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ICELANDAIR: MIT DER MAX AUF DEM WEG ZU NEUEN ZIELEN


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Icelandair muss sich im Norden Europas einem harten Wettbewerb stellen. Das gelingt der Airline gut. Jetzt hat sie die Boeing 737 MAX in ihre Flotte aufgenommen


Artikelbild für den Artikel "ICELANDAIR: MIT DER MAX AUF DEM WEG ZU NEUEN ZIELEN" aus der Ausgabe 90/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 90/2018

Die 737 MAX landete beim Eröffnungsflug auf dem Flughafen von Reykjavik. Der Airport wird normalerweise von Turboprops angeflogen


Die Boeing 737 MAX ist jetzt in Island häufig zu sehen


Die Lackierung der 757 „Hekla Aurora“ zeigt Nordlichter, die der Besucher in Island besonders gut sehen kann. Hekla ist der Name eines Vulkans


Die 767 wird auf Langstrecken mit großer Kapazität eingesetzt


Am frühen Morgen ziehen tiefhängende, dunkle Wolken am Himmel im ...

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... Süden von Reykjavik auf. Sie verheißen nichts Gutes für den um die Mittagszeit geplanten Flug über die Südküste Islands. Ziel ist der Jökulsárlón, der größte See der Insel. Eigentlich soll dieser bei der feierlichen Begrüßung der ersten neuen Boeing 737 MAX der isländischen Fluggesellschaft Icelandair eine Hauptrolle spielen. Das Gewässer liegt am Südrand des Vatnajökoll, des größten Gletschers der Insel – und ist damit Teil eines besonders atemberaubenden Teils der isländischen Landschaft. Und auf den Namen des Gewässers wurde die MAX getauft. Entsprechend soll der Rundflug zur Begrüßung der neuen Maschine an der Südküste genau dorthin führen. Aber die Bewölkung zwingt die Crew zu einer Planänderung. Denn oberhalb der Wolken ist kein Blick auf den See möglich, unterhalb aufgrund der Bodennähe das Risiko zu groß. Angeflogen werden soll auf dem Rundflug nun ein Ziel, das besonders eng mit der Geschichte der Airline verbunden ist.

Insgesamt 16 Boeing 737 MAX hat die isländische Fluggesellschaft bestellt. Die Ankunft der ersten Maschine der neuen Generation war auf Island ein wichtiges Ereignis, das entsprechend von den Medien begleitet wurde.

Icelandair setzt traditionell auf Flugzeuge des US-Herstellers Boeing. Airbus-Maschinen hat die Airline nie betrieben. Rückgrat des Flugbetriebs ist die 757-200, die längst nicht mehr neu gebaut wird. Entsprechend viele Jahre haben die Maschinen im Flugbetrieb absolviert. Die 757 bietet aber eine einzigartige Kombination aus Reichweite und Sitzplatzkapazität, für die Boeing nach Einstellung der Produktion 2004 keinen Nachfolger anbot. Ausgemustert werden die 757 trotz des Alters aber noch nicht. Die jetzt in die Flotte kommenden 737 MAX sind nicht als Ersatzbeschaffung, sondern zur Erweiterung gedacht.

Die Flugbegleiterinnen sind weit weg vom bunten Auftritt mancher Low-Cost-Airline


Hintergrund ist die sehr gute wirtschaftliche Situation der Airline. Und das trotz der starken Konkurrenz von Wow Air, die 2011 in Island gegründet wurde und 2012 den Flugbetrieb aufnahm. Der Umsatz von Icelandair ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Lag er 2013 noch bei rund 1 Milliarde US-Dollar, waren es 20171,4 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EDIT) betrug 2017 rund 49,8 Millionen US-Dollar und hat damit etwas abgenommen. 2013 waren es noch 73 Millionen US-Dollar. Gestiegen sind – auch das beeindruckend angesichts der seit 2012 vorhandenen Konkurrenz – die Passagierzahlen. 2017 beförderte Icelandair 4 Millionen Fluggäste. 2013 waren es noch 2,3 Millionen. Das klingt im ersten Moment erstaunlich. Es wäre ja anzunehmen gewesen, dass sich Icelandair nun den Markt mit einem Konkurrenten teilen muss und bei gleichbleibendem „Kuchen“ der Anteil für das Unternehmen damit kleiner wird. Wer so denkt, vergisst aber eine Entwicklung, die sich in der Entwicklung von Verkehren immer wieder beobachten lässt. Zusätzliche Kapazität schafft weitere Nachfrage. Sprich: Der Kuchen wird größer. Das gilt besonders dann, wenn das Marktsegment, das Wow Air als Low-Cost-Airline anspricht, etwas anders angesiedelt ist, als das bestehende Angebot von Icelandair.

