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»Ich habe mich aufs Neue in Dad verliebt«


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Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 12.10.2022

POP NEUES AUS DER MUSIKWELT

 

Auf dem Cover von „Jude“ ist ein Foto des fünfjährigen Julian Lennon zu sehen. Was denkst Du, wenn Du das Bild siehst?

Der arme Kerl (lacht). Nein, ich wäre heute nicht der Mensch, der ich bin, hätte ich nicht schon sehr früh einiges an Aufregung, auch an Tiefschlägen, durchlitten.

Der Albumtitel ist Anspielung an den Beatles-Song „Hey Jude“, den Paul McCartney für Dich schrieb, um Dich nach der Trennung Deiner Eltern aufzumuntern. Ein weiterer Schritt, Dich mit Deiner Vita zu arrangieren?

Ja. Ich habe einen langjährigen Annäherungsprozess hinter mir. Es war nicht so, dass ich mich und meine familiären Bindungen negiert hätte. Ich hielt immer Verbindung zu den Beatles, ich bin freundschaftlich mit Paul verbunden und hatte ein gutes Verhältnis zu George. Die Beatles und John waren in der Vergangenheit, aber irgendwie auch jetzt ein beständiger Stressfaktor für mich. Es war ...

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... eine Bürde, ein Lennon zu sein. Die Leute, wirklich ausnahmslos, sahen in mir zuallererst den Sohn von John.

Ein besonderes Signal für mich war die Sache mit der Namensänderung. Mein legaler Name war John Charles Julian Lennon – glaub mir, es gab nicht eine einzige Passkontrolle in all den Jahren, an der ich mir keinen Kommentar anhören musste. Also entschied ich 2020, jetzt auch offiziell Julian sein zu wollen und änderte meinen Namen in Julian Charles John Lennon.

Hast Du Dich durch die Namensumstellung nicht eher distanziert von Deinem Vater?

Ich habe das Gegenteil empfunden. Die bewusste Auseinandersetzung mit meinem Namen hat mich ihm nähergebracht. Dann war da im vergangenen Jahr „The Beatles: Get Back“, der großartige Film von Peter Jackson. Ich habe ihn mir mit Sean zusammen angeschaut (Sean Lennon, gemeinsamer Sohn von John und Yoko Ono) – und ich habe mich wirklich aufs Neue in meinen Dad verliebt. In dem Film war er wieder der liebenswert tapsige Typ, den ich mit drei, vier, fünf Jahren kannte, bevor sich alles für uns als Familie veränderte.

Gibt es einen bestimmten Grund, warum Du seit 2011 zum ersten Mal wieder ein Album aufgenommen hast?

Ich habe nie aufgehört, Musik zu machen. Irgendwann vor ein paar Jahren räumte ich die Kisten aus dem Büro meines Ex-Managers aus und fand darin alte Demoaufnahmen aus den Achtzigern und Neunzigern von Songs, die nie ganz fertig oder nie ganz rund geworden sind. Während Corona nahm ich mir die Lieder aus den Kartons vor und polierte sie im Studio soweit auf, bis ich dachte: Das wird ja wirklich ein Album.

„Breathe“ ist ein Song über das Finden des inneren Friedens inmitten einer tumultartig chaotischen Welt. Man kann denken, Du hast ihn erst vor Kurzem, nach Kriegsbeginn in der Ukraine, geschrieben.

Nein, den Song gibt es schon etwas länger – aber haben wir nicht die ähnliche Art von Scheiße in immer neuen Variationen am Hals, seit wir uns erinnern können? Lügen, Verschwörungen, Kriege – das alles gibt es nicht erst seit gestern.

Du hast im April bei einer Online-Benefiz-Veranstaltung zugunsten ukrainischer Geflüchteter zum ersten Mal „Imagine“, das wohl berühmteste Lied Deines Vaters, gesungen. Wie war das?

