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Horror: THE ROOM


Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 06.11.2020

Horrorfilme sind bekannt dafür, gesellschaftliche Themen zu behandeln und sie dabei mit einem übernatürlichem Element auszustatten. So gestalten sich diese Filme variantenreich und unterhaltsam. „The Room“ bildet dabei keine Ausnahme.


Artikelbild für den Artikel "Horror: THE ROOM" aus der Ausgabe 8/2020 von Blu-ray Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 8/2020

Matt (Kevin Janssens) und Kate (Olga Kurylenko) ziehen als frisch verheiratetes junges Paar in ein neues Haus. Matt ist Maler und ein off enbar sehr erfolgreicher seiner Zunft, wenn er sich dieses große Anwesen leisten kann. Eines Tages entdecken beide einen geheimen Raum, der off enbar Wünsche erfüllen kann. Nach einem kurzen Austesten allen materiellen Treibens verstehen ...

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... beide, dass weltliche Genüsse allein auf Dauer nicht glücklich machen. Kate wünscht sich nichts sehnlicher als ein Baby, hatte sie im Leben doch bereits zwei Fehlgeburten. Doch die Erziehung des Kindes erweist sich als schwierig, da nichts aus dem „Raum der Wünsche“ aus dem Haus getragen werden darf, weil es Jenseits der schützenden Mauern des Anwesens einem rapiden Alterungsprozess anheimfällt und schließlich zu Asche zerfällt. In seiner Isolation wird das Kind jähzornig und es kommt zu einem fatalen Konflikt mit seinen „Eltern“.

Familiendrama der übernatürlichen Art

Was Christian Volckman und seine zahlreichen Co-Autoren dem Zuschauer hier servieren, scheint auf den ersten Blick ein simples Familiendrama zu sein. Doch die Inklusion des „Raums der Wünsche“ steigert die kreative Gestaltung der Handlung und lässt viele Möglichkeiten für ein unerwartetes Ende off en. Nach einer kurzen Kapitalismuskritik im ersten Akt, der die Nichtigkeit von Materialismus predigt, entpuppt sich der zweite Akt als ein reines Beziehungsdrama. Kate möchte das Baby behalten, was Matt jedoch gar nicht passt. Zu einem späteren Zeitraum in der Handlung wird aus dem Beziehungsdrama ein Erziehungsdrama. Das Kind (Joshua Wilson), welches auf den Namen Shane hört, fordert seinen Freiraum und möchte in die Außenwelt gelassen werden.

Der philosophische Anstrich

„The Room“ orientiert sich inhaltlich an den philosophischen Lehren von Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud. Der horrende Aspekt des Films ist eine wortwörtliche Anspielung auf Nietzsches Version des freien Willens. Der Mensch muss Gott, seinen Schöpfer, töten, um wirklich im Geiste frei zu sein. Nur so kann er an seine Stelle treten und sich selbst verwirklichen. Volckmann und Co. projizieren dieses Gedankengut auf das Kind im Film.
Shane ist ein Homunkulus, wie er in Goethes Buche steht – ein künstlich geschaff enes Wesen, das seinem Meister dient und aus dessen Egoismus heraus geboren wurde. Erst wenn es seinen Meister tötet, kann es frei sein. Um in die Außenwelt zu kommen und eine echter Mensch zu werden, muss Shane also seine El- tern töten. Und somit beginnt der Konflikt in der Geschichte zwischen den Eltern und ihrem Kind. Wer sich schon immer gefragt hat, warum in Disney- Filmen die Eltern im Prolog der Geschichte sterben, findet in der Arbeit Friedrich Nietzsches die Antwort. Im Grunde alles der Selbstverwirklichung wegen (#JusticeforBambisMom!). Das gleiche gilt übrigens auch für Superheldenfilme. Da müssen die Protagonisten ständig gegen ihre Erzeuger kämpfen (#JusticeforThanos?).
Im dritten Akt werden zudem noch philosophische Elemente aus dem Wirken Sigmund Freuds in die Handlung integriert. Shane entdeckt plötzlich den Ödipuskomplex und fühlt sich zu seiner Ziehmutter Kate hingezogen.
Leider stimmt wohl die Aussage, dass viele Köche den Brei verderben. „The Room“ wirkt inhaltlich wie ein Flickenteppich. Ein Grund dafür könnte der Tatsache geschuldet sein, dass es fünf Autoren gab, die an dem Film mitgearbeitet haben. Da wird schnell mal das Beziehungsdrama zum Erziehungsdrama, der Fantasy- zum Horrorfilm und die inhaltlichen Bezugspunkte zu Friedrich Nietzsche werden mit denen von Sigmund Freud durcheinander gehauen. Wie man es auch dreht und wendet: „The Room“ ist kein runder Film.

Das Ehepaar Kate und Matt haben in ihrem neuen Anwesen auf dem Land einen ominösen Raum der Wünsche entdeckt. Nachdem die Erfüllung materieller Begehrlichkeiten sie schnell ermüdet, kann Kate ihrer Sehnsucht nach einem eigenen Kind nicht widerstehen


Verblasste Ideenfülle

Ein wenig mehr Kreativität und auch Mut hätte man sich bei der anfänglichen Montage-Sze- ne beim Erkunden des Potenzials des „Raums der Wünsche“ schon noch gewünscht. Wer die Möglichkeit bekommt, sich alles zu wünschen, probiert eigentlich erst einmal das Wichtigste, dann aber auch immer verrückteres Zeugs aus, was hier dann leider nicht der Fall ist. Regisseur Volckmann bleibt hier lieber bei seinem märchenhaften Ansatz und erzählt brav seine stringente Geschichte. Dass „The Room“ dennoch interessante Ideen bietet und inhaltlich ebenso interessante Fragen stellt, liegt auf der Hand. Zu vorteilhaft ist die geschaff ene Prämisse, als dass der Zuschauer nicht auf den Ausgang gespannt sein dürfte. Vergleichbar ist dieses Gedankenexperiment mit Richard Kellys „The Box“, in dem ein Ehepaar vor die Wahl gestellt wird, eine Million Dollar zu erhalten, wenn sie einen ominösen Knopf drücken. Tun sie es, stirbt ein ihnen unbekannter Mensch. Dort sind Ursache und Wirkung also noch etwas genauer beschrieben als in „The Room“, jedoch die weitläufigen Konsequenzen genauso unvorhersehbar. Entscheidet man sich dafür, ein Leben in die Welt zu setzen, geschieht dies meist erst einmal aus egoistischen Gründen, ohne die möglichen Konsequenzen für das Kind abzusehen. Hier fällt dieses Gewicht dann plötzlich auf Matt und Kate zurück, wobei der Zuschauer urteilen muss, ob das nun gerecht ist.

„The Room“ greift philosophische und auch psycholanalytische Konzepte wie Freuds berühmten Ödipuskomplex auf



Bilder: Weltkino