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Ich habe mein Leben wieder


ich bin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 06.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Ich habe mein Leben wieder" aus der Ausgabe 3/2021 von ich bin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ich bin, Ausgabe 3/2021

Irgendwann schleicht sich mehr und mehr Ernüchterung in euer gemeinsames Leben ein. Du fühlst dich nicht mehr wertgeschätzt oder als Person wahrgenommen oder respektiert. Dazu noch der häufige Streit um irgendwelche Kleinigkeiten, gerade jetzt in der Pandemiezeit, wo sowieso bei vielen die Nerven blank liegen. Warum muss er wie verrückt Vorräte kaufen und im Keller deponieren?

Denkt er, dass man nie wieder Mehl oder H-Milch kaufen kann? Dass der dritte Weltkrieg droht? Dabei wäre das Einkaufen doch eigentlich dein Job gewesen und du hättest das meiste niemals gekauft. Diese Verschwendung, Sammelwut und die Tatsache, dass er dich bei vielen Entscheidungen einfach übergeht, ärgern dich immer wieder. Klar, das ist jetzt ein Einzelbeispiel, aber in vielen Beziehungen gibt es ähnliche Kleinigkeiten, über immer wieder gestritten wird. Doch im Hintergrund geht es mehr, als nur um Einkaufslisten oder den ...

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... Speiseplan. Denn wie ein großer Schatten liegt in diesen Fällen eine echte Beziehungskrise über dem Alltag.

Die Last wird größer

Du fühlst dich von ihm erdrückt. Deine Sicht der Dinge wird nicht respektiert. Du hast mehr und mehr das Gefühl, dass auch bei eurer Ehe oder Beziehung die Zeit abgelaufen ist und dass es jetzt nur noch schlechter werden kann.

Außerdem ist dir dein Schlaf wichtig. Wie kannst du dich nachts erholen, wenn neben dir ein Baum nach dem anderen lautstark zersägt wird und das jede Nacht? Reicht dir da dauerhaft der Platz auf dem Sofa zum Schlafen?

Dein Partner hat jedenfalls keine Lust, nachts wegen „deinen Schlafproblemen“ sein Bett zu verlassen und sagt nur zu dir: „Schlaf endlich.“

Was lässt Partnerschaften scheitern?

Was sind eigentlich häufige Gründe, warum Paarbeziehungen auseinanderbrechen? Die folgenden fünf Punkte werden immer wieder als wichtigste Gründe dafür gesehen: 

1. Die Partner sind zu unterschiedlich. Die Unterschiede, die anfangs noch interessant und reizvoll erschienen, erweisen sich im Lauf der Zeit als zu belastend für ein glückliches, gemeinsames Leben zu zweit.

2. Beide investieren nicht in die bestehende Beziehung. Durch zu wenig Zeit zu zweit, nachlassende, anfängliche Verliebtheit und die Weigerung, etwas zu verändern, kommt es zum Bruch zwischen beiden.

3. Ein oder beide Partner verlieben sich neu. Die neue Beziehung verspricht Liebe, Geborgenheit, Anerkennung und Freude – all das, was die vorherige Partnerschaft nicht mehr erfüllt hat.

4. Die beiden Partner leben sich freundschaftlich auseinander. Sie mögen sich immer noch, aber die Liebe und die sexuelle Anziehungskraft ist auf der Strecke geblieben.

5. Beide Partner schaffen es nicht, nach dem Ende bestimmter Lebensphasen (z.B. die Kinder werden flügge und verlassen das Haus) oder nach Krisen (z.B. durch schwere Krankheiten oder auch nur die Midlife-Crisis) wieder als Paar zusammenzufinden.

Zu Beginn eurer Partnerschaft hat er sich so bemüht. Er hätte alles für dich getan und war so rücksichtsvoll und liebevoll. Es gab Rosen für dich, romantische Nachrichten und ihr habt zusammen ganz neue Welten für euch entdeckt.

Doch je länger ihr zusammen wart, desto gleichgültiger wurdet ihr euch. Es war so selbstverständlich, dass der andere stets verfügbar war. Dazu kam noch der Stress und die Herausforderungen durch den Job und das Leben mit euren kleinen Kindern.