Einzigartig. Ich hatte mir geschworen, niemals „Imagine“ zu singen. Aber als die Anfrage kam, wusste ich sofort: Okay, jetzt ist es doch soweit. Steffen Rüth

Musik ★★★★ Klang ★★★

Gunner & Smith Hear You In My Head BMG

LP

Hinter Gunner & Smith steckt der Kanadier Geoff Smith aus Saskatchewan, ein bärtiger Americana-Songwriter im Holzfällerhemd. Sein behäbiger Folkrock-Sound erinnert an Ryan Adams oder Neil Young, seine Stimme an große Melancholiker wie Nick Cave oder Townes van Zant. Das dritte Album hat er diesmal nicht im Norden aufgenommen, sondern im urigen, holzvertäfelten Bombshelter Studio in Nashville – natürlich analog. Das Studio ist bekannt für seine Sammlung an Vintage-Instrumenten. Hier kann Smiths mit Twang- und Lapsteel-Gitarren versetzter „Dark-Country-Rock“ zu voller Pracht erblühen.

Peter Bickel

Kolinga Legacy Underdog Records

Musik ★★★★ Klang ★★★

Kolingas neue Platte bezieht ihren Reiz aus der Vielzahl unterschiedlicher Stile, die funkenschlagend aufeinanderprallen. Sängerin Rébecca M’Boungou, Tochter einer Balletttänzerin und eines Sängers aus Brazzaville, bringt vor allem ihren kongolesischen Background ein. Alle anderen Musiker lassen die bei der Band Magma (Progrock), Jay-Jay Johanson (Trip-Hop) oder dem Ensemble 2e2m (Neue E-Musik) gesammelten Erfahrungen einwirken. Erstaunlich ist nun, mit welch spielerischer Leichtigkeit das Sextett dies und einiges mehr zum eigenen Afro-Jazz-Reggae-Rock-Mix vereint. Da sind echte Könner amWerk.

Harald Kepler

Musik ★★★★ Klang ★★★

Kutiman Open Siyal Music

HD LP

Nach einem längeren Klausuraufenthalt in einem Kibbuz in der Negev-Wüste meldet sich Kutiman alias Ophir Kutiel mit einem fehlerfreien Opus in der Plattenszene zurück. Auf „Open“ absorbiert der Israeli Soul und Funk der Blaxploitation-Ära genauso wie Psych-Pop der Sixties, Bläsersätze im Stil von Fela Kuti genauso wie Krautrock à la Can. Das Mischresultat erinnert mitunter an Tame Impala und Khruangbin. Multiinstrumentalist Kutiman hat fast alles selbst eingespielt, fließende Instrumentals und Gesangsstücke mit Landsmann Elran Dekel am Mikro lässt er geschickt abwechseln. Das hat zweifellos Stil.

Harald Kepler

Musik ★★★ Klang ★★★★

Marisa Anderson Still, Here Thrill Jockey

LP

Zu Improvisationen raffte sich Marisa Anderson bei ihren Originalkompositionen selten auf. Meist setzte sie, im Playback auch mal auf drei Gitarren sowie am Piano zu hören, ganz impressionistisch auf Folkmotive – die Musik manchmal fast eine Wellness-Massage. Bei dem populären, von ihr instrumental höchst wohltönend vorgetragenen Folkklassiker „La Llorona“ kommt niemand auf die Idee, dass das im Original die Tragödie einer Frau ist, die ihr Kind ertränkte. In purem Wohlklang erschöpft sich ein wenig das Traditional „Beat The Drum Slowly“, vielen wohl besser bekannt als „The Streets of Laredo“.

Franz Schöler

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Max Prosa Wann könnt ihr endlich friedlich sein? Prosa Records

LP

In einigen Songs des großartigen siebten Albums behandelt Max Prosa ernste Themen mit der für ihn typischen Hoffnung auf Verbesserung. So setzt er etwa in „Hinunter in die Mine“ der Zerstörung unserer Welt Auswege entgegen, und in „Mein Bruder“ erinnert er die Fremdenhasser daran, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Wenn die Songsammlung trotzdem kein schwer verdaulicher Brocken wurde, dann liegt das auch am lässigen Schnoddergesang des Berliners, seinen Ohrwurmmelodien und dem stets zugänglichen Sound zwischen Liedermacher und Deutschrock.

