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Hornlautsprech er mal anders


LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 01.09.2021

Lautsprecher hORNS Aria C

Artikelbild für den Artikel "Hornlautsprech er mal anders" aus der Ausgabe 6/2021 von LP Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 6/2021

Moment, Moment. Ganz langsam. Da müssen wir unterscheiden. „hORNS“ ist nämlich nur eine Marke des talentierten Konstrukteurs Lukasz Lewandowski. Die andere heißt „5degrees“ und war auch schon hier zu Gast – dort gibt’s Standboxen, die sich um eine bestimmt Neigung der Front auszeichnen. Um fünf Grad, richtig – woher wussten Sie das?

Gemessenes

Messtechnik-Kommentar Der Frequenzgang der Aria C offenbart eine leichte Bevorzugung des Oberbassbereiches oberhalb von 100 Hertz, das ist legitim. Im Bereich der Trennfrequenz um 2,5 Kilohertz zeigen sich leichte Unregelmäßigkeiten, die klanglich aber nicht ins Gewicht fallen. Der Hochtonpegel steigt auf Achse bis 20 Kilohertz kontinuierlich an, was mit entsprechender Ausrichtung der Box jedoch ohne Probleme zu korrigieren ist. Der mittlere Wirkungsgrad liegt etwas über 80 Dezibel, die mittlere Impedanz bei acht Ohm. Der Lautsprecher ...

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... klirrt wenig, das Wasserfalldiagramm vermeldet nur im Bass leichte Ausschwinger.

Unter dem Label „hORNS“ hingegen fertigt Lewandowski hingegen Schallwandler, die sich alle (vom Subwoofer mal abgesehen) durch den Einsatz mindestens eines „Trichters“ auszeichnen. Bei der ziemlich aufsehenerregenden und ausladenden „Universum“ gesellt sich zum obligatorischen Hochtonhorn auch noch einer für den Tiefmitteltonbereich, bei allen anderen Modellen beschränkt sich der Einsatz eines Horns auf das obere Ende des Frequenzbereiches.

Was bei den anderen Modellen der Aria- Baureihe noch als nicht weiter ungewöhnlich durchgeht, ist beim brandneuen Kompaktmodell „Aria C“ schon eine echte Ausnahme: In der niedlichen kleinen Box gesellt sich zum Hornhochtöner nämlich ein lediglich 13 Zentimeter durchmessender Tiefmitteltöner. Er ist damit merklich kleiner als der auffällig flache, aber knapp 20 Zentimeter durchmessende Trichter. Damit ragt er sogar ein bisschen über die Kanten des Gehäuses hinaus, was mir optisch ziemlich gut gefällt – mittlerweile freue ich mich über alles, was klassische Lautsprecherformgebungen ein wenig auflockert. Überhaupt, die Gehäuse der pro Paar 2000 Euro teuren Lautsprecher: Die können sich sehen lassen. Der Hersteller bricht mit dem schnöden Quader nämlich noch an anderer Stelle und spendiert vier Kanten großzügige Rundungen. Was für zusätzliche Gefälligkeit sorgt. Materialstärke für derlei Luxus ist genügend vorhanden, die Wände sind nämlich solide zwei Zentimeter dick – das ist eine Menge für eine Box in dieser Größenklasse. A propos Größe: Mit gut zehn Litern Nettovolumen landet die Aria C mitten im dem Bereich, den man gemeinhin „Kompaktboxen“ nennt.

Was bei der Aria C ebenso gilt wie für alle anderen hORNS-Modelle: Der Hersteller hat ein feines Händchen für ausgezeichnete Lackoberflächen. Unser Testpärchen macht da keine Ausnahme: Dass wir es nicht einfach nur mit Schwarz-Metallic zu tun haben sieht man nur dann, wenn das Licht richtig auf dem Korpus steht. Dann nämlich kommt ein sehr edler tief dunkelroter Metallic-Ton zum Vorschein, wir dürfen davon ausgehen, dass dieses Finish der Palette eines Automobilherstellers entstammt. Der Trichter und die beiden Bassreflexrohre kontrastieren in pragmatischem matten Grau sehr schön dazu – eine sehr gelungene Farbvariante. Die Bassreflexkonstruktion ist übrigens interessant: Weil‘s auf der Front einfach nicht genug Platz für ein ordentlich dimensioniertes Rohr gab, verteilte Lewandowski den erforderlichen Querschnitt einfach auf zwei kleine Rohre, die so gerade noch in den unteren Ecken der Schallwand Platz fanden. Die fein nach außen hin gerundeten Exemplare sind sogar nach innen mit einem dunklen Gewebe verschlossen – für die pulsierende Luft stellt das kein Hindernis dar, für Staub und und neugierige Blicke hingegen schon.Eines der vielen kleinen Details, die an dieser Box zu gefallen wissen.

