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Holunderblüten: ein vielseitiges Geschenk der Natur


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 17.04.2020

Seit Jahrhunderten gilt der Holunder als lebende Hausapotheke, Vitaminlieferant und Zauberstrauch. Auch die Kräuterpädagogin und Bäuerin Hildegard Hintereder hält große Stücke auf ihn


Artikelbild für den Artikel "Holunderblüten: ein vielseitiges Geschenk der Natur" aus der Ausgabe 5/2020 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 5/2020

Dieser Duft - wie kann man ihn beschreiben? Ein wenig süßlich und fruchtig, mit einem herben Nachhall. Eine grüne, fast etwas holzige Note - so hat ein Parfümeur das Aroma der frischen Holunderblüten einmal beschrieben. Für viele ist es auf jeden Fall der Duft des Frühsommers, den man auf ganz unterschiedliche Weise einzufangen versucht: In Sirup, Limonade, Sekt oder Hollerkücherl beispielsweise, aber auch in Blütencreme ...

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... und -tinktur.Was man alles aus Holunderblüten herstellen kann? Hildegard Hintereder sprudelt über vor Ideen. Kein Zweifel: Sambucus nigra - so der wissenschaftliche Name des einheimischen Gehölzes - ist eine der Pflanzen, die ihr am Herzen liegen. Gleich an einer Hauswand ihres Einödhofes wächst ein prächtiges Exemplar. Groß ist er gewachsen, skurril und eigenwillig sein Wuchs, knorrig seine Rinde bereits in der Jugend. „Früher gehörte er sozusagen zum Inventar auf jedem Bauernhof“, erzählt die Senior-Bäuerin, die den Hof inzwischen an die Kinder übergeben hat. „Er galt als guter Hausgeist, gehörte zum Kreis der heiligen Bäume wegen seines hohen Nutzwerts. Ums Haus wurde er auch angepflanzt, weil er alle Arten von Ungeziefer vertreibt, die Mensch und Tier lästig werden können. Und nicht nur die Blüten und Früchte werden verwendet, sondern auch Blätter, Wurzeln und Rinde. Aus dem grünen Bast, der direkt unter der Rinde verläuft, stelle ich beispielsweise eine Creme her, die bei Abszessen, Schwellungen und Entzündungen lindernd wirkt.“Schon 400 vor Christus erwähnt Hippokrates den Holunder als bäuerlichen Medizinschrank. Tausend Jahre später sang Hildegard von Bingen sein Loblied. Bei den Kelten verkörperte der Holler, wie er auch genannt wird, die Unendlichkeit des Lebens, im keltischen Baumkalender schließt er das Jahr ab, steht für Tod und Wiedergeburt. Für die Germanen wohnte Holda, die Göttin der Fruchtbarkeit, im Hollerbusch. Sie verkörperte Mutter Erde.

Im Märchen „Frau Holle“ haben ihr die Brüder Grimm ein Denkmal gesetzt. Einen Holunderbusch zu fällen oder zu beschädigen - das wäre in früherer Zeit für die Menschen undenkbar gewesen. „Willst du aus dem Leben scheiden, tue den Holunder schneiden“, warnte so auch ein altes Sprichwort. Wurden Teile des Busches für Heilmittel genutzt, so musste die im Holunder lebende Hollermutter erst um Erlaubnis gefragt und durch Gaben besänftigt werden. Noch heute gibt es im süddeutschen Raum den Brauch, vor dem Holunder den Hut zu ziehen.

Nachweisbare Effekte

Dass Mythen und Volksmedizin mit ihrer Wertschätzung des Holunders nicht falsch liegen, haben inzwischen viele pharmakologische Studien bewiesen, die nicht nur Blüten, sondern auch Beeren, Bast, Wurzel und Holz von Sambucus nigra unter die Lupe genommen haben. Man sollte unbedingt im Hinterkopf haben, dass die Beeren, aber auch die grünen Pflanzenteile das Gift Sambunigrin enthalten, das roh Übelkeit hervorrufen kann. Nur die Blüten und reifen Früchte sollte man deshalb verzehren, alle Stiele sollte man entfernen. Gekocht zerfällt der giftige Stoff. „Die Blüten des Holunders enthalten ätherische Öle, Flavonoide, Schleimstoffe und vieles andere mehr“, weiß Hildegard Hintereder zu berichten. „Die enthaltenen Glykoside wirken schweiß- und harntreibend. Getrocknet kann man die Blüten als Tee bei Hautproblemen, bei Fieber, Reizhusten und Erkältungen oder zur Entschlackung in einer Frühjahrskur verwenden. Holunderblüten helfen auch bei Schlafproblemen und wirken beruhigend.“

Bitte nur komplette Holunder- Dolden mit vollständig geöffneten Blüten sammeln!


