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IAA 2021 MOBIL IN MÜNCHEN


IMTEST - Das Verbraucher Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 03.09.2021

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Die „Internationale Automobil-Ausstellung“ (IAA) ändert ihr Gesicht: Nach Hallen steht es ungefähr viereinhalb zu zwei. Noch liegt das Auto vor dem Fahrrad. Doch dass die IAA zwei Hallen exklusiv dem Drahtesel widmet, ist mehr als nur ein Achtungserfolg. Sogar dann, wenn man davon absieht, dass E-Bikes, Pedelecs, herkömmliche Fahrräder und Komponenten üblicherweise deutlich weniger Platz beanspruchen als Pkw und deren Teile.

Mobilität statt Automobilität

Willkommen also zur IAA 2021. Sie trägt zur 69. Auflage den Zusatz „Mobility“ und leitet eine Neuausrichtung ein. Oft hatte die Automesse in den vergangenen Jahren die Zukunft im Motto („Driving tomorrow“, „Zukunft erleben“, „Zukunft serienmäßig“, „Sehen, was morgen bewegt“). Doch die Hinwendung zur Verkehrswende blieb unauffällig. Eine „Mobility-World“ für Mobilitätslösungen gehörte bereits seit 2015 zur IAA, doch sie spielte nur eine Nebenrolle. Zur letzten klassischen IAA kamen 2019 noch 560.000 Besucher, 30 Prozent weniger als im Jahr 2017. Die Zahl der Aussteller lag um 20 Prozent niedriger. Schlagzeilen machten vor allem Proteste und Kontroversen wie um die Ausladung des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann als Redner. Zeit also, eine andere Richtung einzuschlagen.

Die führt vom 7. bis zum 12. September geradewegs in den urbanen öffentlichen Raum, denn die IAA findet nicht nur in den Münchner Messehallen am Stadtrand statt, sondern ganz viel auf öffentlichen Plätzen. Natürlich überall im Zeichen der Pandemie und der 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet).

■ Auf dem Odeonsplatz geht es um intelligente Verkehrslösungen. VW, Kia, Cupra, der Carsharing-Anbieter Share Now und die Zulieferer Webasto und Bosch sind vor Ort, genau wie das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt.

■ Nebenan auf dem Platz an der Feldherrenhalle hat Daimler eine zweite Mercedes-Dependance aufgebaut und die einzige Smart-Repräsentanz.

■ Am Marstallplatz sind verschiedene Fahrradhersteller vertreten. Auf einem Parcours können deren Räder gleich ausprobiert werden. Nebenan befindet sich die Kids World mit Legoland und Kinder-Fahrschule.

■ Zahlreiche Fahrrad- und E-Bike-Bauer haben im Hofgarten ihre Stände aufgebaut. Dort lassen sich die vorgestellten Räder für Testfahrten ausleihen.

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Ausprobieren Auf extra geschaffenen Parcours der Messe können neue Bike-Modelle getestet werden.

■ Der Max-Joseph-Platz und Wittelsbacher Platz sind klassisch bestückt. Auf Ersterem gibt es Neuheiten von BMW und Mini zu sehen, auf Zweiterem finden sich die Neuheiten von Audi und Porsche.

■ Der Marienplatz gehört den Bürgern. Das sogenannte Citizens Lab (etwa: Bürgerlabor ) „forscht“ in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen zu barrierefreier Mobilität, Mobilität auf dem Land, Smart City und urbaner Mobilität oder schlicht Nachhaltigkeit. Die Experten und Diskutanten stammen aus der Politik, von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Die Öffnung zur Stadt, zu den Menschen, ist für die Automobilindustrie bitter nötig. Die Hersteller stecken spätestens seit dem Diesel-Skandal tief in der Vertrauenskrise. Individueller Massenverkehr hat, vor allem, wenn er motorisiert stattfindet, noch nie mehr Widerstand erfahren. Das zeigen die vielen geplanten Proteste, die trotz der Neuausrichtung zur IAA Mobility angekündigt sind. Kritiker kaufen der Industrie den Kurswechsel nicht ab. Da wirkt es gestrig, Diskussionen, Workshops, Projekte und Produkte über und für nachhaltigere Fortbewegungslösungen in schlecht erreichbaren Hallen auf einem abgeschotteten Messegelände zu verstecken. Für Besucher bedeutet das: Ein großer Teil der IAA Mobility lässt sich kostenlos und frei flanierend mitten in der Stadt erleben. Oder auf Testfahrzeugen wie E-Bikes oder Elektrorollern auf der „Blue Lane Micromobility“ zwischen Königsplatz und den anderen „Open Spaces“. Für längere Wege gibt es öffentliche Verkehrsmittel („Blue Lane Underground“) und die „Blue Lane Road“ für Elektroautos und Plug-in-Hybride. Auf dieser Strecke dürfen Autos mit Verbrennungsmotor erst fahren, wenn mindestens drei Insassen an Bord sind. Sie steht während der IAA Mobility für Testfahrten zur Verfügung und für das kostenlose Shuttle zum Messegelände.

