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„Ich hatte keine einfache Zeit“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 45/2021 vom 10.11.2021

BUNDESLIGA

FLORIAN KOHFELDT

Artikelbild für den Artikel "„Ich hatte keine einfache Zeit“" aus der Ausgabe 45/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

SPORT BILD: Herr Kohfeldt, vor Ihrem Engagement beim VfL Wolfsburg waren Sie fünf Monate und erstmals in Ihrem Leben ohne Job. Wie war das für Sie?

FLORIAN KOHFELDT (39): Die erste Zeit habe ich sehr genossen. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in den Urlaub geflogen, ohne einen Rückflug zu buchen. Dann habe ich meinem Berater Marc Kosicke gesagt, dass er mich bis zu meinem Geburtstag am 5. Oktober nicht anzurufen braucht. Egal, was kommt.

Warum? Diese Zeit musste ich mir nach meiner Tätigkeit bei Werder Bremen nehmen. Danach hatte ich dann das Gefühl, wieder frisch zu sein. Und es begann auch die innere Unruhe. Was passiert? Kommt ein Angebot?

Wie lange mussten Sie nachdenken, als sich Wolfsburg gemeldet hatte?

Es ist ja inzwischen bekannt, dass ich auf Fuerteventura war, als mich Jörg Schmadtke (Wolfsburg- Boss; d. Red.) kontaktierte.

„Ich habe gelernt, ...

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... dass Emotionalität nicht immer gut ist“

Es hat sich in zwei sehr intensiven Tagen und Nächten entschieden. Das persönliche Verhältnis zu Jörg und Marcel Schäfer (VfL- Sportdirektor; d. Red.) war sofort da, die Kaderqualität ist gut, die Arbeitsbedingungen in Wolfsburg sind absolut top. Ich hatte sehr schnell ein gutes Gefühl, von daher ist mir die Entscheidung sehr leichtgefallen.

Haben Sie sich keine Pro- und Contra-Liste gemacht, um zu entscheiden?

Nicht konkret zu diesem Angebot. Aber ich hatte mir in der Zeit, in der ich ohne Job war, Gedanken gemacht, welche Rahmenbedingungen ich gern bei meinem nächsten Verein vorfinden würde. Welche No-Gos gibt es für mich? In Wolfsburg gab es nicht ein einziges No-Go.

Am Dienstag vor einer Woche feierten Sie gegen Salzburg Ihr Debüt in der Königsklasse.

Das war der Wahnsinn, das muss ich ehrlich sagen. Als vor dem Spiel die Hymne gespielt wurde, davon habe ich als kleines Kind geträumt – zwar eher davon, als Spieler auf dem Platz zu stehen als daneben, aber das hatte sich bei mir ja früh erledigt (Kohfeldt spielte für Werders 3. Mannschaft; d. Red.).

Sie trugen ein Sakko, in Bremen in Ihren Anfangs- Jahren immer einen Trainingsanzug. Was gefällt Ihnen besser?

Ich hatte in der vergangenen Saison in Bremen schon keinen Trainingsanzug mehr getragen. Ich ziehe generell lieber einen Hoodie, also etwas Bequemeres, an Bundesliga- Spieltagen an. In der Champions League darf es dann gern ein sportlicher Anzug sein.

Werden Sie aus dem VfL einen dauerhaften Champions-League- Teilnehmer machen?

Unser Ziel ist es, stabil um die europäischen Plätze mitzuspielen. Das sollte unser Anspruch sein. Ich glaube, dass es ein realistisches Ziel ist – und keine Träumerei. Weil die Kader-Qualität und die Struktur, die hier über Jahre aufgebaut wurde, einfach die Möglichkeiten hergeben.

Sie galten zu Beginn Ihrer Profi-Trainer-Zeit als Juwel und wurden als neuer Jürgen Klopp gefeiert. Am Ende war die Kritik an Ihnen groß. Welche Erkenntnis haben Sie daraus gezogen?

Stimmt, es gab extreme Phasen in beide Richtungen. Und es war zum Schluss keine einfache Zeit für mich. Auch wenn ich in Bremen, wenn ich beispielsweise durch die Stadt gelaufen bin, immer breiten Zuspruch und Aufmunterung bekommen habe. Ich glaube, das liegt an einem Fakt, auf den sich auch der VfL Wolfsburg immer verlassen kann. Ich habe mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht, aber ich versuche immer, mit vollem Herzen und mit kompletter Hingabe für den Verein und die Mannschaft zu entscheiden und nie aus Überheblichkeit oder damit ich dabei gut aussehe.

„Ich habe jede Entscheidung immer für Werder getroffen, nie für mich selbst“

Der Bremer Abstieg wird eng mit Ihnen in Verbindung gebracht. Welche Fehler haben Sie zum Schluss bei Werder gemacht?

Ich habe gelernt, dass Emotionalität nicht immer gut ist. Manche Entscheidungen brauchen einen Tick mehr Rationalität. Ich hatte in Bremen – wahrscheinlich durch meinen engen Bezug zum Verein – manchmal ein bisschen zu viel Romantik.

Ist es einfacher, rationale Entscheidungen bei einem Verein zu treffen, von dem man nicht Fan ist?

