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Ich hab dich soo lieb! So klappt’s mit Hund und Kind


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 01.12.2021

Artikelbild für den Artikel "Ich hab dich soo lieb! So klappt’s mit Hund und Kind" aus der Ausgabe 1/2022 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 1/2022

Claudia Peter-Plum

Ist Gründerin von DOGS & KIDS und hat sich auf das Thema Kind und Hund-Sicherheit spezialisiert.Sie coacht Familien, gibt (Online-)Seminare und Präventionsschulungen in Kitas und Grundschulen. Mit ihrem Kinderpodcast Wuff & Wow vermittelt sie kindgerechtes Wissen, klärt auf mit Witz und Charme und steht vor allem für ein achtsames, bedürfnisorientiertes und respektvolles Miteinander von Kindern und Hunden.Infos: www.dogsandkids.de und https://letscast.fm/sites/ wuff-wow-der-hundepodcast-fuer-kinder-39516885

Das Bedürfnis nach körperlicher Nähe gehört zu unserem Leben dazu wie die Luft zum AtmenMenschen benötigen regelmäßigen Körperkontakt, um sich wohlzufühlen. So ist es auch verständlich, dass wir uns gegenüber Haustieren ähnlich verhalten. Die meisten Kinder sind von Hunden fasziniert und häufig haben sie auch keine Berührungsängste. Vor allem drücken sie ihre Liebe und ...

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... Zuneigung gerne körperlich aus. Sie liebkosen ihre Fellnase nach Herzenslust und genießen ihre Nähe.

Nicht selten erhält ein Hund intensive Liebesbekundungen in Form von festen Umarmungen und Küssen. Doch wie werten Hunde diese Art der Zuwendung? Sind unsere Hunde dabei genauso glücklich wie wir?

Kinder sind kleine, impulsive Menschen. Sie benehmen sich aus Hundesicht manchmal merkwürdig und können ihr Verhalten von der einen auf die andere Sekunde ändern. Vor allem Krabbelkinder, die beginnen, ihre Welt zu erkunden, sind für Hunde oft schwer einzuschätzen. Das kann für einen Hund, ist er noch so souverän, ein großer Stressfaktor sein. Hunde, die mit Kindern zusammenleben, müssen jeden Tag hohe Anpassungsleistungen zeigen, und das ist nicht immer einfach. Hunde sind Fluchttiere. Bei Stress reagiert ein Hund zunächst mit Fluchtverhalten. Enge Umarmungen nehmen dem Hund die Möglichkeit zu flüchten, weswegen viele Hunde ablehnend auf Umarmungen reagieren. Das bringen sie mit ihrer Körpersprache zum Ausdruck. Viele Hunde lassen Umarmungen einfach über sich ergehen und warten, bis das „seltsame Menschenverhalten“ vorbei ist. Sie haben gelernt, dass Menschen und vor allem Kinder einfach anders ticken.

Auch das „auf dem Kopf tätscheln“, also eine Hand, die von oben kommt und zur Streichelbewegung ansetzt, empfinden viele Hunde als unangenehm. Aus Hundesicht sind das Drohgesten, die nichts mit einer Liebesbekundung zu tun haben. Wie ein Hund eine Umarmung empfindet, hängt natürlich auch vom individuellen Charakter des Hundes, der Situation, seinen Lernerfahrungen und dem Beziehungsund Bindungsaspekt zum Menschen ab. Damit es nicht zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Kindern und Hunden kommt, ist es wichtig, ein paar grundlegende Dinge zu beachten und vor allem den eigenen Hund „lesen zu können“.

Die höfliche Bitte nach mehr Abstand

In den sozialen Medien tummeln sich unzählige Fotos von glücklichen Kindern, die ihre Hunde innig umarmen und an sich drücken. Sie sitzen mit im Hundekörbchen oder nutzen den Hund als Kopfkissen. Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, was daran falsch ist, denn oft sind genau diese Bilder sehr beliebt. Adjektive wie „süß“ und „niedlich“ schießen dem Betrachter automatisch durch den Kopf und häufig werden diese Fotos mit Ausdrücken wie „Best Buddy“ oder „Hundeliebe“ untertitelt.

Wenn man aber aufmerksam hinschaut, wird man vielleicht erkennen, dass die meisten Hunde auf solchen Abbildungen nicht gerade glücklich sind, sich häufig unwohl fühlen und das menschliche Wesen an ihrer Seite in diesem Moment nicht als „den besten Kumpel“ empfinden.

Woran erkenne ich, dass ein Hund sich unwohl fühlt?

Bevor ein Hund offensiv droht, sendet er in der Regel verschiedene kommunikative Signale zur Konfliktvermeidung aus. Diese „feinen“ Signale werden oft übersehen oder nicht verstanden.

