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HYPNOSE: Hinter der FASSADE


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

DieAngst vor dem Reiten oder dem eigenen Pferd ist leider gar nicht mal so selten. Manchmal taucht sie aus dem Nichts auf, manchmal ist sie die Folge eines bösen Sturzes.Hypnosetherapeutin Nicole Weber aus Hannover hat schonHunderten von Betroffenen geholfen


Am Anfang waren es Flugzeuge. Carola L. merkte, wie ihr vor jedem Urlaub am Flughafen der Schweiß ausbrach. Beim Gedanken an die Enge des Flugzeuges, mögliche Turbulenzen und das Gefühl des Ausgeliefertseins fing ihr Herz an zu rasen. Ein paar Jahre später kamen Autos und Krankheiten dazu. Eine Fahrt auf der Autobahn ähnelte für sie ...

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... zunehmend der Situation im Flugzeug: ein mehr oder weniger enger Blechkasten, Geschwindigkeit, kein Einfluss auf äußere Umstände wie das Wetter und auf rücksichtslose andere Fahrer. Auf dem Beifahrersitz verkrampfte sie sich, bekam feuchte Hände und klammerte sich an den Haltegriff. Wenn Carola L. Kopfschmerzen oder Husten hatte, fingen ihre Gedanken an zu rasen. Könnte eine tödliche Krankheit dahinterstecken? Irgendwann fuhr sie wie jeden Tag nach der Arbeit zu ihrem Pferd. Sie holte es von der Koppel, sattelte und trenste es, plante einen Ausritt im Wald. Bis sich kurz vor dem Aufsteigen die vertrauten Symptome meldeten: Herzrasen, Schweißausbrüche, Angst.

Der Körper spielt verrückt

Carola L. ist beileibe keine Ausnahme. Reiter, die nach einem Sturz, Tritt oder einem anderen negativen Erlebnis plötzlich Ängste entwickeln, gibt es in großer Zahl. Den wenigsten ist jedoch bewusst, dass die Angst vor dem Pferd oder dem Reiten an sich nur in wenigen Fällen die einzige Angst ist. Ein Weg, das Übel an der Wurzel zu packen, ist Hypnose. Nicole Weber ist Hypnosetherapeutin und hat seit 2012 eine Praxis in Hannover. Ihre Behandlungsschwerpunkte sind Ängste, Phobien und Traumafolgestörungen. Da sie seit ihrer Kindheit reitet, zwei eigene Pferde hat – einen Andalusier und einen Hannoveraner – und als Centered Riding Instructor ausgebildet ist, nimmt das Reiter-Coaching einen Großteil ihrer Arbeit ein. Zu ihr kommen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Angst vor dem Pferd oder dem Reiten entwickelt haben, ihren Sitz verbessern möchten oder ein Mentaltraining zur Turniervorbereitung benötigen. Bei allen Ängsten forscht sie vor Beginn der Behandlung nach, ob noch weitere Ängste da sind. „Es ist wirklich sehr häufig, dass die Klienten auch Angst vor Höhe, Autos, Brücken oder etwas anderem haben“, erklärt sie. „Hier ist es ganz wichtig herauszufinden, was zuerst da war. Wenn jemand seit Jahren von diversen Ängsten geplagt wird, müssen wir uns auf das Ganze konzentrieren.“ Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Ängste chronisch werden und sich ausweiten. „Wenn die Ursache nicht gefunden wird, verschiebt sich die Angst lediglich, und eine andere Angst entsteht.“ Es ist den Menschen also nicht damit geholfen, sich lediglich dem Problem mit dem Pferd zu stellen. Vielmehr muss der Grund dafür klar sein, was in dem Leben des Klienten zu seiner Angst führt. „Häuftg steckt das Gefühl von Kontrollverlust dahinter“, erzählt Nicole Weber. „Dieses Gefühl haben die Klienten schon sehr früh erfahren, manchmal in den ersten Lebensmonaten.“ Die Kindheit beeinflusse daraufin unser ganzes späteres Leben: Lassen die Eltern das Kind selbstständig Dinge ausprobieren oder vermitteln sie ihm das Gefühl, dass überall potenzielle Gefahren lauern, die es überfordern könnten? Wird das Kind gestärkt und ermutigt oder eher zurückgehalten? „Um diese Dinge herauszufinden, müssen wir in die Kindheit zurückgehen“, erklärt sie, „allerdings haben wir auf diese Erfahrungen keinen bewussten Zugriff.“ In Trance jedoch ist der Zugang zu unbewussten Erlebnissen leichter.

