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Hvar – pures Dalmatien


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 11.10.2021

REISE Kroatien – Hvar

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Hvar bietet Abwechslung pur. Von geschäftigen Städten hin zu traumhaften Ankerbuchten ist alles dabei

Hvar ist eine der größten Inseln und nach Cres auch die zweitlängste der dalmatinischen Inselwelt. In ihre langgestreckten Küste im Norden und Süden schneiden mehr Buchten ein als sich in einem Urlaub erkunden lassen. Nicht alle eignen sich zum Übernachten, doch viele sind einen Besuch wert, und sei es auch nur für einen Bade- oder Kaffeestopp. Fast in allen fällt der Grund steil ab. Die Wassertiefen sind meist groß, der Grund ist nicht selten mit Fels durchsetzt und verkrautet. Skipper, die im Ankern bisher nur eine Pflichtübung sahen, werden deshalb geläutert von einem Hvar-Törn zurückkehren. Wer sich das nicht zutraut, kann sein Schiff auch an eine der Bojen hängen, mit denen manche Restaurants um Kundschaft werben. Offiziell fallen für diese meist keine Liegegebühren an. Erst beim Zahlen der Rechnung stellt sich dann heraus, dass diese „Gratisbojen“ in die Preise der ...

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... Gerichte bereits mit eingerechnet wurden. Schadlos halten kann man sich dafür, indem man sich mit Kräutern für die Küche eindeckt, die hier – allen voran Rosmarin und Salbei – überall wild wachsen.

Trotz dieses Überangebotes an Natur, braucht man auf Hvar auf Annehmlichkeiten und – wer es denn braucht – auch auf einen gewissen Luxus nicht zu verzichten. Dafür sorgen Hvar, Stari Grad und Jelsa. Mit der Ruhe ist es in diesen Städten allerdings vorbei. Besonders in Hvar. Die wenigen Liegeplätze am Stadtkai werden oft schon Wochen im Voraus gebucht. Wer Glück hat, findet in der Bucht noch eine freie Boje. Danach steht man vor der Herausforderung, einen Tisch in einem der Restaurants zu ergattern. Nicht selten wird man auf den späteren Abend vertröstet und ermuntert, doch in der Zwischenzeit die Stadt zu besichtigen. Die ist unbestritten schön, auch wenn sie sich mit knurrendem Magen meist nicht so recht genießen lässt. Es mutet fast schon wie ein Wunder an, dass Stari Grad, dessen Altstadt ein wahrer Leckerbissen für Kulturfreaks ist, unter dem Rummel bisher nur wenig gelitten hat. Dabei strömen die Segler nur so in diesen Hafen. Obwohl: Der kann auch seine Tücken haben! Das wissen alle, die schon mal versucht haben, hier römisch-katholisch anzulegen, wenn es der Maestrale besonders gut meinte. Geradezu beschaulich geht es da noch im Hafen von Jelsa zu. Doch auch hier kann ein geplantes Gelage in einem der Altstadtrestaurants mit einem Borddinner auf einem der Ankerplätze vor dem Hafen enden, wenn man diesen spät und ohne einen Liegeplatz reserviert zu haben ansteuert.

Corona macht‘s möglich

Eine Flotte von Yachten wartet auf Crews, die wegen der Corona-Krise nicht anreisen können oder wollen. Deshalb können wir, statt erst um 18 Uhr, unser Schiff schon kurz nach Mittag überneh-men. Damit wird uns fast ein Segeltag geschenkt! Vom Maestrale lassen wir uns, mit halbem Wind in den Segeln, zu den Šolta im Westen vorgelagerten Inseln blasen. Nur unter Groß bummeln wir dann dessen Südküste entlang. Die Wassertiefen in der Bucht von Tatinja sind groß, die besten Plätze belegt. Im westlichen Ast finde ich schließlich eine Stelle mit zehn Metern Wasser über unbekanntem Grund, die uns Raum zum Schwojen für den nachts zu erwartenden ablandigen Wind bietet. Während ich den Anker vorsichtig in den Grund fahre, stimme ich mich schon auf die nächsten Tage ein, die uns wohl alle Ankerplätze mit tiefem Wasser und abfallendem mit Fels durchsetztem und verkrautetem Grund bescheren werden.

