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Horror: Die Farbe aus dem All


Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 24.04.2020

In der Vergangenheit wurde immer wieder versucht, Geschichten des Horrorautoren H.P. Lovecraft zu verfilmen und dies klappte auch hier und da recht gut. Doch so wirklich schaff te es kaum eine Verfilmung, die intensive Atmosphäre und das kosmische Grauen, das die Erzählungen durchzog, zu vermitteln. Nun versucht sich mit dem südafrikanischen Regisseur Richard Stanley der nächste Filmschaff ende an Lovecrafts Werk.


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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 4/2020

Der Film bezieht sich auf die gleichnamige Kurzgeschichte aus dem Jahr 1927 und ist gleichzeitig auch die Lieblingsgeschichte von Lovecraft selbst. Stanley erzählt in seinem Film die Geschichte ...

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... der Familie Gardener, die zurückgezogen in den Wäldern von Arkham wohnt und eines Nachts durch den Einschlag eines Meteoriten in eine unausweichliche Kette von Ereignissen kosmischen Grauens gezogen wird. Nicolas Cage, der sich in der jüngsten Vergangenheit wieder mit durchaus guten Schauspielleistungen profilierte und beinahe die ganzen Ausfälle der Jahre zuvor vergessen lässt, spielt Nathan Gardener, der mit seiner Frau Theresa (Joely Richardson) und den Kindern Lavinia (Madeleine Arthur), Benny (Brendan Meyer) und Jack (Julian Hilliard) in der Idylle eines Landhauses lebt. Dort züchtet er Alpakas und baut Obst an, während seine Frau als Finanzberaterin von Zuhause aus arbeitet. Die Kinder haben unterschiedliche Meinungen zur Lebenssituation der Familie. Während Lavinia sich mehr und mehr für Wicca-Zauberei interessiert und von der Lebensweise genervt ist, genießt Benny das Leben, wobei der Cannabis-Konsum in der Hütte des Einsiedlers Ezra Cannabis (Tommy Chong) eine elementare Rolle spielt. Das jüngste Kind Jack ist verträumt und in sich gekehrt. Die Zurückgezogenheit wird auch damit begründet, dass Theresa nach einer Brustkrebstherapie und mehreren Operationen Ruhe und Abgeschiedenheit benötigt. In das Leben der Familie tritt nicht nur der Hydrologe Ward (Elliot Knight), der Wasseruntersuchungen in der Gegend vornehmen muss, sondern auch ein Meteorit, der eines Nachts, begleitet von einer unnatürlichen Farbgebung, auf dem Grundstück der Gardeners einschlägt. Von diesem Zeitpunkt an verändert sich die Wahrnehmung der Familienmitglieder merklich und vor allem Vater Nathan schreitet von Minute zu Minute dem Wahnsinn näher.

Die beste Lovecraft-Verfilmung?

Richard Stanley geht bei seiner Adaption der Story sehr geschickt vor: Zu Beginn des Films hört man Ward’s Stimme aus dem Off und was er zu erzählen hat, sind exakt die ersten Sätze der Kurzgeschichte. Eine komplett werkgetreue Verfilmung wäre allerdings nicht wirklich möglich gewesen, da Lovecraft’s Geschichte nicht einfach nur eine Erzählung ist, sondern ein Erzähler berichtet dem Leser das, was er selbst von einem Einsiedler erzählt bekommen hat. Dieser Umstand wird durch Stanley dadurch gelöst, dass er Ward als Zeuge der Geschehnisse und als Erzähler auftreten lässt. Ansonsten ist die Verfilmung erstaunlich nah an der Originalgeschichte, lediglich ein paar Kleinigkeiten haben sich geändert oder wurden einfach nur für unsere Gegenwart aktualisiert. So wurde aus dem Farmer Nahum Gardener der self-made Alpaka-Züchter Nathan Gardener und aus dem Einsiedler Ammi wurde der Althippie Ezra. Auch die in der Geschichte vorkommende, geheimnisvolle und mysteriöse Hexenvergangenheit der Stadt Arkham wurde damit übersetzt, dass sich die Gothic-Tochter Lavinia für Hexerei und Wicca-Rituale interessiert und diese auch praktiziert.

