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Holunder


Heil & Kraut - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.09.2019

Die Heilkräfte des Holunders inspirierten unsere Vorfahren, in ihm den Sitz guter Geister zu sehen. Diesen Glauben an die „Holunderfrau” zitiert noch heute Frau Holle im Märchen, die den Schnee aus ihren Bettlaken schüttelt, und findet sich außerdem im Ausruf: „Holla, die Waldfee!” Der Schwarze Holunder, eine von drei Arten Europas neben dem Roten und dem Zwerg-Holunder, schmeckt nicht nur ausgezeichnet, er ist auch eine Heilpflanze besonderer Güte: Holunder enthält Vitamine, Mineralien, Gerb- wie Schleimstoffe, ätherisches Öl und Kaffeesäurederivate.


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Bildquelle: Heil & Kraut, Ausgabe 3/2019

Er beugt Erkältungen vor, hemmt Entzündungen, hilft ...

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... gegen Eisen- und Vitaminmangel, regt die Nieren an und reduziert Stress.

Äußerlich angewandt, lindert er Hautinfektionen, Geschwüre und Insektenstiche. Wir nutzen vor allem Blüten und Beeren, aber auch Blätter und Rinde verwenden wir in Umschlägen und Tees. Da rohe Beeren Blausäure freisetzen, nehmen wir Holunder nur erhitzt zu uns.

Inhaltsstoffe

Seine Heilpotenz steckt in den Blüten und Beeren. Die Blüten enthalten ätherisches Öl und Flavonoide, Rutin und organische Säuren. Indessen umfasst das biochemische Spektrum der Pflanze auch Blausäure. Wir sollten die Beeren deshalb nie roh genießen, denn das führt zumindest zu Problemen der Verdauung. Erst, wenn wir Holunder über 80°C erhitzen, neutralisieren wir das Gift.

Holunder enthält Eiweiße, die gegen Entzündungen wirken. Das fand die Universität Jerusalem heraus. In den Beeren sind Kalzium, Kalium, Magnesium, Zink und Eisen vorhanden. Holundersaft wirkt deshalb zuverlässig gegen Muskelschmerzen, Beschwerden der Knochen, zum Beispiel gegen Wadenkrämpfe. Für Kinder hat er den Vorteil, dass er nicht nach Medizin schmeckt, sondern wie ein süßer Saft.

Ebendieser Saft aus Holunderbeeren hilft Menschen mit Blutarmut und daraus folgendem Eisenmangel. Sein Zink fördert unter anderem auch die männliche Potenz. In den Beeren stecken zudem Vitamin C, E, K und Provitamin A.

Wirkung

Die Volksmedizin setzt Holunderblüten und -beeren gegen Fieber und Erkältungen ein. Holunder löst Schleim, der sich in Nase und Bronchien befindet – so die Tradition. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht, es könnte sich auch um einen Effekt von heißem Wasser handeln.

Um Erkältungen mit Vitamin C vorzubeugen, sollten Sie den Holundersaft auf über 80 °C, nicht aber länger über 100 °C erhitzen. So zerstören Sie die Blausäure, kochen aber die Vitamine nicht aus.Holunderbeeren veranlassen die Nieren, vermehrt Wasser auszuscheiden. Das hilft gegen Beschwerden der Harnwege, da die Flüssigkeit Erreger hinausspült.

Holunder wirkt antioxidativ durch die Flavonoide und Phenole. Diese Stoffe sitzen besonders in den Beeren.

Im Alpenraum wie im Iran gilt Holunderrinde als Mittel gegen Insektenstiche, Schwellungen und akute Entzündungen. Die entzündungshemmende Wirkung ist wissenschaftlich bestätigt, unklar ist noch, welche Wirkstoffe hier wie zusammen wirken.

Die Volksmedizin setzt Blätter, Blüten, Rinde und Beeren des Holunders ein: Holunderblütensirup und - tee ebenso wie Holunderbeerensaft, außerdem Umschläge und Tees aus der Rinde und Bäder aus den Wurzeln. Die Blüten sollen den Schweißfluss fördern, die Beeren die Nieren anregen und Wurzeln wie Rinde abführend wirken.

