Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

hotspots: Das Karpfenangler- Paradies?


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 23.11.2018

Paradise Lake – so heißt ein Paylake im Osten Ungarns. Wer einem See solch einen Namen gibt, lehnt sich weit aus dem Fenster. Denn ein Paradies muss dem Angler schon eine ganze Menge bieten, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Christian Rück wollte wissen, ob der See den Namen wirklich verdient und hat das Gewässer besucht.


Artikelbild für den Artikel "hotspots: Das Karpfenangler- Paradies?" aus der Ausgabe 10/2019 von karpfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: karpfen, Ausgabe 10/2019

Sieht gut aus und hat es in sich: der Paradise Lake in Ungarn.


Früh am Morgen liege ich auf dem Bett und blicke durch die offene Tür des gemütlichen Holzhauses auf den See. Die Gläser auf dem Tisch der großzügig angelegten und überdachten Terrasse erinnern mich an den Vorabend und ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von karpfen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2019 von CITRUZ FIZZY STICK MIX. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
CITRUZ FIZZY STICK MIX
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Das dicke Ende. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das dicke Ende
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Carpe diem - nutze den Tag!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Carpe diem - nutze den Tag!
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Schweigen ist Gold. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schweigen ist Gold
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Frag den Experten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frag den Experten
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von Unvergessliche Fänge: Ende einer Durststrecke. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unvergessliche Fänge: Ende einer Durststrecke
Vorheriger Artikel
Fotowettbewerb: Fotogalerie
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel taktik: Paylakes Tipps & Tricks
aus dieser Ausgabe

... die schönen Stunden mit dem Nachbarn von Platz 14. Leichter Nebel weicht den ersten Sonnenstrahlen, die Abhakmatte und der Kescher stehen zum Trocknen an einem Baum und zeugen noch von den Ereignissen der vergangenen Nacht. Ein Eisvogel fliegt blau schillernd über meine Ruten. Nur Augenblicke später schraubt sich ein Karpfen aus dem Wasser und landet mit einem lauten Klatschen wieder in seinem Element. Ich komme mir vor wie im Paradies. Um den Begriff „Paradies“ ging es in letzter Zeit häufiger. Aber alles der Reihe nach.

Noch vor kurzem befand ich mich voll im Alltagsstress. Dann ging die Reise los. Der Paradise Lake stand auf dem Programm. Ein Gewässername, der Anlass zur Hoffnung auf einen tollen Angelurlaub gibt. Die Gefahr, dass der sehr positiv besetzte Name Erwartungen weckt, die nicht erfüllt werden können, ist allerdings auch sehr hoch. Solch eine Bezeichnung für ein Gewässer ist also immer ein zweischneidiges Schwert. Deshalb war ich doppelt aufgeregt, was mich vor Ort erwarten würde.

Eine Partikelmischung lockt die Karpfen an den Spot. Die Mischung kann man vor Ort erwerben.


Morgenstimmung am See. Die Rod Pods platziert man auf einem großen Steg.


ENSPANNTE ANREISE

Der Flug nach Budapest verlief problemlos, am Flughafen hetzten die Menschen an mir vorbei zu ihren Gates, zum Taxi oder zum Bus. Gott sei Dank würde ich in den kommenden Tagen nicht von Terminen und Verpflichtungen getrieben werden. Mein Kontaktmann Attila Pinke nahm mich in Empfang, dann fuhren wir mit dem Auto etwa zwei Stunden lang durch Ungarn in den östlichen Teil des Landes zum Paradise Lake Wir passierten typisch ungarische Dörfer und Kleinstädte. Spätestens jetzt war der Trubel in Deutschland vergessen.