UNSERE EXPERTIN

NICOLE WEBER hat sich schon als Teenager mit dem Thema Hypnose beschäftigt. Die Dipl. Sozialwissenschaftlerin ist ausgebildete Hypnosetherapeutin und führt seit 2012 eine eigene Hypnosepraxis. Sie ist spezialisiert auf Ängste und Phobien – speziell bei Reitern. Außerdem ist sie Hypnose ausbilderin sowie Centered Riding Instructor.
www.reitercoaching-weber.de

Angst ist häufig tief verwurzelt – auf eine Angst folgen in vielen Fällen weitere Ängste


Schlüsselerlebnis Sturz …


Im Unterbewusstsein verborgen

Sie selbst war schon als Teenager vom thema Hypnose fasziniert. Im Alter von 12,13 Jahren stöberte sie bei ihrem Onkel im Bücherregal und stieß auf das Buch „Die hohe Schule der Hypnose“ von Kurt Tepperwein. Nachdem sie es zu Hause verschlungen hatte, probierte sie ihr neues Wissen an ihren Mitschülern aus. „Die haben bereitwillig mitgemacht, und es hat hervorragend geklappt“, erzählt sie lachend. Das Interesse blieb und während ihres Psychologiestudiums vertiefte sie das thema mit ihren Kommilitonen. Nach dem Studium durchlief sie die formellen Hypnoseausbildungen und eröffnete 2012 ihre Hypnosepraxis – zunächst nebenberuftich. Eine schwere Erkrankung in den Jahren 2013 und 2014 veranlasste sie jedoch, ihr Leben gründlich umzukrempeln. Während dieser Zeit halfen ihr Selbsthypnose und Hypnose durch Kollegen durchzuhalten, und danach stand für sie fest: Mit der Abhängigkeit von einem festen Arbeitgeber war nun Schluss. Nicole Weber wollte die Hypnosetherapie zu ihrem Beruf machen. Sie riskierte alles, ihre Praxis betreibt sie seit 2016 in Vollzeit.

„MIR WURDEN DIE KNIE WEICH“

… oder Tritt, zum Beispiel beim Hufeauskratzen, wodurch häufig Ängste entstehen


„Vor zweieinhalb Jahren bin ich auf dem Außenplatz gestürzt. Ich war auf dem linken Zirkel im Galopp unterwegs, als mein Pferd sich plötzlich erschrocken hat und zur Seite gesprungen ist. Es war nur ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit, aber er reichte, um runterzufallen. Ich war gar nicht besonders schlimm verletzt, hatte nur eine Prellung an der linken Hüfte, konnte aber nicht aufstehen und bin auch nicht direkt wieder aufgestiegen. Das war ein Fehler. Ich bin eine ganze Woche nicht geritten. Als ich dann wieder aufgestiegen bin, ging es im Schritt zunächst gut. Aber im Trab wurden mir die Knie weich und ich war nicht mehr in der Lage, das zu kontrollieren. Infolgedessen habe ich mich nicht mehr getraut loszutraben. So ging das ein halbes Jahr, in dem ich alles Mögliche probiert habe: Reitlehrerin, Begleitung usw. Über Google bin ich auf die Angst-Reiter-Therapie mittels Hypnose gestoßen. Ich hatte zwar Vorbehalte, habe aber direkt einen Termin am Stall gemacht. Zur Sicherheit sollte meine Freundin die ganze Zeit dabeibleiben und schauen, was passiert. Ich habe dem Hypnosetherapeuten den Stall gezeigt, dann sind wir ins Reiterstübchen gegangen. Dort haben wir verschiedene Methoden ausprobiert. Bei mir hat das Runterzählen im Liegen gut funktioniert. Bei 90 ist es mir schon schwergefallen, die Zahlen zu finden. Meine Atmung wurde ganz ruhig und ich habe nicht gehört, was er mir erzählt hat. Meine Freundin meinte aber, ich hätte alle Fragen beantwortet. Danach habe ich mich gefühlt wie immer. Als wir zum Pferd gegangen sind, meinte er, reite mal los, später trabst du an, und wir schauen, was passiert. Und dann kam ein krasser Moment: Ich habe mein Pferd noch nie so entspannt traben können. Und das ist bis heute so!“ Mein Pferd-Leserin Nicole, 38