Es ist nicht mein Ziel, in Wolfsburg jetzt kühl rüberzukommen. Ich möchte von Anfang an gute stabile menschliche Beziehungen aufbauen. Ich habe in jeder Antrittsrede gesagt: Mir ist ein menschlicher

Sie hätten im Sommer Ihr 20-Jahr-Jubiläum bei Werder gefeiert. Wie weh tat die Entlassung im Mai vor dem letzten Spieltag?

Ich habe jede Entscheidung immer für Werder getroffen, nie für mich selbst. Wenn die Verantwortli-Umgang extrem wichtig. Egal, mit wem. Ich habe aber auch gesagt, dass ich das beweisen muss. In Bremen musste ich das niemandem beweisen, dort kannten sie mich alle. chen zum Entschluss gekommen sind, es war besser, sich zu trennen, dann war das absolut legitim. Ich hege null Komma null Groll gegenüber dem Verein oder den Verantwortlichen. Ich hatte ein schmerzliches Ende, was die Tabellensituation angeht. Aber ich bin weiterhin in großer Sympathie mit Werder verbunden. Da ist nichts kaputtgegangen.

Werder-Manager Frank Baumann sagte zuletzt: Man hätte sich vielleicht eher von Ihnen als Trainer trennen sollen. Was denken Sie darüber?

Auch das ist absolut legitim. Ich halte Frank Baumann nach wie vor für einen sehr guten Manager. Es gibt keine Aussage von ihm, die mich gekränkt oder gestört hat. Wir haben uns seitdem mehrfach gesehen und können uns guten Gewissens in die Augen schauen.

Sie haben nach dem Aus in Bremen Ex-Spieler befragt, wie Sie intern gewirkt haben.

Was haben Sie da erfahren?

Als ich im Spätsommer die vergangenen Jahre reflektiert habe, habe ich mit unterschiedlichen Menschen gesprochen: aus dem privaten Umfeld, mit Trainerund Funktionärskollegen, mit Experten außerhalb des Fußballs und mit Spielern, die für mich der wichtigste Faktor im Fußball sind. Ich habe zum Beispiel mit Davy Klaassen geschrieben oder mit Theo Gebre Selassie gesprochen, wie sie mich wahrgenommen haben. Ein Punkt dabei war mein Verhalten am Spielfeldrand.

Was wurde Ihnen gesagt?

Dass viel Energie da ist, dass sie merken, dass ich bei ihnen bin. Aber auch, dass es Momente gab, in denen Ruhe und Souveränität der Mannschaft besser getan hätten.

„Ich bin der Trainer und entscheide. Da bin ich sehr autoritär“

Ihr neuer Boss Jörg Schmadtke gilt als Grummler, mit dem es Trainer nicht immer einfach haben. Wie war Ihr Start mit ihm?

Der erste Eindruck war sehr positiv. Wenn es da einen Ruf in diese Richtung geben sollte, könnte ich ihn nicht bestätigen. Ich empfinde ihn als sehr herzlich und konstruktiv. Dass mich der Geschäftsführer vor unseren Gesprächen persönlich vom Flughafen abholt, ist alles andere als selbstverständlich. Ich werte das als Zeichen großer Wertschätzung. Ich finde, man reduziert bei Jörg alles auf wenige Momente.

Wie meinen Sie das? Er hat mit sehr vielen Trainern sehr lange zusammengearbeitet. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir diese Daten vorher auch angeschaut. Ich habe zudem das Gefühl, dass er stark am Inhalt interessiert ist, einen Austausch haben und mitgenommen werden möchte. Das finde ich legitim und genau richtig. Er ist der Chef, ich bin der Angestellte. Ich möchte einen Vorgesetzten haben – und zwar einen, mit dem ich mich austauschen kann. Inhaltlich kann das gern auf Augenhöhe sein. Ich halte genau das für eine gesunde Arbeitsstruktur.

Dürfte Ihnen Schmadtke in die Aufstellung reinreden?

Wir können immer darüber sprechen, am Ende entscheide ich darüber. Das ist aber nicht der Punkt: Ich wäre schlecht beraten, mir die Meinung der sportlich Verantwortlichen nicht einzuholen. Als

Trainer hat man oft einen Tunnelblick. Ich halte es für eine Stärke eines Trainers, sich Meinungen und Informationen zu holen, sie zu bewerten und einfließen zu lassen.

Schon in Bremen hieß es, Sie würden gemeinsam mit den Spielern Entscheidungen treffen. In Wolfsburg haben Sie die Spieler noch vor dem ersten Training gefragt, wie sie die Dinge sehen. Wie groß ist das Mitspracherecht der Spieler?

Ich finde es wichtig, dass die Spieler auch ihre Meinung äußern können und habe gern ein gutes und auch lockeres menschliches Miteinander. Aber ich bin der Trainer und entscheide. Da bin ich sehr autoritär. Auf der anderen Seite wäre es zum Scheitern verurteilt, einer Mannschaft meine Spielidee aufzuzwingen, wenn ihre Mentalität und Stärken ganz andere sind. Spieler mitzunehmen ist daher sehr wichtig.

Ist es für Ihre Arbeit ein Vorteil, nun an einem Fußball- Standort zu sein, der nicht so im Blickpunkt steht wie ein großer Traditionsverein?

Eines vorweg: Wolfsburg ist auch schon sehr lange in der Bundesliga dabei. Klar, die mediale Betrachtung ist nicht ganz so hoch wie in München, in Dortmund, in Bremen, in Hamburg oder Köln. Ich sehe das eher als Vorteil an, und es ist angenehm. Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen, das ist nicht mein Ziel.