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Holzgewinnung mit Muskelkraft


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 83/2019 vom 19.11.2019

Was Sägewerke nicht liefern wollen, spalten wir kurzerhand selbst: Eiche in Quartierschnitt-Qualität ist der Lohn.


Artikelbild für den Artikel "Holzgewinnung mit Muskelkraft" aus der Ausgabe 83/2019 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 83/2019

Die beste Eichenqualität ist im Handel kaum erhältlich. Eiche im Quartierschnitt besticht einerseits durch ein aufregendes Maserbilder mit großflächig sichtbaren Spiegeln. Sie ist andererseits ein besonders ruhiges Holz mit sehr hohem Stehvermögen. Besonders die Möbeldesigner der britischen Arts-&-Crafts-Bewegung liebten dieses Material.

Um solche Bretter herzustellen, wird ein Eichenstamm zunächst im Sägewerk geviertelt und dann die Viertel so aufgesägt, dass sämtliche Bretter stehende ...

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... Jahresringe haben. Die Nachteile für den Sägewerker sind viel Arbeit beim Ein- und Umspannen und ein hoher Verschnittanteil.

Kein Wunder also, dass solche Ware selten im Handel ist, und wenn dann meist zu astronomischen Preisen. Man kann aber auch einen Schritt weiter gehen, und Eichenbohlen selbst spalten. Dabei investiert man statt hoher Geldbeträge eher eigene Arbeitszeit und Körperkraft.

Die richtige Eiche muss es sein

Zunächst einmal braucht man eine Eiche, und nicht irgendeine. Für erfolgreiches Spalten sind zwei Punkte ausschlaggebend: Der Stamm darf keinerlei Drehwuchs zeigen und er muss möglichst astfrei sein. Und er sollte innerhalb der letzten zwölf Monate gefällt sein, denn je trockener das Holz ist, desto schwieriger wird kontrolliertes Spalten.

Dies ist also ein Fall für den lokalen Förster, der einem erklären wird, dass solche Stämme Furniereichen genannt werden, und auch als Rundholz durchaus mehr als 1.000 Euro pro Festmeter kosten können. Aber mit etwas Glück kann man einen Kompromiss finden: In unserem Fall war das ein vom Sturm gefällter Baum.

Mit Stammwendern, Brechstangen und einer kleinen Winde drehen wir die halbentrindete Stammrolle. Frische Eiche ist schwer, es müssen noch mehr als 700 kg bewegt werden.


Am Zopfende wird die erste Spaltlinie angezeichnet. Sie soll durch die Markröhre laufen und den Stamm in zwei möglichst gleich große Hälften teilen. Ein im Kern sichtbar gewordener Entspannungsriss wird dabei ignoriert.


Das zwei Meter lange gute Stück seines Stammes, etwa ein Festmeter feinste Eiche, gab es für 300 Euro. Obwohl der Baum schon anderthalb Jahre zuvor gefallen war, war er noch komplett frisch, da die Reste des Wurzelballens die Krone noch mit Wasser versorgt hatten. Der Durchmesser des Stamms lag bei 75 cm.

Der Stamm ist nun auf seinen zwei Lagerhölzern so gedreht, dass die Spaltlinie senkrecht steht. Dann kerbt die Axt die ganze Linie mehrfach vor. Sie wird mit einem Holzhammer eingetrieben. Schlagen Sie nie mit Stahl auf Stahl! Um den Spalt zu öffnen, werden dann oben und unten parallel zwei Eisenkeile eingetrieben


Fotos: Andreas Duhme

Spaltrichtung will beachtet werden

Von Beginn an ist klar: Die Spaltbohlen würden nicht mehr als 25 cm breit sein - der Rest sind Rinde, Splint und der unbrauchbare Markbereich. Auch gespalten fordern Quartierschnittbohlen relativ viel Verlust ein. Kontrolliertes Spalten funktioniert nach einigen einfachen Grundregeln. „Das Holz reißt, wie der Vogel scheißt“, besagt ein derber alter Spruch. Der Spalt sollte also vom Zopfende, dem oberen Ende des Baumes, her geöffnet werden. Sehr wichtig ist es, stets in gleichstarke Teile zu spalten: also erst halbieren, dann vierteln, achteln und so weiter. Nur so sind die Kräfte im Holz gleichmäßig verteilt. Wie fast alle Hölzer spaltet Eiche am besten radial, in der Ebene der Markstrahlen. Deshalb sind die Spiegel in so hergestellten Bohlen und Brettern auch so prominent. Die Spaltlinie muss also direkt durch die Markröhre laufen, und die späteren Brettrohlinge werden einen keilförmigen Querschnitt haben.

Die Spannung steigt, bis sich mit leisem Knacken der erste Spalt öffnet. Zwischen den Stahlkeilen werden nun immer größere Holzkeile nachgesetzt. Die Keile drängen dabei das so genannte freie Wasser aus den Zellzwischenräumen: Holzkunde pur!


Auch längs helfen immer größere Keile der Eiche auf die Sprünge. Schließlich geht der Riss durch den kompletten Stamm. Die beiden Hälften werden nur noch von einigen schräg laufenden Fasern zusammengehalten. Diese werden mit einer Stoßaxt durchtrennt.


Geöffnet wird der Spalt stets im Hirnholz am Querschnitt. Dort entsteht an der Markröhre gewöhnlich direkt nach dem Trennschnitt mit der Kettensäge ein kurzer Entspannungsriss. Dieser wird aber ignoriert; die Spaltlinie sollte stets so angerissen werden, dass der Stamm durch sie in zwei exakt gleich große Hälften zerlegt wird.