Mitspieler

Plattenspieler:

· TechDAS Air Force III / Reed 3p / DS Audio DS-E1

Phonovorstufe:

· DS Audio

Vorverstärker:

· NEM PRA5

Endverstärker:

· Yamaha P2200

Vollverstärker:

· Yamaha RXE100

Gegenspieler

Lautsprecher:

· JBL 4301B

· Cube Audio Nenuphar Mini

Gespieltes

Jarvis Cocker, Chilly Gonzales

Room 29

Ryan Adams

Live at Carnegie Hall

Causa Sui

Szabodelico

Garbage

No Gods No Masters

Der Tiefmitteltöner stammt aus deutschen Landen, vom im Rheinland beheimateten Hersteller Visaton. Der Dreizehner ist sicherlich keine hochmoderne High- Tech-Konstruktion, dafür aber ein seit Jahrzehnten in mustergültig gleichbleibender Qualität gefertigter Klassiker. Falls Sie vermuten, dass der unscheinbare Treiber mit gepresstem Stahlblechkorb und beschichteter Papiermembran einer ist, mit dem wir auch bei unserem Lautsprecherselbstbaumagazin „Klang + Ton“ öfter zu tun haben, dann tun Sie das zurecht. Und das aus gutem Grund, wir sind erklärte Fans dieses Treibers. hORNS reklamiert für sich, eine modifizierte Version des Chassis einzusetzen, das nehmen wir mal mit einem leicht

leichten Schmunzeln zur Kenntnis. Für die Wiedergabe des Hochtonbereiches setzt der Hersteller auf einen ausgewachsenen Druckkammertreiber, der über besagten Trichter abstrahlt. Einer weiteren Untersuchung entzieht sich der Hochtöner, weil er nicht ganz einfach aus dem Gehäuse zu bekommen ist – wir werden‘s überstehen. Zwei auch in Sachen Wirkungsgrad so unterschiedliche Treiberkonzepte miteinander zu kombinieren stellt eine interessante Herausforderung dar – schon deshalb, weil der Hochtöner locker 25 Dezibel lauter sein dürfte als der Tiefmitteltöner. Die Mühe könnte es allerdings wert sein: Wer dem enormen Detailreichtum und der Mühelosigkeit eines solchen Hochtöners einmal erlegen ist, für den gibt‘s kaum einen Weg zurück. In der Aria C übernimmt die Aufteilung des Signals auf die zwei Frequenzbereiche eine erstaunlich schlichte Weiche mit nur vier Bauteilen, alle Komponenten stammen vom deutschen Spezialisten Mundorf. Den Signaltransport in der Box besorgen zwei unterschiedliche Sorten Leitung, beim Anschlussfeld griff der Hersteller in die Vollen: Nextgen-Terminals von WBT ragen aus der Rückseite des Lautsprechers heraus, eine qualitativ kompromisslose und in dieser Preisklasse erstaunliche Wahl.

Bevor‘s daran geht, Strippen an die noblen Eingänge zu stecken oder klemmen, muss man sich erst einmal Gedanken über die Unterbringung der Aria C machen. Sie kann nämlich beides, sowohl Regal als auch Ständer. In beiden Fällen gilt es, die ordentliche Gehäusetiefe von rund 29 Zentimetern plus derer drei für die Terminals zu berücksichtigen. Einen passenden Ständer gibt es zumindest derzeit von hORNS nicht, aber da da bietet der Zubehörmarkt hinreichend Passendes.

Die Aria C ist ein zauberhafter Lautsprecher. Was Sie von ihr nicht erwarten dürfen ist uneingeschränkte Partytauglichkeit und den Druck und die Livehaftigkeit, die man gemeinhin bei Konzepten mit Hornhochtönern erwartet. Sie spielt erfreulich gesittet und bewegt sich innerhalb ihrer von der Physik diktierten Möglichkeiten mit größter Souveränität. Die Bassabstimmung präferiert eindeutig den Oberbassbereich, der kommt dafür schön knackig und überzeugend, ganz unten hält sich der Lautsprecher schlicht fein zurück. Was der Box hörbar guttut ist ein stabiler Antrieb. Auch wenn „Horn“ fast automatisch nach Röhre ruft – das wäre hier nicht meine erste Wahl. So 30 bis 50 stabile Halbleiterwatt hat sie schon gerne, die Aria C.

Beginnen wir mit dem überuas spannenden Zweipersonenexperiment „Room 29“ von Jarvis Cocker und Chilly Ginzales. Bei der extrem direkten und intimen Aufnahme ist die Aria C voll in ihrem Element. Die Klavieranschlage haben Kraft und Farbe, die Gesangsstimme Ausdruck und Wärme, den Kontrast zwischen den beiden Protagonisten löst die kleine hORNS bestens auf. Hier wird schon klar, dass der Hochtöner es kann, dieses horntypische Ausluechten bis in den letzten Winkel einer Einspielung. Von Verfärbungen ist dabei so gut wie nichts zu vernehmen, die Klavieranschläge tönen sauber und ausgewogen. Die explosive Dynamik, die mit dem Hochtonkonzept sicherlich möglich wäre, steht hier etwas hinten an, und das ist gut so: Der kleine Tiefmitteltöner wäre wohl etwas überfordert, wenn der Druckkammertreiber könnte, wie er wollte. Bei Ryan Adams’ brillantem Carnegie-Hall-Auftritt von 2015 ist die hORNS in ihrem Element: Eine emotional überzeugende und griffige Gesangsstimme, eine Akustikgitarre mit Ausdruck und Tiefe – das macht sie ausgezeichnet, die Kleine. Sie vermittelt die die Dimensionen des altehrwürdigen Gemäuers überzeugend, zeichnet den Künstler in korrekten Dimensionen – klasse.

Wenn Sie eine Kompaktbox mit dem gewissen Extra suchen, dann kann ich eine Begegnung mit der Aria C dringend empfehlen.

Holger Barske