Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Hopperdietzel* Reiserecht


Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 10.04.2018

FRAGEN & RECHTSFÄLLE KOMMENTIERT VON RECHTSANWALT HOLGER HOPPERDIETZEL


Artikelbild für den Artikel "Hopperdietzel* Reiserecht" aus der Ausgabe 2/2018 von Clever reisen!. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 2/2018

Bild: Depositphotos

?Die höhere Art von Städtereisen sind die Städterundreisen. Die bucht man, um berühmte Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Nun kann es vorkommen, dass das gerade nicht möglich ist, weil zum Beispiel der Platz des Himmlischen Friedens und die Verbotene Stadt in Peking wegen einer Militärparade für Besucher gesperrt werden. Beides wurde auf einer Städterundreise durch China gestrichen. Ein Reiseteilnehmer wollte daraufhin die gesamte Reise absagen. Der Veranstalter weigerte sich die Stornierung anzunehmen. Wer hat ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Clever reisen!. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2018 von VERANSTALTER: Sicherungsschein PRÜFEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERANSTALTER: Sicherungsschein PRÜFEN!
Titelbild der Ausgabe 2/2018 von URLAUB & NEBENKOSTEN: WO 570 EURO FÜR 44 TAGE REICHEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
URLAUB & NEBENKOSTEN: WO 570 EURO FÜR 44 TAGE REICHEN
Titelbild der Ausgabe 2/2018 von AIRLINES: Anschlussflug verpasst-was nun?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AIRLINES: Anschlussflug verpasst-was nun?
Titelbild der Ausgabe 2/2018 von BUCHTIPPS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BUCHTIPPS
Titelbild der Ausgabe 2/2018 von Teneriffa. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Teneriffa
Titelbild der Ausgabe 2/2018 von 10 Spartipps: Wie Sie Flugtickets kinderleicht bis zu 75% günstiger buchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
10 Spartipps: Wie Sie Flugtickets kinderleicht bis zu 75% günstiger buchen
Vorheriger Artikel
GESUNDHEITSREISEN: Sicher & fit die Welt entdecken
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kroatiens: Inselwelt: 5 aus 1200
aus dieser Ausgabe

... Recht?

! Der Reiseteilnehmer hat natürlich Recht. Wenn ein solch wichtiger Punkt im Reiseprogramm gestrichen wird, kann man von der Reise zurücktreten – der Preis muss dann zurück bezahlt werden. Es ist an und für sich nichts Neues, mich wundert, dass es solch ein Fall jetzt nochmal bis zum Bundesgerichtshof geschafft hat, der dann auch prompt im Sinne des Urlaubers geurteilt hat. Ich habe ständig solche Fälle, in denen plötzlich Leistungsänderungen stattfinden. Da erklärt man den Rücktritt vom Vertrag und es gibt das Geld zurück und gut ist es! Wichtig ist dabei, dass zusätzlich 50 Prozent des Reisepreises wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eingefordert werden können. Das gilt so, wenn a) die Flugzeiten, b) der Aufenthaltsort und c) während einer Rundreise Leistungen aus dem Programm sich ändern. An den Rechten ändert sich auch nichts, wenn der Reiseveranstalter einen Leistungsänderungsvorbehalt aufnimmt. Bei nur ganz geringen Änderungen gilt: nur wenn der Gesamtzuschnitt der Reise nicht verändert wird, ist eine Leistungsänderung akzeptabel.

?Darf sich eine Fluggesellschaft weigern, gebuchte Fluggäste an Bord ihrer Maschinen zu nehmen?

! Sie darf das, wenn es dafür Gründe gibt. Die Airlines haben an Bord der Flugzeuge das Hausrecht. Der Fluggast hat zwar grundsätzlich einen Anspruch auf Beförderung, doch ist er „unfit to fly“ – so der Fachausdruck für „nicht flugtauglich“ –, kann ihm das Betreten der Maschine verweigert werden oder er kann aufgefordert werden, den Flieger wieder zu verlassen. Der klassische Fall ist eine sichtbare erhebliche Erkrankung. Die könnte sich während des Flugs noch verschlimmern und dann müsste der Flug unterbrochen werden. Deshalb nimmt man solche Passagiere, wie übrigens auch Betrunkene, nicht mit an Bord. Einen Anspruch auf Erstattung des Flugpreises hat solch ein Fluggast nicht, allenfalls könnte er Steuern und Gebühren zurück verlangen-es sei denn, irgendjemand, der auf der Warteliste steht, rückt nach und übernimmt den Platz. Dann kann der Flugpreis zurück verlangt werden.

