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„Ich habe 150 Mitarbeiter – und alle me ckern“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 29/2019 vom 12.07.2019

Warum die 54-Jährige ihr Büro gegen einen Stall tauschte, wie sie das Käsemachen lernte und im Westerwald ihr kleines französisches Glück fand


Artikelbild für den Artikel "„Ich habe 150 Mitarbeiter – und alle me ckern“" aus der Ausgabe 29/2019 von Bild der Frau. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 29/2019

So verkuschelt: Claudia mit ihren Ziegen. Wussten Sie, dass Ziegen keinen Krebs kriegen? Ihre Milch gilt als sehr gesund


Von der Personalchefin zur Ziegenbäuerin: Claudia Schäfer-Trumm führt heute eine Käserei


Ziegen-Königin Claudia auf der Weide


Bähhh von links, Bähähä von vorn, Bäääh von rechts. Kaum hat Claudia den Stall betreten, geht das Gemecker schon los. In Sekunden schwellen die Solos zum Kanon an. Dabei rennt Oberzicklein „Anni“ los. Nur wer als Erste bei ...

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... der Chefin ist, hat eine Chance auf ein paar Streicheleinheiten.

BILD der FRAU besucht Claudia Schäfer-Trumms neuen Arbeitsplatz. Die führt heute eine Ziegenkäserei im Westerwald – die „Kleine Fromagerie“. Ein Seitenwechsel, der ihr Glück und Erfolg brachte. Jahrelang war die 54-Jährige aus Oberrod (Rheinland-Pfalz) Personalchefin eines Seminarhotels. Dann sah sie 2005 im Fernsehen einen Bericht, wie in der Provence Ziegenkäse hergestellt wird. „Die Bilder waren so idyllisch. Ich hab sofort gespürt: Das will ich auch!“

Mit 10 Litern ging es los

Claudia kauft ein Buch übers Käsemachen. Ihre Kinder (19, 26, 31) winken nur ab. „Was du dir so ausdenkst …“ Doch Claudia ist es ernst: Sie hat eine Schwäche für einfaches Essen aus guten Zutaten. Sie will es ausprobieren, ganz im Kleinen. Also holt sie vom Bauern zehn Liter Ziegenmilch. Der erste Frischkäse schmeckt! Im Herbst 2005 kauft Claudia ihre ersten drei eigenen Ziegen und mietet einen Stall.

Claudia lächelt, immer mehr Ziegen drängen sich jetzt um sie, alle wollen gekrault werden. Sie berichtet weiter. Wie der erste Melkversuch in die Hose ging: „Ich hatte mir so einen schicken Melkschemel besorgt, aber die Tiere waren nicht einzufangen.“ Überhaupt musste Claudia eine Menge lernen: Wie man einen Melkstand baut, dass Ziegen nicht nur Heu, sondern liebend gern auch Äpfel, Gemüse, Hafer und Mais essen, dass man in der Zucht alle zwei Jahre die Böcke austauscht, dass die Tiere von Dezember bis Februar im Mutterschutz sind und im Winter die Käseproduktion ruht.

Der Start lief in Teilzeit

Was für ein Gefühl, als nachts die ersten Zicklein kamen! Danach brauchte Claudia einen größeren Stall und mehr Zeit für ihren Käse. Als der sich im Ort und auf Märkten immer besser verkauft, reduziert sie schrittweise ihre Arbeitszeit im Büro, wird ganz Käserin.

Heute hat Claudia 150 tierisch süße Mitarbeiter. Auch wenn alle bei der Arbeit meckern und der Job in der Zickenzone um sechs beginnt: „Es ist so erfüllend.“ Und gesund! „Seit ich jeden Tag zwei Liter Ziegenmilch trinke, bin ich nicht mehr krank.“

„Anni“, „Beatrix“, „Emma“: Jedes Zicklein trägt seinen Namen am Halsband. Alle genießen im Stall und auf der Weide viel Platz, bestes Futter und täglich eine Portion Liebe. Dafür geben sie täglich 300 Liter Milch. Für ihre artgerechte Tierhaltung wurde Claudia 2016 als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet.