Unter Motor entpuppt sich unser gestern so flott segelndes Schiff als lahme Ente. Gut für die Batterien doch schlecht für uns, denn heute liegen einige Meilen vor dem Bug. Erst spät am Nachmittag bequemt sich der Maestrale und beschert uns doch noch einen flotten Schlag nach Šćedro. In Lovišće hatte mir bei meinem letzten Besuch eine Bora die Nachtruhe vermiest. Zwar hielt unser Anker, die Eisen der anderen Boote waren jedoch den Böen bis acht nicht gewachsen gewesen. Viel hatte ich damals von der Insel nicht gesehen und so schwor ich mir noch mal wieder zu kommen. Ich weiß sogar schon, wo ich diesmal ankern werde. Doch dann die böse Überraschung! Ich kann‘s nicht glauben: Was ist bloß dieser einst so charmanten Bucht widerfahren? Sie sieht ja aus, als wäre sie vom Aussatz befallen. Überall wuchern Bojen, ganze Felder. Ankern? Dürfen wir. Aber bitte draußen, in der weit offenen Einfahrt, wo es zwanzig Meter tief ist und der Grund kaum hält. Wir danken unhöflich und sind schon auf dem Weg nach Hvar. Zwar ist Kavala‘s Hafen zu klein für unser Boot, doch ein Stück östlich davon finden wir eine Stelle mit acht Metern Wasser über Sand und den hier unvermeidlichen Felseinlagen.

Windverhältnisse

Bura (Bora): Ein kühler und trockener Fallwind, hier meist aus NE bis E, der zu jeder Jahreszeit auftreten kann. In der Vor- und Nachsaison kann er Sturmstärke erreichen und Yachten gefährlich werden.

Jugo (Schirokko): Ein warmer und feuchter SE-Wind, der uns Seglern dichte Bewölkung, viel Regen und hohen Seegang beschert. Sturmstärke erreicht er meist nur in der Vor- und Nachsaison.

Maestrale: Dieser thermische Wind setzt in den Sommermonaten schon vormittags ein und erreicht nachmittags mit bis zu fünf Beaufort seine größte Stärke. In diesem Revier weht er meist aus W. Er ist der ideale Segelwind, solange man nicht gegenan muss.

Burin: Eine ablandige Thermik, die nachts selten mehr als zwei Beaufort erreicht. An den Leeküsten von Brač und Hvar kann sie fünf Beaufort erreichen.

Newera: Schwere Gewitter, Regen, Hagel und stürmischer Wind mit Orkanböen kennzeichnen eine Newera. An heißen und schwülen Sommertagen muss man mit diesem gefährlichen Wetterphänomen an der dalmatinischen Küste rechnen.

Weit erstreckt sich Hvars Südküste von hier gegen Osten. Tiefgrün und einsam ist der erste Teil, aber auch so kompakt, dass jeder Versuch zu ankern scheitern würde. Erst ab Črvanj reiht sich Bucht an Bucht, jede davon wäre ein idealer Tagesankerplatz. In der von Smarska und Zaglav könnten wir – vorausgesetzt, dass kein Yugo die stabile Wetterlage trübt – sogar übernachten. Der Grund, warum wir all den Angeboten widerstehen, heißt Mrtinovik. Dort verspricht uns der Segelführer, neben freien Bojenplätzen auch ein von einem freundlichen Fischer betriebenes kleines Lokal. Wer ließe sich ein solches Angebot schon entgehen? Als wir einlaufen, können wir uns die Boje noch aussuchen, als wir abends an Land paddeln, ist für uns schon gedeckt. Eine Speisekarte gibt es nicht. Serviert werden Riesengarnelen, die auf dalmatinische Art zubereitet wurden, danach eine auf dem Grill gegarte Makrele. Beides frisch aufgetaut.