Nun ist es einer meiner Bissanzeiger, der mich aus den Erinnerungen an die Anreise in die Realität zurückholt. Ich habe einen Vollrun. Noch etwas wackelig auf den Beinen spurte ich in meinen Schlappen Richtung Steg zur ablaufenden Rute. Zum Glück sind es bis zum Ort des Geschehens nur ein paar Meter, sodass ich rechtzeitig an der Rute bin. Nach dem Anhieb spüre ich sofort einen weiteren starken ungarischen Karpfen am anderen Ende der Schnur. Meist bekommt man hier Schuppenkarpfen ans Band. Die Fische haben auffällig große Flossen und liefern spannende Drills mit kraftvollen Fluchten. Doch auch große Spiegler habe ich hier schon gefangen. Kurz vor dem Steg gibt der Fisch noch einmal Gas und flieht unter den anderen Ruten hindurch in Richtung Schilf. Aber zum Glück dreht er ab, bevor es richtig gefährlich wird. Nach zwei missglückten Versuchen gelingt es im dritten Anlauf, den Karpfen in den Kescher zu bugsieren. Wieder ein guter Fisch, denke ich und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als Attila angelaufen kommt, um mich beim Wiegen und Fotografieren zu unterstützen.

Wie man merkt, kann der Paradise Lake anglerisch überzeugen. Aber das reicht noch nicht, um sich die Auszeichnung „Paradies“ zu verdienen. Was muss das Gewässer denn sonst noch leisten, wird sich nun vielleicht so mancher Angler fragen. Klar, angeln und fangen ist wichtig. Aber gerade bei einem Paylake erwarte ich noch mehr, nämlich einen hohen Grad an Komfort. Erst dann ist der See wirklich ein Paradies für Karpfenangler. Der See ist 18 Hektar groß, im Gewässer befinden sich 7 Inseln. Und jetzt komme ich auf den bereits erwähnten Komfort zu sprechen: Jeder der 15 Angelplätze verfügt über ein gemütliches Holzhaus mit Klima- Anlage (die auch als Heizung fungieren kann). Klima-Anlage – muss das sein? Ja, unbedingt, denn die Sommer können in Ungarn so richtig heiß sein. Und da ist man froh, wenn zum Schlafen angenehme Temperaturen in der Unterkunft herrschen. Außerdem sind die Häuser mit Kühlschrank, Mikrowelle und zwei Etagenbetten versehen. Zweimal täglich bekommt man frisches Trinkwasser in einem 10 Liter-Kanister gebracht. Ein Carp Craddle, ein Weighsling und ein Dreibein komplettieren die Ausrüstung. Wer kein eigenes Angelgerät mitbringen kann oder möchte, kann bei Attila modernes und absolut praxistaugliches Nash-Tackle ausleihen. Rollen und Endtackle bringt man am besten selbst mit. Aber diese vergleichsweise kleinen Ausrüstungsgegenstände passen auch problemlos in einen Koffer für Flugreisen. Auch für Partikel und Boilies ist gesorgt. Attila, der die Angler betreut, spricht neben ungarisch auch fließend deutsch und englisch. Es wird also keinerlei Kommunikationsprobleme geben. Er erledigt wie bei mir auf Wunsch auch den Flughafentransfer.

Christian konnte bei seiner Tour mehrere Karpfen um 20 Kilo fangen. Aber auch an einem Paylake ist das Angeln kein Kinderspiel.



AUF DEM GELÄNDE BEFINDEN SICH EIN DUSCHHAUS, TOILETTEN, EINE BAR UND SOGAR EIN SPIELPLATZ.


Um aussichtsreiche Stellen zu finden, kommt der Podding Stick zum Einsatz.


Mit dem Fahrrad legt man die Wege auf der Anlage schnell und unkompliziert zurück.



DAMIT KANN MAN GUT LEBEN: EIN DURCHSCHNITTSFISCH AUS DEM PARADISE-LAKE.



Die Unterkünfte direkt am See sind sehr gut ausgestattet: Es gibt Hochbetten, Kühlschrank, Mikrowelle und sogar eine Klima-Anlage. Auf der Terrasse kann man gemütlich sitzen.