Harald Kepler

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Max Raabe Wer hat hier schlechte Laune We Love Music

HD LP

Der Sänger lehnt seinen Sound teilweise an moderne elektronische Rhythmen an, ohne sich irgendwo anzubiedern. Deswegen hat er sein Palast Orchester natürlich nicht ausgemustert. Bei „Heute geht’s los“ spielt es recht flott auf. In „Hummel“ umgarnen einzelne Instrumente seinen Bariton zwar dezent, setzen aber unverkennbare Akzente. Wer sich doch nach den Klängen einer Big Band sehnt, kommt bei „Ein Tag wie Gold“ auf seine Kosten – herrlich nostalgisch. Inhaltlich kreisen die Lieder um Liebe, Glück oder Tierliebe – meistens natürlich mit einem dezenten Augenzwinkern.

Dagmar Leischow

Musik ★★★ Klang ★★★

Mimmi Titanic Subsonic Society Audio

HD

Zunächst hat Mimmi Tamba ihre Schauspielbegabung als Mitglied der norwegischen Wanderbühne Riksteatret ausgelebt, seit 2020 macht sie das auch in einer Solokarriere als Sängerin. Auf dem zweiten Album gibt die Künstlerin mit skandinavischen und afrikanischen Wurzeln die Tragödin und stellt in dramatischen Gesangsrollen Gewissheiten wie die eigene Identität und Heimat in Frage. Die Theatralik dabei ähnelt der ihrer Kolleginnen Tori Amos und Kate Bush. Mimmis Artpop-Songs hätte man sich jedoch origineller gewünscht. Vor allem in der zweiten Albumhälfte sind musikalische Ideen Mangelware.

Harald Kepler

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Peppe Aiello ‘Na stanza chiena ‘e ‘ncienzo Visage Music

Das jüngste Album des Gitarristen enthält wunderbare poetische Geschichten in italienischer Sprache (im Booklet alle auch in Englisch). Vor dem idyllischen Panorama des Mittelmeers erzählen die Texte von Wunschträumen und verschmähter Liebe, von einem streunenden Hund am Hafen und den Lebenserfahrungen eines Opas. Zaira Magurano singt die mit ihrer mal lieblichen, mal entschlossenen Stimme ganz zauberhaft. Begleitet wird sie von mediterranen Klängen. Die sind stark von der Tradition Neapels geprägt, aber auch Elemente aus dem nahegelegenen Nordafrika fließen ein.

Harald Kepler

Musik ★★★ Klang ★★★★

Phalleé & Baldu Zwischen den Zeilen Phalleé & Baldu Records

Der Albumeinstand von Phalleé & Baldu macht es dem Hörer nicht leicht. Die Musik der Kölner Vokalistin und des Drummers/ Produzenten wechselt plötzlich in andere Formate, sie bricht mittendrin ab, pendelt ohne Übergang zwischen Klangmalerei („Zwischen den Zeilen“), Funk-Pop à la Prince („Wo kommen wir her“), Liedermacher-Folk („Liebe“) und Klavierballade („Monster“). Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wird mit spannenden Neuerungen und großer Klangfreiheit belohnt. Einwandfrei aufgenommen wurden die unkonventionellen Ideen mit Analog-Equipment in Tommy Baldus Studio.

Harald Kepler

Musik ★★★★ Klang ★★★★

PJ Western Here I Go New West/Bertus

HD LP

„If you ever need a hand / I’ll be your hit man“, verspricht dieser laut Pressewaschzettel in den Hollywood-Hügeln von L. A. residierende Singer-Songwriter, „Hit Man“ ist Westküsten-Psychedelic-Pop und wie andere Songs des Debüts auch mal mit an Paul McCartney erinnernden Qualitäten. Mit gelegentlichen Anklängen an Beach Boys und Kraftwerk, sorgfältig arrangierten Vokalharmonien und einprägsamen Hook-Lines sind das eher anachronistische Popsongs: Reaktionen auf die Depressionen der Pandemie wie „Blah Blah Blah“, inspiriert von dem Wunsch, sich endlich mal wieder bei einer Party langweilen zu dürfen!

