmodule. Fehler und Schäden sollen sich so besser, schneller und kostengünstiger identifizieren lassen.
PV-Anlagen von Enerquinn werden zudem immer mit einer automatisierten Fernüberwachung ausgestattet, wodurch der Aufwand für die Betriebskontrolle signifikant sinkt.

Zukunft ist jetzt

Die Installation verläuft schnell und unkompliziert. Innerhalb weniger Wochen nach Anfrage kann die Photovoltaik-Anlage in vielen Fällen bereits in Betrieb genommen werden.
Anbieter wie Solarwatt und IBC Solar liefern den Kunden ein Komplettpaket, in dem nicht nur die nackte PV-Anlage enthalten ist: Das zugehörige Energiemanagementsystem regelt den hausinternen Stromfluss. Außerdem sorgt es für eine optimale Auslastung des auf Wunsch installierten Speichers, sodass dieser möglichst lange funktionstüchtig bleibt. Die Speicher halten auf dem aktuellen Stand der Technik rund zehn Jahre, doch auch hier wird sich in Zukunft noch einiges tun.
Wer nicht gleich eine große Investition tätigen, aber dennoch von den Vorteilen einer PV-Anlage profitieren will, kann diese bei einigen Anbietern auch pachten. Innogy bietet diese Möglichkeit zum Beispiel. Die regelmäßigen Pachtzahlungen sind über die gesamte Vertragslaufzeit konstant. Somit sind im Gegensatz zu den Strombezugskosten auch die Stromerzeugungskosten gleichbleibend. Wer eine PV-Anlage bei Innogy pachtet und den erzeugten Strom selbst verbraucht, installiert also quasi eine Strompreisbremse.
Aber egal, ob gekauft oder gepachtet: Je früher sich die Anwender für ein Photovoltaik-System entscheiden, desto früher können sie von dessen Vorteilen profitieren. Wer mit der Installation seiner Solaranlage noch warten will, weil er auf weiter fallende Preise hofft, wird laut Prognose der Hersteller wahrscheinlich nicht belohnt werden: „Die Preisverfälle aus der Vergangenheit werden sich zukünftig so nicht mehr fortführen“, ist Daniel Münch von Engie Deutschland der Meinung. „Sind die Rahmenbedingungen vor Ort geeignet, lohnt sich die Technik bereits heute. Insofern ist jetzt nicht die Zeit, zu warten, sondern zu handeln.“


Fotos: ISB Solar, Biohotel Eggensberger, Engie Deutschland GmbH

Fotos: Fraunhofer ISE, Dirk Holst (DH-Studio)