Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

„Ich hätte bei anderen Vereinen mehr verdienen können“


Logo von Sport Bild
Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 23/2022 vom 08.06.2022

NICO SCHLOTTERBECK

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "„Ich hätte bei anderen Vereinen mehr verdienen können“" aus der Ausgabe 23/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 23/2022

Gut gelaunt und voller Vorfreude: Nico Schlotterbeck beim Medizincheck im BVB-Dress. Aktuell ist er mit dem DFB in der Nations League unterwegs

SPORT BILD: Herr Schlotterbeck, das DFB-Team versuchte zuletzt beim Mannschaftsabend, sich mit gemeinschaftlichem Trommeln auf die Nations League einzustimmen. Wie ist es um Ihr Rhythmusgefühl bestellt?

NICO SCHLOTTERBECK (22): Ich bin nicht gerade musikalisch begabt. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht, so ein Teamabend schweißt zusammen. Das Trommeln ist aber nichts, was ich weiter intensiv verfolgen werde …

Merken Sie, dass ein Teamspirit Richtung WM 2022 entsteht?

Sowohl die Mannschaft als auch das Team hinter dem Team bilden auf jeden Fall eine super Einheit. Wir trainieren hart, haben daneben aber auch viele Freiheiten, toben uns hier bei Adidas auch neben dem Platz richtig schön aus: Egal ob beim Paddle-Tennis oder beim Cornhole. Wir verstehen uns gut, da entsteht ein Spirit.

Sie haben erst wenige Länderspiele gemacht, sind aber doch nicht mehr ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 23/2022 von Union ist der Baustellen-Meister der Liga. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Union ist der Baustellen-Meister der Liga
Titelbild der Ausgabe 23/2022 von LESER-MEINUNG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESER-MEINUNG
Titelbild der Ausgabe 23/2022 von Die Nagelsmann - Revolution. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Nagelsmann - Revolution
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Die Nagelsmann - Revolution
Vorheriger Artikel
Die Nagelsmann - Revolution
Kehl zieht ins Zorc-Büro
Nächster Artikel
Kehl zieht ins Zorc-Büro
Mehr Lesetipps

... wegzudenken aus der Nationalmannschaft.

Das ist für mich surreal. Ich habe erst 65 Bundesliga-Spiele absolviert, wenige Länderspiele, aber ich fühle mich als vollwertiger Teil der Nationalmannschaft. Ich war in jedem Lehrgang unter Hansi Flick dabei, fühle mich voll dazugehörig. Trotzdem muss ich meine Leistungen im Liga-Alltag weiter bestätigen, dann hoffe ich, bei der WM dabei zu sein. Wenn ich im Kader für Katar bin, dann hoffe ich auch auf meine Chance auf die Startelf. Ich versuche, dem Team einen Mehrwert zu geben, egal ob ich Herausforderer bin oder nicht.

„In einem dreiviertel Jahr habe ich zwölf Kilo draufgepackt“

Ihr Selbstvertrauen wird immer hervorgehoben. Nach dem Motto: Selbst wenn hinten ein Bock unterläuft, wird eben vorne ein Tor geschossen! Woher nehmen Sie dieses Selbstverständnis, wieso macht Sie nichts nervös?

Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Trotz allem muss ich zugeben: Als am Ende der Saison die Wechselgerüchte aufkamen, habe ich ein paar Fehler mehr gemacht. Es war für mich nicht leicht, mich nur auf Fußball zu konzentrieren. Grundsätzlich bin ich aber ein Typ mit sehr viel Selbstvertrauen. Durch gute Spiele ist mein Selbstvertrauen immer weiter nach oben gegangen. Ich kam in einen Flow. So kamen Spiele wie in der Rückrunde gegen Wolfsburg (3:2-Sieg für Freiburg; d. Red.) zustande: Erst leiste ich mir hinten einen Bock, dafür haue ich die Kugel dann vorne rein. Alles hat zusammengepasst. Am liebsten ist mir aber: kein Fehler, kein Tor. Ich will mich aufs Verteidigen konzentrieren, und die Stürmer sollen die Tore schießen.

Wann hat es bei Ihnen Klick gemacht? Kam das mit dem Wechsel 2020 zu Union Berlin?

Das war der bislang wichtigste Schritt meiner Karriere. Das Jahr zuvor in Freiburg hatte ich kaum gespielt, ich habe mir viele Fragen gestellt: „Bin ich schuld? Hat der Trainer etwas gegen mich?“ Bei Union bin ich relativ gut gestartet, dann kamen zwei Verletzungen. Danach habe ich einen super Draht zu einigen Spielern gefunden, unter anderem zu Loris Karius. Der hat mich dann in die Welt des Krafttrainings eingeführt (lacht) …

Der Torwart gilt als Fitness-Fanatiker.

Ich habe mich gut mit Loris verstanden. Da ich groß bin, zu dem Zeitpunkt aber relativ schlank war, hat er gesagt: „Lass uns mal gemeinsam in die Muckibude gehen und anfangen.“ Das haben wir durchgezogen. Ich wurde in meinem Auftreten stabiler, habe mich besser gefühlt und hatte ein super Halbjahr bei Union. Das hat mir für die Rückkehr nach Freiburg einen Push gegeben. Dort habe ich dann direkt einige Jungs animiert, das Krafttraining weiter mit mir zu betreiben. Dort waren wir seitdem auch viel in der Muckibude.

Wie viel Muskelmasse haben Sie gewonnen?