ESSEN ZUM SWIM

Auch für das leibliche Wohl des Anglers wird bestens gesorgt. Vor Ort besteht die Möglichkeit, zweimal am Tag leckere Mahlzeiten zu bestellen. Das Essen wird direkt zum Swim geliefert. Auch hier wurde an die Details gedacht: Die Speisekarte ist viersprachig (ungarisch, englisch, deutsch und italienisch) gehalten. Das Angebot umfasst eine große Auwahl ungarischer Köstlichkeiten. Vom Schnitzel mit Pommes, über Gänseleber bis hin zum Hirschragout – hier gibt es etwas für jeden Geschmack. Die Preise fallen erfreulich günstig aus. Getränke gibt es in der Bar auf dem Gelände für kleines Geld zu kaufen. Zu jeder Unterkunft gehört übrigens auch ein Fahrrad, man muss die Wege also nicht zu Fuß zurücklegen. Auch sanitäre Einrichtungen wie Duschen und Toiletten sind vorhanden und zwar in der Nähe der Bar zwischen Platz 0 und 15. Das Gewässer bietet also den Service und den Komfort, den ich mir von einem Paradies für Angler erwarte. An den See kann man auch die Ehefrau oder Freundin mitnehmen, ohne Ärger wegen „mangelnder Infrastruktur“ befürchten zu müssen. Und sogar für den Nachwuchs der Angler ist gesorgt. Denn auf dem Gelände befindet sich ein großer Spielplatz.

Kommen wir nun aber wieder zum Angeln, denn das sollte trotz des Komforts immer noch im Mittelpunkt stehen. Während meiner einwöchigen Reise an den Paradise Lake konnte ich gleich mehrere Karpfen über 20 Kilo und sogar einen ungarischen Riesen von 25 Kilo fangen. Ein traumhaftes Ergebnis, aber ich möchte an dieser Stelle betonen, dass dem Angler auch hier die Fische nicht freiwillig in den Kescher springen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass viele Angler denken, ein Trip an einen Paylake wäre ein Selbstläufer: Einfach die beköderte Montage auswerfen oder ausbringen und nach kurzer Zeit läuft schon der neue PB-Karpfen ab. Aber weit gefehlt, so ist es nämlich meistens nicht. Natürlich hat man an einem Paylake häufig bessere Fangaussichten als an einem „Naturgewässer“. Aber trotzdem erfordert diese Art von Gewässer eine eigene Herangehensweise und man muss sich die Fische auch erarbeiten,

Es wird eine große Auswahl an leckeren Speisen angeboten. Man kann sich das Essen sogar an seinen Swim liefern lassen.


GUTES DURCHSCHNITTSGEWICHT

Das Durchschnittsgewicht der im Paradise Lake gefangenen Karpfen liegt bei rund 10 Kilo, der Seerekord befindet sich aktuell bei 31,5 Kilo. Farbenfrohe Koi-Karpfen und große Graskarpfen erweitern die Palette der attraktiven Fischarten. Verschweigen möchte ich allerdings nicht, dass man auch mit Brassen-Bissen rechnen muss. Eine willkommene Abwechslung hingegen war eine schöne Schleie, die mir nachts an den Haken ging.

Ich habe relativ einfach geangelt, also mit No Knot-Rigs und 120 Gramm schweren Bleien, die ich in einem Safety Clip platzierte. Auch der klassische Line Aligner brachte gute Fische. Werfen muss man am Paradise Lake nicht zwingend, da für die Location, zum Ausbringen der Montagen und fürs Drillen ein Boot (optional auch mit Elektromotor und Echolot) zur Verfügung steht. Markiert habe ich interessante Spots mit Stabbojen. Diese Bojen sind in dem durchgängig ziemlich flachen Gewässer (Durchschnittstiefe zwei Meter) nicht nur sehr gut sichbar, sondern kippen auch einfach um, wenn sie im Drill mit der Schnur in Berührung kommen. Es besteht also nicht die Gefahr, einen gehakten Fisch wegen der im Wasser befindlichen Bojen zu verlieren.

