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HUNDE UND MENSCHEN


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 11.12.2019

HundesinddiebeliebtestenHaustiereundseitjehertreueFreundeundBegleiterdesMenschen.InderKunstundKulturgeschichte spiegeltsichdasbesondereundmeistpositivbesetzteVerhältniszwischenMenschenundHundenzumbeliebtestenHaustieraufvielfältige Weisewider.DasBayerischeNationalmuseumgehtineinerSonderausstellung,dienochbiszum19.AprilunterdemMotto „TreueFreunde–HundeundMenschen“gezeigtwird,deruraltenVerbindungzwischenHundundMenschnunineinerumfassenden SchauaufdenGrund.


Über 200 Werke

Vor 100 Jahren wurde einem Hund sogar ein literarisches Denkmal gesetzt. Denn 1919 erschien eine Schrift von Thomas Mann, „Herr und Hund”, ...

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Bildquelle: Trödler, Ausgabe 1/2020

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... die zu den schönsten Hundebüchern der Literatur zählt. Mann berichtet darin von seiner liebevollen Beziehung zu seinem Hund „Bauschan“, die er auch in seinen Tagebüchern als „idyllisches Zusammenleben mit der Kreatur“ beschreibt. Dieses enge Verhältnis, das zwischen Hund und Mensch seit Jahrtausenden besteht, fand auch kulturellen Niederschlag: So sind Hunde jene Tiere, die ein Höchstmaß an Bildwürdigkeit erlangten. Mehr als 200 Werke, darunter hochrangige Werke der bildenden Kunst und spektakuläre Zeugnisse der Alltagskultur, führen das wechselvolle Mensch- Tier-Verhältnis in seinen verschiedenen Facetten vor Augen. Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen sowie kaum bekannte Kunstwerke des Bayerischen Nationalmuseums eröffnen ein breites Spektrum von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei zeigt sich, dass diese Beziehung Mensch – Hund nicht immer ungetrübt ist.

Thomas Theodor Heine, Siegfried, Dießen am Ammersee, 1921, Öl auf Holz © Print & Coffee

Reisetasche, Süddeutschland, um 1860, Wollstickerei, Glas- und Metallperlenstickerei, Metall © Bayerisches Nationalmuseum

to: Bastian Krack

Barsoi der Katharina II. auf einem Kissen liegend © Bayerisches Nationalmuseum München

Krack

Richard Dodd Widdas nach dem Original von Alfred Dedreux, Armer und reicher Hund, Kingston upon Hull, um 1850/60, Öl auf Leinwand Städtisches Museum Überlingen © Städtisches Museum Überlingen


Vierbeinige Filmstars

Präsent ist der Hund auch in Film und Fernsehen. Und das nicht nur im Kinderprogramm. Eine tragende Rolle spielt der Vierbeiner – gelegentlich als Kindersatz – auch in der einen oder anderen Trennungskomödie, die sich mit der Scheidungsfrage beschäftigt „Wer bekommt den Hund?“ Vertreter anderer Kulturen zeigen sich erstaunt über solche Auswüchse dieser speziellen Beziehungen zu Tieren, die in anderen Gegenden der Welt ein sprichwörtlich „elendes Hundedasein“ fristen müssen.

Hundehalter

Hundefreunde und auch prominente Halter wie die Queen, Sisi, David Bowie und Rudolph Moshammer lassen sich davon keineswegs beirren. Sie sind in der Schau ebenso vertreten wie Zeichnungen von Loriot und Rudi Hurzlmeier oder eine Pudel- Diamantbrosche von Grace Kelly. Die Ausstellung umfasst zudem zahlreiche Gattungen – von der ägyptischen Hunde- Mumie über mittelalterliche Altartafeln bis zum Hunderoboter. Die einzelnen Kapitel behandeln Themen wie Treue und Freundschaft, Dienstbarkeit, Statussymbole und Erotik, aber auch die Gefährlichkeit des Hundes. In allen Bereichen erzählt die Ausstellung dabei auch etwas über den Menschen selbst und seine Vorstellung von Menschlichkeit.