Großer Bahnhof in der Insel: 1967 nahm die Airline die 727-100C in die Flotte auf


Die Bombardier Q400 wird von Air Iceland Connect eingesetzt. Der Name wurde 2017 neu eingeführt


Bei einer Flugreise können Passagiere bei Icelandair für einen Flug die Economyoder Business-Class wählen, wobei letztere als Saga-Class bezeichnet wird. Der Service entspricht in beiden Klassen dem üblichen Standard. Letzteres gilt auch für die Bestuhlung in der Economy-Class, während der Sitzabstand in der Saga-Class zwar großzügig ist, sich die Bestuhlung aber nicht in ein flaches Bett umwandeln lässt.

Icelandair unterteilt den Passagemarkt in drei Teilbereiche. „Den touristischen Markt mit Island als Reiseziel für Touristen, den Inlandsmarkt und den internationalen Markt mit Verkehren zwischen Europa und den USA“, erläutert Jon Skafti Kristjansson, der bei der Airline das Marketing leitet. „Der Via-Markt, wie wir den letztgenannten Bereich bezeichnen, macht bei uns 52 Prozent der Passagiere aus, 36 Prozent der Fluggäste entfallen auf Island als touristisches Reiseziel und 12 Prozent sind dem Inlandsmarkt zuzurechnen.“ Damit hat der Via-Markt den höchsten Anteil und auch die größte Bedeutung für das Unternehmen, das damit auch sehr stark in Europa und insbesondere Deutschland wirbt. Reizvoll wird das Icelandair-Angebot dadurch, dass sich Island als Möglichkeit für eine Reiseunterbrechung, einen Stoppover-Urlaub, anbietet, was auch eines der hauptsächlichen Werbeargumente der Airline ist. Der Anteil der Geschäftsreisenden fällt dabei eher gering aus. „Rund 90 Prozent unserer Gäste sind Urlauber“, sagt Kristjansson dazu. „Bei zehn Prozent handelt es sich um Business-Gäste. Aber auf einigen Strecken wie den Verbindungen nach London, Kopenhagen und New York ist der Anteil der Geschäftsreisenden höher.“

WACHSENDER INLANDSVERKEHR

Für einen reibungslosen Betrieb der Airline sorgen 2143 Mitarbeiter, darunter 540 Piloten und 1400 Flugbegleiter. Tochterunternehmen von Icelandair sind die Fluggesellschaften Air Iceland Connect, Loftleidir Icelandic und Islandair Cargo. Die erstgenannte Airline bietet Inlandsflüge sowie Flüge auf die Färöer-Inseln und nach Grönland an. Die Flotte besteht aus drei Bombardier Q400 und drei Q200. Auf regionalen Flügen, wozu die Icelandair-Gruppe Verbindungen innerhalb Islands, nach Grönland, Schottland und Irland zählt, wurden 2017 rund 349000 Fluggäste befördert. Das sind sieben Prozent mehr als 2016. Die Flugzeuge waren dabei im Schnitt zu 65,9 Prozent ausgelastet. Die Flugzeuge von Loftleidir Icelandic können von anderen Airlines im sogenannten Wet-Lease-Verfahren geleast werden. Die Airline vermietet die Flugzeuge dabei mitsamt Crew, Wartungsleistungen und Versicherung. Kunden dafür waren in der Vergangenheit zum Beispiel die Fluggesellschaften British Midland, TUI, Air Niugini oder Avianca. Loftleidir Icelandic betreibt eine Boeing 737-700, zwei 737-800, fünf 757-200 und zwei 767-300ER. Icelandair Cargo hat zwei Frachter vom Typ 757-200 und konnte 2017117311 Frachttonnen-Kilometer abwickelt. Gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 11 Prozent.

Am Tag, an dem der Begrüßungs-Rundflug stattfinden soll, ist es dann um 11 Uhr soweit. Die 737 MAX „Jökulsárlón“ hebt zu ihrem Flug in Reykjavik ab und fliegt auf nordöstlichen Kurs über die Insel. Neues Ziel des Rundflugs ist die Nordküste der Insel. Hier ist die Wolkenuntergrenze deutlich höher. Der Rundflug soll an der Hafenstadt Akureyri vorbeiführen, die in der Geschichte der Airline eine besonders wichtige Rolle spielt. Denn in dieser Hafenstadt wurde 1937 die Fluggesellschaft Flugfélag Akureyrar gegründet. Erste Maschine war ein Waco-Wasserflugzeug. Das Aufgabengebiet des jungen Unternehmens war umfangreich. Neben Passagierverkehren führte die neue Fluggesellschaft Ambulanzflüge durch. Geld verdienten die Piloten auch mit der Suche nach Fischschwärmen. Zu dieser Zeit war der Heringsfang für die Siedlungen im Norden Islands überlebenswichtig. Die neuen Fluggesellschaften setzten ihre Maschinen ein, um Ausschau nach großen Heringsschwärmen – dem Silber der Meere – zu halten.

