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Ich bleib ganz Ohr!


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 39/2022 vom 21.09.2022
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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 39/2022

Tanja Bülter, 50 Das Trommelfell ist gerissen

„Bin begeistert vom Hörgerät“

Die RTL-Moderatorin entschied sich 2009 für ein Hörgerät. Dazu führte ein einschneidendes Erlebnis:

„Eines Tages ist mir mein Sohn auf dem Spielplatz aus den Augen geraten. Er hat nach mir gerufen, ich habe ihn zwar gehört aber ich konnte ihn einfach nicht orten.”

Der Grund: „Mein sogenanntes soziales Hören, mit dem man Geräusche aus seinem Umfeld richtig zuordnet, ist stark eingeschränkt.” Die Schwerhörigkeit ist Folge eines Tauchgangs, bei dem ihr vor über 20 Jahren das Trommelfell riss. Heute ist Tanja Bülter begeistert von ihrer Hörhilfe. Sowohl privat wie beruflich profitiert sie sehr von ihr.

Zahl der Woche

105

Dezibel und mehr entstehen bei Rockkonzerten. Bei längerer Beschallung droht Gefahr fürs Gehör

Lauschen Sie mal … Was hören Sie, Stille? Oder hämmern Bässe in der Wohnung über Ihnen und ...

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... rauschen Autos am Fenster vorbei? Salopp gesagt: Wir sollten unserem Hörsinn öfter mehr Gehör schenken, und zwar nicht erst, wenn er auf taub stellt. Denn er hat so wesentlichen Einfluss auf unser Leben, dass wir gut auf ihn achtgeben müssen. Wie unsere anderen Sinne eröffnet er uns die Welt, das Hören macht uns kommunikationsfähig, überbringt uns lebenswichtige Informationen und sorgt für gute Unterhaltung, wenn wir in einem Konzert sitzen oder inmitten guter Freunde.

Unser Gehör ist in Gefahr:

Laut Deutschem Schwerhörigenbund e. V. wird die Welt bei über neun Millionen Menschen in unserem Land immer leiser – und nur ein Drittel der Betroffenen zählt bereits 65 Jahre oder mehr. Experten schätzen die Dunkelziffer mit circa 15 Millionen sogar noch deutlich höher. Was sind die Ursachen für die Schwerhörigkeit? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Lärm als den zweitgrößten Krankmacher unter den Umweltproblemen für s ern, die uns jetzt im Herbst wieder E uropa gelistet. Bereits ab 85 Dezibel länger anhaltender Beschallung drohen die sensiblen Sinneszellen der Ohren kaputtzugehen. So laut sind etwa starker Stadtverkehr am Straßenrand oder die Geräuschkulisse in einer Flugzeugkabine. Ganz zu schweigen von Laubblä- mit bis zu 115 Dezibel quälen. „Neben Lärm kann auch eine genetische Veranlagung Ursache dafür sein, dass manche Menschen mit zunehmendem Alter schwerhörig werden”, sagt Dr. Uso Walter, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Duisburg. Und Dauerstress kann das beschleunigen. Denn die äußeren und inneren Haarzellen im Innenohr sind sehr empfindlich. Sie werden durch Mikrodurchblutungsstörungen, eine veränderte Fließeigenschaft des Blutes oder einen gestörten Zellstoffwechsel – alles Begleiterscheinungen von Stress – geschädigt. Erkrankungen wie Mittelohrentzündung oder Hörsturz können dem Gehör ebenfalls zusetzen.

Der Experte

DR. USO WALTER HNO-Arzt mit Praxis in Duisburg und Vorstandsvorsitzender HNOnet NRW eG

Die dramatischen Folgen: Jeder, der eine schwerhörige Person in seinem Umfeld hat, weiß: Im Gespräch kommt es öfter mal zu Missverständnissen. Deshalb ziehen sich schlecht hörende Menschen oft zurück, haben keine Freude mehr am sozialen Leben.