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Bayerische e-Motorenwerke BMW zeigt zwei rein elektrische Fahrzeuge auf der IAA Mobility: Die Limousine i4 und das SUV iX. Besucher finden BMW in den Messehallen und in der Innenstadt.

Ausgedünnte Ausstellerlisten

Auch in und um die Hallen gibt es Open Spaces wie Testgelände für Fahrräder und Pedelecs, doch hier wird die IAA Mobility dann doch zuvorderst eine klassische Messe sein – die allerdings ohne eine Vielzahl klassischer Autohersteller auskommt. Die Liste der Absagen ist lang, die der Teilnehmer hingegen überschaubar:

■ Halle A1: BMW, Mini, Hyundai

■ Halle B1: Ford, Renault, Polestar

■ Halle B2: VW

■ Halle B3: Mercedes-EQ, Wey

■ Open Spaces (Innenstadt): Audi, BMW, Dacia, Ford, Hyundai, Kia, Mercedes, Mini, Polestar, Porsche, Renault, Smart und VW.

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Mobilität ist gefragt Die diesjährige IAA findet nicht nur auf dem Messegelände statt, sondern verteilt sich im öffentlichen Raum in München. Die Erreichbarkeit wird über verschiedene Verbindungen hergestellt.

Die Schwergewichte Toyota, General Motors sowie Stellantis (Peugeot, Citroën, Fiat, Opel) kommen nicht. Jaguar und Land Rover, Volvo, Honda, Nissan, die VW-Konzernmarken Škoda und Seat sind ebenfalls nicht vor Ort. Von den chinesischen Autobauern kommen XPeng, Wey, Ora und Leapmotor. Das sind weniger als erwartet.

Premiere bei den Autobauern

Einige spannende Premieren wird es auch trotz ausgedünnter Teilnehmeranzahl geben. Eine der wichtigsten: der Mercedes EQE. Als zweites rein elektrisches Modell auf neuer Plattform dürfte er das Zeug dazu haben, das in die Breite zu tragen, was der EQS im Luxussegment vormacht: E-Mobilität für die lange Strecke. Zudem zeigt Daimler den neuen Smart. Nach dem Ende der Entwicklungskooperation mit Renault wird das neue Modell zusammen mit dem chinesischen Partner Geely entwickelt und auch in China gebaut. Für Smart-Verhältnisse wird der vermutlich Formore getaufte Elektroflitzer allerdings ziemlich groß. Er kommt als SUV mit knapp vier Metern Länge.

VW baut seine ID-Familie weiter aus und zeigt den ID.5, der als SUV-Coupé mit vier Türen etwas weniger Platz bietet als der ID.4. Dazu könnte VW mit einer seriennahen Studie für ein Elektroauto unter 20.000 Euro überraschen. Volvos Elektromarke Polestar zeigt womöglich eine dritte Baureihe. Fest steht die Premiere des elektrischen Renault Mégane E-Tech in der Golf-Klasse. Oder sollte man sagen: ID.3-Klasse?

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Wasserstoff-SUV mit Verbrenner-Karosserie: BMW X5 Hydrogen, verfügbar ab Ende 2022.