Angst vor der Trennung

Wenn du auch in einer Partnerschaft lebst, in der du dich nicht mehr glücklich und respektiert fühlst und die du am liebsten beenden würdest, aber vor dem endgültigen Schritt jedoch zurückschreckst, dann hat dies auch viel damit zu tun, wie es dir insgesamt geht. Du fühlst dich antriebslos, müde oder sogar depressiv, weil dir die ganze Situation mit allen möglichen Konsequenzen unlösbar erscheint. Das eigene Selbstwertgefühl ist im Keller, weil du dir Vorwürfe machst, dass du es nicht schaffst, eine gute Ehe oder Partnerschaft zu führen. Du denkst daran, dass auch deine Kinder unter der ganzen Situation und der miesen, lieblosen Stimmung zu Hause leiden und dass sie wahrscheinlich noch mehr leiden würden, wenn es zur Trennung oder Scheidung von ihrem Vater käme. Vielleicht machst du dir aber auch Vorwürfe, weil du es einfach nicht schaffst, den Trennstrich zu ziehen. Zu eng, denkst du, sind eure beiden Leben inzwischen miteinander verwoben. Du würdest finanziell ohne deinen Partner nicht klarkommen. Eine Vollzeitstelle finden? Als Mutter, die sich mehrere Jahre fast ausschließlich um die Kinder gekümmert hat – dieser Gedanke erscheint dir geradezu utopisch. Wahrscheinlich müsstest du mit den Kindern dann in eine kleinere Wohnung umziehen. Die Kinder sind aber hier an ihrem Wohnort fest verwurzelt und hängen an ihren Freundinnen in der Nachbarschaft. Auch du würdest deine Freundinnen und Nachbarinnen vermissen und gerade in der jetzi-gen Zeit ist es offenbar besonders schwer, eine gute, bezahlbare Wohnung für eine Familie zu finden.

Sei stolz auf dich

Du bist mutig und packst dein Leben an. Lass dir von niemandem etwas anderes einreden.

Feiere es, wenn du ein wichtiges Problem gelöst hast, wie zum Beispiel einen neuen Job oder eine neue Wohnung gefunden zu haben. Wenn es dir psychisch nach der Trennung mies geht, lobe dich schon für jeden Tag, den du bewältigt hast. Sage dir, dass die Trennungszeit eine große Herausforderung ist, aber dass es irgendwann wieder bergauf gehen wird.

Sei bereit, neue Dinge zu lernen

Du hast noch nie eine Wand verputzt oder eine ganze Wohnung tapeziert? Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, diese Dinge zu lernen. Wenn du Hilfe brauchst, bitte am besten jemanden aus deiner Familie oder eine gute Freundin, dir zu helfen. Alternativ kannst du auch im Internet bei Online-Auktionen relativ günstig handwerkliche Dienstleistungen in Auftrag geben.

Wer würde dann all die handwerklichen Tätigkeiten übernehmen, die so ein Umzug und ein Alltag ohne Mann im Haus so mit sich bringen? Wie würde sich die Trennung auf deinen Rentenanspruch auswirken? Wirst du dann für die dir verbleibende Zeit allein bleiben? Eigentlich hast du auch überhaupt keine Lust, dich auf jemand anderen einzulassen und möglicherweise erneut auf der Nase zu landen, wenn es zwischen euch nicht passen sollte.

Du hasst dich selbst dafür, dich so abhängig von einem anderen Menschen gemacht zu haben und würdest gerne einen Ausweg aus dieser scheinbar ausweglosen Situation finden.

Die Entscheidung

Doch irgendwann wirfst du all deine Bedenken und Zweifel über Bord und entscheidest dich, dein Leben wieder mehr selbst zu gestalten.

Und manchmal erleichtert einem das Leben die Entscheidung für eine Trennung.

Vielleicht findest du heraus, dass er dich mit einer anderen betrügt. Oder dir wird klar, dass ihr euch nicht mehr liebt und dass du so nur leidest und wertvolle Lebenszeit verschwendest. Möglicherweise hat auch das Streiten oder sogar körperliche Gewalt gegen dich zu Hause immer mehr zugenommen, so dass du nur darauf wartest, diesen unhaltbaren Zuständen zu entkommen.

Wie auch immer: Du bist dir nun sicher, diese Beziehung kann nicht mehr aufrechterhalten werden und das Risiko, das ein Neuanfang mit sich bringt, erscheint dir weniger herausfordernd als das, was du in letzter Zeit mit ihm durchgemacht hast.

Wie trennt man sich?

Der „Akt“ der Trennung wird sehr unterschied- lich vollzogen. Am unpersönlichsten ist sicherlich eine Trennung per SMS, WhatsApp oder lediglich durch eine hinterlassene Textnachricht auf dem Küchentisch. Natürlich ersparst du dir so erst einmal emotionale Reaktionen deines Partners, aber letztlich werdet ihr euch höchstwahrscheinlich trotzdem noch später sehen und die Trennung wird dann später das Gesprächsthema sein.

Wenn dein Ex-Partner nicht zu Gewalttaten oder Wutattacken neigt, ist es vermutlich besser, die Trennung in einem persönlichen Gespräch zu besprechen. Wähle dafür einen geeigneten Zeitpunkt aus, sorge dafür, dass keine Kinder die Szene miterleben und habe am besten zu diesem Zeitpunkt all deine wichtigen Sachen für einige Tage einschließlich Kleidung, Geld, Führerschein und Papiere fertig gepackt und griffbereit. Überlege dir vorher und kläre es mit anderen Beteiligten ab, wo du nach der Trennung übergangsweise bleiben kannst. Vielleicht bei deinen Eltern, deiner Schwester oder einer Freundin.

Wenn es dir gefühlsmäßig möglich ist, kannst du innerhalb des Gesprächs auch sagen, dass es dir leid tut, dass euer gemeinsamer Weg hier endet.