Franz Schöler

Musik ★★★★ Klang ★★

Ruben Block Looking To Glide PIAS

HD LP

Solo zeigt sich der Frontman des belgischen Rocktrios Triggerfinger deutlich experimentierfreudiger. Sein etwas noisiges Patchwork aus eingängigen Popsongs, schrägen Melodien, Loops und diversen Klangfragmenten erinnert an Tom Waits ebenso wie an Beck, die Beatles oder Crowded House. Deren Produzent Mitchell Froom half Ruben Block, das Solodebüt über einen Zeitraum von vier Jahren zu formen. Auch im Klangbild setzt sich die wilde Mischung fort: Sauber aufgenommene Instrumente reiben sich an bewusst übersteuerten Lo-Fi-Sounds, was selbst Wohlklänge schäbiger und abgewetzter wirken lässt.

Peter Bickel

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Sophie Zelmani The World Ain‘t Pretty Oh Dear Recordings

HD LP

Manchmal hauchte, flüsterte und murmelte sie ihre Lieder auch eher, als dass sie sie sang. Seine Wertschätzung dieser Stimme dokumentierte Bob Dylan, als er ihre Aufnahme von „Most Of The Time“ für den Soundtrack zu „Masked And Anonymous“ auswählte. Für die Verhältnisse von Sophie Zelmani ist ihre neueste Songkollektion ein richtiges Popalbum, keines dieser Bekenntnisse von Zweifeln an die Möglichkeit einer großen Liebe angekränkelt. Da hat sie sich – mittlerweile 50, aber die Stimme unglaublich jung und in ihrer Intimität bezirzend – als Songwriter offenbar Leonard Cohen als Vorbild auserkoren.

Franz Schöler

Musik ★★★★ Klang ★★★

Electro-Pop

HD

Vom euphorischen Eröffnungslied „Separate World“ bis zum ruhigen Ausklang mit „Hey Now“ erinnert auf dem vierten Longplayer von St. Lucia so ziemlich alles an Elektropop der 80er-Jahre. Mit seinen Tanzrhythmen vom Computer, fetten Bässen eines Analogsynthies und im Fistelfalsett gesungenen Melodien knüpft das Duo ein ums andere Mal bei der lang zurückliegenden Ära an. Ein großer Nostalgiespaß, der umso mehr Freude bereitet, da Jean-Philip Grobler und Patti Beranek unserer Krisenzeit Musik voller Lebensmut und Frohsinn entgegensetzen. Schon bald denkt man: Krise? Ist doch gar nicht so schlimm!

Harald Kepler

Musik ★★★ Klang ★★★

The Rasmus Rise Playground Music

HD LP

The Rasmus hat sich seit 15 Jahren neben Sunrise Avenue und HIM als dritter großer finnischer Power-Pop-Erfolg etabliert. Als Innovator hatte sich die Band um Lauri Ylönen nie hervorgetan, wohl jedoch als nordische Variante von Mainstream-Rockern wie Bon Jovi. Ihre Teilnahme am diesjährigen Eurovision Song Contest (Platz 21) sowie die Verpflichtung von Erfolgsproduzent Desmond Child (Aerosmith und eben Bon Jovi) zeigen ihr Ziel des musikalisch kleinsten gemeinsamen Nenners. Album Nummer 10 schafft erfolgreich den großen Spagat zwischen Format-Radio, Emo-Melancholie und gezähmtem Alternative-Rock.