Nicolas Cage Goes Lovecraft

Der schwierigste Teil bei Lovecraft-Verfilmungen ist stets die Präsentation und Inszenierung des Grauens, da Lovecraft selbst in seinen Geschichten meist detaillierte Beschreibungen der unsagbaren Monstren und Schrecken auslässt und den Leser animiert, sich selbst ein Bild vom Unbeschreiblichen zu machen. Stanley interpretiert hier Lovecraft auf der einen Seite recht werkgetreu, indem er einen besonderen Fokus auf Farbmalerei und die Potenzierung des Schreckens durch die Farbe an sich inszeniert. Auf der anderen Seite nutzt er bekannte Motive und Elemente des modernen Horrorfilms, insbesondere Teile des Cronenberg’schen Body Horrors, um beim Zuschauer Schrecken und Unwohlsein zu provozieren. Der Film setzt im Allgemeinen kaum auf die genretypischen Jumpscares, die nur spärlich auftreten, sondern fokussiert die durch die Farbe entstandene Atmosphäre des Grauens, die sowohl in Bild als auch Ton gekonnt inszeniert wird. Dunkelheit und die besonderen Facetten der titelgebenden Farbe aus dem All wechseln sich dynamisch ab und geben dem Zuschauer ab einem gewissen Punkt des Films keine Möglichkeit mehr, sich in der Sicherheit des Tageslichts zu wiegen. Grauen obsiegt. Die wenigen Animationen wurden gut umgesetzt und sehen zudem keineswegs billig oder allzu sehr nach einer Low-Budget-Produktion aus, sondern fügen sich in das stimmige Gesamtbild des Films ein, der auf den zweiten Blick plastischer ist, als er vielleicht anfangs scheint. Richard Stanley schaff t es tatsächlich, eine gute, wenn nicht sogar die beste Verfilmung einer Lovecraft-Geschichte abzuliefern. Nicolas Cage kann in seinem neu entdeckten Wahnsinn durchaus wieder brillieren – man erinnere sich nur an das manische Spiel in „Mandy“ (2018). Und auch die Besetzung der anderen Rollen passt wirklich gut – besonders erwähnenswert ist natürlich noch Tommy Chong als kiff ender Hippie Ezra. Horrorfilm-Fans dürfen sich auch jetzt schon freuen, denn Richard Stanley hat angekündigt, weitere Lovecraft-Stories zu verfilmen – und das soll er bitte auch!

Endlich wieder eine tolle Rolle für Nicolas Cage, der seinen ganzen Wahnsinn auspacken kann


The Rake – Das Monster

Bens und Ashleys Vater ist Psychotherapeut und betreut einen Patienten, der glaubt, von einem Dämonen besessen zu sein


Der Low-Budget-Streifen „The Rake – Das Monster“ beginnt mit dem auslösenden Kindheitstrauma, bei dem die beiden Geschwister Ben und Ashley mit ansehen müssen, wie sich der geistesgestörte Mörder ihrer Eltern vor ihren Augen die Kehle aufschlitzt. Dieser war der festen Überzeugung, von einem Wesen namens „The Rake“ besessen zu sein, was er seinem Psychologen, dem nun getöteten Familienvater, immer wieder erklärt hatte. 20 Jahre nach der Bluttat hallt diese immer noch in den Köpfen des Geschwisterpaars wider. Die ewig heimatlose Ash (Shenae Grimes-Beech) leidet unter starken Halluzinationen, denen mit ebenso heftigen Medikamenten Einhalt geboten werden soll. Ben (Stephen Brodie) scheint das ganze besser verarbeitet zu haben, da er oberflächlich betrachtet ein ganz normales Leben führt. Als ein befreundetes Ehepaar eine Hauseinweihungsparty für ihre alten Bekannten schmeißt, entfaltet sich ein „Evil Dead“-ähnlicher Plot, bei dem Ash (kann es Zufall sein?) sowohl die Ursache als auch die Lösung des Problems sein könnte. Ist „The Rake“ auf sie übergesprungen? Und spielt es dabei überhaupt eine Rolle, ob das Monster „nur“ eingebildet ist oder real existiert? Real sind auf jeden Fall der blasse Schwarzwert und der minderwertige Kontrast. Nur wenige Tageslicht-Aufnahmen mit ansprechendem Kontrast und ansprechender Schärfe haben sich in den Film verirrt. Die meiste Zeit über spielt die Handlung innerhalb der vier Wände bzw. in der detailverschlingenden Nacht. Mit viel Wohlwollen könnte man dies als gewollten 80er-Jahre-Look interpretieren. Es liegt also am Publikum, ob es das als stilistischen Vor- oder technischen Nachteil sieht. FT

