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»ICH FÜHRE EINE BEZIEHUNG MIT EINEM MANN UND EINER FRAU!«


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 18.08.2022
Artikelbild für den Artikel "»ICH FÜHRE EINE BEZIEHUNG MIT EINEM MANN UND EINER FRAU!«" aus der Ausgabe 34/2022 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Morgens küsst sie ihren Mann, abends ihre Freundin ? doch Eifersucht gibt es in der Dreiecksbeziehung nicht

WENN ICH MEINEN FREUND AUF DER STRASSE KÜSSE, DREHT SICH NIEMAND UM. Aber wenn ich mit meiner Freundin knutsche, ist das anders. Vor allem ältere Herren starren uns an. Zum Glück können mittlerweile die meisten meiner Bekannten damit umgehen, dass ich auf Männer und auf Frauen stehe. Aber dass ich parallel eine Beziehung mit einem Mann und einer Frau führe und beide auch davon wissen – das ist offenbar zu viel für die meisten. Ständig fragt mich jemand: „Geht das wirklich gut?“ Ja, geht es.

Es ist schon lange her, als ich merkte, dass ich auch auf Frauen stehe. Meine erste Erfahrung in dieser Hinsicht hatte ich während der Schulzeit mit einer Freundin, die sich in mich verliebt hatte. Wahnsinn, habe ich gedacht, als wir das erste Mal zärtlich wurden. Das meinen also alle, wenn sie davon sprechen, dass Sex Spaß macht! Denn Spaß hatte ich mit Männern nie. Trotzdem hatte ich Angst, mich ganz auf ...

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... diese Liebe einzulassen, und fing wieder was mit Männern an – bis ich 25 wurde. Da hatten mich die Kerle so enttäuscht, dass ich beschloss, erst mal die Finger von ihnen zu lassen. In diesem Moment verliebte sich aber ein besonders toller Typ in mich und ich mich in ihn. Er ist heute immer noch mein Partner. Eigentlich war der Zeitpunkt vollkommen absurd: Denn ich hatte mich damals gedanklich endlich vom heterosexuellen Korsett befreit. Aber es funktionierte zwischen uns sehr gut. Seitdem sind wir ein Paar und wohnen auch zusammen.

Doch ich fühlte mich eben auch nach wie vor zu Frauen hingezogen. Und als ich meine Freundin vor etwa einem Jahr kennenlernte, war klar, dass es schwierig werden würde. Ich wollte beide nicht aufgeben – und so entschieden wir uns nach langen Gesprächen für folgende Variante: Ich führe quasi zwei Beziehungen, ganz offen und ehrlich, ohne Geheimnisse. Vielleicht auch, weil ich ihm von Anfang an gesagt habe, dass ich mich auch für Frauen interessiere. Keiner von uns hat das Gefühl, betrogen zu werden.

Mich ärgert allerdings, dass alle anderen als Erstes immer nach Problemen suchen. Wenn ich von meinen zwei Beziehungen erzähle, wird immer dieselbe Frage gestellt: „Und wie kommt dein Freund damit klar?“ Es irritiert die anderen offenbar am meisten, dass wir nicht einfach eine nette Mann-Frau-Beziehung führen können. Und wir besetzen in der Wahrnehmung der anderen immer ganz bestimmte Rollen: Ich gelte als die selbstsüchtige Emanze, die sich rausnimmt, einfach alles haben zu wollen. Und mein Freund ist für sie der unmännliche Softie, der sich auf der Nase herumtanzen lässt und „seine Frau“ nicht im Griff hat. Meine Freundin wiederum gilt als die „arme Dritte“, die nicht einsehen will, dass sie keine Chance hat.

Kurz gesagt: Er wird bemitleidet, ich werde verurteilt und sie wird gewarnt. Aber es ist genau diese allgemeine Ablehnung, die uns immer enger zusammenschweißt. Bitte nicht falsch verstehen, wir führen keine Dreierbeziehung, aber wir können alle drei sehr gut zusammen nach Theaterabenden ein Glas Wein zusammen trinken gehen. Es gibt niemals Szenen oder Wutausbrüche. Natürlich bin nicht nur ich diejenige, die mehr als eine Beziehung haben darf. Und ja, selbstverständlich bin auch ich manchmal eifersüchtig und habe Angst, den anderen zu verlieren. Aber ich glaube nun mal nicht an Verträge und Abmachungen, das kommt mir zu eng vor, wie ein Gefängnis.

Ich denke, dass dieses ganze Gerede von Monogamie ohnehin verlogen ist. Viele betrügen ihre Partner heimlich und beteuern dann, dass sie treu wärem. Neulich spielten wir mit Freunden so ein Gesellschaftsspiel, bei dem es um intime Fragen ging. Außer mir und meinem Freund antworteten alle mit Nein auf die Frage: „Sie haben auf einer Dienstreise eine Affäre, erzählen Sie Ihrem Partner davon?“ Wir dagegen gehen offen damit um – ist das nicht viel ehrlicher und inniger?

Natürlich erfordert unsere Liebeskonstellation manchmal etwas mehr Organisation, weil ich Dinge abklären muss wie etwa, wer wann Zeit hat. Neulich – an einem Sonntag – war ich zum Beispiel den ganzen Tag bei ihr, und diesen Sonntag ist er dran. Wenn er die ganze Woche weg ist, kriegt er das Wochenende, dafür bleibe ich dann Montag bis Mittwoch bei meiner Freundin. Manchmal ist sie enttäuscht, wenn ich gehe und sie noch mehr mit mir teilen und erleben will. Und manchmal fühlt er sich allein gelassen und außen vor, denn es ist nun mal etwas anderes, wenn Frauen sich treffen und Zeit miteinander verbringen. Er weiß, dass wir uns vieles überhaupt nicht mehr erklären müssen, weil wir in einigen Bereichen ähnliche Erfahrungen haben. Mein Freund hat dann Angst, dass er für mich nicht mehr so wichtig und unser vertrautes Verhältnis in Gefahr ist.

Und meine Freundin fürchtet ab und zu, dass ich es mir mit ihr zu einfach machen will und auf sie nicht so intensiv eingehe, weil ich ja schon einen Partner habe. Es gibt Momente, da finde ich das alles selbst sehr anstrengend und habe das Gefühl, dass ich es keinem mehr recht machen kann. Aber dann lese und höre ich, dass Langeweile der häufigste Killer einer Ehe ist. Wenn man zu viele Gewohnheiten hat, man sich nicht mehr beachtet und sexy findet. Diese Sorge ist mir nun wirklich fremd. Ich musste noch nie überlegen, welchen heißen Striptease in peinlicher Reizwäsche ich im Schlafzimmer hinlegen muss, damit ich heiß gefunden werde und die Beziehung wieder Feuer kriegt. Bei beiden nicht.

Die meisten Menschen denken, sie erreichen Sicherheit in der Liebe dadurch, dass sie jemanden schwören lassen, er würde nie das Haus, nie die Zweisamkeit verlassen – bis er dann irgendwann die Tür aufbricht und nicht mehr zurückkehrt. Ich glaube nicht ans Festhalten. Ich habe kein Problem, mittags im Café mit meinem Freund Händchen zu halten und abends mit meiner Freundin eng umschlungen zu tanzen. Nur eben ohne Lügen, Betrügen und Ausnutzen, sondern mit Ehrlichkeit, Respekt und Zärtlichkeit. Es ist die Welt, die mit unserer Lebensweise ein Problem hat.