Peter Bickel

Musik ★★★ Klang ★★★★

Various Artists Here It Is – ATribute To Leonard Cohen Blue Note

HD LP

Produzent Larry Klein testete bei seinem neuen Tribute-Projekt die Vorlagen auf mögliche Affinität zum Jazz, ließ dabei den für die sangliche Interpretation zuständigen Gästen trotzdem jede Freiheit. Das Ergebnis ist definitiv nicht so gelungen wie Herbie Hancocks auch von ihm betreutes Album „River: The Joni Letters“. Neben Gregory Porter überzeugen am ehesten die vier eingeladenen Sängerinnen durch emotional involvierten Vortrag. Richtig denkwürdige Aufnahmen gelangen Immanuel Wilkins und Bill Frisell mit den instrumentalen Deutungen von „Avalanche“ und „Bird On The Wire“ nicht.

Franz Schöler

Musik ★★★★ Klang ★★★

Yeah Yeah Yeahs Cool It Down Secretly Canadian

HD LP

Respekt! Nach neun Jahren Pause legen die Yeah Yeah Yeahs ein großartiges Album vor. „Fleez“ hat Art-Punk-Charme und lockt einen dennoch auf die Tanzfläche. „Burning“ rüttelt mal mit gegen den Strich gebürsteten Synthesizern auf, mal ist die Musik recht eingängig. Beim sphärischen „Spitting Of The World“ stößt der US-Musiker Perfume Genius als Gastsänger zu den New Yorkern. Das zurückhaltende „Mars“ oder „Blacktop“ rücken dagegen den intimen (Sprech-) Gesang von Karen O ins Zentrum. Diese Ruheoasen sind auf jeden Fall ein Plus, das soll die Qualität der schmissigen Songs aber nicht schmälern.

Dagmar Leischow

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Thee Sacred Souls Thee Sacred Souls Daptone Records

LP

Das rundum gelungene Debütalbum von Thee Sacred Souls ist von der ersten bis zur letzten Note darum bemüht, wie ein Produkt aus den 60er- bzw. 70er-Jahren zu klingen. In der Tat könnte man die Analogaufnahme des Trios aus San Diego 50, 60 Jahre zurückdatieren, ohne dass es jemand merken würde. Vom rohen und stark verhallten Scheppersound über die Late-Night-Schmeicheleien von Leadsänger Josh Lane bis zu den Bläserakzenten und der Hammond B3 ist hier alles täuschend echt. Wer auf liebestrunkene Soulmusik à la Smokey Robinson steht, kann bei den Kaliforniern nicht allein deswegen nichts falsch machen.

Harald Kepler

Musik ★★★ Klang ★★★

Julian Lennon Jude BMG

HD LP

An seine großen kommerziellen Pophits wie „Too Late For Goodbyes“ (1984) und „Saltwater“ (1990) wird der Erstgeborene von John Lennon wohl auch auf seinem ersten Album seit elf Jahren nicht herankommen. Dass Julian Lennon aber ein sicheres Händchen für gute Melodien besitzt, zeigt er auf dem Pianostück „Love Never Dies“ oder dem von einer akustischen Gitarre geprägten „Not One Night“ durchaus nachdrücklich. Hier und da wird es etwas arg gemächlich und balladesk, doch wenn Lennon etwa in „Lucky Ones“ seine Wut über das menschliche Versagen im Klimawandel artikuliert, tut er das mit Überzeugungskraft.

Steffen Rüth

Musik ★★★★ Klang ★★★★

Zaruk Agua Rosevil

Ihr jüngstes Werk haben Zaruk dem Thema „Wasser“ gewidmet. In poetischen Titeln folgen sie dem kostbaren Nass von der Quelle über den Fluss bis zum Meer. Tränentropfen vertont das Duo aus Madrid genauso wie Regen. Am Cello (Iris Azquinezer) und einer Akustikgitarre (Rainer Seiferth) interpretieren die beiden mit einigen Gästen Melodien aus verschiedensten Epochen, Gegenden und Musikgenres. Überliefertes aus Aragón und Murcia steht da neben eigenen Stücken, traditionelle sephardische, portugiesische und bulgarische Weisen neben Jean Sibelius – Wasser in allen (musikalischen) Erscheinungsformen.

Harald Kepler