?Ein Flug wird unterbrochen, etwa weil ein Passagier einen Herzinfarkt erleidet. Wer zahlt für die Kosten einer solchen medizinisch begründeten Zwischenlandung?

! Die Kosten, die in einem solchen Fall entstehen, sind hoch. Aber das heißt nun nicht, dass der erkrankte Passagier dafür bezahlen muss. Juristisch ausgedrückt gilt: Es mangelt am Verschulden. Ganz anders aber, wenn ein Fluggast im Flugzeug herumtobt, renitent wird und den Flug gefährdet. Wenn dann der Flugkapitän entscheidet, irgendwo auf der Strecke zwischenzulanden um den Störer von Bord zu weisen, dann kann die Airline durchaus diesen Fluggast belangen und eine Erstattung der durch den Zwischenstopp entstandenen Kosten verlangen.

?In London fiel vor kurzem der Zentralcomputer einer britischen Fluggesellschaft mit der Folge aus, dass Passagiere zu Tausenden nicht fliegen konnten. Wie ist so etwas rechtlich zu bewerten?

! Zunächst mal abgesehen vom Rechtlichen: So ein Computerfehler wird für die Fluggesellschaft richtig teuer. Sie hat keine Einnahmen, nur Ausgaben. Flugzeuge am Boden kosten viel Geld. Der Computerausfall wird vor Gerichten genauso gewertet, als hätte man es mit technischen Defekten eines Flugzeugs zu tun. Der Fluggast hat folglich alle Rechte aus dem Montrealer Übereinkommen im Hinblick auf Verspätungen und dazu alle Rechte, die ihm die Europäische Fluggastrechteverordnung garantieren. Das sind für Flüge – wie in diesem Fall – ab London bis zu 600 Euro. Für Flüge von Deutschland nach London die gestrichen werden, sind es 250 Euro entsprechend der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Wenn der Flug allerdings mit einer nichteuropäischen Fluggesellschaft außerhalb der Europäischen Union startet und nach London gehen sollte, gibt es bei einer Verspätung oder Annullierung keine Ausgleichszahlung, denn in diesem Fall ist die Fluggastrechte-Verordnung nicht anwendbar.

?Airlines verlangen heute vielfach, dass eine e-Mailanschrift, unter der man erreichbar ist, angegeben wird, um notfalls den Passagier zu benachrichtigen, falls sich beim Flug etwas ändert, wie etwa das Terminal oder das Gate, die ja rechtzeitig erreicht werden müssen. Ganz allgemein: Ist man verpflichtet, regelmäßig auf die e-Maileingänge zu achten?

! Was den Beförderungsvertrag mit der Airline anbetrifft, meine ich, man muss hier öfters mal nachschauen, ob eine Mail zum Flug eingegangen ist. Das ist etwas anders beim über das Reisebüro gebuchten Ticket. Da kennt die Airline meine elektronischen Verbindungsdaten nicht. Wenn man wie bei Onlinebuchungen eine e-Mailanschrift angibt, dann muss man von Zeit zu Zeit mal den Mail-Eingang kontrollieren. Aber auch, wenn man hier erfährt, dass etwa ein Flug deutlich verspätet startet oder gar abgesagt wird, ändert – das sollte man wissen – eine E-Mailankündigung nichts an den Rechten des Passagiers, etwa nach der schon mehrfach erwähnten Fluggastrechte-Verordnung.

?Lange im Voraus wird von einer Kölner Familie eine Pauschalreise auf die Balearen ab Düsseldorf gebucht. Den dazugehörigen Flug gibt es mit der vorgesehenen Airline nicht mehr. Ersatzweise soll die Familie nun in aller Frühe ab Münster mit einer anderen Airline fliegen.

! So etwas muss der Urlauber nicht hinnehmen. Bei Flugverlegungen von einem Airport zu einem anderen, kann man die Reise absagen und bekommt sein Geld zurück. Wenn der Veranstalter seinen Kunden auffordert, selbst zum Ersatzflughafen zu fahren, kann man das mit dem Hinweis ‚ich nehme auf ihre Kosten ein Taxi‘ verweigern. Das würde gehen. Aber auch, wenn man mit dem Zug fährt und wegen des frühen Fluges ein Hotel am Flughafen nimmt, kann man das in diesem Fall dem Reiseveranstalter in Rechnung stellen

*FRAGEN, ANTWORTEN, RECHTSFÄLLE:
Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden ist einer der bekanntesten Reiserecht-Experten. Weitere wertvolle Tipps von ihm z. B. auf www.stornokosten.info. und auf www.reiserechtsexperte.de