Arbeitstiere

Als Arbeitstiere waren und sind Hunde damals wie heute in verschiedenen Funktionen tätig: Nicht nur zum Hüten, Bewachen und als Jagdbegleiter sind ihre Dienste gefragt. Sie retten Leben als Lawinenhunde im Gebirge oder ziehen Ertrinkende aus dem Wasser. Als ausgebildete Blindenhunde, die es schon im späten Mittelalter gab, helfen sie Sehbehinderten, den Alltag zu bewältigen. Auch Polizei, Justiz und Zoll sind auf speziell geschulte Tiere angewiesen, die mit ihren Spürnasen auf Streife gehen und Rauschgift, Bomben, Vermisste, Verschüttete und auch Verbrecher erschnüffeln. Daneben unterstützen Hundetherapie-Teams Patienten bei seelischen Krisen und posttraumatischen Störungen oder erfreuen Kinder und Senioren. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zogen sie Karren von Händlern und Bauern oder wurden im Krieg vor Kleingeschütze gespannt. Auch die Bereitschaft, sich streicheln zu lassen, ist hilfreich: Durch die Berührung eines Hundes soll Oxytocin ausgeschüttet und das Stresshormon Cortisol reduziert werden. Schon Rousseau empfahl diese Nützlichkeit der Freundschaft von Kindern und Hunden als häuslicher Spielgefährte.

Lieblingshund König Ludwig I., München, um 1850, Öl auf Pappe © Bayerisches Nationalmuseum


Foto: Bastian Krack

Hubert Gerhard (?), Jagdhund (Detail), München, um 1589, Bronze © Bayerisches Nationalmuseum


Foto: Bastian Krack

Hunderassen

Selbst wenn sich viele Hunderassen über die Jahrhunderte verändert haben, gab es doch immer klare Vorstellungen über deren unterschiedliche Charaktere. Wissenschaftlich beschäftigte man sich schon 1387/89 in einem „Livre de la Chasse“ oder 1570 in dem Traktat „De Canibus Britannicis“ mit den verschiedenen Rassen und ihren Vorzügen. Auf dem Gemälde der „Vision des Hl. Eustachius“ zeigt Pisanello 1438/42 Greyhounds, Spaniels und Mastiffs nebeneinander. Solche Darstellung erlesener Hunde etwa von Jagdhunden im Porträt waren auch deutliche Hinweise auf Wohlstand. So unterstreichen gesunde Hunde an der Seite eines Fürsten kompositorisch die Macht der dargestellten Person: Diego Velázquez porträtierte beispielsweise um 1632/34 König Philipp IV. von Spanien im Jagdgewand mit dem Gewehr und stellte ihm einen Mastiff zur Seite. Attribute eines Prinzen sind die beiden Hunde im Bildnis Velázquez’ von Philipps Sohn Balthasar Carlos. Der Junge ist mit einem Kindergewehr ausgestattet, das ihn als angehenden Fürsten ausweisen soll. Bei Bildnissen von Frauen und Kindern erscheinen häufig kleinere Hunde – also niedliche Schoßhündchen wie Spaniel, Malteser oder Bologneser. Hunde in Bildnissen waren aber nicht nur Privileg des Adels. Auch das Bürgertum zeigte sich gerne in tierischer Begleitung. Was damals galt, wurde im frühen 20. Jahrhundert in zeitgemäßen Medien fortgesetzt.

Harlekin spielt mit Mops Drehleier © Bayerisches Nationalmuseum München

Foto: Bastian Krack

Thomas Theodor Heine, Hundeinvasion im Café Luitpold, München, 1894, Tusche und Aquarell auf Zeichenpapier © Dr. Paul und Diana Tauchner, München

Foto: Bastian Krack

Hundehalsband, Pfalz-Zweibrücken, spätes 18. Jahrhundert, Leder mit vergoldeten Messingbeschlägen © Bayerisches Nationalmuseum

Foto: Bastian Krack

Ein strenger Notar präsentiert sich in einer Fotografie von August Sander mit einem Dobermann, also einem Hund, der sich als Wach- und Polizeihund bestens eignet.

Hunde und Schmuck

Aufgrund seiner Position im höfischen Umfeld und bei der Jagd wurde der Hund auch gerne als Schmuckmotiv verwendet, nicht immer aufgeladen mit symbolischer Bedeutung. Aus fürstlichen Schatz- und Kunstkammern stammen beispielsweise emaillierte Goldanhänger. Ein Exemplar aus der Fürstengruft in Lauingen an der Donau ist mit einem auf die Treue anspielenden Spruch versehen. Georg Hund von Wenckheim, Hochmeister des Deutschen Ordens, ließ seinen Namen als in Silber vergoldetes Trinkgefäß verewigen, das als Jagdhund gearbeitet ist. Hunde wurden und werden zudem häufig mit eigenem Schmuck ausgestattet – etwa mit kostbaren Halsbändern.