Aber damit nicht genug. „Schwerhörigkeit bedeutet nicht nur, schlecht hören und kommunizieren zu können. Sie beeinflusst sogar das Gehirn: Neuere Forschungen zeigen, dass eine unbehandelte Altersschwerhörigkeit gehäuft zu Depressionen und sogar zur Demenz führen kann”, berichtet Dr. Walter. US-Forscher der Universität Baltimore wiesen nach: Mit jeden 10 Dezibel, um die das Hörvermögen abnimmt, steigt dieses Demenz-Risiko um das 2,7-fache. Hören ist eben mehr als nur eine Verbindung zur Umwelt. „Es erfordert viele kognitive Prozesse. Werden sie nicht trainiert, bauen sich wichtige Schaltstellen im Gehirn ab”, so der HNO-Arzt aus Duisburg.

Wir verlernen das Hören: Es gibt also triftige Argumente für ein Hörgerät. Warum verzichten dennoch so viele darauf ? Mit einer Brille freunden wir uns ja auch schnell an. Zum einen merken viele Betroffene nicht, dass sie schlecht hören (s. Test rechts). Daher fordert der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. zur Früherkennung ein bundesweites und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahltes Hörscreening ab dem 50. Lebensjahr. Manche Schwerhörige verweigern Hörhilfen l  aber ganz bewusst. Ein Grund: Sie machen gefühlt viel älter. „Manche fürchten auch das Stigma”, sagt Uso Walter. „Nach dem Motto: Wer nichts versteht, begreift nichts.” Zum anderen ist es mit dem Hörgerät nicht so einfach wie mit der Brille: aufsetzen und klar sehen. „Vor allem wer lange mit der Hörminderung gelebt hat, empfindet die plötzliche Klangverstärkung im Ohr als unangenehm”, erklärt der HNO-Arzt. „Diese Menschen sind sehr geräuschempfindlich. Ihr Gehirn hat das Hören regelrecht verlernt. Es filtert nicht mehr wie zuvor Störgeräusche heraus. Und Wichtiges bleibt unverstärkt, etwa die Stimmen der Mitmenschen.” In einem solchen Fall rät Dr. Walter, täglich mindestens 30 Minuten ein Hörtraining zu absolvieren: „Setzen Sie sich bewusst mit Geräuschen auseinander. Lauschen Sie zum Beispiel einem Hörbuch etwas leiser, als es komfortabel wäre.” Und haben Sie Geduld. Es kann durchaus ein halbes Jahr dauern, bis die Hörverarbeitung im Gehirn wieder besser klappt.

Sting, 70 Will nicht alles hören

„Mein Lieblingswort ist ‚Was?’”

Wie so viele andere Rockstars ist auch Sting durch die laute Musik schwerhörig geworden. Das verriet er 2016 zur Veröffentlichung seines Albums „57th & 9th”. „Ich bin so ziemlich taub, und mein Lieblingswort ist inzwischen ‚Was?’” Er habe versucht, die Hörminderung auszugleichen, erzählte er einem Radiosender. Doch damit sei er unglücklich gewesen. „Ich habe probiert, ein Hörgerät zu tragen, aber ich hörte mehr als ich wollte. Menschen reden jede Menge Sch…!”, so Sting.

WIE GUT IST IHR GEHÖR?

Beobachten Sie sich bewusst im Alltag. In welchen Aussagen erkennen Sie sich selbst wieder?

. Gesprächspartner scheinen zunehmend undeutlich oder leise zu sprechen.

. Es strengt mich an, einem längeren Gespräch zu folgen.

. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen, verstehe ich kaum noch etwas.

. Ich kann manche Geräusche schlecht orten.

. Freunde und Angehörige behaupten, dass ich den Fernseher zu laut stelle.

. Gelegentlich überhöre ich die Türklingel oder das Telefon.

. Es fällt mir schwer, einem Kinofilm oder Theaterstück zu folgen.

. Kinderstimmen verstehe ich besonders schlecht.

. Die Konsonanten C – S– F– Z kann ich kaum noch hören.

. Tiefe Töne erscheinen mir manchmal sehr laut.

ERGEBNIS: Je mehr Aussagen auf Sie zutreffen, desto wahrscheinlicher ist ein Gehörschaden. Machen Sie besser einen Hörtest bei Ihrem HNO-Arzt.

