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HONMA JAPAN: DAS NEUE HONMA


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 24.04.2019

Justin Rose steht seit Anfang des Jahres beiHonma unter Vertrag. Wir haben den traditionsreichen Schlägerhersteller in Japan besucht und herausgefunden, warum der Mann, der immer ’mal wieder die Nr. 1 der Welt ist, auf „Made in Sakata“ setzt


Artikelbild für den Artikel "HONMA JAPAN: DAS NEUE HONMA" aus der Ausgabe 50/2019 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 50/2019

Der Engländer Justin Rose (38) gewann die US Open 2013, ist amtierender Olympiasieger (2016) und FedExCup-Champion.


Sind das nicht diese ultra-teuren Schläger aus Japan, diese güldenen Statussymbole, die sich kein Normalsterblicher leisten kann? So in etwa hört sich hierzulande die gängige Reaktion auf die Erwähnung des Schlägerherstellers Honma an. Und das kommt ...

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... nicht von ungefähr. Honma hat sich diesen Ruf mit dem Schwerpunkt auf Golf-Equipment im absoluten Premium-Segment über Jahrzehnte hart erarbeitet.

Das Jahr 2019 allerdings ist für Honma feierliches 60. Jubiläum und Neuanfang zugleich. Die Firma befindet sich im Umbruch; ein Strategiewechsel, der sich weniger in der Abkehr vom Bisherigen als in der Erweiterung der Aktivitäten manifestiert. Honma gibt sich nicht mehr zufrieden damit, die Apotheke, den Juwelier oder den Rolls Royce der Golfindustrie darzustellen.

Das Unternehmen mit Sitz in Tokio und Fabrik in Sakata verfolgt einen großen Plan: Man will ein „Big Player“ im globalen Golf Business werden und sich nicht mehr auf die starke Position in Asien beschränken. Die Devise lautet: Go West! Ein essentielle Rolle in diesem ambitionierten Projekt kommt dem derzeitigen Weltranglistenersten (bei Redaktionsschluss war er es) Justin Rose zu.

Zurzeit produziert Honma drei sehr unterschiedliche Schläger-Familien. BERES, BeZEAL und TWorld747. BERES steht in diesem Sortiment tatsächlich für den ultimativen Luxus. Die Schläger der Linie sind in Güte-Kategorien durch eine Kennzeichnung von 2 bis 5 Sternen unterteilt, abhängig davon, welchen Grad des Grafits die Kunden für ihre handgerollten Schäfte wählen. Der weiteren Veredlung sind kaum Grenzen gesetzt: Gold-Plating, Platin-Applikationen, Sonder-Farben, alles möglich. Ein kompletter 5-Sterne BERES-Satz kostet rund 60.000 Euro. Ein Markt, den es tatsächlich gibt, auf dem Honma sich als einziger Hersteller bewegt und der für die Japaner funktioniert. Aber natürlich stark limitiert ist. Die BeZEAL-Reihe ist deutlich erschwinglicher und für Golfer mit durchschnittlichen Fähigkeiten konzipiert. TWorld747 ist die Serie für gute und sehr gute Golfer, die preislich vergleichbar mit Angeboten der großen Hersteller ist und daher eine realisierbare Option für viele.

Gleich bei seinem zweiten Saisonstart siegte Rose mit seinem neuen Equipment. In Torrey Pines holte er sich den Titel der Farmers Insurance Open.


Auch das ist neu: Ende 2018 trat Honma zum ersten Mal als Hauptsponsor der Hong Kong Open auf, einem Traditionsturnier auf der European Tour.


Schon in der Vergangenheit hat Honma auch Schläger für gute Golfer, sogar Tourpros gebaut, wie uns die Ausstellung vergangener Modelle im Showroom in Sakata zeigt. Allein in den letzten drei Jahren wurden 39 Tour-Titel mit Schlägern von Honma geholt, die meisten davon auf der Japan und der Asian Tour, aber auch auf der LPGA Tour von der Major-Siegerin Shan-Shan Feng. Auf der European Tour vertritt der Japaner Hideto Tanihara die Marke mit dem Maulwurf im Logo.

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Für die BERES-Serie gibt es 16 Farben. Wie schwierig es ist, die Köpfe mit der Spritzpistole zu lackieren, durfte ich selbst erfahren.