Wilder Holunder kann bis zu sieben Meter hoch werden: Da muss zum Ernten die Leiter her


Am besten, man sammelt in der freien Natur, fernab von viel befahrenen Straßen


Aus getrockneten Holunderblüten kann man einen Erkältungstee kochen


Den köstlichen Holunder- Duft kann man in Limonade „einfangen“


Ein Holunderstrauch - und sei er noch so groß - reicht kaum aus für all die vielen Köstlichkeiten und Heilmittel, die die Kräuterpädagogin aus den Blüten zuzubereiten weiß. Gott sei Dank wachsen in der Umgebung des Hofes noch zahlreiche weitere Sträucher am Waldrand. „Und die kann ich alle bedenkenlos beernten, denn wir leben hier ja vollkommen in der unberührten Natur auf einem Biohof“, erläutert sie. „Anders sieht das natürlich aus, wenn der Hollerstrauch neben einer viel befahrenen Straße wächst. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er mit Schadstoffen belastet ist. Man muss beim Pflücken schon ein gutes Gefühl haben, die Blüten müssen appetitlich aussehen.“ Pflanzenexpertin außerdem zur Vorsicht, was später die Beeren angeht: „Beim Sammeln der Beeren trägt man am besten Handschuhe, denn der Saft verfärbt die Finger und auch die Kleidung.“

Der richtige Umgang

Um die Mittagszeit bei trockenem Wetter: Das ist die beste Gelegenheit, um die Holunderblüten zu ernten. Feuchtigkeit und Regen tut den Blüten nicht gut: Sie verlieren dann ihr Aroma und verrieseln. „Man sollte immer die gesamte Dolde abschneiden“, rät Hildegard Hintereder. „In einem offenen, weiten Korb liegen sie luftig und locker. Keinesfalls sollte man sie vor der Verarbeitung waschen. Allenfalls sollte man Insekten, die auf den Blüten sitzen, abschütteln.“ Zum Trocknen legt sie die Dolden an einen luftigen und dunklen Platz. Später bewahrt man die Blüten in einem dunklen, verschließbaren Gefäß auf, damit die ätherischen Öle nicht verloren gehen. „Aber bitte beim Ernten nicht den ganzen Holler plündern“, meint sie noch. „Früher gab’s die Regel: Die unteren Dolden für einen selbst, die oberen für die Vögel.“ Ja, auch ökologisch ist der Holunder von großer Bedeutung: 60 Vogelarten, unter anderem die Mönchsgrasmücke und der Grauschnäpper, haben ihn zum Fressen gern, aber auch viele Schmetterlingsraupen, die vom Holunderlaub leben, oder Insekten, die vom Nektar naschen. Die Vögel kümmern sich im Übrigen auch um die weitere Verbreitung des Strauchs, der bevorzugt auf Wasseradern wächst.

Ein genügsamer Geselle

Ansonsten ist der Holunder ausgesprochen anspruchslos, ohne Klagen erträgt er auch starken Rückschnitt. „Gerade in kleinen Gärten ist man aber mit einer Kultursorte besser beraten“, rät Hildegard Hintereder. „Besonders hübsch sehen beispielsweise die Sorten ‘Black Beauty’ und ‘Black Lace’ mit rosafarbenen Blüten und dunkelroten, nach Zitronen duftenden Blättern aus. Bei wenig Platz bietet sich auch der rotlaubige Säulenholunder ‘Black Tower’ an, der sogar im Kübel auf Balkon und Terrasse wächst. Alle mögen zwar am liebsten einen gut mit Nährstoffen versorgten Boden in der Sonne, sie kommen aber auch mit einem halbschattigen Platz zurecht.“ Den größten Ertrag und die größten Früchte liefert übrigens die Sorte ‘Haschberg’, bei der die einzelnen Doldentrauben ein Gewicht von 1000 Gramm haben können. Bis zu drei Meter wird die kompakt wachsende Großfruchtige Fliederbeere hoch, die für regelmäßige Erträge jedes Jahr im Herbst stark zurückgeschnitten werden sollte.

Wissen weitergebenn

Ein großes Wissen nicht nur rund um den Holunder, sondern um alle einheimischen Pflanzen in Garten, Wald und Flur hat Hildegard Hintereder im Laufe ihres Lebens angesammelt und sich auch fortlaufend weitergebildet, etwa zur Kräuterpädagogin und Landschaftsführerin. Gerne gibt sie dieses Wissen in Kursen an Interessierte weiter.

Durch seinen säulenförmigen Wuchs passt der rotlaubige Holunder ‘Black Tower’ (Sambucus nigra ‘Black Tower’) auch in kleine Gärten. Lediglich anderthalb Meter wird er breit


Die Sorte ‘Haschberg’ (Sambucus nigra ‘Haschberg’) bringt große Beeren hervor, aus denen sich viel Saft gewinnen lässt. Beide Holundersorten sind nur eine kleine Auswahl aus dem Lubera- Sortiment (www.lubera.com).

Vielleicht haben Sie auch Lust, Hildegard Hintereder auf ihrem Biohof zu besuchen? Ferienwohnungen und Gästezimmer stehen für Sie bereit! Kontaktdaten, aktuelle Kurse und weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Familie.

www.holzhauserhof.de


Fotos: Peter Raider; Lubera