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Hurra, sie leben noch


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 16.05.2019

Drei gegen den SUV-Trend:Kompakte Diesel vereinen Bescheidenheit mit Alltagstalent. Der neue Mazda 3 im Vergleich mit Ford Focus und Peugeot 308


Artikelbild für den Artikel "Hurra, sie leben noch" aus der Ausgabe 20/2019 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 20/2019

Ford Focus TDCI 120 PS ab 24 200 Euro

Mazda 3 Skyactiv-D 116 PS Skyactiv-D 116 PS Skyactiv-D ab 25 290 Euro

TIGUAN AN JEDER ECKE , RAV4 in allen Carports – die ganze Autowelt scheint im SUV zu sein. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Wir mögen die praktischen Hochsitze. Aber es geht auch schlanker, schlichter, maßhaltiger. Kurz: kompakter. So wie es ein Ford Focus immer gemacht hat. Oder der Franzosen Golf Peugeot 308. Auf gut vier Meter Länge und hinter ...

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TIGUAN AN JEDER ECKE , RAV4 in allen Carports – die ganze Autowelt scheint im SUV zu sein. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Wir mögen die praktischen Hochsitze. Aber es geht auch schlanker, schlichter, maßhaltiger. Kurz: kompakter. So wie es ein Ford Focus immer gemacht hat. Oder der Franzosen Golf Peugeot 308. Auf gut vier Meter Länge und hinter fünf Türen mischen sich hier leichtfüßiger Spaß, handlicher Umgang und passabler Nutzen zu bezahlbaren Typen. Besonders mit sparsamem Dieselmotor unter der Haube, der ganz und gar nicht verteufelungswürdig ist.

Ganz neu in dieser Liga: Mazda 3. Der erst vor wenigen Wochen vorgestellte Allrounder mit Effet im Blech zückt gekonnt die Designerkarte. Wie Ford und Peugeot auf den schönen Japaner reagieren, klärt der erste Vergleichstest. Traditionell wirft sich ein Focus ja besonders spielfreudig ins Straßengetümmel. Der 1.5er macht da keine Ausnahme.

Unser Testwagen, ein ST mit um 20 Millimeter kürzeren Federn, reagiert trocken, aber verbindlich auf Schlaglöcher, heftet den Focus angenehm innig an die Straße. Die Lenkung arbeitet schnell, die Bremsen lassen sich je nach Fahrgeschmack fein oder brachial einsetzen. Schade, Ford hat der Motorsteuerung ein Programm zum sensibleren Übergang beim Gangwechsel eingepflanzt. Der Diesel tourt in der Folge verzögert ab, das wirkt irgendwie künstlich und unharmonisch.

Ein weiterer kleiner Störfaktor am Rande: Für die Reifen werden verwirrend viele Luftdruckempfehlungen (unter anderem Werte für mehr als 160 km/h und darunter) angegeben, dazu je nach Beladung … Komplizierter geht es nun wirklich nicht!

Wechsel in den Peugeot. Obwohl der Franzose leichter ist als die anderen beiden und obwohl er auf dem Papier mehr Dampf hat und objektiv schneller auf Tempo 100 sprintet, wirkt er lustloser am Gas. Das mag an der etwas vibrierendbrummigen Leistungsabgabe mit ausgesprochener Abneigung gegen höhere Drehzahlen liegen. Das Ganze wird noch gestützt durch die leider unpräzise geführte Schaltung. An anderer Stelle hilft ihm das gebremste Temperament jedoch: Er verbraucht viel weniger Kraftstoff als die beiden anderen Kandidaten.


Fünf Türen, vier Zylinder, Diesel – so weit Diesel – so weit Zylinder, die kompakte Hausmanns Hausmanns die kompakte - kost. Mazda packt noch ein feines feines packt noch ein Design dazu


Ford Focus

1 Multimediasystem Echtzeitverkehr für zwei Jahre kostenfrei, das Handy lässt sich gegen Aufpreis auch induktiv laden.
2 Cockpit Klassisches Layout, etwas klein geratene Tachodarstellung.
3 Schaltung Saubere Rastung, leichtgängig, könnte höher im Auto montiert sein.
4 Motor 120 PS Leistung, 300 Newtonmeter Drehmoment, 5,6 Liter Testverbrauch. Hängt gut am Gas, ist mehr zu hören als etwa der 1.8 im Mazda.
5 Sitze Bequem gepolstert, gute Führung über die Fläche, der Lehne stünde mehr Halt im oberen Bereich gut.