Holunder – Biologie

Holunder sind eine Gattung aus der Familie der Moschuskräuter. Diese Gattung enthält knapp ein Dutzend Arten, von denen drei wild in Mitteleuropa wachsen. Der „Holunder” oder „Fliederbusch” meint meist den Schwarzen Holunder, einen Allrounder, der sich hierzulande fast überall ausbreitet. Dann gibt es noch den kleinen Zwerg- Holunder und den Roten Holunder. Letzterer unterscheidet sich vom Schwarzen Holunder vor allem durch die rote, nicht schwarze Farbe der Beeren. Die drei Holunder wachsen von gemäßigten Breiten bis in die Subtropen.

Holunder sind Halbsträucher, die je nach Art eine Höhe von 1 bis 15Meter erreichen; sie sind im Sommer grün und verlieren die Blätter im Winter. Die Steinfrüchte sehen aus wie Beeren, sind schwarz, blau oder rot und enthalten bis zu fünf Samen. Äste und Zweige enthalten Mark, in dem sich Calcium - exalat-Kristalle befinden.

Schwarzer Holunder mag nährstoffreichen Boden und findet sich in Mitteleuropa an Weg- und Waldrändern, in Gärten und auf Feldern.

Holunder in Mythos und Geschichte

Der Schwarze Holunder spielt eine wichtige Rolle in Mythen und Märchen. Die Germanen hielten ihn für den Sitz der guten Göttin Holda, die böse Geister ebenso abhielt wie Blitz und Feuer; Holunderbüsche vor dem Haus boten also einen magischen Schutz. Ein schwacher Abglanz dieser Göttin findet sich im Märchen von Frau Holle der Brüder Grimm. Holda oder Holla war die Göttin der Quellen und Brunnen, und die Germanen beteten zu ihr für die Fruchtbarkeit der Felder. Blühte der Holunder üppig, dann wurde die Ernte gut, so der Glaube der Alten.

Vermutlich half der Glaube dem Holunder bei der Verbreitung. Denn, wer einen Holunder fällt, musste damit rechnen, dass ihn Holda mit einer Krankheit strafte; noch im 18. Jahrhundert baten Menschen auf dem Land um Verzeihung, wenn sie einen Holunder absägten.

Die dem Holunder zugeschriebene Macht sollte auch negative Folgen haben. So galt ein verdorrender Holunder im Garten als Zeichen, dass ein Mitglied der Familie bald sterben würde.

Da sich Hexen in einen Holunderzweig verwandeln sollten, durfte sein Holz nicht in Möbeln verarbeitet werden.

Auch Griechen und Römer sahen in diesem Busch den Sitz guter Geister und kannten den Holunder bereits als Heilpflanze. Hippokrates empfahl ihn zu Recht als Wasser treibendes Mittel. Dioskurides (1. Jh.n. Chr.) setzte Holunderwurzeln gegen Wassersucht ein und legte die frischen Blätter auf Geschwüre auf.

Adam Lonitzer (1528–86) betonte ebenfalls seine entwässernde Wirkung, nutzte ihn aber außerdem dazu, das Blut zu reinigen. Weiterhin sah er in ihm ein Mittel gegen Augenerkrankungen und zitt- rige Hände. Christoph Wilhelm Hufeland (1762–1836) verabreichte Dampfbäder mit und Gurgelwasser aus Holunder gegen Erkrankungen der Atemwege.

Holundersuppe

Für eine Holundersuppe pürieren Sie 300 g Holunderbeeren, 50 g Honig, einen halben Liter Wasser und den Saft einer Zitrone. Das Gemisch kochen Sie auf, streichen es durch ein Sieb, fügen steife Schlagsahne hinzu und essen es warm.

Neben solch frühzeitigen Anwendungen, die auf realen Heilkräften der Pflanze beruhten, schrieben unsere Vorfahren dem Holunder auch zahlreiche Wirkungen zu, die dem Aberglauben entsprangen. So hängten die Menschen Eiter, Nägel und Zähne Erkrankter an Holunderbüsche, da der ungehemmte Wuchs der Pflanze das „Böse aufsaugen” sollte.

