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ICH BIN ZWEI UND VOLL DABEI


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 09.09.2021

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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 9/2021

Unglaublich, wie schnell sich Kinder zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag entwickeln! Selbstständigkeit, Einfühlungsvermögen, Sprachentwicklung, Motorik: All das bekommt im dritten Lebensjahr einen gewaltigen Schub – und soll natürlich bestmöglich gefördert werden.

Ist ein Kita-Besuch in jedem Fall von Vorteil?

So stehen viele Eltern von Zweijährigen vor der Drage: Ist mein Kind besser zu Hause aufgehoben? Was entgeht ihm, wenn es nicht in die Kita geht? Ganz eindeutig beantworten lässt sich dies nicht. Denn in welchem Maße Zweijährige vom täglichen Kontakt mit Gleichaltrigen profitieren, hängt entscheidend von zwei Faktoren ab: ob das Kind in seiner Entwicklung reif für die Kita ist – und ob die Kita auf die Betreuung Zweijähriger optimal vorbereitet ist. „Wenn zu wenig Personal vorhanden ist und alles schnell gehen soll, ist so ein Sparmodell für Zweijährige noch ungünstiger als für ...

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... Dreijährige. Bei Zweijährigen sollten nicht mehr als vier Kinder auf eine Betreuungskraft kommen“, sagt Elementarpädagogik-Professorin Ursula Carle von der Uni Bremen. Die Wirklicheit hinkt diesem Idealbild noch hinterher. Denn der Umbruch war gewaltig: Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr. Und sie nutzen ihn mehr und mehr: 2017 wurden rund 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren in einer Einrichtung betreut. Bei den Dreibis Sechsjährigen sind es aktuell 93 Prozent.

Zwei Jahre – das ist ein ganz besonderes Alter

Prof. Anke König, Projektleiterin der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, sagt: „Noch nie haben so viele Kinder eine institutionelle Einrichtung in so jungem Alter besucht, noch nie haben Eltern so einstimmig auf diese Einrichtungen vertraut. Das fordert von der Gesellschaft maximale Verantwortung, nämlich einen guten Fachkraft-Kind-Schlüssel umzusetzen, um optimale Bedingungen zu schaffen.“ Die Entwicklungsschritte im dritten Lebensjahr stellen hohe Anforderungen: Das Ich-Bewusstsein erwacht, das bringt neues Selbstbewusstsein mit sich, aber auch Trotz und aktiven Widerstand sobald sich der eigene Wille nicht durchsetzen lässt. Zweijährige werden langsam gruppenfähig; sie erkennen nun auch die Gefühle anderer. Aber für den Interessensausgleich werden Erwachsene benötigt – so weit reicht die Sozialkompetenz dann doch noch nicht. Gleichzeitig ist da die weiterentwickelte Motorik, die zu mehr Autonomie führt und sich in starkem Bewegungsdrang äußert. Eine gute Kita ist darauf eingestellt, dass Zweijährige körperliche Aktivität als essenziellen Baustein des Selbstständig-Werdens brauchen. Carle: „Es ist ganz wichtig, dass die Kita gewährleistet, dass die Kinder ihrem Bewegungsdrang nachgehen können. Es muss aber auch Rückzugsräume für stillere Arbeiten geben.“ Ein positives Zeichen ist es auch, wenn in den Gruppen die Regeln mit den Kindern zusammen entwickelt werden und die Kinder die Gestaltung ihrer Kita mitbestimmen. Zweijährige machen auch deshalb so enorme sprachliche Fortschritte, weil es ihnen wichtig ist, verstanden zu werden. Genau das lässt sich für den Kita-Alltag nutzbar machen, indem man die Kinder bei Interessenskonflikten einbezieht und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen sucht.

Die Ansprüche an Kitas sind gestiegen

Die Erzieherinnenausbildung ist eine Breitbandausbildung, die für unterschiedliche Arbeitsfelder in der Kinder-und Jugendhilfe qualifiziert, aber keine spezifisch frühpädagogische Ausbildung darstellt.

Fachschulen und Hochschulen sehen in ihren Ausbildungsplänen einen hohen Anteil an Praktika vor – ohne Praxiserfahrung fängt keiner in der Kita an.

Fachkräfte im Elementarbereich bringen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen eine sehr hohe Bereitschaft mit, sich regelmäßig weiterzubilden.

Erfolgreiche Teamentwicklung erfordert diese Bereitschaft auch. Nur so lassen sich Routinen hinterfragen, und das eigene pädagogische Handeln – gerade im Rahmen der Inklusion – durch Reflexion verbessern.

Mit dem Ausbau der Kitas sind auch die Ansprüche gestiegen: Gefordert ist, gerade in heterogenen Gruppen, „differenzsensibles“ Handeln.