Ist das Monster real oder nur eine eingebildete Albtraum-Fantasie?


Düstere Legenden 2

Der gesichtslose Fremde schreitet durch die nebelverseuchte Nacht


Es war 2000 das Regiedebüt von John Ottman und verdankte, wie alle Slasher dieser Zeit, seine Existenz Wes Craven und einem gewissen „Ghostface Killer“ (nein, nicht der Rapper). Doch trotz großem Vorbild zeigte sich „Düstere Legenden 2“ innovativ und verwirrte Zuschauer auf eine Art, die selbst Craven erst viel später mit „Scream 4“ aufgreifen würde. Na gut, vielleicht schon ein bisschen mit „Freddy’s New Nightmare“ (1994). „The Final Cut“ verzichtet im Originaltitel bewusst auf eine „2“ und knüpft nur lose an seinen Vorgänger an. Dessen Morde dienen als Inspiration für die Filmstudenten der Alpine University, die um den begehrten „Hitchcock Award“ kämpfen. Dafür geht der Film über die üblichen Metakommentare hinaus und lässt den Zuschauer ständig rätseln, welche Ereignisse zur tatsächlichen Handlung gehören und was nur ein Film im Film ist. Das beginnt schon mit dem Prolog, der eine Parodie auf „Final Destination“ zu sein scheint. Leider wird weit weniger mit den Legenden gespielt als noch im Vorgänger. Dabei müsste man meinen, dass es davon mehr gibt als Krokodile in der Kanalisation. Auch das Mitraten, wer der Killer sein könnte, macht wenig Spaß. Es könnte so ziemlich jeder oder niemand sein. Nicht überraschend, dass es die einzige Regiearbeit für Ottman blieb. Das dürfte den aber kaum stören. Nach zahlreichen Kooperationen mit Bryan Singer in Schnitt und Musik, erhielt er letztes Jahr den Oscar für „Bohemian Rhapsody“. Sein Regiedebüt darf nun auch hierzulande auf Blu-ray einziehen und macht einen ordentlichen Sprung in Sachen Bild- und Tonqualität. Nur die schwarze Hülle sollte in Zeiten von UHD eigentlich tabu sein. TM

Hier rechts im Bild lugt die junge Eva Mendes über die abgesperrte Brüstung. Was lauert wohl in den Tiefen?


