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»ICH BIN KITES URFER«


Dein SPIEGEL Sommerheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2017 vom 04.07.2017
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Bildquelle: Dein SPIEGEL Sommerheft, Ausgabe 1/2017

Flieg, Timo, flieg: Der Lenkdrachen zieht den Jungen hoch in die Luft.


Eure Texte

Für seinen Sport braucht Timo, 13, Wasser und kräftigen Wind. Dann kann er seinen Drachen starten und sich von ihm auf dem Surfbrett über das Meer ziehen lassen.


Der Junge, der da durch die Luft fliegt, das bin ich. Ich bin Kitesurfer. Kite ist englisch und heißt Drachen. Der Lenkdrachen ist mit langen Leinen an einer Stange festgemacht, die ich beim Surfen in den Händen halte. So zieht er mich mit meinem Surfbrett über das Meer. Das fühlt sich richtig cool an.

Wenn genug Wind ist und ich abspringe, zieht mich der Kite hoch in ...

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... die Luft. Das fühlt sich an, als würde ich fliegen. Einmal bin ich 6,20 Meter hoch gesprungen, so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Das haben wir mit einem kleinen Höhensensor am Surfbrett gemessen. Der Wind blies ziemlich stark, und ich flog über den Wellen. Zum Glück bin ich auch sicher wieder gelandet.

Viele denken, dass Kiten gefährlich ist, deshalb gibt es auch nur wenige Kinder in diesem Sport. Auch meine Mama macht sich manchmal Sorgen. Das muss sie aber nicht: Ich weiß ganz genau, wie ich mit dem Drachen umgehen muss. Das hat auch damit zu tun, dass ich das Kiten schon so früh gelernt habe – ich war erst fünf Jahre alt.

Eigentlich war ich noch viel zu leicht. Ich wog ge - rade mal 20 Kilogramm. Es gab damals auch gar keine richtigen Kites in meiner Größe. Also mussten wir uns etwas ausdenken:

Mein Papa hat einen abgesägten Besenstiel als Stange an einen kleinen Lenkdrachen gebaut. Beim Üben am Strand hat er mich festgehalten, damit ich nicht wegfliege. Später, als ich meinen ersten echten Kite bekam, hat mir meine Patentante aus einem Hundehalsband einen Hüftgurt gebaut, den man braucht, um den Kite am Körper zu befestigen. Die Surfbretter waren nur für Erwachsene. Ich muss - te fast im Spagat da - rauf stehen, weil die Fußschlaufen so weit auseinander waren. Anfangs musste mein Papa mich noch raus aufs Wasser ziehen, weil ich nicht die Kraft hatte, gegen die Wellen anzukommen. Wenn wir weit genug draußen waren, stellte er mich aufs Brett. Dann bin ich losgefahren in Richtung Strand. Da hat er mich dann wieder eingesammelt, und das Ganze fing von vorne an. Mit neun Jahren konnte ich es auch allein. Seitdem will ich so oft es geht aufs Wasser.

Auf dem Trockenen: Timo trainiert auch ohne Wasser. Dafür hat er ein Board mit Rädern, mit dem er auf der Wiese üben kann.


Findet Timo: Bei Wettbewerben ist er eigentlich immer der Jüngste und Kleinste. Na, entdeckt? Er steht in der Mitte hinter dem schwarzen Board.


Der Lenkdrachen muss vor jedem Start sorgfältig geprüft werden. Mittlerweile kitet der 13-Jährige allein. Früher war sein Vater oft im Wasser dabei, vor allem bei kräftigem Wellengang.


Wir wohnen in Hamburg, da gibt es leider kein Meer. Deshalb fahren wir an den Wochenenden an die Küste. Meistens an die Ostsee, nach Fehmarn, denn da haben wir ein kleines Ferienhaus, oder wir fahren an die Nordsee, nach St. Peter-Ording. Dort ist das Wasser oft ziemlich kalt. Aber das macht mir nichts. Ich kite das ganze Jahr über, sogar im Winter. Dann trage ich einen dicken Neoprenanzug mit Kapuze, Surfsocken und Handschuhen.

Letztes Jahr bin ich auf Fehmarn mal in ein Gewitter geraten, in einen richtigen Sturm. Der Wind blies stark, und ich merkte, dass ich den Drachen nicht mehr kontrollieren konnte. Ich hatte nicht genug Kraft und war kurz davor wegzufliegen. Zum Glück gibt es für solche Situationen so etwas wie einen Notauslöser am Kite. Damit kann man den Kite einfach von sich trennen. Mein Drachen ist dann allein weitergeflogen Richtung Küste und dann hinter den Deich. Und ich muss - te sehen, wie ich wieder an Land kam. Zum Glück war das Wasser an dieser Stelle nur knietief, und ich konnte zurück zum Strand laufen.

Inzwischen bin ich ziemlich gut. Ich war schon in einem Trainingslager in Ägypten. Diesen Sommer nehme ich an den Deutschen Meisterschaften für Kinder unter 19 Jahren teil. Ich bin wie immer der Jüngste, der mitfährt. Trotzdem bin ich letztens Zweiter geworden. Der Erstplatzierte war drei Jahre älter als ich. Diese Meisterschaft zu gewinnen ist mein großer Traum.