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Hundeerziehung beginnt bei uns, in unserem Herzen


Mein Hund & Ich - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 14.10.2020

Unsere Hunde sind im Laufe der Evolution wahre Meister darin geworden, unsere Körpersignale zu deuten. Wieso machen sich das nicht viel mehr Menschen bei der Hundeerziehung zunutze? Ich erkläre immer, dass sie ihrem Bauchgefühl folgen sollen und den Hund in ihren Alltag integrieren müssen. Dann erfolgt die Erziehung von allein


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Bildquelle: Mein Hund & Ich, Ausgabe 6/2020

Wenn sein Mensch für Geborgenheit und Sicherheit sorgt, behält ihn der Welpe immer im Blick


Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss: Sie können mit Ihrem Hund üben bis zum Umfallen. Wenn er bei Ihnen nicht die Sicherheit findet, die er braucht, ist er vielleicht bereit, das ein oder ...

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... andere Kunststück zu lernen und auf Kommando zu zeigen. Ein souveräner Hund, der Ihnen in jeder Situation vertraut und folgt, ist er deshalb noch lange nicht.Wenn das Training beziehungsweise die Hundeschule nicht den erhofften Erfolg bringt, liegt das zum einen natürlich daran, dass man Gelerntes immer wieder üben muss, bis es sich verfestigt. Man muss also nach der „Schulstunde“ den Stoff auch regelmäßig wiederholen - genau wie beim Vokabel lernen. Wie so oft im Leben macht auch hier nur Übung den Meister.Dazu kommt aber noch etwas anderes: Auf dem Übungsplatz fällt es vielen Menschen relativ leicht, ihrem Hund deutlich zu machen, was sie von ihm wollen. Nicht zuletzt, weil ein Hundetrainer sie genau anleitet. Für den Hund bedeutet das, dass er sich gut (an-)geführt fühlt. Und weil sein Herrchen oder Frauchen gerade alles so gut und sicher in der Hand hat, kann er sich ganz auf das konzentrieren, was diese gerade von ihm wollen.

Der Alltag sieht anders aus

Im normalen Alltag gelingt es den Menschen dagegen nicht immer, diese Sicherheit zu vermitteln. Sie werden ständig von irgendetwas oder irgendwem abgelenkt, sind gestresst, stehen unter Druck, treffen auf andere Hunde. Entsprechend vermitteln sie ihrem Vierbeiner deutlich weniger Ruhe und Sicherheit.
Zu guter Letzt fehlt die Zeit, die man in der Hundeschule verbracht hat, oft im Alltag. Der Tag hat eben nur 24 Stunden und neben Beruf sowie privaten Verpf lichtungen und Hobbys bleibt dann schlicht und ergreifend kaum mehr Raum für gemeinsame Erlebnisse. Doch gerade die sind maßgebend, damit echte Bindung entstehen kann, die wiederum der Schlüssel für eine gute Mensch-Hund-Beziehung ist. Der beste Beweis dafür sind die wenigen „Arbeitshunde“, die es heute noch gibt. Polizei- oder Blindenhunde zum Beispiel sind keineswegs nur besonders begabt oder eifrig. Sie können sich nur deshalb so gut ihrer Spezialaufgabe widmen, weil sie sich bei ihrem Ausbilder absolut sicher fühlen.
Eine stabile Basis ist die Voraussetzung für Leistung. Erst wenn genug Vertrauen da ist, beginnt das eigentliche Üben.
Sicher, von reinen Familienhunden erwartet wohl niemand, dass sie derart perfekt „funktionieren“. Trotzdem sind auch bei ihnen Sicherheit und Vertrauen unerlässlich.
Nur wenn eine Bindung zu ihrem Menschen besteht, haben sie den Kopf frei, um zu lernen.

Der Hund will sich anpassen, aber dazu braucht er Vertrauen in seinen Menschen


Ein Hund will sich eingliedern

Ein sicherer Mensch zu sein heißt nicht, dass man nie miteinander kuscheln oder Unfug machen darf. Für einen Hund gibt es nicht Schöneres, als bei seinem oder seinen Menschen zu sein. Es liegt in seiner Natur, dass er sich eingliedern, Teil der Familie werden will. Und er sieht es als seine Aufgabe an, uns zu folgen. Wenn wir ihm verwehren, seine ihm angestammte Position einzunehmen, ist er unsicher und fühlt sich nicht angenommen. Das verhindert, dass er ausgeglichen und ruhig ist, was wiederum die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen ist.
Ich selbst „erziehe“ meine Hunde ganz intuitiv auf diese Art. Ich weiß, dass ich die Verantwortung für sie habe. Ich betrachte das nicht als etwas Negatives, sondern als das natürliche Verhältnis zwischen Mensch und Hund.
Man kann das Ganze gut an Stadthunden beobachten und an solchen, die in einem grünen Vorort oder auf dem Land leben.
Mir kommt es vor, dass Stadthunde oft eine bessere Bindung zu ihrem Menschen haben, weil der sie viel öfter „führt“. Das wiederum liegt daran, dass es für den Menschen hier meist einfacher ist, Regeln aufzustellen - auch weil er die Situationen weniger steuern kann und sich deshalb selbst an viel mehr Regeln halten muss.
Er muss an der roten Ampel anhalten, stehen bleiben, wenn unvorhergesehen ein Auto heranrast, oder schneller gehen, wenn er jemanden überholen will. Bei all dem lernt der Hund, wie er sich draußen zu benehmen hat. So gesehen ist die Stadt der beste Übungsplatz.

Stadthunde passen sich gut an


Dazu kommt, dass der Tag von Stadthunden meist klar strukturiert ist, zum Beispiel durch feste Gassigehzeiten oder Phasen, in denen der Mensch arbeiten und der Hund entsprechend ruhig sein muss. Dadurch stellt sich viel einfacher ein Rhythmus ein, der dem natürlichen ähnelt: jagen, fressen, ausruhen, jagen, fressen, ausruhen, jagen, fressen … All das macht es dem Hund viel leichter, sich anzupassen.
Wenn er dagegen in einem Haus mit Garten lebt, verschleift dieser Rhythmus leicht. Man lässt ihn dann einfach mal kurz raus, damit er sein Geschäft erledigen kann oder sich ein bisschen selbst beschäftigt.
Aber ein Hund will nicht immer eingesperrt sein, auch wenn das „Gehege“ vielleicht mehrere hundert oder tausend Quadratmeter groß ist. Er will etwas mit seinem Menschen unternehmen. Gibt man ihm dazu keine Gelegenheit, kann auch keine Bindung entstehen.
Der Hund versteht dann nicht, dass wir die Verantwortung für ihn tragen, und muss dementsprechend „selbstständig“ werden. Mit allen negativen Folgen für die Beziehung.

DER EXPERTE: JOSÉ ARCE

ist Hund-Mensch-Therapeut und Autor. Er sieht seine Aufgabe darin, Türen zu einem besseren Miteinander zu öffnen und einen entspannten, friedvollen Alltag mit dem Haustier zu ermöglichen. In seinen Büchern gibt er seine langjährigen Erfahrungen weiter („Die José-Arce-Methode: Liebe Deinen Hund. Wie Sie beim Gassigehen die Beziehung stärken“, GU-Verlag).
www.jose-arce.com


Fotos: José Arce