Nenne auch kurz einige wichtige Gründe, warum du dich zur Trennung entschieden hast und warum es einfach nicht mehr geht. Lass dich jedoch nicht auf endlose Diskussionen mit deinem Ex-Partner ein, wenn er versucht dich zurückzuhalten oder falls er zum x-ten Mal beteuert, dass er sich in Zukunft ändern wird. In vielen Fällen ist das nur als verzweifelter Versuch zu werten, dich zu halten. Wenn alles gesagt ist, verlass das Haus entschlossen und zielstrebig. Du hast die richtige Entscheidung getroffen. Quäle dich nicht mit unnötigen Selbstzweifeln. Jetzt beginnt dein neues Leben und du darfst entscheiden, wer oder was dir darin gut tut.

Wie geht es weiter?

So, der schwere Schritt ist geschafft. Du hast dich von ihm getrennt und es ihm ins Gesicht gesagt. Du wohnst jetzt wahrscheinlich übergangsweise bei Familienangehörigen oder Freunden. Vielleicht fühlst du eine verwirrende Mischung aus Erleichterung, Betroffenheit, Aufregung und Ängsten vor der Zukunft, in der du vieles allein regeln musst. Lass diese Gefühle ruhig zu, sie sind völlig normal. Sie sollten dich aber nicht völlig aus der Bahn werfen. Wenn es dir hilft, sprich mit deinen Eltern oder einer Schwester oder einem Bruder oder der besten Freundin darüber, wie es dir geht. Wenn dies auf Dauer nicht genügt, such dir am besten professionelle Unterstützung um die aufreibende Lebensphase durchzustehen. Mit einem verständnisvollen Gesprächspartner an der Seite fällt es dir viel leichter, deine Gefühle zu sortieren und zu überlegen, was jetzt alles zu erledigen ist.

Flüchte dich nicht wieder gleich in die nächste Beziehung

Auch wenn es dir noch so verlockend erscheint, vermeide es am besten, gleich wieder einen neuen Partner zu suchen. Es ist viel besser, erst einmal Ordnung in das eigene Leben zu bringen und selber mit der neuen Situation zurechtzukommen, als sich gleich in eine neue Partnerschaft zu stürzen.

Fragen und Pläne

Wahrscheinlich brauchst du in Kürze eine neue, kleinere Wohnung für dein neues Leben.

Reicht dir deine Arbeit aus, um davon leben zu können? Wenn nicht, solltest du dich auf deiner Arbeit erkundigen, ob du mehr Stunden pro Woche arbeiten könntest. Falls das nicht möglich ist, musst du dir noch einen Job suchen, um dich zukünftig selbst zu finanzieren. Je nachdem, wie deine finanzielle Situation gerade aussieht, kann es sinnvoll sein, erst für mehr Einkünfte zu sorgen und danach eine kleinere Wohnung in der Nähe der Arbeit, Schule oder Kindergarten zu mieten. Wenn du Kinder hast, solltest du darauf achten, sie möglichst nicht aus ihren Schulen und ihrem Lebensumfeld herauszureißen.

Sie werden durch die Trennung schon genügend belastet sein. Daher ist eine gewisse Stabilität durch ihr bisheriges Umfeld (oder zumindest Teilen davon) jetzt besonders wichtig für sie.

Steh zu dir

Ich weiß sehr gut, dass diese Situation gerade nicht einfach für dich ist, aber ich möchte dir Mut machen, den Schritt trotzdem zu wagen. Du bist damit nicht allein und du wirst in einigen Monaten feststellen, dass er sich gelohnt hat. Du wirst es genießen, wieder mehr Entscheidungsfreiheiten über dein Leben zu bekommen. Der nervtötende, tägliche Kleinkrieg mit deinem Ex ist vorüber. Du hast jetzt die Chance, dich noch einmal ganz neu zu erfinden. Ja, es wird ein Abenteuer und vielleicht ist es für dich auch wie ein Sprung ins kalte Wasser mit noch unbekannten Folgen. Aber vielleicht erinnerst du dich an andere Herausforderungen, die du bisher erfolgreich gemeistert hast. Je mehr du dich zu einem Wagnis überwinden musstest, desto euphorischer hast du dich danach auch gefühlt. Die von dir so lang vermisste Freude am Leben und Energie wird zurückkehren – ganz bestimmt.

REBECCA MANTELL

Tu dir selbst etwas Gutes

Bei all den notwendigen Aufgaben, die jetzt auf dich warten, ist es auch wichtig, dass du dir kleine Erholungsinseln im Alltag schaffst, die dir gut tun. Abends ein gutes Buch lesen, ein heißes Bad nehmen, einen kinderfreien Abend mit leckerem Essen und einer guten Freundin genießen, während der Babysitter deine Kinder hütet, oder ein schöner Spaziergang – all das hilft dir, dein neues Leben anzunehmen und wertzuschätzen. Wenn finanziell möglich, kannst du auch schon deinen nächsten Traumurlaub buchen. Am besten wählst du einen Ort aus, wo du noch nie mit deinem Ex-Partner warst und wo du immer schon hinfahren wolltest, es aber bisher nicht geschafft hast. Dann hast du auch in schwierigen Momenten immer etwas, worauf du dich freuen kannst.