Meist ist vom Sand allerdings nur wenig zu sehen, da er mit Grillfleisch bedeckt ist

Kroatiens Goldenes Horn

Wie schon gestern, steht auch heute der Wind gegenan. Erst als er auf Südost dreht, können wir Kap Sućuraj anliegen. Nachdem wir Hvars östlichste Spitze gerundet haben, fächert er uns raumschots in die Segel. Nun nimmt das Boot so richtig Fahrt auf. Leider hält das Glück nicht lange an: Die Landabdeckung macht sich bemerkbar, der Wind dreht noch achterlich, bevor er von der sich aufbauenden Thermik abwürgt wird. Buchten gäbe es auch an Hvars Nordküste genug, doch uns fehlt die Zeit sie zu erkunden. Schließlich soll wenigstens eine Stadt den Törnplan auflockern. Diesmal ist es das mir noch unbekannte Jelsa. Sonst ist hier vor lauter Segeln das Meer kaum zu sehen, doch heute sind nur wenige Yachten unterwegs. Deshalb ersparen wir uns die Reservierung und laufen, ohne uns anzumelden, in den Hafen ein. Platz ist genug vorhanden, die Gebühren für den Liegeplatz sind allerdings um ganze 50 Prozent höher als im Segelführer angegeben. Die Altstadt von Jelsa ist uns diesen Obolus wert, sie ist intimer, aber deshalb nicht weniger reizvoll als die von Hvar oder Stari Grad. Und die Restaurants haben Charme, sind aber in ihrer Corona-Stille beängstigend. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass die Lämmer von Hvar etwas „ganz Besonderes“ sein sollen. Das mir servierte, gebratene Lamm ist es auf jeden Fall: Es besteht zur Hälfte aus Knochen, die nur unwesentlich härter sind als das Fleisch. Schade, dass kein Hund mit an Bord ist: Er hätte seine Freude daran.

INFO:

Charterfirma Sunsail, Theodor-Heuss-Straße 53-63, 61118 Bad Vibel, Deutschland, Tel.: +49 6101 55791566, E-Mail: info@sunsail.de, Internet: www.sunsail.de

Schiffe & Preise: Auf Anfrage.

Revier: Wären da nicht Bura und Yugo, könnte man durchaus von einem Familienrevier sprechen.

Seekarten: Kroatische Seekarten 100-21, 24.

Wind & Wetter: Sonnig, heiß und meist vom Maestrale dominiert sind die Sommermonate. In der Vor- und Nachsaison trüben oft durchziehende Fronten, Yugo und Bura das Segelvergnügen.

Wetterberichte: Wir wurden von der Windfinder-App am Smartphone mit sehr guten Wetterberichten versorgt.

Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert.

Gezeiten & Strom: Der Tidenhub beträgt um die 0,2 m. Der Strom ist abhängig vom Wind und kann in den Passagen zwischen den Inseln, besonders bei langanhaltendem Yugo, kräftig laufen.

Navigation: terrestrisch.

Beste Zeit: Mitte Juni bis Mitte September.

Anreise: Flug nach Split. Per Taxi nach Marina Agana (im Internet vorab gebucht circa 30 Euro). Mit dem Auto über Österreich und Slowenien nach Kroatien. In allen Ländern sind die Autobahnen mautpflichtig. Parkgebühr in der Marina Agana 50 Euro pro Woche.

Einreise & Zoll: EU-Land, jedoch nicht Schengen-Land.

Sprache: Kroatisch, Englisch wird gut verstanden.

Klima: Mediterran. Heiße Sommer. In der Vor- und Nachsaison kann es sehr kühl werden.

Kleidung: Pullover und Ölzeug sollten an Bord sein.

Sicherheit: Dalmatien gehört zu den sicheren Reisezielen.

Reiseführer: Lore Marr-Bieger: „Mittel- und Süddalmatien“, Michael Müller Verlag.