Girl On The Third Floor

Oberflächlich betrachtet erscheint „Girl On The Third Floor“ wie ein durchschnittlicher Low-Budget-Horror-Streifen über das schon häufig bemühte Haunted-House-Thema. Doch das Regie-Debüt des langjährigen Horror-Produzenten Travis Stevens („We Are Still Here“) bietet klassischen Grusel, coole Charaktere und eine Handlung mit doppeltem Boden. Der erste Filmteil ist wie eine Episode „Hör mal, wer da hämmert“ aufgebaut. Don Koch (Wrestling-Veteran C. M. Punk) betritt mit seinem Schäferhund Cooper sein neues Landhaus, das von Grund auf renoviert werden muss. Während seine schwangere Frau Liz (Trieste Kelly Dunn) noch am alten Wohnort in der Stadt verweilt, will Don den „Palast“ für seine „Königin“ eigenhändig herrichten. Es wartet also eine Menge Arbeit auf ihn. Pink gestrichene Wände und alte Möbel vom Vorbesitzer sind da noch das geringste Problem. Ein Schwarzschimmelfleck der besonders üblen Sorte zieht Dons Blick auf sich. Aus den Steckdosen trieft weißer Glibber, in dem der Handwerks-Laie natürlich herumfingern muss – der blanke Horror für jeden Elektriker. Wenn Don mit einem Vorschlaghammer Löcher in die Wände kloppt, findet er alle möglichen Sachen: Darunter Frauenkleidung sowie seltsame Murmeln. Und plötzlich ertönt ein schrilles, anhaltendes Geräusch, bei dem normalerweise ein Axtmörder von der Decke fallen sollte. Die Haustür-Klingel sollte Don auf jeden Fall ganz oben auf seine To-Do-Liste schreiben.

Die mysteriöse Sarah versprüht Eros und Thanatos zu gleichen Teilen


Wann ist ein Mann ein Mann?

Nun könnte man dem Film Langeweile unterstellen, da er den Zuschauer mit seiner Alltags-Komik und den handwerklichen Problemen einlullt und maximal beim Ertönen der fiesen Horror-Klingel mit verschiedenen Besuchern für Abwechslung sorgt. In der Kneipe gibt es dann noch lockere Gespräche bei nem Feierabend-Bier mit dem alten, sympathischen Barkeeper (Marshall Bean), der unheimliche Geschichten über das Haus kennt. Das typische Männerleben auf der heimeligen Baustelle könnte kaum friedvoller sein. Lediglich kleine Spielereien mit den Spiegeln des Hauses verraten, dass man sich hier immer noch in einem Horrorfilm befindet. Es ist sogar ein recht blutiger und brutaler Horror-Film, der hauptsächlich auf praktische Eff ekte setzt und auch beim kreativen Monster-Makeup keineswegs gespart hat. Wie jetzt, Monster? Das Geheimnis des Hauses birgt zum Vergnügen des Zuschauers noch viel mehr Schrecknisse, die es aufzudecken gilt. Auch Don ist nicht der Saubermann, für den man ihn gern halten würde. Beim Anblick der jungen Passantin Sarah (Sarah Brooks), die ihm einen anregenden Plausch anbietet, droht sein enger Zeitplan und sein Ehegelübde ins bröckeln zu geraten. Und was hat es eigentlich mit dem „FBI-Deal“ auf sich, den er auf seiner neuen Veranda unterzeichnet? Dem Film tut vor allem sein lockerer Ton gut, der bisweilen in Richtung „Evil Dead“ geht, ohne die Grenze zur Horror-Komödie zu überschreiten. Der tatsächlich dargestellte Spuk mag verhältnismäßig kurz sein, dafür ist er umso intensiver und gefällt mit einer innovativen Umsetzung. Die Reaktionen der Charaktere kommen häufig unerwartet, da Regisseur Stevens mit den typischen Geschlechter-Rollen spielt und Klischees nutzt, um das Publikum auf falsche Fährten zu locken. Es mag kein Überfilm und auch kein bedingungsloser Geheimtipp sein, doch als ungeschliff ener Diamant ist er abseits des gängigen Mainstream-Horrors eben doch ein guter Fang für alle anspruchsvollen Genre-Liebhaber. Ob man sich jetzt auf die relativ dezent eingestreute christliche Moral einlässt, ihn als Geschlechterkampf interpretiert oder den Film einfach als subtil inszenierten Horror sieht, bleibt letztendlich dem Zuschauer überlassen. Bei der Audiotechnik fällt übrigens die sehr akkurate Signalortung auf, die jede Geräuschquelle unheimlich räumlich und dynamisch abbildet. Besonders die verflixte Klingel … FALKO THEUNER

Das gruselige „Mädchen aus dem dritten Stock“ ist nicht die einzige Bedrohung hier



Bilder: Koch Media

Bilder: Sony Pictures, Tiberius Film

Bilder: Tiberius Film