Dann empfiehlt es sich, zunächst mit einer Axt die ganze Spaltlinie vorzukerben. Ein Holzhammer schlägt die Axt dafür mit einem Holzhammer mehrmals entlang der ganzen Linie leicht ein. Man macht es so dem Stamm leichter, wirklich genau an dieser Linie zu reißen. Danach werden an beiden äußeren Enden der Linie zwei Stahlkeile eingetrieben. Nach einigen Schlägen beginnt das Holz zu knacken, und schließlich öffnet sich entlang der gewünschten Linie der Riss und beginnt, in die Längsseite des Stammes ziehen. Nun werden zwischen den Stahlkeilen Holzkeile nachgesetzt, zunächst kleine, dann immer größere. Die Stahlkeile werden dadurch wieder befreit. Während die Spannung immer mehr steigt, öffnet sich der Längsriss ächzend mehr und mehr, bis die beiden Stammhälften nur noch von einigen schräg laufenden Fasern im Kern zusammen gehalten werden.

Dann fallen die beiden Stammhälften auseinander, und die Eiche zeigt, dass sie tatsächlich keinerlei Drehwuchs hat. Aber in ihren ersten 60 Jahren hatte sie viele niedrig angesetzte Äste. Leider ist der innere Bereich damit für das Spaltprojekt unbrauchbar.


Anzeichnen, vorkerben, Stahlkeile eintreiben, mit Holzkeilen nachsetzen: Die beiden Stammhälften werden nun geviertelt. Ab jetzt ist das Vorgehen bis zu einem Zweiundreißigstel hinab immer gleich.


Als nächstes zerlegen wir die Stammviertel in Achtel. Langsam werden die Formate handlicher und leichter zu bewegen. Dann entscheiden wir uns schweren Herzens, von den Achteln innen 60 wild gewachsene Jahresringe zu entfernen.


Aus Achteln werden Sechszehntel (und aus den besseren sogar Zweiundreißigstel) und damit ist das Zielformat erreicht. Gut zu sehen ist, wie schnurgerade das Holz gewachsen ist. Jeder Anflug von Drehwuchs würde zu starkem Materialverlust führen.


Diese können gut mit einer Stoßaxt oder einem schlanken Beil durchtrennt werden. Nach fünf Stunden Arbeit für das Entrinden, das Herausrollen der Stammrolle aus dem Baum und der Keil-Arbeit dann der große Moment: Plötzlich fällt der Stamm in zwei Hälften auseinander.

Das Vierteln der beiden Hälften nach denselben Prinzipien geht schon etwas leichter, und dann auch das Achteln. Doch dann treffen wir eine schwere Entscheidung: Wir spalten die innersten 60 Jahresringe tangential ab. Sie sind durch und durch astig und viel zu wild gewachsen. Dieser Bereich behindert das Spalten bei jeder einzelnen Bohle.

Nach dem Versiegeln der Stirnflächen mit Wachs liegen die Bohlen nun, mit Leisten gestapelt unter einem Dach aus Blechplatten. Mindestens ein Jahr dauert die Lufttrocknung, und Dank der stehenden Jahresringe sind bisher fast keine Risse zu sehen. Bereit für großartige Projekte!


Rückblick in die Baum-Geschichte

Unsere Eiche war, wie wir erst nach dem Halbieren sehen konnten, zunächst im Freistand mit vielen Ästen gewachsen. Nach einer Recherche zum Waldort stellte sich später heraus, dass die Eiche ihr Leben als Wildwuchs begonnen hatte. Erst nachdem das Forstamt die Fläche im 19. Jahrhundert kaufte, wurde sie um Alter von 60 Jahren wurde sie bis auf 3 m hochgeastet und ist danach sehr schön gerade gewachsen. Die wilden Jahre davor, konserviert im Innersten des Baums, sind für den Möbelbau leider verloren und taugen nur als Feuerholz. So erzählt der Baum seine Geschichte. Pech kann man also auch mit vermeintlicher Furniereiche haben.

Gewöhnlich muss nicht ganz so viel Holz aus der Mitte entfernt werden. Es reicht im Normalfall, mit Beil oder Dechsel die ersten fünf oder sechs Jahresringe von den Achteln zu entfernen, die immer wild und unregelmäßig gewachsen sind.

Nun wird in Sechzehntel halbiert, und bei einigen Stücken beginnt der Spalt trotz mittigem Ansatz zu verlaufen. In diesem Fall kann man versuchen, durch schräges Ansetzen der Axt auf der Längsseite den Riss umzulenken, was mal besser, mal schlechter funktioniert. Die guten der Sechzehntel-Stücke werden noch in Zweiunddreißigstel zerlegt. Die verlaufenen bleiben dicker, denn der Verlust wäre zu groß.

Nach gut zwei Tagen Arbeit ist der Stamm zerlegt und kann nun per Schubkarre aus dem Wald gebracht werden – das ist der schweißtreibendste Teil der Arbeit!

Die Hirnenden werden mit Wachs versiegelt, und das Holz wird im Garten zur Lufttrocknung mit Stapelleisten aufgesetzt und vor Regen geschützt. Da die Bohlen nur stehende Jahresringe besitzen, verläuft die Trocknung schnell und unproblematisch: Nun noch ein bis zwei Jahre warten und die Tischlerarbeit kann beginnen.