Kinderlose Frauen umarmten Holundersträucher, um zu empfangen, von Zahnschmerzen Geplagte bissen auf einen Holunderzweig und glaubten, die Schmerzen so auf diesen zu übertragen. Holundertees sollten nur wirken, wenn man die Blüten vor Sonnenaufgang pflückte.

Arroganz aus heutiger Sicht ist fehl am Platz: Holunder war wesentlich in der „Apotheke des Einödbauern” und ein aus der Erfahrung gewonnenes wirk sames Heilmittel für Menschen, für die ein studierter Arzt jenseits des Horizontes lag.

Heilkraft in der Küche

Reife Holunderbeeren pflücken Sie im Herbst und bereiten sie in einem Entsafter zu. Oder Sie kochen die Beeren in wenig Wasser für zwei Minuten auf, bis sie weich sind; dann geben Sie alles in ein Sieb und pressen die Beeren aus. Den Saft fül- len Sie in dunkle Flaschen, stellen ihn in den Kühlschrank und sollten ihn innerhalb von drei Tagen verbrauchen. Wenn Sie ihn einfrieren und nach Bedarf auftauen, hält er sich bis zu sechs Monate.

Um einer Erkältung vorzubeugen, erwärmen Sie den Saft ein wenig.

Holunderblütentee gewinnen Sie – wie der Name schon sagt – aus den Blüten des Schwarzen Holunders. Er wirkt schweißtreibend, fiebersenkend sowie schleimlösend bei Husten und Schnupfen. Da sich die Wirkstoffe schnell verflüchtigen, sollte man den Tee, der auch für Schwangere ohne Probleme anwendbar ist, stets frisch zubereiten.

Hierzu übergießen Sie zwei Teelöffel getrocknete Blüten mit heißem Wasser, lassen den Sud zehn Minuten ziehen und seihen ihn dann ab. Um Erkältungen vorzubeugen, empfehlen sich in der kritischen Zeit ein bis zwei Tassen pro Tag. Um akuten Schnupfen zu lindern, trinken Sie ruhig vier Tassen täglich.

Sie können die Blüten auch mit Zucker zu einem Sirup kochen und diesen bei Bedarf mit Wasser verdünnen. Der Sirup hält sich in einem luftdichten Gefäß mehrere Monate.

Quellen:

http://www.ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_ upload/EDWText/TextElemente/Lebensmittel/exotische_

LM/Holunder_Infos_OLT_21_11_08.pdf

http://www.gesundheitskanton.ch/d/holunder.pdf

http://heilkraeuter.de/lexikon/holunder.htm

http://heilpflanzenwissen.at/pflanzen/schwarzer-holunder/

https://www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/holunderneu.htm

http://lebensmittel-warenkunde.de/lebensmittel/obstprodukte/

holunderbeeren-schwarz/holunderbeeren-saft.html

https://www.medizin-welt.info/tipps/Die-besten-Hausmittel- gegen-Verstopfung/45

http://www.naturheilkraeuter.org/holunder/

https://ptaforum.pharmazeutischezeitung.de/index.php?id=70

https://www.vitamine.com/lebensmittel/holunder/

http://www.wildkrautgarten.de/2013/10/01/pflanzedes- monats-oktober-der-holunder/

http://www.terramedica.de/zertifizierter-anbau/pflanzenlexikon/ bedeutung/holunder.html

Holunder-Herbstdrink

Dieser Drink ist die gesunde Alternative zu Glühwein, wenn Sie ein kalter Regenguss erwischt hat. Sie wärmen dazu einen Viertelliter Holunderbeerensaft mit einem Viertelliter Wasser auf, geben Zimt, Kardamom und zwei Gewürznelken hinzu, lassen alles drei Minuten ziehen, süßen mit Honig und trinken dann eine Vitaminbombe, die sie vor Erkältung schützt.


Foto: wikimedia commons, Vatadoshu