Mazda 3

1 Zentralinstrument Angenehm aufgeräumt, große Ziffern, gelerntes Layout – so sollten Uhren aussehen.
2 Multimedia Breite Kartendarstellung, online über Tom Tom, mit großem Drehregler bedienbar.
3 Klimatisierung Intuitiv gelöst, als Tasten-/Reglergruppe sinnvoll platziert.
4 Motor Trinkt mit 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer am meisten, hat 116 PS und stemmt 270 Newtonmeter Drehmoment.
5 Sitze Inklusive Neigungsverstellung, lange Fläche, strammer Halt an Lehne und Fläche, deutlich konturierte Polsterung. Kurz: sehr gut!

Peugeot 308

1 Cockpit Kleine Uhren, gegenläufige Zeiger, oberhalb vom Lenkradkranz angeordnet – schräger geht’s eigentlich nicht. Aber: klappt.
2 Navi und Co Verkehr über Tom Tom Live Traffic, Sprachbedienung umständlich, aber großes Display.
3 Lenkrad Klein beschriftete Tasten, sehr geringer Durchmesser – erfordert entsprechende Gewöhnung.
4 Motor Stärkste Maschine hier im Feld – dank 300 Newtonmeter Drehmoment und 130 PS Leistung. Verbrauch: 5,2 Liter Diesel.
5 Sitze Mit Massagefunktion, Kopfstütze integriert, optisch üppig, tatsächlich schwach ausgeformt.

An die besondere Sitzposition mit Blick auf die Cockpituhren über den Lenkradkranz hinweg kann man sich gewöhnen. Mit den zu lasch ausgeformten Sitzen will man sich dagegen nicht arrangieren. Dank der sehr weich abgestimmten Federung läuft der 308 auch über derbe Bodenwellen angenehm stoßfrei. Darunter leidet jedoch die Fahrpräzision. Enge Straßenabschnitte mit welligem Belag muss man schon voll konzentriert hinter sich bringen – zu viel Bewegung im Aufbau sowie eine Lenkung mit wenig Rückmeldung verhindern passgenaues Schnellfahren. Also, lieber gemütlich rollen lassen, dann bleibt das Auto leise. Denn unter Last ist der Diesel recht vorlaut, auch Reifen und Fahrwerk sind deutlich zu hören, und selbst an den Außenspiegeln entstehen nervige Windgeräusche. Trost? Gibt’s an der Kasse. Ein 308 bietet faire Inspektionsvorgaben für kleines Geld. Außerdem stufen die Versicherer das Auto niedrig ein – das hält die Fixkosten im Rahmen.

Einsteigen, wohlfühlen, losfahren. So der erste Eindruck im Mazda. Die Sitze stützen bestens, die Position hinterm Lenkrad passt, die Anzeigen weisen glasklar aus, was Sache ist. Der Ganghebel flutscht zudem nahezu von alleine in seine erste Position. Kurz: Im japanischen 3er läuft’s prima. Zumal auch der Motor ordentlich Biss und vor allem Manieren zeigt. Kräftig legt er los (wenn auch immer mit einer ungeschmeidigen Atemhemmung in den Schaltpausen). Kultiviert löst er sein Drehmoment aus. Mühelos dreht er bis an die 5000er-Marke heran. Noch besser: Das sonst typische Brummen bei untertouriger Fahrweise ist dem Mazda völlig fremd. Alles bestens also? Nicht wirklich. Denn der neue 3er passt eher in die Coupéliga als in die Kompaktwelt. Motto: Wer schön sein will, muss leiden. Nach hinten einsteigen? Eine anstrengende Turnübung unter dem tiefen Dachholm hindurch. Bequem sitzen? Dem steht die leicht asymmetrisch angeordnete Außenwange der Lehne entgegen. Raumgefühl? Na ja. Gepäck? Ins Frachtabteil passt weniger als bei Peugeot und Ford, zudem muss es erst über eine hohe Ladekante gewuchtet werden. Außerdem ist der Mazda nicht billig. Der 3er verschlingt im Unterhalt deutlich mehr, und wer viel fährt, zahlt nochmals drauf. Der 1.8 Skyactiv-D verbrennt mehr Diesel als die Vierzylinder seiner Konkurrenten – aber auch viel weniger als die meisten SUV.


Der neue Mazda 3 – echt besonders. Der Motor hat Kraft und Stil. Allerdings trinkt er auch mehr


Die Anti-SUV: vielseitige Kompakte mit fünf Türen und Platz für Mann und Maus – gut, dass es diese Liga noch gibt