Die Hypnose ist ein Zustand der Trance, bei dem man Zugriff auf das Unterbewusstsein erhält


Ängste, zum Beispiel vor Höhe (oberes Bild) oder dem Fliegen, können das Leben einschränken


Die Grenzen der Hypnose

Bei der Arbeit mit Angstpatienten geht es darum, Ursachen aufzuspüren. Trotzdem achtet sie darauf, niemals jemanden in ein akutes Trauma zurückzuführen. „Wenn ich auch nur ansatzweise vermute, dass eine tiefergehende psychische oder physische Misshandlung hinter den Problemen steckt, werde ich niemals in die Kindheit zu diesem Zeitpunkt zurückgehen“, betont sie. Ihre Klienten wissen das. Trotzdem könne eine Trance auch schmerzhaft sein, „da ihnen manchmal Dinge bewusst werden müssen“. So habe sie mal eine Klientin behandelt, die Angst vor dem Ausreiten hatte. Bei der Hypnose stellte sich heraus, dass diese Angst ihren Ursprung im Fahrradfahren hatte. „Sie war als Kind im Alter von fünf oder sechs Jahren auf ein Erwachsenenfahrrad gesetzt und damit allein gelassen worden“, erzählt sie. „Damit fühlte sie sich logischerweise überfordert. Unbewusst hat dieses Gefühl sie durchs Leben begleitet, um letztendlich beim Reiten wieder aufzutauchen.“

Die Bedeutung kleiner Erlebniss

Die verschiedenen Perspektiven – das Kind beim Fahrradfahren und die Erwachsene beim Reiten – kann Nicole Weber über die Trance herstellen. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Situation, in der man dem Hypnosetherapeuten mehr oder weniger ausgeliefert ist und Gefahr läuft, Geheimnisse auszuplaudern. Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig, ist aber komplett unbegründet, betont sie. „Bei mir gibt niemand die Kontrolle ab. Im Gegenteil: Man kann in jeder Situation kontrollieren, was man preisgeben möchte.“ Bei Trance handle es sich vielmehr um einen extrem fokussierten Zustand, in dem nicht einmal geschlossene Augen notwendig sind. Ihre Arbeitsweise ist eher zukunftsorientiert. Der Klient soll sich vorstellen, wie sein Leben oder die entsprechende Situation ohne die Angst wäre. Viele Reiter hypnotisiert sie auf dem Pferd – je nach Behandlungsziel. Bestimmte Ängste beim Reiten oder eine Verbesserung des Sitzes können im Sattel besser angegangen werden. „Man muss sich das folgendermaßen vorstellen“, erklärt sie. „Jeder Reiter kennt den Moment, in dem alles perfekt ist. Diesen Moment nennen wir den Flow. Mittels Hypnose versuchen wir, den Flow herzustellen, was besonders gut funktioniert, wenn man sich bewegt oder einen Sport ausübt.“

Im Rahmen einer Hypnosetherapie beim Reiten können bestimmte Ängste oder Sitzprobleme konkret angegangen werden


Patienten mit verschiedenen Ängsten behandelt Nicole Weber in den meisten Fällen in ihrer Praxis. Liegt (auch) eine Angst vor Pferden oder bestimmten Reitsituationen vor, fährt sie vor der Behandlung raus in den Stall. Ihr ist es wichtig, das Pferd kennenzulernen und es sich genau anzusehen. „Gerade wenn eine Angst vorm Buckeln da ist, können auch körperliche Ursachen beim Pferd dahinterstecken“, erklärt sie. Häuftg sind es zum Beispiel Rückenschmerzen oder Satteldruck, die bis dato nicht erkannt worden sind. Das Buckeln ist in dem Fall ein verzweifelter Versuch des Pferdes, seine Symptome mitzuteilen. „Viele sehen nicht, wie einschränkend körperliche Probleme für ein Pferd sein können. Wenn wir selbst Beschwerden haben, können wir uns ja auch nicht gut entspannen.“ Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, liegt der Schwerpunkt im Miteinander von Besitzer und Pferd. Nicole Weber schaut sich an, wie das Pferd reagiert, wenn der Besitzer es aus der Box oder von der Koppel holt, und wie es sich am Putzplatz verhält. „Hier ist es wichtig zu beobachten, wie gut das Pferd Gefühle kompensieren kann, da Pferde normalerweise den körperlichen und emotionalen Zustand ihrer Bezugsperson spiegeln.“ Eine typische Situation, die jeder Reiter kennt: Man hatte einen schlechten Tag und versucht, dies zu unterdrücken – das Pferd merkt es trotzdem. „Mit der Angst ist es genauso: Wenn ich sie unterdrücke, ist sie für das Pferd schwieriger hinzunehmen als wenn ich offen damit umgehe.“ Nachdem sie eine gewisse Zeit mit beiden verbracht hat, zieht sie sich mit dem Klienten zurück. Ein stilles Plätzchen im Stall, wo nicht ständig jemand vorbeikommt, eignet sich genauso wie das Zuhause.