Ulrike Folkerts, 61 Trägt ein Hörgerät

„Es war so laut in dem Raum”

Seit einem Tatort-Dreh 2012 hört die Schauspielerin schlecht. So kam’s dazu: „Ich musste in einem kleinen Kellerraum auf eine Tür schießen. Es war so eng und so laut in diesem Raum. Und ich habe es mehrfach gemacht, damit es gut aussieht. Danach hatte ich ein taubes Ohr.” Ihre Lösung des Problems: Sie trägt ein Hörgerät.

Das passende Gerät finden: Bei der Rückeroberung des Hörens gilt das Gleiche wie beim Sport: Topleistung lässt sich nur durch Training und eine gute Ausrüstung erzielen. Sprich: Das Hörgerät muss optimal zur Hörminderung und zum Alltag des Betroffenen passen, zudem perfekt eingestellt werden. Das braucht Zeit, und die sollten Sie sich schon für den ersten Besuch beim Hörakustiker nehmen. Denn ein guter Fachmann wird Ihr Gehör erst testen, Sie dann ausführlich beraten und Ihnen verschiedene Hörgeräte-Techniken und -Bauformen vorstellen. Zudem wird er Ihnen anbieten, verschiedene Geräte – idealerweise verschiedener Hersteller und Preisklassen – zu Hause zu vergleichen. Mindestens acht Stunden täglich sollte die Hörhilfe im Ohr bleiben, damit sich das Gehirn wieder ans Hören gewöhnt. Notieren Sie beim Testen, welche Situationen gut, welche schlecht funktionieren. Das erleichtert dem Hörakustiker die Feinjustierung des Geräts. Also: Neugierig ausprobieren und lauschen, welches Gerät die Welt wieder gut klingen lässt. ◼

ELLEN WARSTAT

BUCH-TIPP

Alles Wichtige über unser Sinnesorgan, das niemals ruht, lesen Sie in „Zu viel um die Ohren – Wie Stress das Hören verändert“ von Dr. Uso Walter mit Dr. Lucia Schmidt, Ecowin Verlag, 22 Euro

Thomas Gottschalk, 72 Wetten, er hört gut?

„Alles, was Spaß macht”

„Wetten, dass ich 5000 Leute dazu bewegen kann, zum Hörtest anzutreten?“ fragte der Moderator im November 2021.Der 72-Jährige geht regelmäßig zum Hörtest und genießt dank eines Hörgeräts sein Leben in vollen Zügen: „Damit kann ich wieder alles machen, was mir Spaß macht”, sagt er. Übrigens: Thomas Gottschalk hat es tatsächlich geschafft, mehr als 5000 Leute zum Hörtest zu bewegen.

HÖRVERLUST VORBEUGEN

So können Sie Ihr Gehör vor Gefahren schützen:

. Auf Ohrhygiene mit Wattestäbchen verzichten. Denn im schlimmsten Fall verletzen sie das Trommelfell. Nur die Ohrmuschel mit lauwarmem Wasser reinigen. .

Bei Erkältung nur sanft schnäuzen. Sonst werden womöglich Viren aus dem Nasen-Rachen-Raum ins Ohr gedrückt. Dann droht eine Mittelohrentzündung. Damit steigt die Gefahr für Schwerhörigkeit und Tinnitus. .

Zu Hause nicht zu laute Musik hören – schon gar nicht über Kopfhörer.

. Ohrenstöpsel und In-Ear-Kopfhörer nicht regelmäßig über viele Stunden tragen. Beides beeinträchtigt die Belüftung im Ohr. Dann bildet sich dort Wasser, was Infektionen begünstigt. . Bei Symptomen wie Schmerzen, Hörsturz oder Tinnitus schnell zum HNO-Arzt gehen. Denn rechtzeitige Behandlung vermeidet oft noch ernsthafte Schäden.

. Bei Rockkonzerten, Gartenarbeit mit lauten Geräten oder auf Baustellen am besten mit speziellen Ohrstöpseln (Apotheke) das Gehör schützen.