„Collier de Chien”

In fürstlichen Porträts wie das von Wolfgang Wilhelms tragen die Hunde breite Bänder, die mit den Initialen, gelegentlich auch mit den Wappen des Eigentümers versehen sind. Lederbänder waren oft mit metallenen Applikationen ausstaffiert, gelegentlich wurde ein Wappen farbig gestickt. Hundehalsbänder sind auch heutzutage gerne geschmückt und verziert, etwa mit Nieten, Strass oder mit Buntmetallapplikationen bereichert, und werden farblich gerne passend zum Fell des haarigen Trägers ausgesucht. Und Hunde- Schmuck von Luxusherstellern wie „Hermès“ besticht durch eine qualitätvolle und äußerst geschmackvolle Ausführung – natürlich für einen entsprechenden Preis. Umgekehrt orientierten sich Kleidergürtel, die in den 1930er-Jahren von Hermès entwickelt wurden, an einem Hundehalsband- Modell des Unternehmens, dem 1949 ein typischer Armreif nachfolgte. Ein Ring und kräftige, diamantenförmige Nieten aus Metall sind das Markenzeichen der bis heute sehr beliebten Serie „Collier de Chien“

Trauer um den Gefährten

Die innige Beziehungen, die zwischen Hunden und ihren „Frauchen“ oder „Herrchen“ bestehen, zeigen sich auch im Todesfall der Vierbeiner, die nur eine relativ kurze Lebensdauer zwischen zehn bis 16 Jahren erwartet. Das viel zu frühe Ende des geliebten Gefährten ist also vorprogrammiert und die Trauer um den verstorbene Hunde vielfach belegt. Nicht nur heute gibt es individuelle Hundebegräbnisse. Bekannt ist diese Praxis auch von prominenten Persönlichkeiten, die ihren Tieren früher schon eine „letzte Ehre“ erwiesen: So ließ der fürstlich-sächsische Jägermeister Christoph von Wangenheim seinem Hund „Stutzel“ im Jahre 1650 in Winterstein im Thüringer Wald einen Gedenkstein setzen: „Ub seiner grossen treulichkeit die er seinem Herrn und Frauen beweist“. Eindeutige Beweise solch inniger Beziehungen sind auch andere Grabmäler – etwa ein Obelisk für Lord Byrons Neufundländer Boatswain in Newstead Abbey oder die Steinplatten für die königlichen Windhunde vor Schloss Sanssouci für Bismarcks Doggen im Park des Guts Varzin in Hinterpommern.

Oben von links nach rechts: Der letzte Fuggerische Hofnarr in Nordendorf mit zwei Hunden, Süddeutschland, erste Hälfte 17. Jahrhundert, Malerei auf Holz © Privatbesitz, Süddeutschland


Foto: Bastian Krack

Ähnliches exemplar

Um den großen Schmerz und Kummer über den Tod des vierbeinigen Freundes zu überwinden, empfahl der Tierforscher Konrad Lorenz, den Tod des geliebten Tieres durch ein ähnliches Exemplar zu kompensieren. Tatsächlich ist diese Praxis sehr beliebt: Nicht nur, dass der neue Hausgefährte dem alten äußerlich zum Verwechseln ähnelt – aus alter Gewohnheit wird häufig auch der Name des verstorbenen Tieres einfach weiter verwendet. Schon Arthur Schopenhauer legte sich in solch traurigen Fällen immer wieder einen neuen Pudel zu. Und heutige Hundehalter denken sogar darüber nach, sich ihr geliebtes Tier einfach klonen zu lassen.

Amit elkayam, Big Dog in a Big City, New York, 2018, Digitaler Druck © Amit elkayam, New York


Ausstellung und Katalog

Sonderausstellung „Treue Freunde – Hunde und Menschen“, bis 19. April im Bayerischen Nationalmuseum München, gleichnamiger Ausstellungskatalog, Deutscher Kunstverlag 2019, 320 Seiten, reich bebildert, Hrsg. Matthias Kammel, www.bayerisches-nationalmuseum.de

Ferdinand Georg Waldmüller, Waldmüllers Sohn Ferdinand mit Hund, Wien, 1836, Öl auf Holz, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, München


Foto: Margarita Platis

Modell von Johann Joachim Kaendler, große Möpsin mit Welpe, 1741, Porzellanmanufaktur Meißen, um 1750, Porzellan mit Aufglasurfarben © Bayerisches Nationalmuseum


Foto: Karl-Michael Vetters

Johann Georg Waxschlunger (?), Dogge mit Welpe, Gemälde, München, Anfang 18. Jahrhundert, Öl auf Leinwand © Bayerisches Nationalmuseum


Fotos: wie angegeben