Doch die mit Abstand größte und globale Strahlkraft hat die amerikanische PGA Tour, auf der sich die Besten der Besten wöchentlich messen. Und da kommt Justin Rose ins Spiel. Tourvalidierung und Sichtbarkeit sind für den Erfolg von Schlägerbauern nach wie vor unabdingbar. So funktioniert der Markt und so funktionieren Hobbygolfer, die potentiellen Kunden.

Nicht umsonst schütten die Big-Five die besten Pros der Welt mit Millionenbeträgen zu. Das ist kein Altruismus. Der „Return of Invest“ kommt garantiert; jedenfalls, wenn man sich den richtigen Star angelt. „Als wir über den idealen Tourpro nachgedacht haben, der unsere Werte repräsentiert, fiel unsere Wahl auf Justin Rose. Er ist ein absoluter Weltklassespieler, ein echter Gentleman und Familienmensch“, sagt Honma-Chef Liu Jian Guo. Rose hatte zuvor 20 Jahre lang am Stück bei TaylorMade unter Vertrag gestanden, eine im Profigolf seltene Treue.

Als Rose selbst das, was zuvor monatelang als Gerücht kursierte, am 1. Januar bestätigte, schlug die Meldung hohe Wellen. Rose hat einen über mehrere Jahre laufenden Vertrag mit Honma unterschrieben, der ihn verpflichtet, zehn Schläger aus Sakata im Bag zu haben. „Ich habe mich keineswegs an den Höchstbietenden verkauft“, sagt er. „Ich bin davon überzeugt, dass die sagenhafte Handwerkskunst der Honma-Meister mir dabei helfen wird, ein besserer Spieler zu werden.“

Rose zählt zu den Profis, die sich unglaublich gut im Schlägerbau auskennen, und ist einer, der weiß, was er will und braucht für sein Spiel. Ihn und Honma verbinden eine ausgeprägte Detailliebe, fast Besessenheit; unter Perfektion geht da nichts. „Ich habe einen Partner gesucht, mit dem ich schon in der Entwicklung eng zusammenarbeiten und am Design- Prozess teilhaben kann. Einen Hersteller, der willens und in der Lage ist, Schläger zu bauen, die bis auf das kleinste Detail so aussehen und funktionieren, wie ich es mir vorstelle. Die Freiheit gibt Honma mir“, erklärt Rose seine Entscheidung. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind die TW-MB Rose Proto, Muscle Back-Eisen, bei denen jedes Detail so ist, wie Rose es wollte, und die Honma nun in kleiner Serie zum Kauf anbietet. Für Justin Rose hat das Kapitel Honma auch im Turniermodus vielversprechend begonnen. Gleich bei seinem zweiten Start im Jahr 2019 siegte er in Torrey Pines bei der Farmers Insurance Open. Im Bag: Nicht nur die geschmiedeten Blades und Wedges, auch der aktuelle TWorld 747 460 Driver mit in Sakata handgerolltem VIZARD-Schaft.

1 Prototypen werden von Lasern gescannt und in 3-D-CAD-Modelle umgewandelt, um virtuelle Tests durchzuführen. Danach werden Muster-Köpfe im 3-D-Druck gefertigt.
2 Jeder Grafitschaft von Honma wird von Hand lackiert. Das ist eine Fertigkeit, die zu erlernen bis zu acht Jahre dauert.
3 Dass ein Schlägerhersteller seine eigenen Schäfte produziert, ist selten. Die großen Karbonfaserfolien werden vor dem Rollen zugeschnitten.
4 Bei Honma wird mit der Optik und Form begonnen. Erste Driver-Prototypen werden aus Persimmon-Holz in Handarbeit zurechtgefeilt; um die Technologie kümmert man sich erst danach.
5 Auch die genaue Formgebung der Eisenköpfe wird in Handarbeit festgelegt.
6 Der Handschliff ist eine wahre Kunst und erfordert jahrzehntelange Übung. Auch der ausgeprägte Nackenmuskel des „Master Craftsman“ verrät, dass er den Job schon länger macht.
7 Feinste Prüfungen und Anpassungen werden bei jedem Schläger per Hand vorgenommen.
8 Hauchdünne Grafit-Folien werden in Schichten über einen Stahl-Dorn gerollt. Der Vorteil gegenüber einer maschinellen Fertigung: keine Lufteinschlüsse im Schaft.

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Die TWORLD747-Serie ist die sportlichste der Honma Produktlinien.


Die TW-MB Rose Proto Eisen wurden von Justin Rose maßgeblich mitentwickelt.


FOTOS: GETTY IMAGES

FOTOS: MARCEL CZACK, ARCHIV