Wie viel Muskelmasse es genau ist, weiß ich nicht. Insgesamt habe ich in einem dreiviertel Jahr zwölf Kilo an Gewicht zugenommen, das ging relativ schnell. Mir macht das immer noch Spaß, bei der Nationalmannschaft gehe ich gerne mit Leon Goretzka, Serge Gnabry oder David Raum in die Kraftkammer. Klar geht das nicht am Tag vor dem Spiel, aber grundsätzlich habe ich nicht das Gefühl, dass mich die Muskeln einschränken, beispielsweise in der Beweglichkeit. Ich habe Krafttraining als Routine eingebaut, gehe drei- bis viermal – manchmal auch fünfoder sechsmal – die Woche ins Gym. In den Zweikämpfen habe ich gemerkt: Es ist nicht mehr so leicht, mich wegzuschieben.

„Von Hummels habe ich mir viel abgeschaut“

Mit Niklas Süle bilden Sie künftig bei Borussia Dortmund die Verteidigung. Süle erklärte in SPORT BILD bereits, dass er mit dem BVB Meister werden will. Da darf ein Mann mit Ihrem Selbstvertrauen eigentlich nicht widersprechen …

Ich will den maximalen Erfolg in Dortmund. Sebastian Kehl hat aus meiner Sicht sehr gute Transfers getätigt. Die Mannschaft war ohnehin schon gut und wurde jetzt super verstärkt. Wir wollen die Bayern herausfordern. Wenn es am Schluss reicht, Meister zu werden, dann wollen wir selbstverständlich attackieren. Wir müssen versuchen, eine Konstanz reinzubekommen, die in den vergangenen Jahren vielleicht etwas gefehlt hat. Dann haben wir eine Chance!

Beim FC Bayern prägt die „NewGen“ um Kimmich, Gnabry und Goretzka seit Jahren den Verein. Kann in Dortmund mit Ihnen, Adeyemi, Süle & Co. eine ähnliche Erfolgs-Generation, ein neuer Geist entstehen?

Das hoffe ich! Dortmund hat drei deutsche Nationalspieler verpflichtet, dazu Salih Özcan, der alle deutschen U-Nationalmannschaften durchlaufen, sich nun aber für die Türkei entschieden hat. Ich verstehe mich mit Karim seit der U21-EM, die wir zusammen gewonnen haben, sehr gut, wir waren dauerhaft in Kontakt, ich habe ihn auch immer wieder gefragt: ,Gehst du zum BVB?‘ Über seine Entscheidung habe ich mich sehr gefreut. Mit Niki habe ich ohnehin einen guten Draht, wir sind ähnliche Typen mit einer ähnlichen Spielweise. Ich hoffe, dass ein Spirit entsteht und wir über Jahre etwas in Dortmund prägen können.

Wie definieren Sie selbst Mentalität?

Auf dem Feld vorangehen, seine Leistung bringen. Ich bin keiner, der nach einem schlechten Spiel sagt: „Wir waren alle nicht gut.“ Nein, dann spreche ich über MEINE Leistung. Die Jungs, die jetzt verpflichtet wurden, kennzeichnet die Mentalität, dass sie den maximalen Erfolg wollen. Ich habe als Innenverteidiger einen guten Blick aufs Feld: Wenn mir etwas nicht passt, artikuliere ich das. Wenn man auf dem Feld mal eine Meinungsverschiedenheit hat, ist das doch nicht schlimm. Das kann gut für das Klima sein! Danach in der Kabine reicht man sich dann eben wieder die Hand.

Mats Hummels soll sich schon im vergangenen Jahr bei den Verantwortlichen für Ihre Verpflichtung intern starkgemacht haben.

Das habe ich nicht gewusst. Aber es freut mich, wenn so ein verdienter, großer Spieler so über mich spricht und positiv von mir angetan ist. Ich glaube, dass wir uns gut verstehen werden. Ich habe mir von Mats Hummels früher viel abgeschaut, als er beim DFB mit Jérôme Boateng in der Innenverteidigung das Nonplusultra auf der Welt war. Klar, wir spielen auf derselben Position, haben einen Konkurrenzkampf. Aber das müssen wir ausblenden: Der Verein muss über allem stehen. Wir haben mit Mats, Niki, Manuel Akanji, Soumaïla Coulibaly und mir eine gute Besetzung für die Innenverteidigung. Damit können wir dem Team einen Rückhalt geben.

„Wenn mir etwas nicht passt, artikuliere ich das“

Bei Ihrer Unterschrift gingen Sie noch davon aus, dass Marco Rose Ihr Trainer wird …

Ich hatte mit Marco gute Gespräche, die Trennung hat mich überrascht. Wobei ich zu diesem Zeitpunkt noch bei Freiburg unter Vertrag stand und mich voll auf das DFB-Pokalfinale konzentriert habe. Mit Edin Terzic hat der Verein eine super Lösung gefunden. Wir haben schon telefoniert, ich glaube, dass wir gut harmonieren werden.

Der FC Bayern hat nach SPORT BILD-Informationen im letzten Moment versucht, beim Transfer mit dem BVB dazwischenzugrätschen und Sie zu holen. Wie heiß war der Flirt mit dem Meister?

Ich rede nicht gerne über andere Vereine. Es gab viele Anfragen, aber ich habe mich ganz bewusst für Dortmund entschieden: Der Verein hat eine Vision, hat mir einen klaren Plan aufgezeigt. Ich habe Bock auf den BVB! Was ich verraten kann: Ich hätte bei anderen Vereinen mehr verdienen können. Ich bin erst 22 Jahre alt, Geld ist nicht das Wichtigste für mich. Der Verein Borussia Dortmund hat es mir angetan: Ich will dort die Geschichte fortsetzen, Titel sammeln.