Anfangs habe ich versucht, in der Nähe der Inseln zu angeln. Zwischen den Inseln befindet sich nämlich ein Schongebiet, in dem viele Bäume im Wasser liegen. Da diese Inseln allerdings mit Steinpackungen befestigt sind, ist das Angeln dort ziemlich riskant. Das Risiko von Hängern war mir einfach zu hoch. Auch die versunkenen Bäume zwischen den Inseln sehen vielversprechend aus, sind aber im Drill gefährliche Hindernisse. Unmittelbar vor den Inseln haben wir es mit schlammigem Gewässergrund zu tun. Mit einem Podding Stick, den Attila mir überließ, kann man den Boden sehr gut abklopfen und seine Eigenschaft ermitteln. Ich ließ mich über den See treiben und fand zwischen einer Insel und meinem Ufer eine harte Stelle von ca. fünf Quadratmetern. Sofort wurde dort eine Stabboje abgesetzt. Dieser Spot sollte sich in den nächsten Tagen als produktivster Platz herauskristallisieren. Nachdem ich die Stelle zwei Tage lang mit Boilies und dem vor Ort erworbenen Partikel-Mix präpariert hatte, lag die Montage dort nie besonders lange ohne Aktion.

AUCH MIT PARTIKELN

Ein einzelner Boilie mit einem schwarzen Fake-Maiskorn war der Top-Köder in meiner Woche am Paradise Lake. Doch auch auf Tigernüsse und Riesenmais aus dem Partikelmix konnte ich viele schöne Fische überlisten. Den schwersten Karpfen meiner Tour konnte ich allerdings dank einer Taktik fangen, die mir auch schon an anderen, stark befischten Gewässern zum Erfolg verholfen hat. Eine kleine Stelle mit hartem Boden, die links von meinem Steg zwischen ausgedehnten Schlammfeldern lag, wurde markiert und tagsüber mit einer kleinen Menge Partikel und Boilies präpariert. Gefischt habe ich dort in den hellen Stunden allerdings nicht. Erst in der Dämmerung wurde dort eine Montage abgelegt. Um Mitternacht riss mich der Bissanzeiger aus dem Tiefschlaf. Schon bei der ersten Flucht war mir klar: Für diesen Fisch bin ich nach Ungarn gereist. Auch im Uferbereich gab sich mein Kontrahent noch nicht geschlagen und es verging Minute um Minute, bis ich den Fisch zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Ein breiter Rücken tauchte im Schein der Kopflampe auf und mein Herzschlag setzte kurzzeitig aus. Zum Glück für meine Psyche schlossen sich kurze Zeit die Keschermaschen um den Karpfen. Nach dem Wiegen und einer kurzen Fotosession durfte der 25 Kilo schwere ungarische Schuppenkarpfen wieder schwimmen und ich fiel erleichtert und erschöpf zugleich auf mein Bett.

Das Fazit meiner Tour an den Paradise Lake fällt eindeutig aus: Swims, Fische, Angeln, Infrastruktur und Service – für all diese Kriterien vergebe ich Bestnoten. Die Frage, ob der Paradise Lake seinen Namen verdient hat, kann ich also eindeutig mit Ja beantworten. Wer hier angelt, erlebt einen herrlich entspannten Urlaub mit viel Komfort und hat beste Aussichten auf den Fang prächtiger und kapitaler Karpfen.
Christian Rueck

Der größte Karpfen der Tour brachte es auf 25 Kilo.



ABWECHSLUNG IST WILLKOMMEN: ES BEISSEN AUCH GRASKARPFEN, KOI-KARPFEN UND SCHLEIEN.


DER PARADISE LAKE

Wer sich für eine Reise an den Paradise Lake oder an andere Gewässer in Ungarn interessiert, kann über die Website von „Catch Carp Hungary“ Kontakt zu Attila Pinke aufnehmen. Er vermittelt Plätze an den Gewässern und kümmert sich auch um weitere organisatorische Details. Die Preise verstehen sich immer pro Angelstelle, die man sich mit maximal drei Anglern teilen kann. Auch via Facebook, Instagram und Google+ ist eine Kontaktaufnahme möglich. Auf Wunsch bietet Attila auch Flughafentransfer, Angelausrüstung und Verpflegungspaket.
Weitere Infos: www.catchcarphungary.com