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Ich bereue meine Lipödembehandlung keinen Tag


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mabelle - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 01.06.2022

„Mein Lipödem wurde erst Mitte letzten Jahres diagnostiziert. Ich mache seit meinem 16. Lebensjahr sehr viel Sport, vor allem Kraft- und Ausdauertraining und war immer recht schlank und sportlich. Mit etwa 20 hatte ich bemerkt, dass ich trotz sehr gesunder Ernährung und Sport stetig zunahm. Mit den vermeintlich sichtbaren Erfolgen durch den Sport war ich nicht mehr wirklich zufrieden. Ich hatte zusätzlich oft Schmerzen in den Beinen, war deshalb sogar auch öfter beim Arzt, es wurde allerdings nie etwas diagnostiziert. Die Schmerzen in den Waden wurden sogar als Muskelfaserriss abgetan, obwohl ich heute nun weiß, dass das Blödsinn war. Aufgrund der mir nicht erklärbaren Gewichtszunahme war ich auch in meinem Fitnessstudio bei Körper fettanteil-Analysen und bin mit dem Trainer meine Ernährung durchgegangen. Auch hier hatte sich mit leichten Veränderungen nichts getan und ich trieb noch extremer ...

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Bildquelle: mabelle, Ausgabe 3/2022

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... Sport. Ich war natürlich frustriert, da sich nichts am Gewicht änderte und ich immer eine bestimmte Körperform im Kopf hatte. Ende letzten Jahres wurden meine Beschwerden schlimmer, vor allem die Schmerzen in den Beinen. Socken haben leicht eingeschnürt an den Waden und wenn ich morgens joggen war, konnte ich oft tagsüber nur mit starken Schmerzen laufen. Da ich in der Arbeit viel auf den Beinen bin, war das natürlich belastend. Abends musste ich meine Beine oft hochlegen, um die Schmerzen zu lindern. Nachdem im Oktober ein Ultraschall gemacht wurde, konnte schließlich mein Lipödem diagnostiziert werden: Lipödem-Stadium 1, Typ 3. Konservative Methoden habe ich nie probiert, da ich zwar ab und an den Gedanken hatte, es könnte ein Lipödem sein, dies aber auch irgendwie nicht glauben wollte.

Nach meiner Diagnose machte ich recht schnell ein Beratungsgespräch in der Klinik auf der Karlshöhe aus. Der behandelnde Arzt führte mögliche Behandlungsmethoden auf, riet mir aber zu einer OP, um die Beschwerden langfristig zu lindern und auch eine optische Verbesserung zu erreichen, die mir ja auch sehr wichtig war. Die OP-Technik wurde im Beratungsgespräch ausführlich erklärt, natürlich auch OP-Risiken und mögliche Komplikationen wie bleibende Dellen oder auch Nervenschädigungen. Da der zu behandelnde Bereich recht groß war, fand die OP unter Vollnarkose statt. Ich entschied mich für den Eingriff, woraufhin ein OP-Termin vereinbart wurde. Von meiner Diagnose und der OP erzählte ich nur meiner Familie, meiner besten Freundin und meinem Freund. Die erste Reaktion manifestierte sich erst mal in Form eines kleinen Schocks. Dieser war aber schnell überwunden; vielmehr wurde mir schnell Verständnis für meine Entscheidung entgegengebracht.