Die 757 „Vatnajökull“ wurde handbemalt. Das Motiv zeigt den gleichnamigen Gletscher


DIE SUCHE NACH DEM HERING

1940 verlegte das junge Unternehmen den Firmensitz nach Reykjavik und änderte den Namen in Flugfélag Íslands. Später trat es unter der internationalen Markenbezeichnung Icelandair auf. 1941 kaufte die Fluggesellschaft ihre erste zweimotorige Maschine, eine Beechcraft D18, die 1942 ausgeliefert wurde. Sie war doppelt so schnell wie die Waco, womit die Strecke zwischen Reykjavik und Akureyri jetzt in etwas über einer Stunde bewältigt werden konnte.

Währenddessen gründeten 1944 drei junge isländische Piloten eine Fluggesellschaft unter dem Namen Loftleidir, die sich ebenfalls auf Inlandsflüge konzentrierte und Heringsaufklärung flog. Die Isländer nahmen das Angebot der beiden jungen Fluggesellschaften gern an. Die Menschen auf der Insel erkannten schnell, welche Vorzüge die neue Reiseart gegenüber einer Fahrt über schmale Schotterposten voller Schlaglöcher bot. Daran hat sich im Grundsatz bis heute nichts geändert. Auch wenn die Straßen heute in einem sehr viel besseren Zustand sind, ist eine Reise auf dem Landweg in Island immer noch deutlich zeitaufwändiger und beschwerlicher als eine Fahrt im Auto beispielsweise in Deutschland über eine vergleichbare Entfernung. Es gibt kein Autobahnnetz wie in der Bundesrepublik, und selbst lange Brücken sind zum Beispiel oft nur einspurig konstruiert.

Beide Airlines bauten ihre Flotten aus. Flugfélag Íslands erhielt 1944 ein Catalina-Wasserflugzeug, mit dem 1945 der erste internationale Flug durchgeführt wurde. Destination war Largs Bay in Schottland. 1946 führte die Airline dann ihre erste Douglas DC-3 und wenig später die DC-4 ein.

1948 bekam Loftleidir Icelandic, wie sich die zweite Fluggesellschaft mittlerweile nannte, die Genehmigung für Flüge in die USA. Auch dieses Unternehmen flog mittlerweile mit DC-4 und 1955 führte die Airline eine Verbindung zwischen Luxemburg und den USA mit Zwischenstopp in Island ein, womit das Konzept geboren war, mit dem Icelandair heute einen Großteil des Umsatzes erwirtschaftet. In den fünfziger Jahren war nicht nur dieses Flugangebot neu. Zusätzlich hatte Loftleidir ein für die damalige Zeit revolutionäres Marketing entwickelt. Die Fluggesellschaft bot Passagieren erstmals die Möglichkeit, Tickets über einen längeren Zeitraum von bis zu zwei Jahren abzubezahlen.

Das erste Düsenverkehrsflugzeug in Island stieß 1967 zur Flotte von Flugfélag Íslands. Es war eine Boeing 727-100C. Die Maschine lässt sich innerhalb zwei Stunden vom Frachter zur Passagiermaschine umbauen. 1973 fusionierten dann beide Fluggesellschaften unter der neuen Holding Flugleidir. 1979 führte die Holding den Namen Icelandair ein, während der Name Flugleidir für die Inlandsfüge verwandt wurde. Im selben Jahr gehörte für kurze Zeit auch eine Douglas DC-10 zur Flotte.

1990 begannen die Auslieferungen der Boeing 757, auch Boeing 737 gehörten zur Flotte. Der Markt für Flugreisen wuchs stetig. Zum einen kamen immer mehr Touristen nach Island. 1994 waren es 180000 Menschen, 2000 bereits 303000 und 20151,2 Millionen Besucher. Zum anderen wuchsen die Verkehre zwischen Europa und USA. 1995 beschloss die Airline, auf internationalen Strecken mit der 757 nur noch ein Flugzeug zu nutzen. Erst 2016 wurde die Boeing 767 eingeführt – und 2018 stieß die erste 737 MAX zur Flotte. Mit einer Reichweite von 6510 Kilometern und Platz für 160 Passagiere reicht sie fast an die Daten der 757-200 heran, die eine Reichweite von 7222 Kilometer und eine Kapazität von 183 Fluggästen bietet. Damit ergänzt die MAX die Icelandair-Flotte nach unten und bietet der Airline weitere Möglichkeiten des Wachstums für die Zukunft – zum Beispiel, in dem neue Verbindungen angeflogen werden können, für die eine 757 etwas zu groß wäre. Mit der Aufnahme der Flüge nach Cleveland in den USA setzt Icelandair genau auf diese Strategie. Für 2018 ist bereits das Ziel der Beförderung von 4,4 Millionen Passagieren ausgegeben.

BIER AN BORD

Zur Einführung der neuen 737 MAX hat Icelandair eigens ein Bier brauen lassen. Das 737 Transatlantic IPA wird exklusiv an Bord der neuen Maschine und in der Saga Lounge ausgeschenkt. IPA steht für India Pale Ale. Die entsprechenden Biere haben einen besonders hohen Hopfenanteil.


FOTOS: ICELANDAIR (4),