Wichtig: Die Qualifikation des Personals

Das wird in solchen Kitas besser funktionieren, wo man sich folgende Fragen gestellt hat: Welche Bildungsangebote gibt es für das einzelne Kind in der Kita? Und: Wie kann das Kind an der Lerngemeinschaft mit Gleichaltrigen und Fachkräften teilhaben? Worauf die Fragen schon deuten: Die Räumlichkeiten sind das eine – die Qualifikation des Personals das andere. Erzieher, die heute ihren Abschluss machen, sind besser geschult, mit starker Verschiedenheit in der Gruppe umzugehen, als ihre Kollegen, die vor über zehn Jahren in den Beruf gekommen sind – aber auch die lassen sich durch Fortbildungen auf den aktuellen Stand bringen (siehe Kasten S. 38). Für Anke König ist die Altersmischung in Kitas aus frühpädagogischer Sicht dann von Vorteil, wenn die Fachkraft-Kind-Relation für den jeweiligen Anteil an jüngeren Kindern angemessen ist: „Aus unserem Fachkräftebarometer Frühe Bildung wissen wir, dass in Krippengruppen mit Kindern unter drei Jahren fast doppelt so viele Fachkräfte pro Kind eingesetzt werden wie in erweiterten Kindergartengruppen, in denen nur wenige Zweijährige betreut werden. Wir wissen aber auch, dass die Aufmerksamkeit der Fachkräfte für jüngere Kinder zu Lasten der älteren geht, denen dann weniger herausfordernde Bildungsgelegenheiten geboten werden.“ Wieder steht und fällt der Erfolg der Förderung in der Kita mit den konkreten – auch finanziellen – Rahmenbedingungen. Denn umsetzen lassen sich Konzepte wie das „Abgucken“ von Fähigkeiten in altersgemischten Gruppen nur, wenn auch die zeitlichen und personellen Ressourcen dazu passen.

Jedes Kind nach seinen Bedürfnissen betreuen

Ursula Carle erklärt: „Am wichtigsten ist, dass die Erzieherinnen sich auf die unterschiedlichen Kinder einstellen. Das pädagogische Konzept muss auf Vielfalt ausgelegt sein.“ Denn Zweijährige, so sehr sich ihre Entwicklungsmuster auch ähneln mögen, sind schon genauso unterschiedliche Persönlichkeiten wie Drei-und Vierjährige. Wo gewährleistet ist, dass die Betreuer das wissen und danach handeln, sind die Kleinen am richtigen Platz.

INTERVIEW

„Zweijährige wollen von den Älteren lernen“

Prof. Dr. Ursula Carle lehrt Elementarpädagogik an der Universität Bremen

familie&co: Was macht dieses Alter so besonders?

Ursula Carle: Kinder lernen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, sich selbstständiger zu versorgen, sich an Regeln zu halten, zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen der anderen zu unterscheiden und die eigene Rolle in einer Gruppe zu finden. Dafür benötigen sie Unterstützung von Erwachsenen.

Wie wichtig sind dafür auch andere Kinder?

Zweijährige wollen wie alle Kinder von älteren Kindern lernen, können, was die Großen können. Wenn sie nur unter jüngeren Kindern sind, wäre diese Möglichkeit nicht gegeben.

Kommen Zweijährige im oftmals wuseligen Kita-Alltag genügend zur Ruhe?

Wichtig ist, dass die Erzieherinnen den Rhythmen der Kinder auf die Spur kommen, also dass sie merken, wann Kinder Ruhe brauchen und wann sie nicht still sitzen können. Auch Zweijährige können im Kreis zuhören, wenn sie einer Geschichte lauschen und dabei einbezogen werden, aber der Kreis sollte nicht zu groß sein.

Was sollte in den Gruppen passieren, um die „heiße Phase“, die das dritte Lebensjahr für die Sprachentwicklung darstellt, zu unterstützen?

Sprachentwicklung im Kindergarten muss vor allem immanent in allen Aktivitäten unterstützt werden: Zuhören und in ein Gespräch mit dem Kind über das, was gerade geschieht, einsteigen, Klatschreime, Unsinnssätze und andere Sprachspiele, bald auch Rollenspiele, Geschichtenerzählen und Vorlesen. Erzieherinnen können so die Aufmerksamkeit für Sprache wecken und den Wortschatz unterstützen.

Wie kann man die beginnende Empathie fördern?

Einfühlungsvermögen lässt sich wunderbar über Geschichten und Bilderbücher fördern, die dem Kind Identifikationsmöglichkeiten bieten; durch Rollenspiele und dadurch, dass Erzieherinnen als Vorbilder handeln, z. B. wenn sie Konflikte einfühlsam klären. Durch all das lernen die Kinder, sich in andere hineinzuversetzen und sie zu verstehen.

Und wie können Trotz und Widerstandsverhalten kanalisiert werden?

Vielleicht sollte man das gar nicht kanalisieren. Widerstand zeigen heißt ja auch, selbst etwas zu wollen, und ist Ausdruck der werdenden Persönlichkeit. Das kann man ernst nehmen und auf das Kind eingehen, um herauszufinden, was es selbst will – es muss ja lernen, sich anders, sozial verträglicher, zu artikulieren. Wichtig ist dabei, dass dem Kind klar wird, wann widerständiges Verhalten kontraproduktiv ist.