Die OP fand am 22. November 2021 statt. Am OP-Tag war ich recht aufgeregt und auch die Tage zuvor schon sehr nervös, da ich noch nie eine Vollnarkose hatte und die Vorstellung, während der OP so hilflos zu sein, etwas befremdlich fand. Ich wusste aber, dass ich in sehr guten Händen war. Vor der OP fand noch ein Gespräch mit dem zuständigen Anästhesisten statt. Vom behandelnden Chirurgen wurde ich vor der OP in meinem Patientenzimmer angezeichnet. Im OP-Saal gab es dann erst einmal eine kalte Dusche mit Desinfektion auf den zu behandelnden Bereichen. Es wurde dann erklärt, wie ich mich auf dem OP-Tisch zu positionieren hätte, dann wurde der Zugang am Arm gelegt, über den dann die Narkose eingeleitet wurde. Ich merkte nur kurz, dass es etwas schwummrig wird, dann war ich auch schon weg. Das Einschlafen war total angenehm und meine befürchtete Panik trat auch nicht ein. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich aufgewacht bin, wie viel Zeit ich im Aufwachraum verbracht habe und wie ich von der Trage in mein Bett geraten bin. Mir wurde nur berichtet, dass ich weinend dasaß und meinte, wie froh ich sei, dass alles gut gelaufen war und ich es hinter mir hätte. Die ersten Stunden nach dem Eingriff war ich total benommen und bin immer wieder eingeschlafen. Meine Beine und Arme waren am OP-Tag mit einer Kompressionsbinde umwickelt. Die Mobilisation an diesem Tag war noch wackelig, ein wenig schwindelig war mir auch. Ich war gut versorgt mit Schmerzmitteln, aber ein brennender Schmerz war trotzdem da. Das Hochlagern der Beine tat da sehr gut. Am Abend war die Visite und mir wurde mitgeteilt, dass knapp vier Liter reines Fett abgesaugt worden waren. Am nächsten Morgen bekam ich dann eine Kompressionsweste und eine Hose, die die kompletten Beine bis vor zu den Zehen bedeckte, um ein Anschwellen des Fußrückens zu vermeiden.Dann durfte ich die Klinik auch schon verlassen. Natürlich wurde ich abgeholt und ruhte mich den Tag einfach nur aus, da ich sehr erschöpft war. Drei Tage wechselte ich noch die kleinen Pflaster auf den Einstichstellen, danach war alles trocken.

Die nächsten Tage war ich viel spazieren und versuchte Alltagstätigkeiten so gut wie möglich zu erledigen. Eine Besserung der Schmerzen in den Waden war direkt nach der OP spürbar. Beim Laufen drückten die Blutergüsse sehr nach außen, deshalb war Bewegung ohne Kompression sehr schmerzhaft. Die behandelten Bereiche waren sehr geschwollen und übersät mit blauen und lilafarbenen Blutergüssen. Schmerzmittel nahm ich die ersten drei Wochen ein, da ich nach einer Woche schon wieder arbeiten war, was im Nachhinein nicht die beste Idee gewesen war. Mit einem leichten Sportprogramm begann ich nach drei Wochen wieder; das ging dann zunehmend auch besser. Eine Woche postoperativ wurden die Fäden entfernt, mit denen die Einstiche zugenäht waren. Nach sechs Wochen durfte ich die spezielle Kompressionswäsche abnehmen. Die Blutergüsse waren nach zwei Monaten fast alle weg. Bis heute spüre ich aber immer noch verhärtete Blutergüsse an den Unterschenkelrückseiten. Erste Ergebnisse waren nach drei Monaten sichtbar. Mein Sportprogramm kann ich mittlerweile ohne Beschwerden verrichten und ich habe auch beim Joggen ein Gefühl von leichten Beinen. Ich bin bisher sehr zufrieden mit dem Ergebnis, funktionell sowie ästhetisch. Es hat mir auch mehr Lebensqualität zurückgegeben und ich bereue es keinen Tag, dass ich mich für den Eingriff entschieden habe.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich sehr froh darüber bin, dass mir die Diagnose gestellt wurde. Ich war schon immer sehr kritisch mit mir und meinem Körper und ich kam oft an den Punkt, an dem ich verzweifelt war, warum ich trotz des vielen Sports und der gesunden Ernährung keine Veränderung feststellen konnte. Ich denke, es gibt sehr viele Frauen, die unter Lipödem leiden, es aber nicht wissen, dass sie betroffen sind und ich habe auch selbst feststellen müssen, dass verschiedene Fachleute nicht darauf gekommen sind. Viele denken immer noch ausschließlich an übergewichtige Menschen, wenn man Lipödem hört, obwohl das eine mit dem anderen wenig zu tun hat, da es sich nicht um Adipositas handelt.”