Umarmte Hunde wenden häufig den Blick ab, drehen den Kopf zur Seite,blinzeln, schließen die Augen oder reißen sie weit auf. Die Ohren können angelegt sein. Manche Hunde lecken sich übers Maul oder gähnen. Der Hund hechelt oder er schleckt mit der Zunge durch das Gesicht des Kindes als höfliche Bitte nach mehr Abstand. Wenn ein Hund die Möglichkeit hat, wird er auch versuchen, sich durch Distanzvergrößerung aus der unangenehmen Situation zu lösen, indem er weggeht. Halten ihn aber zwei Kinderarme fest, so funktioniert diese Art der Strategie nicht. Fühlt ein Hund sich eingeengt und bedroht und erfährt keine Reaktion auf seine beschwichtigenden Signale, kann er zur nächsten Überlebensstrategie übergehen, indem er sich hündischen Maßnahmen bedient und beißt. So weit sollte es nicht kommen!

Um Konflikte und gefährliche Situationen im Alltag zu vermeiden, ist es wichtig, sich mit der hündischen Kommunikation zu beschäftigen und die Bedürfnisse unserer Vierbeiner wahrzunehmen und zu respektieren. Oft sind es Unwissenheit oder Fahrlässigkeit, aus denen Unfälle zwischen Hunden und Kindern resultieren.

All diese Signale sind immer situationsbedingt zu sehen und werden natürlich nicht nur beschwichtigend eingesetzt. Hunde gähnen auch, wenn sie müde sind, oder lecken sich nach einer schmackhaften Wurst über den Fang.

Wer mit Hunden und Kindern zusammenlebt, sollte motiviert und bereit sein, sich mit der „Sprache des Hundes“ zu beschäftigen und sie zu lernen. Ein Hund, der sich verstanden fühlt, kann Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich bei ihm sicher fühlen.

Körperkontakt, aber wie? Kuscheln tut gut!

Die Sache mit dem Oxytocin. Schon länger weiß man, dass das Hormon Oxytocin sich auch positiv auf die soziale Bindung zwischen Menschen und Hunden auswirken kann. Oxytocin wird häufig auch als Kuschel- und Glückshormon bezeichnet. Es wird ausgeschüttet, wenn wir uns miteinander wohlfühlen.

Körperliche Zuneigung zu unseren Hunden kann durchaus gut tun und sogar bindungsfördernd sein, wenn man weiß, wie. Kind UND Hund sollten sich dabei gleichermaßen wohlfühlen.

Wichtig ist, dass der Hund dabei den Freiraum hat zu entscheiden, wann es genug ist. Der Kuschelbedarf eines Hundes kann ganz unterschiedlich sein und jeder Hund hat seine eigenen Vorlieben und Besonderheiten. Das macht die Beziehung zu unseren Hunden so einzigartig!

Damit Missverständnisse erst gar nicht entstehen.

Im Zusammensein von Kindern und Hunden sollte man auf alles vorbereitet sein. Damit aus Liebesbekundungen und freundlich gemeinten Gesten eines Kindes kein Beißvorfall resultiert, ist die Begleitung des Kindes im Umgang mit dem Hund und die Anwesenheit eines Erwachsenen eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen, um das Risikoverhalten von Kindern zu reduzieren.

Wenn ein Kind lernt, auf die Befindlichkeit des Hundes zu achten und vor allem seine Bedürfnisse zu respektieren, ist die Grundlage für ein harmonisches Miteinander geschaffen.

CLAUDIA PETER-PLUM

„Ein verständnisvolles und respektvolles Miteinander erzeugt Vertrauen und ist die Basis für eine wunderbare Mensch-Hund- Freundschaft.“

Tipps für Kids!

Was empfindet dein Hund als angenehm?

Möchtest du deinem Hund deine Zuneigung zeigen, versuche herauszufinden, was dein Hund als angenehm empfindet.

Lerne auf die Befindlichkeit deines Hundes zu achten.

Wähle lieber andere Ausdrucksformen als enge Umarmungen!

Sprich deinen Hund freundlich an, bevor du ihn berührst, und finde heraus, was ihm gefällt.

An welchen Stellen lässt dein Hund sich gerne streicheln? Wann fühlt er sich besonders wohl?

Streicheln will gelernt sein eine Hand genügt.

Wenn du streichelst, streichle deinen Hund mit einer Hand. Zwei Hände können schnell zu einer Umarmung werden und den Hund einengen. Streichle mit Pausen. Streichle deinen Hund und halte kurz inne. Beobachte, ob dein Hund liegen bleibt, sich deiner Hand zuwendet oder ob er sich wegdreht. Wendet er sich ab, kann das ein Zeichen dafür sein, dass er gerade keine Lust auf Streicheleinheiten hat. Kinder sollten immer in der Interaktion mit einem Hund von einem Erwachsenen begleitet werden.

Auch Stofftiere sind cool!

Stofftiere können natürlich keinen echten Hund ersetzen, aber sie sind geduldige Spielgefährten und sie werden das Bedürfnis nach heiß geliebten Umarmungen und Küssen gerne entgegennehmen. Sie sind tolle Unterstützer, wenn es darum geht, das richtige Handling zu üben. Das Bürsten des Fells oder das Anlegen des Hundehalsbandes sind für kleine Kinder besonders spannende Aktivitäten, bei denen sie gerne mitwirken möchten. Lebensgroße Plüschhunde sind dafür bestens geeignet. Sie sind gelassen und halten geduldig still.