Kontakt zu Pferd und Reiter

In den letzten Jahren hat sie so hunderte Reiter erfolgreich von ihren Ängsten kuriert. Unter ihren Patienten waren nicht nur Freizeit-, sondern auch Berufsreiter, für die ihre Ängste noch essenzieller und existenzbedrohender waren. „Ich hatte einfache Fälle, aber auch Menschen, die sich wirklich seit Jahren nicht mehr aufs Pferd getraut hatten“, erinnert sie sich. Sie ist stolz darauf, dass sie praktisch allen helfen konnte. Um im Auge zu behalten, ob die Hypnosetherapie anschlägt, vereinbart sie mit jedem Patienten eine Woche nach der Sitzung einen Telefontermin. Manche merken zu diesem Zeitpunkt schon eine spürbare Besserung, bei manchen dauert der Prozess ein paar Wochen. Außerdem gibt sie allen „Hausaufgaben“ mit. Dazu gehören zum Beispiel Code-Worte für unterschiedliche Trance-Ebenen. Damit könne man sich in Selbsthypnose versetzen. „Am schwierigsten sind Dinge, die man denken oder nicht denken soll. Oft wird die Angst allein durch das Denken aufrechterhalten.“ Mit bestimmten Übungen kann man sein Denken besser steuern. „Trance funktio niert über Vorstellung. Wir suchen gemeinsam einen guten Einstieg in die Trance über Vorstellungskraft; das wird in meiner Anwesenheit geübt und, wenn es klappt, bei Bedarf zu Hause wiederholt.“ Wenn dieser ganze Prozess einmal abgeschlossen ist, hält der Effekt in der Regel an.

Ein neues Reitgefühl: Nach der Hypnose fühlen sich manche Reiter im Sattel entspannter als je zuvor


Der Effekt einer Hypnose hält in der Regel an


Langanhaltende Wirkung

Aber was ist mit den Ausnahmen von der Regel? „Es kann schwierig werden, wenn etwas passiert, das der Ursache der Angst sehr ähnlich ist“, sagt die Hypnosetherapeutin und gibt folgendes Beispiel: „Wenn ich z. B. Angst vor Krankheiten habe, und die Ursache ist der Tod meines Vaters, würde ich daran therapeutisch arbeiten, dass die Angst vor Krankheiten verschwindet.“ Krankheiten im Umfeld würden dann normalerweise keine Angst mehr auslösen. „Doch dann stirbt eine nahestehende Person, und ich merke nach einer gewissen Zeit, dass mir unwohl wird, wenn mir jemand erzählt, er sei krank“, fährt die Expertin fort. „Dann hat dieser Todesfall die alte Angst aktiviert.“ Die Angst ist nun jedoch häufig nicht mehr so schlimm und oftmit Selbsthypnose in den Griff zu bekommen. „Die alte Verknüpfung Tod und Angst vor Krankheiten ist zwar noch da, wird aber, wenn sie nicht genutzt wird, im Laufe der Zeit abgebaut“, weiß Nicole Weber. „Wenn sie einmal abgebaut ist, wird die Angst vor Krankheiten auch dann nicht mehr auftauchen, wenn jemand stirbt.“ Im Prinzip sei es ganz simpel: Wenn die Angst nicht mehr da ist, kann sie auch nicht mehr aufreten.


Fotos: Gitano Mai (2), Getty Images (3), imago/ Frank Sorge (2)/ Eibner (1)/ Westend61 (1), Photocase (1)