Daneben gibt es von den Autoherstellern noch einige Neuheiten, die bisher nur virtuell vorgestellt wurden. Die Elektro-Limousine BMW i4 und das Elektro-SUV BMW iX sind da, zudem rückt BMW, etwas überraschend, das Thema Wasserstoff mit dem iX5 Hydrogen in den Fokus. Und Verbrenner? Gibt es auch, aber eher in der Nische. So dürfte der Mercedes-AMG GT Viertürer mit neuem Hybrid-Antriebsstrang für weniger Aufmerksamkeit sorgen als der erste rein elektrische AMG in Gestalt einer EQS-Version mit 560 kW Leistung. Der „aufregendste“ reine Verbrenner stammt von einer Marke, die den Puls eher selten in die Höhe treibt: Dacia zeigt neben dem elektrischen Spring einen komplett neuen Siebensitzer, der im Modellportfolio die Rolle des Hochdachkombis Lodgy einnehmen wird. Daneben spielt die Europa-Version des neuen Kia Sportage eine tragende Rolle.

Premiere bei Fahrrädern

Bei mehr als 50 Ausstellern aus der Fahrradbranche sollte ebenfalls für einige Messepremieren gesorgt sein. Doch viele Neuheiten, die in München gezeigt werden, kennen die Fans schon – womöglich von der Eurobike. Denn die Szene kommt vom 1. bis 4. September zur eigenen Leitmesse in Friedrichshafen zusammen.

Namhafte Aussteller sind auf der IAA trotzdem zahlreich anwesend: Bergamont, Bulls, Cannondale, Canyon, Fixie, Flyer, Hercules, Kettler, Nicolai, Pegasus, Riese & Müller, Rotwild und Specialized, um nur einige zu nennen. Dazu stellen viele Komponentenhersteller und Experten für E-Bike- und Pedelec-Antriebe in den Hallen B5 und B6 sowie auf dem Open Space im Hofgarten aus.

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Zweirad-Spezialisten Die IAA Mobility ist gleichzeitig eine der größten Fahrradmessen.
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Constantin Bergander IMTEST-Experte

»DIE INTERNATIO- NALE AUTOMOBIL- AUSSTELLUNG ER- FINDET SICH NEU. GANZ OHNE AUTO GEHT ES TROTZ-DEM NICHT.«

Zu den Messe-Highlights gehören das Cargobike Packster 70 family vom Lastenrad-Spezialisten Riese & Müller. Fixie Inc. hat das neue Backspin+ im Gepäck, eine Weiterentwicklung des Backspin. Vom E-Bike-Spezialisten Flyer steht ein weiteres Crossover aus Elektro- und Mountainbike am Stand, Cannondale bringt das vollgefederte Mountainbike Jekyll in neuer Generation mit nach München.

Zukunftssicheres Konzept?

Tr otz und wegen der vielen Veränderungen bleibt die Frage, ob sich die neue IAA etabl ieren kann. Die Ausdehnung auf viele Formen der Mobilität ergibt im Hinblick auf eine dringend nötige Verkehrswende Sinn. Wobei Mobilitätslösungen, Sharing-Infrastruktur, Ladetechnik und ÖPNV aktuell noch eher was für Spezialisten sind.

Die Schnittmenge zwischen Auto- und Fahrradfahrern ist groß, die Überschneidungen in der Industrie auch: Elektro- motoren und Antriebsstränge von Bosch, Mahle oder ZF stecken in Autos genau wie in Fahrrädern. Viele Autohersteller haben Pedelecs und E-Bikes im Programm. Ob die IAA Mobility als Publikumsmesse mit Ausdehnung in den urbanen Raum, zum Mitdiskutieren, Mitmachen und Ausprobieren, eine weitere Chance verdient hat, kann nur die diesjährige IAA Mobility zeigen. Wenn sie die bekommt, könnte sie sich sogar als zweites großes Fahrrad-Event neben der Eurobike etablieren. Die findet ab 2022 nicht mehr im September, sondern im Juli statt. Und: Sie zieht von Friedrichshafen nach Frankfurt am Main – in die alte Heimat der IAA.

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Von Mountain- zu E-Bike Ein flüchtiger Blick auf das Modell Jekyll 2 von Cannondale.

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