KURZINFO:

Linienflug: 200 Euro / Reisepapiere: Personalausweis / Devisen: 1 Euro = 7,55 Kuna *) / Notruf 112 / Zeitunterschied: Keiner /

Essen & Trinken: 40 bis 60 Euro / Liegeplatz: 55 Euro (Hafen) /

Tidenhub: circa 0,2 m / Hafenschutz 5 Punkte / Ambiente 4

Punkte / Windvorkommen 4 Punkte.

BEWERTUNG:

Allgemeines: Charterfirma: SUNSAIL / Charterzeitpunkt: 12. bis 19. September 2020 / Yacht: Sunsail 38 /

Preis: 2.399 Euro / Rabatte: Auf Anfrage / Extras: Tourist-Taxe / Kaution: 6.750 Kuna.

Anreise: Erreichbarkeit / Transfer (jeweils 5 Punkte).

Stützpunkt: Freundlichkeit 5 P. / Komfort 4 P. / Sanitärräume 5 P. / Sicherheit 5 P.

Umfeld: Restaurants 5 P. / Versorgung 4 P. / Preisniveau 4 P.

Übergabe: Kompetenz / Ausstattung / Sauberkeit (jeweils 5 P.)

Technischer Zustand: Motor / Technik / Rigg / Segel / Decksausrüstung / Navigation / Elektronik / Dingi / Außenborder / Ankergeschirr (jeweils 5 Punkte).

Komfort: Pantry 5 P. / Sanitärräume 5 P. / Bettwäsche 5 P. / Hand- und Badetücher 5 P. / Basisset Pantry 5 P. (vorbildlich!) / Schnorchelausrüstung: Nicht vorhanden.

Fazit: Ein schnelles Schiff unter Segel, etwas lahm unter Motor. Das Schiff war in einem bestechend guten Zustand!

*) Bei Geldabhebung am Automaten werden überhöhte 12,1 Prozent Provision verrechnet. Der tatsächliche Kurs beträgt daher 1 Euro = 6,64 Kuna.

Der direkte Weg zurück zur Marina führt über den Südwesten von Brač und die Nordküste von Šolta. Diese Route ermöglicht uns eine Kaffeepause vor Zlatni Rat, das den Touristen als „Goldenes Horn“ verkauft wird. Nicht wegen der Reichtümer, die auf dieser sich fünfhundert Meter ins Meer vorschiebenden Landzunge verdient werden, sondern wegen des Sandes, der sie bedeckt – eine Rarität unter Dalmatiens Kiesstränden. Meist ist vom Sand allerdings nur wenig zu sehen, da er mit Grillfleisch bedeckt ist. Mehr als dieses interessiert uns der Strom, der mal so und mal anders rund um das Horn läuf, sodass sich die Spitze immer wieder in eine andere Richtung neigt. Heute hält er uns quer zur Dünung. Von ihr werden wir kräftig durchgerollt und so fällt die Kaffeepause kürzer aus als geplant. Nach der doch recht überschaubaren Kulinarik der letzten Tage, wollen wir uns abends wieder auf die Bordküche besinnen. Da die Bojen im westlichen Einschnitt der Bucht von Lučice für Gäste der Restaurants reserviert zu sein scheinen, entscheiden wir uns für einen Sandfleck mit idealen Ankertiefen inmitten der Bucht. Dort liegen wir allerdings recht offen und als nachts der Wind dreht, auch noch quer zum Schwell. Eine ungemütliche Nacht. Nach dieser Erfahrung wünschen wir uns für den letzten Tag nur eines: Ihn in tiefstem Frieden und bestens geschützt auf einem Ankerplatz, mit perfekten Wassertiefen über einem Sandgrund zu verdösen. Im gesamten Revier gibt es nur einen solchen: jenen, im Schutz der Krknjaš Inseln, an der Ostküste von Veli Drvenik. Dort sorgt ein Ankerkabarett, bei dem manche Crews oft über Stunden versuchen, das Eisen in den Grund zu bekommen, für Unterhaltung. Uns ist es gegönnt, die oft erstaunlichen Darbietungen in erste Reihe fußfrei zu verfolgen. Der Applaus dafür fällt allerdings verhalten aus.

Text: Carl Victor