Acht Angestellte helfen heute in der Fromagerie. Claudia produziert fast 40 edle Sorten mit schwarzem Trüffel, Steinpilzen, Feigen, Aprikosen oder Oliven, dazu Joghurt, Quark, Mozzarella. Ein guter Käse braucht Zeit.

Erst wird die Milch erwärmt, dann abgekühlt, mit Milchsäurebakterien versetzt, gerührt, geschnitten, im Keller in Formen gedrückt, gedreht, gesalzen, mit Pinienasche oder Wein affiniert. Zehn, zwölf Wochen reift er unter den gestreiften Leinentüchern, bis er fertig ist.

Vieles macht Claudia aus dem Bauch, nicht alles sofort richtig. Seit sie in Frankreich ein Seminar belegte und jeden Urlaub andere Ziegenhöfe besuchte, läuft’s. „Sogar der Frischkäse hat seit 2015 die perfekte Cremigkeit.“

Wir fahren zum Hof, der 300 Meter entfernt liegt. Gleich kommt eine Gruppe Landfrauen. Claudia deckt Tische, stellt Töpfe mit Lavendel dazu, verteilt Servietten. Das Haus, das auch in der Provence stehen könnte, hat sie mit ihrem Ex-Mann aus alten Scheunen-Steinen bauen lassen, die sie auf Ebay fand.

Besucher bis aus Afrika

Hier empfängt sie bis zu 50 Personen, macht Führungen, serviert ihr 7-Gänge-Ziegenkäsl-uenü „Sinfonie der Sinne“. An solchen Tagen parken in der einst ruhigen Einfamilienhausgegend Busse, während die Gourmets bei ihr speisen. Die kommen bis aus Belgien, Südafrika und Andalusien.

Claudias Käse hat sich rumgesprochen! Zufrieden schaut sie sich um. „Mein Leben ist viel freier geworden“, sagt sie. „Gutes Essen machen mit körperlicher Arbeit – das tut mir gut.“ Wer wird sich da schon über so ein bisschen Mitarbeitel-uemecker beklagen?

INFO

Den Käse kann man in ClaudiasOnline-Shop bestellen, er wird per Post verschickt. Auch ein Ziegen-Gin (Goat’s Gin) ist unter den Produkten – erfunden von Sohn Adrian (26).www.kleine-fromagerie.com

Schön drehen! Claudia Schäfer-Trumm erklärt Reporterin Jana Henschel, wie der Käse unter den Tüchern in der gewünschten Weise reift


Ziegenkäse-Aprikosen-Taler

CLAUDIAS LIEBLINGSREZEPT:

Zutaten (für 4 Personen als Vorspeise):
200 g Ziegenkäse-Rolle ♦ 12 Pumpernickel-ualer ♦ 2 TL Thymian, gerebelt ♦ 2 EL Blütenhonig ♦ 12 Aprikosen ♦ 12 TL ZiegenfrischkäseZubereitung:
♦ Ziegenkäse in 12 Scheiben schneiden und auf die Pumpernickelscheiben legen. 1 TL Thymian und 1 TL Honig verrühren, den Käse damit bestreichen. Die Taler im vorgeheizten Backofen bei größter Hitze 5 Minuten grillen.
♦ In der Zwischenzeit Aprikosen halbieren, entsteinen. 12 Hälften in der Mulde mit je 1/2 TL Frischkäse füllen. Die restlichen Aprikosen mit dem verbleibenden Honig und Olivenöl pürieren.
♦ Die Aprikosen auf die heißen Taler legen, die pürierte Soße auf den Frischkäse geben, mit Thymian und essbaren Blüten (z. B. von der Erdbeere) garnieren.

Claudia auf ihrem hübschen Hof. Sie hat auch drei Ferienzimmer im französischen Stil (ab 49 €, Frühstück 9,50 €)